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Keiner braucht drei Ferraris, auch kein Künstler

Michael Horbach will mit der Kunst der Schickeria und den Superreichen nichts zu tun haben

Das Gespräch haben wir 2013 mit Herrn Horbach geführt. Fast wie im Märchen: Er hat bereits in jungen Jahren Millionen gemacht. Nicht umsonst bemühte sich Veronica Ferres-Freund, Carsten Maschmeyer, einige Zeit intensiv darum, ihm sein lukratives Business mit Erfolg abzukaufen. Die Rede ist von Michael Horbach. Die Erfolgsstory des Aacheners begann schon 1983

Als 23-jähriger Student, kurz nach dem Studium, der Volkswirtschaftslehre nämlich wurde der Sohn eines Pflasterers von seiner damaligen Freundin, einer Medizinstudentin, dazu angehalten, ihr für die Zukunft Tipps bei allen Vorsorge-und Versicherungsfragen zu geben.

Gesagt, getan. Nachdem die Beratung sich schnell in barer Münze auszahlte, ward der Entschluss, aus dem Talent eine Profession zu machen, flink gefaßt. Und so trug es sich zu, dass schon bald Heerscharen potenzieller und gegenwärtiger Gutverdiener ihn umgaben, um seinen Rat einzuholen.

Mit 50 aber machte der smarte Geschäftsmann dann jedoch planungsgemäß Schluß mit der Arbeit und widmete sich seinem eigentlich ebenfalls arbeitsreichen Vergnügen, der Kunst, ganz und gar.

Im Jahre 2000 investierte der langjährige Wahlkölner einen großen Teil des Vermögens in seine Stiftung, die nicht nur Künstler und vor allem Künstlerinnen fördert, sondern auch sozial schwachen Menschen tatkräftig unter die Arme greift.

Im Rahmen seiner Ausstellung mit dem Titel "Mein Cuba" demonstrierte Horbach, dass er sich auch höchst selbst auf die Kunst des Fotografierens versteht.

Heute zeigt mir der Vater eines 38-jährigen Sohnes seine schönen Ausstellungsräume in der Kölner Südstadt und spricht ohne Vorbehalt, Strich und Komma wie ein Mensch von Angesicht zu Angesicht. Von den üblichen Plattitüden von Managern, Moderatoren und Politikern ist der sympathische „Wahlkölner“ weit weg.

Michaela Boland:

Herr Horbach, ihr aktuellstes Kunstprojekt  ist neben  der Verleihung des Fotopreises, welcher in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten gegangen ist, auch die Ausstellung "5 Räume - 5 Ausstellungen", die noch bis zum 20. August 2013 in ihren Kölner Räumlichkeiten zu bewundern ist. Was genau erwartet das kunstinteressierte Publikum hierbei?

Michael Horbach:

Das übergeordnete Thema lautet "Wunden". Zum einen werden wunderschöne Fotografien aus Afghanistan  von Professor Jaro Poncar zu sehen sein. Bei diesen Arbeiten sieht man keine Wunden,  es sind insoweit also keine Kriegsbilder, aber jeder hat diese Bilder bei dem Thema Afghanistan nun mal im Kopf.

Heiner Schmitz präsentiert Fotos aus Palästina. Ihm war es wichtig, bei den Portraitarbeiten an der Mauer, die seit 2004 zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten gebaut wird, Aussagen von betroffenen Menschen in seine fotografische Arbeit einzubinden.

Außerdem stellt Pari Moradi, die erste Stipendiantin der Michael Horbach Stiftung, die 2007 als Autodidaktin mit der Malerei begann,  Zeichnungen aus. Darüber hinaus sehen wir Marcos Zimmermanns Fotos aus Argentinien, sowie die Fotos des diesjährigen Fotopreisträgers, Thomas Karsten, aus Uganda, auf denen Mütter mit ihren behinderten Kindern zu sehen sind.

Michaela Boland:

In den 80-er Jahren haben sie die Kunstgalerie des renommierten Galeristen Hans-Jürgen Müller in  Köln übernommen.

Dort haben sie Künstler wie Blalla W. Hallman unter Vertrag ausgestellt, der kurz vor seinem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt alle ihm verfügbaren eigenen Arbeiten zerstört haben soll und u.a. an der University of California in San Francisco sowie der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelehrt hat.

Sein Werk hat sich vor allem in blasphemischer und obszöner Weise mit existenziellen Grundfragen wie Religion oder Sexualität beschäftigt. Muss es für ihren Geschmack denn immer ein wenig exzessiver sein?

Michael Horbach:

Ich bin in meinem Leben schon immer gegen den Strom geschwommen. Blalla Hallman habe ich damals zunächst übernommen. Er war zu dem Zeitpunkt bereits Künstler der Galerie Hans-Jürgen Müller. Ich hatte zu der Zeit noch meine Firma und habe das Ganze damals noch mehr als Hobby betrieben. So habe ich zuerst einmal einfach sämtliche Künstler übernommen.

Michaela Boland:

Betraf das ebenfalls die bekannte belgische Fotografin und Videokünstlerin Marie Jo Lafontaine, der ihr internationaler Durchbruch 1987 auf der Documenta 8 mit einer Videoinstallation in Kassel gelang?

Michael Horbach:

Nein, die war nicht bei Hans-Jürgen Müller. Sie hatte ich zuvor akquiriert und ausgestellt.

Michaela Boland:

Für die damalige Zeit schon recht außergewöhnlich, nicht wahr?

Michael Horbach:

Ja, das kann man sagen. Ich wollte sie jetzt noch mal ausstellen und habe Kontakt mit ihrem Galeristen aufgenommen. Der hat dann aber gesagt, "Oje, Herr Horbach, die ist inzwischen sehr bekannt und dementsprechend auch anstrengend". Dann hat er mir so ein paar Fakten genannt und dann habe ich gesagt, " Nein, danke, das möchte ich nicht."

Michaela Boland:

Obwohl man sich bereits kennt und einen persönlichen Bezug zueinander hatte?

Michael Horbach:

Ja, aber das ist dann einfach zu anstrengend. Ich habe das lediglich gehört, aber sie soll beispielsweise darauf bestehen, dass jemand ihre Arbeiten aufhängt, der am Tag tausend Euro dafür kassiert.

Die Kisten für ihre Kunstwerke sollen ein Vermögen kosten. Da möchte ich das Geld doch lieber den jüngeren Künstlern zukommen lassen. Außerdem mache ich das ja alles privat, dieses Geld zahle ich nicht aus meiner Stiftung.

Michaela Boland:

Klingt beinahe wie das, was man hin und wieder von exzentrischen Popdiven zu hören bekommt.

Michael Horbach:

Ja, da gibt es Sachen. Jetzt habe ich gehört, dass Andreas Gursky angeblich drei Ferrari fährt. Das ist so eine Geschichte die ich nicht besonders gut finde.

Michaela Boland:

Soweit er es vermag, alle gleichzeitig zu fahren, wäre es doch cool.

Michael Horbach:

(lacht)  Ja, gut.

Michaela Boland:

Der von ihrer Stiftung alle zwei Jahre ausgeschriebene und mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis geht in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten. Worum geht es in dem von ihm dokumentierten Projekt?

Michael Horbach:

Dieses Projekt heißt "Räder für Uganda". Da haben wir 60 Fahrräder gestiftet und Thomas Karsten hat diese vor Ort verteilt. Er hat dort einen Transporter gemietet und ist anschließend durch die Dörfer gefahren und hat die Räder an arme Familien verteilt.

Am Anfang wollten wir das ganze über eine Stiftung organisieren, daher hat er zunächst zwei Fahrräder jener Stiftung übergeben, jedoch hat er schnell gemerkt, dass am Ende doch wieder nur solche Menschen mit den Rädern fuhren, die eigentlich gar nicht so arm waren.

Das sah man dann beispielsweise an solchen Dingen wie Armbanduhren. Insoweit haben solche Projekte nur Sinn, wenn man sie selbst in die Hand nimmt. Die zweite Arbeit, für welche Thomas Karsten den Fotopreis erhält, ist die Ausstellung, die zur Zeit in unseren Ausstellungsräumen hängt. Es geht um Frauen aus Uganda mit ihren behinderten Kindern.

Michaela Boland:

Nicht gerade eine Schön-Wetter-Thematik.

Michael Horbach:

Manchmal muss man durchaus zwei oder dreimal hinsehen, um es überhaupt zu bemerken. Ich finde, die Menschen auf den Fotos präsentieren sich voller Stolz und Selbstbewußtsein. Zwar durchaus zurückhaltend, aber dennoch merkt man, da ist Stolz. Ich halte das für eine gelungene Arbeit.

Michaela Boland:

Ist es grundsätzlich einfacher als Künstler Aufmerksamkeit innerhalb der Öffentlichkeit zu generieren, wenn man sich schlichtweg mit gesellschaftskritischen, sozialen oder unästhetischen Themen befaßt?

Michael Horbach:

Eher nicht. Wenn man Mainstream machen will und einen Galeriebetrieb hat, dann auf keinen Fall. Das hier ist ja keine Galerie, ich verkaufe ja nicht. Die Künstler können in ihrem Namen verkaufen.

Ich gebe nur Geld aus und tue das gerne und bekomme das alles auf irgendeine Art und Weise zurück. Mich interessiert sozialkritische Fotografie am meisten und der mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis sieht das auch als Kriterium.

Michaela Boland:

Man könnte ihren Fotopreis mit rein ästhetisch-schöner Fotografie also eher nicht erhalten?

Michael Horbach:

Auf keinen Fall. Also, ich bin sehr offen für sogenannte schöne und ästhetische Fotografie, habe im ersten Jahr 2011 in diesem Raum eine Ausstellung zum Thema Erotik ausgestellt und da waren sehr schöne ästhetische Fotografien dabei. Insoweit habe ich da überhaupt nichts gegen.

Allerdings empfinde ich die normale Schönheit, die uns immer präsentiert wird, langweilig. Wenn ich also sehe, was uns durch bestimmte Models als Schönheit verkauft wird, dann kann ich nur traurig sein.

Michaela Boland:

Warum wird der Fotopreis nicht jedes Jahr, sondern nur alle zwei Jahre vergeben?

Michael Horbach:

Ich wollte hierfür eine bestimmte Summe ausschreiben und 10.000 Euro sind für einen Fotopreis schon ganz kräftig. Jedes Jahr wäre das ein bisschen viel gewesen. Das kommt ja aus meiner Stiftung. Da habe ich eine größere Summe hineingesteckt als ich meine Firma verkauft habe.

Davon lebt die Stiftung hauptsächlich. Es ist nicht so, dass ich viel akquiriere und sage, "bitte spendet", denn da habe ich zu sehr die Angst, dass der eine oder andere sagt, "du hast Geld genug, mach du das mal".

Michaela Boland:

Heißt das, es gibt einen Topf, aus dem sich bedient wird?

Michael Horbach:

Ja, da ist ein Topf und von Zinsen wird die Arbeit finanziert (Anmerkung Redaktion: Das ist das deutsche Stiftungsgesetz). Darüber hinaus gibt es noch andere Gelegenheiten, bei denen ich dann sage, "o.k., du kannst deine Wohnung mit meiner Kunst ausstatten und dafür spendest du etwas".

Oder, wenn mich Freunde, die es sich leisten können, auf Mallorca besuchen, dann zahlen auch die in die Stiftung ein. Drei-Gewinnerprinzip nenne ich das.

Michaela Boland:

Welche Art von Kunst hängt denn so privat bei ihnen?

Michael Horbach:

Früher, als ich jung war, Blalla Hallmann. Aber das geht heute nicht mehr. Ich möchte heute schon Kunst um mich haben, die positiv wirkt. Ich habe zum Beispiel fünf wunderschöne schwarzweisse Fotografien des kubanischen Fotografen Korda, der einst das berühmte und meistverbreitete Foto der Welt gemacht hat, nämlich das von Che Guevara.

Neben diesem Foto hängt ein wunderschönes beeindruckendes Foto eines Mädchens, das einen Holzscheit als Puppenersatz an die Brust drückt. Korda hat ja immer gesagt, dass er kein Kommunist sei und rein gar nichts mit Kommunismus am Hut habe, aber, dass er Fidelist sei.

Fidel habe alles richtig gemacht und zu diesem Foto hat er speziell gesagt, "ich werde so lange für die Revolution kämpfen bis jedes kubanische Mädchen eine richtige Puppe hat".

Genau das habe ich auch in Kuba erlebt, dass junge Mütter, mit denen ich ins Gespräch kam, zu mir sagten, "wenn du noch mal kommst, kannst du meiner Tochter bitte eine Puppe mitbringen". Außerdem mag ich den italienischen Künstler Salvo oder auch die Kölner Künstler Heinz Zolper und Michael Buthe. Von den jungen Künstlern gefällt mir die Iranerin Pari Moradi

Michaela Boland:

Was tun sie eigentlich in ihrer Freizeit oder sind sie gar rund um die Uhr mit der Stiftungsarbeit beschäftigt?

Michael Horbach:

Ich versuche eine Harmonie zwischen Verantwortung und Vergnügen zu schaffen. Wobei Vergnügen ist, sich mit Kunst zu beschäftigen, viel zu reisen und zu fotografieren. Darum habe ich ja auch meine Firma mit 50 verkauft, weil ich frei sein wollte.

Es gibt so viele schöne interessante Sachen, die ich im Leben kennenlernen möchte. Ich mache zudem auch etwas für meinen Körper und mache Sport.

Michaela Boland:

Was für einen Sport treiben sie?

Michael Horbach:

Ich habe einen Trainer, der zwei Mal die Woche kommt, dann werde ich so richtig gequält.

Michaela Boland:

Einen Personaltrainer?

Michael Horbach:

Ja, denn ich habe einfach Angst, dass ich zu viele Fehler mache, wenn ich allein oder in einer Gruppe Sport treibe. Das kann ich mir nämlich nicht mehr leisten, weil dann meine Knochen noch mehr schmerzen würden.

Michaela Boland:

Mit ihren eigenen Fotos von Kuba, die teilweise augenblicklich noch in ihren Ausstellungsräumen zu bewundern sind, haben sie für große Aufmerksamkeit gesorgt. Zwischenzeitlich ist sogar ein eigener Bildband ihrer Arbeiten erschienen. Wann haben sie selbst damit begonnen, die Kamera zu zücken und zu fotografieren?

Michael Horbach:

Ich habe immer schon geknipst und Urlaubsfotos gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich einen ganz guten Blick habe. Mit der Technik habe ich es nicht so, da kenne ich wirklich nur das Notwendigste.

Allerdings habe ich jetzt auch immer wieder in Fachbüchern gelesen, dass das gar nicht sein muss, wenn man Fotografie künstlerisch betreiben will, wobei ich den Anspruch noch immer nicht erhebe ein Künstler zu sein.

Ich war vor ungefähr sieben Jahren zwei Jahre hintereinander in Argentinien, Buenos Aires, in Patagonien, da habe ich angefangen, intensiver zu fotografieren. Dabei hatte ich immer im Kopf, meiner Umgebung ein anderes Gesicht von Schönheit zu zeigen.

Michaela Boland:

Wie sollte das aussehen?

Michael Horbach:

Gesichter sollten einfach natürlich sein, möglichst ungeschminkt. Gesichter, die auch Spuren aufweisen, da wo nichts bearbeitet wird, wo Augen sind, die einen einfach umhauen. Dafür sterbe ich, dafür lebe ich. Das kann man bei kleinen Kindern bekommen, bei alten Männern oft und bei Frauen natürlich.

Da habe ich schon sehr viele Portraits fotografiert. Ich nehme mir dann Amateure aus der Umgebung, spreche junge Frauen auf der Straße an und sage sofort, "es geht nur um Portraitfotografie, um interessante Gesichter“

Michaela Boland:

Und die sagen dann immer sofort, "ja"?

Michael Horbach:

In der Regel ja, nicht alle, aber der überwiegende Teil schon.

Michaela Boland:

Gab es eine bestimmte Motivation, ausgerechnet kubanische Gesichter für ihre Fotografie zu wählen?

Michael Horbach:

Ich habe Kuba durch mehrere Besuche sehr schätzen gelernt, vor allen Dingen die Menschen, die Lebensweise, die Landschaft und die Natur.

Michaela Boland:

Was zeichnet die Menschen dort ihrer Meinung nach aus?

Michael Horbach:

Dass sie einfach erstens Zeit haben und zweitens in der Regel immer gut drauf sind. Sie sind noch befreit vom Wettbewerb, also dem, was unser System natürlich ganz stark fördert. Außerdem habe ich das Gefühl, die Menschen dort haben noch soziale Bindung.

Die sind zwar materiell arm, aber von denen könnten wir sehr viel lernen. Die sind auf ihre Art auch reich. Beispielsweise vom Charakter her, einfach von der Weise her, wie diese Menschen leben. Und das ist das, was ich zeigen wollte.

Das Negative kennen wir durch unsere Presse zur Genüge. Das ist ja eine Diktatur, die sind ja alle arm und das ist natürlich alles der Kommunismus schuld usw.

Ich wollte da einfach einen Gegenpol bilden und den Menschen, seine Schönheit, seine Heiterkeit und den Reichtum Kubas durch meine Fotografie zeigen und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Die meisten kommen, staunen und sagen: "Ja, die lachen ja alle. Hast du die dazu aufgefordert?" Das habe ich kein einziges Mal gemacht.

Michaela Boland:

Insofern ist die Lebensfreude der Menschen offenbar eine ganz andere als hier bei uns. Woran, glauben sie, liegt das?

Michael Horbach:

Jetzt kann man sagen, das ist das Wetter, das ist die Karibik, o.k. In jedem Fall kann man aber sagen, durch das System wird das nicht zerstört. Dazu kommt, dass auch viele Halbwahrheiten oder Unwahrheiten in unserer Presse stehen.

Es ist ein anderes System und da muss offenbar aus Sicht unserer bürgerlichen Presse immer alles schlecht sein. Ich wäre daher froh, wenn wir so ein Selbstbewußtsein hätten, dass wir zwar auf die Fehler hinweisen, aber vor allen Dingen auch zeigen, wo wir von dem anderen System etwas lernen könnten. Soweit müssten wir eigentlich sein.

Michaela Boland:

Fotografieren sie die Menschen auch schon mal hier in unseren heimischen Gefilden oder gehen sie dafür dann regelmäßig in andere südliche Länder?

Michael Horbach:

Ich habe das schon hier in der Galerie, auch auf Mallorca gemacht, aber sehr oft mit meinem Lieblingsmodel und das ist die Iranerin Pari Moradi.

Michaela Boland:

Die nicht nur Stipendiantin ihrer Stiftung, sondern jetzt auch ihre Lebensgefährtin ist.

Michael Horbach:

Ja (lacht), es macht einfach Spaß, weil sie natürlich ist. Ich brauche im Grunde gar nichts zu sagen (beim shooting), sondern nur abzuwarten und dann zu fotografieren.

Michaela Boland:

Wie alt ist sie?

Michael Horbach:

36.

Michaela Boland:

Wie hat sich die Liebesgeschichte zwischen ihnen beiden entwickelt?

Michael Horbach

Das war eigentlich beim ersten Treffen klar. Manchmal geht das so. Außerdem wollte ich nur eine Marokkanerin oder eine Iranerin als Partnerin haben. Männer haben ja manchmal so einen Spleen. Ich war acht Jahre mit einer Marokkanerin zusammen, aber das ging aus religiösen Gründen nicht mehr, das war alles ein wenig kompliziert.

Pari ist Iranerin, hat aber mit Religion "nichts am Hut", wie man  so schön sagt. Aber der sogenannte Unreligiöse kann religiöser sein als der, der jeden Tag in die Kirche geht. Es kommt immer darauf an, was man tut.

Michaela Boland:

Sie fördern insbesondere KünstlerInnen. Unter anderem auch durch einen mehrmonatigen gesponserten Aufenthalt hier bei ihnen vor Ort. Wie sieht das konkret aus?

Michael Horbach:

Ich habe hier auch ein Atelier, das ich jungen Künstlerinnen aus dem Ausland für drei bis sechs Monate zur Verfügung stelle. Sie erhalten ein kleines Stipendium, das mit einer monatlichen Zahlung von 300.- bis 600,- Euro verbunden ist. Sie können hier arbeiten und wohnen. In der Regel mache ich auch anschließend eine Ausstellung.

Michaela Boland:

Welche besonderen Vorteile hat das für die Künstlerinnen? Geht es für Nicht-Europäerinnen in erster Linie darum, Kontakte zu knüpfen?

Michael Horbach:

Ja, natürlich. Meine Vorliebe ist Südamerika und wenn es sich ergibt, sage ich eben, "ja, o.k."

Michaela Boland:

Che Guevara ist übrigens in ihren Ausstellungsräumen, wie ich gerade sehe, auch recht präsent.

Michael Horbach:

Eine Sache, bei der ich emotional immer sehr berührt bin, ist, wenn versucht wird, ihm irgend etwas vorzuwerfen. Che ist ein Mensch, der bestimmt viele Fehler gemacht hat, aber es war Krieg, Revolution. Was soll man da mehr zu sagen? Für mich ist sein Lebensweg einfach etwas besonderes.

Dass er als Medizinstudent in Südamerika diese unglaubliche Armut kennengelernt und sich deshalb verpflichtet hat, in Lepra-Stationen ärztlich tätig zu werden.

Wer macht das? Das sagt doch alles. Es wird ihm vorgeworfen, dass er „während der Revolution Verräter hingerichtet habe. Diese hatten drei, vier Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und hunderte Menschen wurden dabei getötet.

Dass man im Kriegszustand das nicht einfach hinnimmt und selbst irrationale Entscheidungen trifft, das hat die Geschichte in den letzten 2.000 Jahren hundertmal bewiesen.

Heutzutage wird ihm ja auch vorgeworfen, er hätte selbst Leute erschossen. Ob das stimmt, weiß man nicht. Aber, was ist heute? Heute läuft alles vom Schreibtisch aus. Wenn man überlegt, was Amerika so alles in 50 Jahren verursacht hat, aber das sind die feinen Herren hinter den Schreibtischen, die gab es zu allen Zeiten in allen Ländern.

Michaela Boland:

Kommen wir einmal zu ihrer früheren sehr erfolgreichen Karriere als Anlageberater. Sie haben in kurzer Zeit ein Vermögen gemacht. Ist ihnen das leicht gefallen?

Michael Horbach:

Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde dazu gekommen, Unternehmer zu werden. Ich habe das mit Begeisterung gemacht und ich denke, ich habe es auch gut gemacht. Gerade in dieser verrufenen Branche habe ich ein Beispiel dafür abgegeben, dass man es auch ganz anders machen kann und dass es dafür auch einen riesigen Bedarf gibt.

Denn jeder Deutsche braucht in finanziellen Bereichen Beratung. Ob das Finanzierungen und Versicherungen sind oder Existenzgründungen betrifft.

Jeder wünscht sich einen Berater, dem er vertrauen kann und das ist sehr wichtig. Dies wird von Banken und den meisten Finanzdienstleister in der Regel nicht abgedeckt. Wenn man es dann mal anders macht, dann kann man einen Riesenerfolg haben.

Michaela Boland:

Wie schafft man denn dieses Vertrauen?

Michael Horbach:

Nach meinem Studium war es mein Ziel 2000,- DM im Monat zu verdienen. Ich hatte es nicht im Sinn, dass ich Millionär werden muss. Aber wenn man das macht, wozu man super geeignet ist und das auch noch vernünftig macht, dann kommt das Geld von allein.

Ob man vertrauenswürdig ist oder nicht, hängt natürlich auch vom Charakter ab. Da kann man zum Teil gar nichts für, das hat man geerbt. Viele sagen immer zu mir, "dein Vater war genauso". Man kann sehr ehrgeizig sein, man darf arbeiten wie verrückt, aber man sollte ehrlich arbeiten.

Mich hat die fünfte Stelle nach dem Komma auch nicht mehr interessiert, aber mein Prinzip war stets: Ich empfehle dem Kunden immer das, was ich an seiner Stelle auch machen würde.

Das ist eigentlich das eine Geheimnis. Und das zweite Geheimnis ist, dass ich wohl eine Selbstverständlichkeit ausgestrahlt habe. Für mich war immer klar, das hatte ich in mir, "dem anderen kann nichts Besseres passieren als in meine Finger zu geraten".

Michaela Boland:

Klingt recht selbstbewußt.

Michael Horbach:

Ja, in dem Bereich. Ich habe auch Bereiche, in denen ich mit Sicherheit nicht so selbstbewußt bin, wie es immer scheint.

Michaela Boland:

Welche wären das?

Michael Horbach:

Das hat man als Aachener oder Kölner allein durch die Sprache (lacht).  Egal, wo man auftaucht in der Welt, kommt die Frage: "Kommst du aus Köln?"

Michaela Boland:

Sie haben eine langjährige Verbindung zu Köln. Wie oft sind sie noch in der alten Heimat, Aachen?

Michael Horbach:

In Aachen-Würselen steht mein Elternhaus. Ich war in der letzten Woche gerade dort und werde im alten Rathaus und in zwei Krankenhäusern meine Kuba-Fotos ausstellen. Zuerst habe ich mich gefragt, ob das einen Sinn hat, aber dann war mir plötzlich klar, dass gerade kranke  Menschen Trost durch die Lebensfreude erhalten könnten, die die Kuba-Bilder ausstrahlen.

Michaela Boland:

Leben ihre Eltern noch?

Michael Horbach:

Nein, die sind schon mehr als zehn Jahre tot.

Michaela Boland:

Sind sie Einzelkind gewesen?

Michael Horbach:

Nein, ich habe noch einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester.

Michaela Boland:

Sind ihre Geschwister in ähnlichen Bereichen wie sie tätig?

Michael Horbach:

Nein, mein Bruder ist Arbeiter. Er hat Fliesenleger gelernt. Ich war im ganzen Familienumkreis der einzige, der studiert hat. Mein Vater war Arbeiter, Pflasterer, aber höchstwahrscheinlich war er der Beste in Aachen.

Michaela Boland:

Was haben sie aus ihrem Elternhaus an persönlichen Dingen mitgenommen?

Michael Horbach:

Einmal das Vorbild. Ich habe einmal in einer Rede zum 10-jährigen Jubiläum der Firma Horbach als meine Eltern anwesend waren gesagt, "Papa, ich habe im Grunde genommen nichts anderes gemacht als du. Ich habe immer mit viel Pflichtbewußtsein und Emotionen gearbeitet".

Das ist eigentlich dasselbe. "Im Grunde", habe ich gesagt, "bin ich Arbeiter". Auch wenn ich in einem Bereich gearbeitet habe, in dem es um Finanzen ging. Wobei mich die Finanzen, das Geld oder die Geldanlage  selber nie sehr interessiert haben.

Dafür hatte ich später sehr schnell meine kompetenten, qualifizierten Mitarbeiter. Mich hat es interessiert, den Menschen zu gewinnen und zu überzeugen. Sowohl den Kunden in der Beratung als auch später bei der Mitarbeitersuche.

Ich habe nichts lieber getan als zur Uni zu gehen und junge Studentinnen und Studenten, von denen ich dachte, dass sie zu uns passen könnten, anzusprechen. Dann habe ich sie gefragt: "Hören sie mal, Finanzberatung, wäre das was für sie? Sie würden gut zu uns passen." Das habe ich nachdem beurteilt, was von den Menschen herüber kam. Da kann man sich manchmal irren, aber oft hatte ich auch Erfolg.

Michaela Boland:

Was wollten sie eigentlich ursprünglich mal werden?

Michael Horbach:

Ich wollte eigentlich einen Beruf im sozialen Bereich, also beispielsweise in Richtung Gewerkschaften oder Journalismus. Das war eher mein Wunsch. Ich war ein schlechter oder sagen wir, ein durchschnittlicher Schüler, so war das einzige, was ich damals studieren konnte, die Volkswirtschaftlehre.

Ich wußte ehrlich gesagt nicht wirklich, was das ist. Aber da lag genau meine Begabung, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen.

Darum sage ich heute auch immer zu jungen Leuten, "sucht, guckt, wo ihr emotional betroffen seid und nicht, wo man viel Geld verdienen kann und was in fünf Jahren gefragt ist".

Wenn ich kein wirkliches Interesse habe, kriege ich keinen Job, kann vor allen Dingen nicht vernünftig Geld verdienen und die Familie ernähren usw.  Man sollte dahin gehen, wo seine Emotionen liegen. Und wenn es Ethnologie ist, dann eben Ethnologie. Das ist übrigens ein fantastischer Beruf.

Michaela Boland:

Glauben sie an Vorhersehung?

Michael Horbach:

Hm, da bin ich hin und her gerissen. Ich habe nicht so viele Bereiche, wo ich schon weiß, das ist so. Manchmal denke ich, das kann kein Zufall sein, wie jetzt die Geschichte mit meiner Lebensgefährtin.

Auch habe ich durch Zufall Roger Willemsen kennengelernt und das ist eine Freundschaft geworden, von der ich sehr viel profitiere. Ist das Schicksal? Der hat ja nun wirklich sehr wenig Zeit, trotzdem war er hier in meinen Kunsträumen und hat eine Lesung aus seinem Buch "Die Enden der Welt" gehalten.

Ich sage immer, Deutschland bräuchte tausend Roger Willemsens. Von seiner kritischen Einstellung und seinem Hinterfragen her.

Mein Wunsch ist es, dass er irgendwann mal zwei Tage Zeit hat, mit mir auf Mallorca auf der Finca zu sitzen, was er im übrigen schon seit fünf Jahren vorhat, damit er mir vielleicht mal erklärt, wie er es aushält, dieses ganze Wissen darüber zu haben, wie Gesellschaft funktioniert und wie brutal Geld und Macht eine Gesellschaft lenken. Ich würde gerne wissen, wie er das verarbeitet und wie er damit umgeht.

Michaela Boland:

Wie häufig verbringen sie Zeit miteinander?

Michael Horbach:

Er war für die Lesung hier und ich habe zwei Stunden vorher mit ihm gequatscht, da war ich so aufgedreht, dass ich keine Ansprache mehr halten konnte. Und dann hat er zwei Stunden aus seinem Buch gelesen, aber ohne Buch, sondern auswendig.

Danach sind wir noch zu mir herübergegangen und es fiel irgendwo das Stichwort "Afghanistan", da hat er nochmal einen zweistündigen Vortrag über Afghanistan gehalten. Das ist unglaublich (lacht).

Michaela Boland:

Wodurch entstand eigentlich ursprünglich ihre Liebe zur Kunst?

Michael Horbach:

Als ich damals meine Firma hatte, habe ich irgendwann gespürt,  zwei Seelen schlagen, ach in deiner Brust. Ich war ungefähr 25 als ich angefangen habe, Kunst zu sammeln. Damals noch sehr bescheiden. Von meinem Elternhaus her war da ja nichts.

Null Komma null, außer dem, was man natürlich auch braucht, nämlich eine intakte Familie, Wärme, Anstand usw. Das erste Bild habe ich dann mal auf der Art Cologne gekauft. Das war natürlich eine Zeichnung von einer schönen Frau.

Michaela Boland:

So lockt das holde Geschlecht wohl doch immer wieder?

Michael Horbach:

(lacht). Immer und immer wieder. Das wird auch nie enden. Dann habe ich in bescheidenem Maße gesammelt. Dabei habe ich nie die bekannten, also die teuren Künstler gewählt, sondern ständig versucht, junge Künstler zu unterstützen.

Das hat mir einfach emotional mehr Spaß gemacht. Für mich war eben Kunst auch immer so eine Oase abseits des Kapitalismus und abseits vom harten Wettbewerb.

Michaela Boland:

Klingt nach der ausgleichenden Waagschale als Gegengewicht zum wohl eher harten Wirtschaftsbusiness.

Michael Horbach:

So kann man das von außen sehen, aber ich habe es eben gemacht. Mir ging es nie um Business. Ich war, glaube ich, der erste, den Vorstände mit Bart, langen Haaren und Rollkragenpullover empfangen haben.

Ich war immer dagegen. Einige haben das auch nicht kapiert und gefragt, "was will der denn", aber der eine oder andere hat doch gemerkt, da brennt etwas.

Nun gut, irgendwann habe ich auch einen Anzug angezogen und irgendwann hatte ich auch Spaß daran, eine Krawatte zu tragen. Aber Kunst war für mich immer etwas, was nichts mit Kapitalismus zu tun haben darf. Jetzt habe ich mich allerdings durch diese Kunsträume und durch die Stiftung noch einmal damit beschäftigt, was in der Kunst wirklich los ist und das ist gruselig.

Michaela Boland:

Warum geht es teilweise in die falsche Richtung?

Michael Horbach:

Da gibt es Künstler und Galeristen, die sind durch die Kunst Milliardäre. Aber das sind null Komma null ein Prozent. 99 Prozent der Künstler sind froh, wenn sie im Jahr drei oder vier Mal ein Bild verkaufen, so dass sie davon leben können. Mit speziell jener Kunst, die inzwischen auch ganz klar von der Schickeria und den Superreichen besetzt ist, will ich nichts zu tun haben.

Michaela Boland:

Ist es ihnen insoweit ein regelrechtes Anliegen, dort eine Gegenströmung als Akzent zu setzen?

Michael Horbach:

Ja, genau. So will ich beispielsweise in meinen Kunsträumen künftig Rheinländer ausstellen, die schon eine gewisse Vita haben und schon bekannt sind. Aber eben keinen Richter oder Polke. Die sind in Museen, die brauchen das nicht.

Dann will ich in einem Raum drei bis vier Mal im Jahr junge Künstler ausstellen, aber auch ältere Künstler, die gut sind, es aber nicht mehr in bekannte Galerien schaffen, weil sie für diese nicht mehr lukrativ sind. Solche, die quasi bereits ein bisschen vergessen worden sind, denen will ich auch eine Heimat geben.

Michaela Boland:

Mit ihrer Stiftung wollen sie ja neben Künstlern auch armen Menschen helfen. Aus welchem Grund apostrophieren sie auch dabei besonders die Frauen?

Michael Horbach:

Ich denke eben, dass Frauen am meisten benachteiligt werden. Ich will ja besonders armen Familien helfen und da eben insbesondere alleinstehenden Frauen mit Kindern. Denn die haben es nun mal besonders schwer. Bei Künstlern ist es ähnlich. Ich brauche das auch, ich muss mich auch mit dem Weiblichen umgeben.

Mit zu viel Männlichem und diesem ständigem Wettbewerb, das gegenseitige Aufplustern, das muss ich in meinem Alter nicht mehr haben. Ich bin davon überzeugt, dass es uns wesentlich besser ginge, wenn Frauen die Welt regieren würden. Natürlich keine Margaret Thatcher. Also, wenn Frauen schlimmer werden als Männer, naja.

Michaela Boland:

Daraus ist wohl zu schließen, dass sie kein Anhänger der Politik der kürzlich verstorbenen eisernen Lady waren?

Michael Horbach:

Nein, die ganze neo-liberale Wirtschaftstheorie- und Politik hat entsetzlichen Schaden in der Welt angerichtet. Da gibt es tolle Bücher drüber und wenn man das liest, dann denkt man, das kann nicht wahr sein. Aber sogar Sozialdemokraten sind zeitweise darauf reingefallen.

Deregulierung der Märkte heißt ja nichts anderes als dass das Geld frei und ohne Beschränkung wandern können muss. Das ist genau das Falsche. Dadurch haben wir jetzt eine Weltwirtschaftskrise, die sehr wahrscheinlich 50 Millionen mehr Hungernde besorgt hat.

Michaela Boland:

Also sind doch nicht nur Lehman Brothers die Buhmänner, wozu man sie so gerne gemacht hat, soweit der Ursprung des ganzen Desasters in Wahrheit wesentlich weitreichendere Ursachen aufweist?

Michael Horbach:

Ja, das ganze ist ja auch vorbereitet worden durch eine Philosophie, die wie Adam Smith sagt, "Das freie Spiel der Kräfte" lautet. Da ist eine unsichtbare Hand, die regelt alles.

Die regelt zu 90 Prozent alles, aber es gibt eben 10 Prozent, wo bei Angebot und Nachfrage der Marktmechanismus nicht funktioniert, sondern Stilblüten in die Welt setzt.

Menschen, die gesellschaftlich wertvollste und harte Arbeit leisten, wie Krankenschwestern und Pfleger, die von ihrem Geld kaum leben können, stehen beispielsweise Angestellten bei der Deutschen Bank gegenüber, die mit Derivaten spekulieren und zum Teil 20 Millionen Jahreseinkommen haben.

Man sagt uns ja immer, "wer viel Geld verdient, der schafft auch viele Werte. Die haben eine Weltwirtschaftsfinanzkrise geschaffen. Und da sage ich, das kann man nicht laufen lassen. Da bin ich wirklich erbitterter Gegner jeder liberalen Wirtschaftspolitik.

Und das ist der große Fehler der FDP, dem Markt total zu vertrauen. Ich sage, der demokratisch legitimierte Staat muss eingreifen, wo der Marktmechanismus nicht funktioniert. Das ist seine Pflicht, dafür ist er gewählt.“

Michaela Boland:

Wie sollte konkret eingegriffen werden?

Michael Horbach:

Man muss nach unten korrigieren. Wenn ich höre, "wir leben in einer Zivilisation" und dann gibt es welche, die für fünf Euro hart arbeiten, dann ist das ein Widerspruch. Das geht nicht. Genauso oben.

Es kann nicht sein, dass auch von Politikern gesagt wird, wenn einer zehn Millionen im Jahr verdient, dann hat der keine Lust mehr, wenn er nicht die Möglichkeit hat 15 Millionen zu verdienen oder wenn er nur zwei Millionen verdient, dann sei er demotiviert.

Was ist das für ein Menschenbild? Wenn das stimmen würde, dann sage ich, "gute  Nacht". Die Politiker, die so etwas von sich geben, und das sind ja nun eher mal die Liberalen und Konservativen, die müssten mal darüber nachdenken, was sie für ein Menschenbild haben .

Michaela Boland:

Was kann man ihrer Meinung nach, abgesehen vom Absehen davon, sein Votum zum nächsten Stimmabgabezeitpunkt erneut in gleicher Weise zu setzen, denn dagegen unternehmen?

Michael Horbach:

Mehr Demokratie. In allen Bereichen mehr Demokratie.

Michaela Boland:

Lohnt es sich heute noch, auf die Straße zu gehen?

Michael Horbach:

Das ist natürlich ein Mittel, um zu zeigen, wir sind wach. Es gibt durch Facebook oder Youtube ja inzwischen auch andere Mittel oder was auch immer.

Michaela Boland:

Etwa die sogenannten Shitstorms?

Michael Horbach:

Ja. Ich denke, links sein, kann nur bedeuten, mehr Demokratie und mehr Kontrolle zu fordern. Und da haben wir viel zu wenig. Alle vier Jahre mal wählen zu gehen, das ist der Anfang.

Michaela Boland:

Würden sie insoweit in einer verkürzten Legislaturperiode eine mögliche Lösung sehen?

Michael Horbach:

Hm, eher einfach ein wenig mehr Basisdemokratie. Ich bin ganz klar dafür, dass erstens die, die die Krise verursacht haben, und das sind nun mal die Reichen, mit dazu beitragen, dass wir aus der Krise herauskommen. Ich bin derjenige, der auch Interviews zum Thema Reichensteuer gibt. Also, ich bin bereit dazu, deutlich mehr Steuern zu zahlen.

Michaela Boland:

Würden sie in dem Zusammenhang auch die augenblickliche Politik der EU auf Zypern hinsichtlich der Enteignung Reicher als gerechtfertigt und moralisch vertretbar ansehen?

Michael Horbach:

Ich versuche, möglichst nur noch den Kulturteil zu lesen und Politik nur so im Groben, nicht mehr so sehr in die Tiefe gehend, denn ich will mich emotional nicht mehr so hinein begeben.

Ob die in Zypern jetzt damit die Richtigen packen, also, ob wirklich die Milliardäre, die da anlegen, jetzt auch zehn oder zwanzig Prozent ihrer Einnahmen zahlen, ist fraglich.

Wenn das so wäre, dann wäre das o.k. Wenn Europa, also die anderen Steuerzahler, nicht helfen würden, dann wären die Einlagen auch sehr wahrscheinlich sehr viel weniger wert.

Die Frage ist nur, und da bin ich sehr skeptisch, trifft es wirklich die, die man treffen will? Wir müssen den Markt da regulieren, wo er nicht funktioniert.

Das ist ja auch in dem System der Marktwirtschaft möglich, denn da wo keine Marktwirtschaft mehr ist, weil Monopole da sind oder Milliardäre regulieren, da muss der Staat eingreifen. Das ist Pflicht, um die Marktwirtschaft zu erhalten. Das hat also nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun.

Michaela Boland:

Und welchen Ansatz sehen sie da?

Michael Horbach:

Ich habe im Grunde zwei Ansätze: Zurück zu den Zeiten Helmut Kohls und der war kein Sozialist. Da zahlte man aber 53 Prozent Steuer. Da gab es Vermögenssteuer. Heute werden unglaubliche Leitartikel in der FAZ und so weiter darüber geschrieben, dass Vermögenssteuer überhaupt nicht ginge.

Vor 15 Jahren ging das noch. Das würde überhaupt nicht funktionieren und wäre auch rechtlich gar nicht möglich. Da denke ich, "nanu, wo sind wir denn? Wir hatten es doch".

Das Zweite, was ich vorschlage, ist folgendes: Ich würde mir wünschen, das dass, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, wieder rückgängig gemacht wird. Dass wir also wieder die Verteilung haben wie bei Helmut Kohl.

In den letzten zehn Jahren hat ja eine eindeutige Umverteilung stattgefunden, aber von unten nach oben. Ich will zwar keine Umverteilung von oben nach unten, ich will nur wieder, dass das, was in den letzten zehn Jahren passiert ist,  rückgängig gemacht wird. Bin ich jetzt Sozialist?

Michaela Boland:

Dass insoweit also die Ober- und Unterschicht nicht mehr so weit auseinanderklafft und die Mittelschicht droht, gänzlich wegzukippen?

Michael Horbach:

Genau. Es werden ja immer Zahlen genannt. Zehn Prozent der Deutschen gehört 50 Prozent des Vermögens. Die Zahl ist nicht schön, aber viel schlimmer finde ich die Zahl, die dafür steht, wieviel die 50 Prozent von unten aus betrachtet an Besitz haben. Wissen sie das?

Michaela Boland.

Nein.

Michael Horbach:

1,2 Prozent. Es waren vier Prozent vor ca. sieben oder acht Jahren und das ist auf 1,2 herunter gegangen. Das ist die schlimmste Zahl und die liest man  viel zu selten. Und das macht klar, dass etwas passieren muss.

Michaela Boland:

Wenn man ein derart soziales Denken hat, wie es offenbar bei ihnen der Fall zu sein scheint, inwieweit berührt einen dann, wenn man erfährt, dass ausgerechnet das Unternehmen, an welches sie wahrscheinlich zu keinem allzu schlechten Kurs ihre Firma veräußert haben, öffentlich stark ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, weil ahnungslose Kunden durch Fehlberatung im Hinblick auf den Erwerb hochriskanter Anlagen um ihr Erspartes gebracht wurden?

AWD-Kunden soll ja bereits von verschiedenen Gerichten Schadensersatz zugesprochen worden sein. Ihr Lebenswerk steckte nun mit im Unternehmen, was war das für ein Gefühl?

Michael Horbach:

Ja, das war ja immer so. Ich merke dadurch eben, was für eine tolle Arbeit die Firma Horbach macht. Die Firma Horbach besteht ja vom Namen her noch, sie nennt sich jetzt Horbach Finanzplanung. Das war ja AWD und dann hat der Maschmeyer an Swiss life, eine Schweizer Versicherungsgesellschaft, verkauft.

Den Name AWD gibt es nun nicht mehr. Aber Horbach gibt es noch. Bei Hannover 96 gibt es sogar jetzt Bandenwerbung, da steht Horbach Finanzplanung für Akademiker. Wenn es 20 solcher Firmen gäbe, sähe es in der Finanzberatung besser aus.

Das Problem sind ja die Strukturvertriebe. Der größte ist, glaube ich, DVAG. Die haben ungefähr 10.000 Mitarbeiter, wie die allerdings ausgebildet werden, ist eher ein Wahnsinn. Die tun so als wenn sie Makler wären, sind aber im Grunde ein Firmenvertreter der AachenMünchener.

Wenig Ausbildung und viele arbeiten nur nebenberuflich. Auch wenn die Mitarbeiter es gut meinen würden. Sie können es nicht anders. Sie können nicht ordentlich beraten. Darum habe ich immer gesagt, man sollte als Berater möglichst ein abgeschlossenes Studium mit sich bringen.

Es gibt zwar auch Berater ohne Studium, die hervorragend sind, aber die mit Studium wollen in der Regel einen Beruf ausüben und nicht nur einen Job machen. Als ich an AWD verkauft habe, war außerdem meine Bedingung, dass es keinen Strukturvertrieb und keine nebenberufliche Mitarbeiter mehr gibt. Das hatte Maschmeyer mir zugesagt.

Die Idee war, durch unser Geschäftsmodell AWD beeinflussen zu können. Und Maschmeyer hat mir am Anfang auch ganz klar das Gefühl gegeben, dass er sich daran hält. Der Maschmeyer ist ja ein sehr Geschickter.

Das hat zwar gedauert, aber irgendwann, als die merkten, dass wir weiterhin super super erfolgreich waren, da hat der schon geguckt nach dem Motto: Was ist los? Und dann ist die eine oder andere Leitidee oder Vision vom AWD übernommen worden.

Michaela Boland:

Wie kam es überhaupt zum Verkauf an Carsten Maschmeyers AWD?

Michael Horbach:

Natürlich gebe ich auch gerne zu, dass ich mit 50 frei sein wollte. Ich habe mich lange gegen ein Treffen mit AWD, also Maschmeyer, gewehrt. Irgendein Vorstand sagte mir dann, "komm, dann lernst du den doch mal kennen". Eigentlich war der Strukturvertrieb ja mein Feindbild.

Dann habe ich aber irgendwann gesagt, "naja, warum nicht". Und Maschmeyer hat mir den Hof gemacht. Also, das können sie sich nicht vorstellen, aber der kann das.

Michaela Boland:

Also, ist er ein charismatischer Mensch?

Michael Horbach:

Ja. Im Nachhinein muss ich sagen, es war alles richtig. Da war auch kein anderer Interessent. Wir waren seiner Zeit in Deutschland die Nr. 2 und sind es ja heute auch noch. Wir hatten uns ja  auf Akademiker spezialisiert. Das, was AWD gemacht hat, war ja mehr so das Normale. Eigentlich haben die uns nur gekauft, um ihr Ansehen vor dem Börsengang aufzupolieren.

Michaela Boland:

Wie hat sich die Firma Horbach zu dem entwickeln können, was sie wurde?

Michael Horbach:

Meine damalige Freundin wurde mit dem Medizinstudium fertig und sagte zu mir, "du bist kritischer Verbraucher, ein Volkswirt. Was muss ich machen". So ist die Firma Horbach entstanden. Ich habe mich dann schlau gemacht und sie beraten, dann hat sie andere PJ-ler herangebracht.

Irgendwann wusste ich, es gibt Krankenhäuser, wo sich weitere PJ-ler aufhalten, dann bin ich dahin gegangen. (Anmerkung der Redaktion: Als PJler bezeichnet man einen Medizinstudenten bzw. eine Medizinstudentin im Praktischen Jahr oder auch „Hakenhalter“.

Michaela Boland:

Dann haben sie quasi Krankenhäuser nach Kunden abgeklappert?

Michael Horbach:

Ja, ich bin dann vom einen zum anderen gegangen, von einer Empfehlung zur nächsten. Auch heute sage ich noch zu den Leuten, die mich fragen, wie ich das damals gemacht habe, "gib mir einen guten Kunden, der davon überzeugt ist, dass ich alles für ihn richtig gemacht habe, mit dem baue ich die Firma Horbach nochmal auf".

Michaela Boland:

Aber PJ-ler verdienen doch noch kaum etwas und haben früher gar nichts verdient.

Michael Horbarch:

Ja, aber da habe ich die schon beraten und ihr Vertrauen gewonnen. Natürlich gibt es da noch nichts zu verkaufen (verdienen), denn die haben ja noch kein Einkommen. Aber denen konnte ich schon wertvolle Tipps geben wie z.B dass es für das PJ (praktische Jahr) eine kostenlose Berufshaftpflicht gibt usw.

Irgendwann treten sie ins volle Berufsleben ein und dann brauchen sie eine Krankenversicherung. Für die meisten Ärzte ging es darum, "wie kann ich jetzt sparen, also investieren, damit ich später günstig eine Niederlassung finanzieren kann".

Michaela Boland:

Ist speziell die Branche der Anlageberatung dazu geeignet, schnell aus dem Ruder zu laufen?

Michael Horbach:

Maschmeyer ist natürlich einer, der im Mittelpunkt steht und sie deshalb  von rechts und links um die Ohren kriegt. Es gibt ja noch andere. Andere sind eigentlich von dem her, was sie machen, viel viel schlimmer.

Da sitzen dann im Aufsichtsrat irgendwelche Politiker, da kommt keine Kritik. Die werden mit Geld gefüttert und gemeinsame Fotos des Chefs z.B mit dem damaligen Bundeskanzler oder anderen Politikern auf irgendwelchen Veranstaltungen fotografiert.

Und die Mitarbeiter sind dann zu den Kunden gelaufen, zu den alten Omas, und haben gesagt, "gucken sie mal, der Chef mit dem Bundeskanzler. Kann da was  falsch sein? Um Gottes Willen, unterschreiben sie". Das hasse ich bei den Politikern, dass sie sich kaufen lassen.

Nun, was die Strukturvertriebe auf der einen Seite anbelangt, so gibt es da genug Kritik und ich denke, wir haben dadurch schon etwas verändern können. Wenn man sich allerdings mal den ganzen Bereich der Banken ansieht, ist das, was da passiert, noch viel schlimmer.

Dagegen ist der Maschmeyer ein kleiner Wurstel. Als die Firma Horbach größer wurde, hat man mir gesagt, "du musst einen Namen haben, du musst die Deutsche Bank als Bankverbindung haben". So bin ich dort Kunde geworden. Aber, wenn ich den Ratschlägen der Deutschen Bank gefolgt wäre, hätte ich die Hälfte meines Vermögens verloren.

Also, was die Banken da machen und was da passiert, nehmen wir zB die Steueroasen, ist das doch viel schlimmer. Das mit den Banken, das können sie über Jahrhunderte hinweg zurück verfolgen. Es war immer so. Die Banken haben die Politik nicht nur beeinflusst, sondern auch die Macht über die Politik gehabt und das ist bis heute so.

Michaela Boland:

Das Sprichwort "Geld regiert die Welt" trifft also ausnahmslos zu?

Michael Horbach:

Ja. Es ist so. Darum sage ich, "mehr Demokratie" und ich sage, "es  muss einen Mindestlohn geben", denn alles andere ist menschenunwürdig  und hat nichts mit Zivilisation zu tun. Kein Mensch braucht mehr als eine Million im Jahr zu verdienen.

Wer nur Geld als Motivation hat, wäre bei mir an der falschen Adresse. Eine Gesellschaft lebt davon, dass alle Menschen innerhalb einer Gesellschaft von ordentlichen Einkommen leben können. Das wird heute vernachläßigt.

Außerdem muss man schauen, wen bevorteilt der Marktmechanismus und wen nicht. Wo funktioniert er überhaupt nicht, Beispiel Krankenschwestern und Spekulanten.

Deshalb sollte es oben und unten Grenzen geben. Wenn man demokratisch denkt, muss man verhindern, dass Menschen so viel Geld haben, dass sie zum Beispiel die Presse regulieren können. Ein national-konservativer Peter Scholl-Latour sagt zum Beispiel, "Pressefreiheit? Ja, gibts: für einige Milliardäre"

Michaela Boland:

Pressefreiheit ist nach ihrem Dafürhalten insoweit nicht existent?

Michael Horbach:

In Kuba gibt es drei Zeitungen, das stellt die gesamte Presse dar. Wir haben sehr wahrscheinlich 3000, aber die gehören fünf Milliardären. Also, wo ist der Unterschied? Wenn man es abstrakt sieht, also wirklich einmal über das Kleinkarierte blickt, ist das doch alles ein Einheitsbrei.

Alles, was beispielsweise, Russland, China oder Kuba anbelangt, muss schlecht sein. Ich möchte nicht dort leben, ich möchte auch nicht solche Systeme haben, aber ich möchte, dass wir objektiv sind und nicht dasselbe machen, was wir diesen Ländern vorwerfen.

Michaela Boland:

Woran machen sie das Nicht-Objektive konkret fest?

Michael Horbach:

Ich kann ihnen ein gutes Beispiel nennen. Das betrifft Kuba und ich mache es an meiner eigenen Erfahrung fest. Vor wenigen Monaten kam groß in der Presse, "Endlich Reisefreiheit für Kuba". Vorher hieß es ja immer, die Kubaner sind unfrei, dort herrscht eine Diktatur. Ich habe vor fünf Jahren eine nette Kubanerin aus dem Kulturbereich kennengelernt.

Die wollte auch mal hierher nach Deutschland kommen. Es ging daher zunächst um ein Visum. Also ging sie zur kubanischen Botschaft in Havanna und erhielt sofort ein Visum. Das wird dort für ein Jahr ausgestellt. Das Ganze hat nur einen Haken:

Wenn die Kubaner dann nicht innerhalb eines Jahres nach Kuba zurückkehren, dann heißt es von kubanischer Seite, "dann bleibt draußen". Das Problem sind aber hier wir Deutschen.

Michaela Boland:

Inwiefern?

Michael Horbach:

Nun, meine Bekannte benötigte ja auch ein deutsches Visum für die Einreise. Dafür musste ich sorgen. So ging ich zur deutschen Botschaft. Dort teilte man mir komischerweise mit, " Nein, diese Leute bleiben nachher hier".

Also antwortete ich, " ich habe eine Stiftung und  hinterlege 50.000 Euro als Sicherheit". Da haben sie zuerst gesagt: "Nein, nein, das wollen wir nicht." Aber dann haben sie es nachher doch gemacht.

Also, Tatsache ist, die Kubaner dürfen verreisen, aber wir verhindern, dass die Kubaner frei verreisen können. Ich kann sogar verstehen, dass sie die Kubaner und auch die Afrikaner nur eingeschränkt hierher lassen, denn wir können weder ganz Kuba noch ganz Afrika hier unterbringen. Aber ich möchte zumindest in der Presse die Wahrheit lesen, damit das auch alle verstehen.

Michaela Boland:

Sie halten mit ihrer Meinung glücklicherweise nicht hinterm Berg.

Michael Horbach:

Natürlich ist es einfacher, wenn man mit dem Strom schwimmt. Ich habe immer alles kritisch hinterfragt. Der liebe Gott hat mir nun mal so einen Kopf gegeben. Das tut zwar hin und wieder auch ein bisschen weh, aber so ist es dann eben.

Michaela Boland:

Ist es leichter, nicht mit dem Strom zu schwimmen, wenn man über die finanziellen Mittel verfügt, sich den möglichen Konsequenzen dafür gegebenenfalls nicht ausgesetzt sehen zu müssen?

Michael Horbach:

Nun, ob das einfacher ist? Ich habe den einen oder anderen Kontakt zu vermögenden und eher konservativen Leuten, wo ich mir nicht sicher bin, dass ich sie von meinen Ansichten überzeugen könnte. Gerade hatte ich wieder einen Fall, da dachte ich mir, "ich lasse es einfach, denn das macht mich nur wahnsinnig".

Die sagen dann tatsächlich zu mir, "du bist durch dieses System reich und unabhängig geworden, also schieß jetzt gefälligst auch nicht dagegen".

Dann frage ich zurück: "Moment mal, wo steht das denn geschrieben?" Nun habe ich sehr wahrscheinlich das Glück, dass ich zwar keinen Euro zu Unrecht verdient habe, allerdings habe ich für meine Arbeit viel zu viel verdient.

Der Markt gibt das so her, dass es, wenn du eine Lebensversicherung verkaufst oder ein Haus finanzierst, eben zwei oder viertausend Euro gibt. Jetzt habe ich natürlich nicht gesagt, "nein, ihr braucht mir nur die Hälfte zu überweisen". Klar. Aber, mir ist schon bewußt, dass ich durch drei oder vier Beratungen am Tag das verdient habe, was eine Krankenschwester in drei Monaten verdient.

Michaela Boland:

Ist das auch ein Grund dafür, dass sie heute verhältnismäßig viel an die Gesellschaft zurück geben?

Michael Horbach:

Ich habe mit Sicherheit kein schlechtes Gewissen, weil ich etwas Positives in die Welt gesetzt habe. Gerade in der Branche, wo es am dringendsten notwendig ist.

Denn die Firma Horbach lebt weiter und ist gerade im Hinblick auf das Management mit Menschen besetzt, die mir aus der Seele sprechen. Die sind alle sozial eingestellt und leben den sozialen Gedanken weiter.

Bei mir war es auch schon im Alter von 30 Jahren so, dass ich zehn Prozent meines Einkommens in soziale Belange investiert habe. Das habe ich sowohl während meiner Zeit mit der Firma Horbach so gehalten, als auch später beim Verkauf des Unternehmens.

Augenblicklich wird es zwar nicht mehr im selben Maße von meiner früheren Firma, die nach wie vor meinen Namen trägt, gehandhabt, aber immer noch recht engagiert durchgeführt. Das ist schon irgendwo drin.

Michaela Boland:

Lieber Herr Horbach. Für die Ausstellung sowie alle weiteren Projekte auch weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für dieses Interview.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
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  • GFDK - Interview und Portraits - Michaela Boland
  • |
  • 20.07.2019

Aktuelles - Marketing News

  • Der Sommer kommt zurueck und es wird wieder sehr heiss, was fuer einen Sonnenschutz braucht man Foto GFDK
    die richtige Anwendung von Sonnenschutz
    Jeder Zweite Verbraucher will mehr Informationen zu Sonnenpflegeprodukten

    Nach den etwas kälteren und stürmischeren Tagen kehrt der Sommer diese Woche endlich wieder zurück. Auch nach dem Hitzerekord im Juni gilt dabei stets: Sonnenschutz muss sein! Laut einer Studie des britischen Marktforschungsunternehmens Mintel herrscht bei diesem Thema allerdings immer noch Unklarheit, weswegen jeder Zweite (48 Prozent der deutschen Verbraucher*) von den Herstellern mehr Informationen über die richtige Anwendung ihrer Sonnenpflegeprodukte fordert.

    Verwirrung über die richtige Anwendung von Sonnenschutz

    Obwohl vier von zehn Deutschen (38 Prozent) Sonnenschutzprodukte als bestes Mittel gegen das Auftreten von Alterungsanzeichen erachten, findet über die Hälfte der deutschen Verbraucher (53 Prozent) es schwierig einzuschätzen, ab wann man Sonnenschutz nachcremen sollte.

    Vor allem Jüngere zwischen 16 und 24 Jahren tun sich schwer daran, die richtige Sonnencreme auszuwählen: 44 Prozent dieser Altersklasse ist beispielsweise nicht klar, welchen Lichtschutzfaktor (LSF) sie in bestimmten Wetterkonditionen verwenden sollten, und sogar knapp ein Fünftel (18 Prozent) gibt sich mit den in Hautpflege und Kosmetika enthaltenen LSF zufrieden.

    Unsicherheit gibt es auch gegenüber After-Sun-Artikeln, welche die Haut nach dem Sonnenbaden pflegen und kühlen sollen. So sagt jeder Vierte, dass diese Produkte genauso gut wirken wie normale Feuchtigkeitscremes.

    Alex Fisher, Associate Director für Beauty & Personal Care bei Mintel, erklärt: „Wir alle wissen, wie wichtig es ist, regelmäßig Sonnencreme aufzutragen, besonders nach dem Baden.

    Allerdings kann dies leicht vergessen werden. Besonders jüngere Verbraucher sind beim Thema Sonnenschutz etwas nachlässiger – eventuell liegt dies daran, dass sich jüngere Haut besser regeneriert und langfristige Sonnenschäden noch nicht sichtbar werden.”

    Nachhaltige Sonnenpflege

    Seit einigen Jahren wird auch das Thema Nachhaltigkeit in Sonnenpflege immer wichtiger. Filtersubstanzen wie Octocrylene, Octinoxate und Oxybenzon werden etwa für das Ausbleichen von Korallen verantwortlich gemacht.

    Europaweit beinhalteten 59 Prozent der im letzten Jahr lancierten Sonnenprodukte Octocrylene, gefolgt von Octinoxat (enthalten in 23 Prozent aller Produkteinführungen in dieser Kategorie) und Oxybenzon (7,7 Prozent).

    Ein möglicher Ausweicher wären beispielsweise Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern wie Zinkoxid. Dieser Inhaltsstoff wird vor allem in der Bundesrepublik immer beliebter. War er 2015 in gerade einmal knapp 2  Prozent aller europäischen Neueinführungen enthalten, stieg der Anteil dieser Produkte in 2018 auf 15 Prozent.

    Nachhaltigkeit hat auch beim Thema Sonnenschutz Einzug gehalten, und das nicht nur in Hinblick auf Plastik. Das Korallensterben hat frühe Warnsignale gesetzt, die einige Marken zum Nachdenken angeregt haben.

    Einige Hersteller haben zum Beispiel chemische durch mineralische Sonnenschutzfilter ersetzt, um ihre Produkte „Riff-freundlich“ zu gestalten,“ fügt Alex Fisher hinzu.

      *   Basis: 2000 Deutsche Internetnutzer 16+ Jahren, März 2019

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  • 1969 verfolgten Viele die Mondlandung im TV
    die vielleicht größte Mission
    VW - Ein Automobilhersteller, der die Welt retten will

    Heute ist eine Premiere, zum ersten mal schreibt mir Verena Gründel, die nach dem ausscheiden von Dr. Jochen Kalka, dem langjährige Chefredakteur von "W&V", "Kontakter", "Lead" und deren Online-Auftritten in die Chefredaktion bei W&V berufen wurde.

    Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V

    Lieber Herr Böhmer,

    zugegeben, der Vergleich hinkt: In einem US-Spot stellt VW die Mondlandung vor 50 Jahren mit unserer heutigen Mission Klimaschutz auf eine Stufe. Den wichtigsten Aspekt lassen sie außen vor:

    Die Mondlandung war ein Prestigeprojekt, sozusagen Content Marketing vom Feinsten. Den Klimawandel zu stoppen, ist für die Menschheit überlebenswichtig. Ihre vielleicht größte Mission überhaupt.

    Das zweite Problem: Ein Automobilhersteller, der die Welt retten will? Der mit seinem nachhaltigen Handeln die Werbetrommel rührt? Das klingt nicht nur fraglich, sondern nach Greenwashing. Oder?

    Auf der anderen Seite ist jeder noch so kleine Schritt mit dem Ziel Nachhaltigkeit einer in die richtige Richtung. Wir brauchen mehr davon.

    Auch ProSiebenSat.1 hat sich auf dem Weg gemacht. Der TV-Konzern ist als Investor beim Grillkohle-Startup Nero eingestiegen. Nero produziert nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen weltweit ökologische Grillkohle ohne Tropenholz. Den Ökobrennstoff gibt es inzwischen in 2.000 Geschäften.

    Weder nachhaltige Grillkohle noch ein CO2-neutraler Autohersteller werden unsere Welt retten. Aber sie zeigen den Weg auf, den wir gehen müssen, sie sensibilisieren mit ihrer Werbung und sie motivieren mitzumachen.

    Wir brauchen noch viel mehr davon und wir brauchen noch radikalere Schritte, wenn wir den Klimawandel stoppen wollen.

    Damit wir unsere Erde nicht irgendwann verlassen müssen. So wie es die Mainzelmännchen am heutigen Samstag zum Jahrestag der Mondlandung tun.

    Nur eben in echt.

    Ein schönes Wochenende.

    Ihre Verena Gründel

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  • Dirk Wiedenmann verlaesst die Bauer Media Group
    Lauter Abgänge in der Branche
    Beachtliche Bewegungen in der Werbe und Media-Branche

    Holger Schellkopf, Chefredakteur bei W&V, meint auch das in der Werbe und Medie-Branche gaz schön was los ist. Auch sein Haus ist ja davon betroffen, erst vor wenigen Tagen wurde bekannt das Dr. Jochen Kalka, der langjährige Chefredakteur von "W&V", "Kontakter", "Lead" und deren Online-Auftritten W&V verlassen wird.

    Lieber Herr Böhmer,

    "ganz schön was los" hat Medienmacher Marcus Schwarze heute getwittert und sich dabei auf die durchaus beachtlichen Bewegungen in genau dieser Branche bezogen. Schwarze weiß aus persönlicher Erfahrung, wovon er spricht und gerade heute tauchten wieder einige Meldungen auf, die seine These belegen.

    Der Abschied von Dirk Wiedenmann bei Bauer ist da sicher eine der größeren Nummern, aber auch der Wechsel einer digitalen Vorzeigefrau (im besten Sinne) wie Steffi Dobmeier zur Schwäbischen findet Aufmerksamkeit.

    Axel Springer muss ebenfalls einen Abgang verkraften: Christian Lindner, Vizechef der Bild am Sonntag, macht sich zu neuen journalistischen Projekten auf.

    Ziemlich viel Bewegung gibt es auch mal wieder auf dem Rechtemarkt. Eurosport reicht die Bundesliga an DAZN weiter . Die Wette auf die exklusiven Spiele ist für die Mutter Discovery, aktuell auch sehr in Bewegung, offenbar nicht aufgegangen.

    Die Kollegen sahen da auch wegen technischen Problemen bei der Übertragung zumindest anfangs unfreiwillig auch ein wenig alt aus.

    Ganz freiwillig alt sehen aktuell ziemlich viele Leute in den Social Media Plattformen aus. #FaceApp ist das Stichwort. Welche Werber dabei sind und was von der Nummer zu halten ist, hat meine Kollegin Marina Rößer aufgeschrieben.

    Einen schönen Abend wünscht
    Holger Schellkopf

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Aktuelles - Kultur und Medien

  • Frank Gaudlitz Sankt Petersburg im Maerz 1994
    RUSSIAN TIMES 1988–2018
    Fotopreis der Michael Horbach Stiftung 2019 geht an Frank Gaudlitz

    Im Rahmen seiner Ausstellung "Russian Times 1988 - 2018"  erhält Frank Gaudlitz zur Vernissage am 1. September den mit 10.000 Euro dotierten Fotopreis der Michael Horbach Stiftung in den Kunsträumen, Wormserstr. 23, 50677 Köln.

    RUSSIAN TIMES 1988–2018 ist das längste und erst kürzlich abgeschlossene Projekt von Frank Gaudlitz. Es verfolgt die gesellschaftliche Entwicklung in Russland über einen Zeitraum von 30 Jahren, beginnend 1988 mit Aufnahmen aus der ehemaligen Sowjetunion zu Zeiten von Perestroika und Glasnost.

    Von 1992 bis ins neue Jahrtausend entstand ein umfangreiches Bildkonvolut über eine Periode großer gesellschaftlicher Depression als Auswirkung blutiger Verteilungskriege, in der zwar Reformen neue Freiheiten und Rechte versprachen, vielfach aber Rechtlosigkeit und Armut das Ergebnis für die Mehrheit der Russen war.

    Neben den großen Metropolen St. Petersburg und Moskau, den Provinzstädten um den goldenen Ring, fand Gaudlitz seine Bilder auch im asiatischen Teil des Landes, in den GULAG ́s und Nickelbergwerken auf der Halbinsel Taimyr, den zentralasiatischen Regionen des Baikalsees, im Altai oder den Steinkohlerevieren Kemerovos.


    Der inhaltlichen Schwerpunkt der aktuellen Arbeit bewegt sich im Spannungsfeld von Inszenierung und Realität und wurde im Gegensatz zu den vorangegangenen Bildkapiteln in Farbe aufgenommen.

    Gaudlitz bewegte sich ganz bewusst in den Klischees der russischen Kultur und suchte Orte auf, an denen ein patriotisches Bildvokabular bemüht wird, das Russland als Sieger- und Großmacht darstellt, in der Stilistik aber oftmals an die kommunistische Zeit erinnert.

    Das Auseinanderdriften von Ideal und Wirklichkeit zieht sich wie ein roter Faden durch diese Langzeitstudie und macht die ganze Disparität innerhalb der russischen Gesellschaft deutlich.

    Frank Gaudlitz, 1958 in Vetschau geboren, studierte an der HGB in Leipzig bei Arno Fischer und arbeitet vorwiegend analog an selbstkonzipierten Langzeitprojekten in Russland, Osteuropa und Südamerika.

    Seine großen fotografischen Folgen spannen einen Bogen zwischen epochalen Ereignissen und Einzelschicksalen und wurden in Fotobänden und internationalen Einzelausstellungen veröffentlicht und vielfach mit Preisen und Stipendien ausgezeichnet.

    Von 1990–94 begleitete er den Abzug des russischen Militärs aus Ostdeutschland. In den Porträtprojekten „Warten auf Europa“ (2003–05) und „Casa Mare“ (2005–08) hinterfragte er die Befindlichkeit der Menschen Osteuropas.

    2010 überquerte er für seine Arbeit „Sonnenstrasse“ auf den Spuren A.v. Humboldts in sieben Monaten die südamerikanischen Anden, um sich danach in der mehrjährigen Arbeit „A Mazo“ dem Leben von Transfrauen am Amazonas zu widmen.

    Ausstellungdauer: 1.9 bis 30.10.19

     

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  • Das erbeutete Geld wiegt so viel wie fuenf Elefanten, und die Euroscheine wuerden 6 Millionen Fußballfelder gross sein Foto GFDK
    Kultserie Haus des Geldes
    Haus des Geldes: Spannende Fakten über die Beute und gedrucktes Geld

    Heute startet die dritte Staffel der beliebten Netflix-Serie Haus des Geldes. Zu diesem Anlass liefert der Anbieter von Minikrediten Vexcash (www.vexcash.com) spannende Fakten rund um das Thema Bargeld sowie Notendruck und berechnet, in welcher Stadt die Beute am längsten ausreicht.

    Das erbeutete Geld wiegt so viel wie fünf Elefanten
    In der Serie wollen die Bankräuber insgesamt 2,4 Milliarden Euro in 50-Euro-Scheinen erbeuten, die sie in der spanischen Banknotendruckerei selbst produzieren. Eine schwere Last, denn bei einer Stückzahl von insgesamt 48 Millionen Scheinen entspricht das einem Gewicht von insgesamt 44,2 Tonnen.

    Die Einbrecher erbeuten jedoch nur 984 Millionen Euro und kommen mit rund 22 Tonnen (19,7 Mio. Scheine) Bargeld davon. Das entspricht  dem Gewicht von fünf ausgewachsenen Elefanten.  

    Euroscheine für 6 Millionen Fußballfelder und 54 Mount Everests
    Die gedruckten Scheine der Serien-Gangster fallen im Vergleich zu den legal produzierten der europäischen Banknotendruckereien marginal aus:

    Allein im Jahr 2018 wurden insgesamt 4 Milliarden Euro-Scheine im Gegenwert von 13,1 Milliarden Euro neu in den Umlauf gebracht. Pro Einwohner der Eurozone sind das rund 12 neue Geldscheine.

    Nebeneinander gelegt ergeben die neuen Banknoten die Fläche von knapp 6 Millionen Fußballfeldern und wiegen mehr als 3.800 Tonnen. Das entspricht dem Gewicht von über 860 Elefanten. Aufeinander gestapelt erreichen die druckfrischen Scheine eine Höhe von 479 km. Damit lässt sich 54 Mal der Mount Everest nachbilden.

    Gelddruck kostet Millionen
    Die neu gedruckte Banknoten wiegen jedoch nicht nur diverse Tonnen, sondern kosten auch noch richtig Geld. Die 2018 offiziell gedruckten 4 Milliarden Banknoten für die Eurozone kosteten in ihrer Herstellung rund 319 Millionen Euro. Allein die Produktion der geplanten 2,4 Milliarden Euro aus der Serie würde daher ca. 1,6 Millionen Euro verschlingen.

    Tokio, Nairobi, Rio: Wo reicht das Bargeld am längsten?
    Wer von den Gangstern seinen Anteil an der Beute als erstes komplett ausgibt – er oder sie wird höchstwahrscheinlich nie dazu kommen – werden die Zuschauer der Serie vermutlich nie erfahren. Vexcash hat jedoch berechnet, wie viel Jahre Tokio, Nairobi und Co. nach einer Flucht in den Städten ihrer Decknamen leben könnten.

    Demnach bekäme Denver am ehesten Geldsorgen: Nach 4.000 Jahren wäre sein Teil der Beute  verbraucht. Ähnlich erginge es Tokio und Stockholm, bei denen der Gürtel nach 4.400 bzw. 4.700 Jahren enger geschnallt werden müsste.

    Mehr als doppelt so lange würde das selbst gedruckte Geld für Rio und Nairobi reichen: Sie würden in den jeweiligen Städten bis zu 9.700 bzw. 10.400 Jahre auskommen. In Thailand, einem der Handlungsorte in Staffel 3, würde das Geld für 7.800 Jahre reichen.

    So viel würde die Überweisung der Beute kosten
    Die dritte Staffel spielt an den Zufluchtsorten der Ganoven. Doch es ist nahezu unmöglich, 984 Millionen Euro in bar durch die Grenzkontrolle der Länder schleusen. Eine Überweisung könnte hier theoretisch Abhilfe schaffen.

    Der Knackpunkt: Die Banken lassen sich ihre Überweisungen ins Ausland üppig bezahlen. Bei einem Transfer von 50.000 Euro nach Thailand liegen die Gebühren im Schnitt bei 850 Euro. Für die gesamte Summe würden dementsprechend Mehrkosten in Höhe von 16,6 Millionen Euro anfallen.

    Der Haken an der Überweisung – und das wissen sicher auch die Akteure in der Serie: Bei einer Summe diesen Ausmaßes muss bewiesen werden, dass die Zahlung legal ist.

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  • Wieder steht die Erde vor dem Untergang, aber hat man einen Film von Emmerich gesehen, hat man alle gesehen
    Katastophen und Endzeitfilme
    Aldi wollte zum Mond, Roland Emmerich war mit MOONFALL schneller

    Bei Audi hatte man sich vorgenommen, mit dem Projekt Lunar Quattro 50 Jahre nach der Apollo-Mission auf dem Mond zu landen.

    Daraus wird wohl nichts, da die Berliner Raumfahrtfirma Part Time Scientists (PTS), mit der Audi zusammenarbeitet, Insolvenz angemeldet hat. Die verhinderten Mondfahrer bei Audi müssen sich noch gedulden.

    Vor genau 50 Jahren, am 20. Juli 1969, landeten die ersten Menschen auf dem Mond. Mit der spektakulären Mission der Apollo 11 schufen die Astronauten Neil Armstrong, Edwin „Buzz“ Aldrin und Michael Collins einen Moment für die Ewigkeit.

    Im Jahre 2024 wollen die USA wieder auf dem Mond landen. Doch schon vorher wird eine sensationelle neue Mondmission die Welt in Atem halten.

    Independence Day, Armageddon, und am 7. November 2019 kommt mit „Midway“ der Kriegsfilm um die legendäre Seeschlacht während des Pazifikkriegs im Juni 1942 in die Kinos, und der Mann der die großen Katastophen, und Endzeitfilme dreht, legt noch einen drauf.

    Die GFDK Redaktion Filme Kino und TV ist der Meinung, hat man einen Film von Emmerich gesehen, hat man alle gesehen.

    In MOONFALL schickt Roland Emmerich den Mond auf Kollisionskurs mit der Erde. Ein gewaltiger Einschlag steht bevor und es liegt an einer letzten, nahezu unmöglichen Weltallmission, die Menschheit vor der Katastrophe zu retten.
     
    Roland Emmerich schrieb das Drehbuch zu MOONFALL zusammen mit seinen langjährigen Partnern Harald Kloser („The Day After Tomorrow“), mit dem er unter anderem auch an dem Blockbuster „2012“ arbeitete, und Spenser Cohen („Extinction“).

    Dabei hat er eine sehr klare Vorstellung, was den Zuschauer bei MOONFALL erwarten wird. „All meine Filme“, sagte Emmerich beim diesjährigen Filmfestival in Cannes, „haben Humor, nehmen sich selbst nicht zu ernst. Und wer meine Filme mag, wird auch MOONFALL mögen.“
     
    MOONFALL wird von Roland Emmerichs Centropolis Entertainment produziert und startet voraussichtlich 2021 in den deutschen Kinos.

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Lebensart - Reisen und Urlaub

  • Ein attraktives Programm erwartet die Gaeste des Fuenf-Sterne-Hotels Allgaeu Sonne in Oberstaufen waehrend der Jubilaeumswoche im Herbst
    35 Jahre Hotel Allgäu Sonne in Oberstaufen
    Dankeschön-Geschenk für Hotelgäste der Allgäu Sonne mit Champagner

    35 Jahre Allgäu Sonne, das wird gefeiert: Von 13. bis 20. Oktober 2019 dürfen sich Gäste über besondere Ausflüge, ein glamouröses Abendprogramm und natürlich viel Sport freuen.

    Denn Spaß an der Bewegung spielt in dem Fünf-Sterne-Hotel seit seinen Anfängen im August 1984 eine ebenso wichtige Rolle wie die für Oberstaufen bekannte Schrothkur.

    Aus bis zu zehn Kursen am Tag, unter anderem Yoga, Cycling, Body Fit und Aqua Gymnastik können Urlauber heute wählen. Programmpunkte während der Jubiläumswoche sind zum Beispiel eine Führung durch Schloss Neuschwanstein, eine Champagner-Verkostung, Schifffahrt auf dem Bodensee, ein Apfelstrudel-Kochkurs sowie Casino- und Quizabend.

    Am 19. Oktober klingt die Woche mit einem festlichen Dinner, einem unterhaltsamen Konzert mit Kerstin Heiles und Christoph Pauli sowie anschließendem Feuerwerk aus.

    Alle Veranstaltungen im Rahmen der Jubiläumswoche sind als Dankeschön-Geschenk für Hotelgäste kostenfrei. Das DZ/F in der Allgäu Sonne gibt es ab 112 €/Pers./Nacht.

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  • Die Romantik hat Tradition im Hotel GUT Trattlerhof und Chalets in Bad Kleinkirchheim
    I FEEL GUT Zeit für Zweisamkeit
    Frühlingsgefühle - Die Kuscheltage Deluxe im Hotel GUT Trattlerhof & Chalets

    Die Kuscheltage Deluxe im „Hotel GUT Trattlerhof & Chalets“ in Bad Kleinkirchheim lassen die Frühlingsgefühle den ganzen Sommer lang aufleben.

    Im Frühsommer zeigt sich die Natur in den Kärntner Nockbergen von ihrer romantischen Seite. Bunte Blumenteppiche überziehen die sanft gerundeten Nocken, überall erwacht das Leben und mit ihm die Frühlingsgefühle. Wer diese mit allen Sinnen erleben will, findet dafür im Hotel GUT Trattlerhof in Bad Kleinkirchheim ein bezauberndes Refugium.

    Die Romantik hat Tradition

    Fünf Generationen der Familie Forstnig haben in 135 Jahren schon unzählige Hochzeitsfeiern auf dem Trattlerhof ausgerichtet, der bereits seit 1642 ein Gasthof ist. Seit 1884 liegt die Gastgeber-Tradition in den Händen der Familie Forstnig – genug Zeit, um herauszufinden, was frisch Verliebte und Jubelpaare glücklich macht.

    Zum Beispiel ein romantisches Ambiente wie die 15 neuen Gutshof‐ und Sonnenschein‐Suiten, in denen es sich besonders gemütlich kuscheln lässt. Natürliche Materialien wie Eichenholz für die Fußböden und Lärchenholz für die Einrichtung verleihen den hellen Räumen ein angenehmes Raumklima.

    Im Wellnessbereich Wald Wellness wird die Natur ins Haus geholt: Panoramafenster in der Panoramasauna und im Ruheraum eröffnen den Ausblick auf den Wald.

    Zum Durchwärmen und Durchatmen lädt das neue Natur-Aroma-Dampfbad ein. Regenduschen, eine neue Infrarotkabine und Behandlungsräume für Massagen und Kosmetik-Anwendungen vervollständigen diesen einmaligen Rückzugsort.

    Die Aussicht auf den Wald lockt ins Freie, in die einmalige Naturlandschaft rund um Bad Kleinkirchheim. Als UNESCO Biosphärenpark stehen die Kärntner Nockberge unter einem besonderen Schutz und konnten ihre natürliche Ursprünglichkeit bewahren. Viele idyllische Wander- und Radwege erschließen die Bergwelt.

    Im Hotel GUT Trattlerhof versteht man es, vorzüglich mit dem zu kochen, was Natur und Saison hergeben. „Seit 135 Jahren üben wir, gute Gastgeber zu sein. Funktioniert schon ganz ordentlich“, erzählt Gastgeber Jakob Forstnig.

    Das Ergebnis ist eine Gutshofküche in Bestform, die von regionalen Schmankerl bis zum Gourmetmenü mit erlesener Weinbegleitung reicht.

    Liebe liegt in der Luft

    Die Hofleut‘ haben auch jede Menge Ideen, die Zeit der Zweisamkeit höchst romantisch zu verbringen. Zur Pauschale „Kuscheltage Deluxe“ gehören drei romantische Nächte und eine Pferdekutschenfahrt zum Hüttenrestaurant Einkehr.

    Dort werden die Verliebten am flackernden Lagerfeuer mit einem Aperitif begrüßt, bevor sie im Restaurant ein Candle-Light Dinner genießen. Denn ohne Ceres und Bacchus friert Venus, das wissen die Hofleut‘ im Hotel GUT Trattlerhof.

    Anfragen und Infos unter:

    Hotel Gut Trattlerhof & Chalets****
    Gegendtalerweg 1, 9546 Bad Kleinkirchheim
    Tel.: +43 (0) 4240 8172

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  • Mehrere Tausend Tropfsteinhoehlen gibt es auf Mallorca
    Mehrere Tausend Tropfsteinhöhlen
    Unterwelten wie ein Emmentaler auf Mallorca

    Kurz notiert: Mallorcas Fundament ist so löchrig wie ein Schweizer Käse. Rund 5.000 Tropfsteinhöhlen haben Spezialisten bis jetzt im Muschelkalk unter der Insel kartografiert, wahrscheinlich existieren noch deutlich mehr.

    Doch bereits damit ist sie Spitzenreiter in Europa: Nirgendwo sonst gibt es mehr derartige Systeme pro Quadratkilometer.

    Noch ein Rekord gefällig? In der zweittiefsten Höhle auf Mallorca, der 317 Meter tiefen Cova de Sa Campana, befindet sich die größte bisher bekannte unterirdische Halle des Kontinents: die Sala de la Gracia, auch Sala de Gegants, genannt.

    Der Riesensaal bringt es auf 14.500 Quadratmeter, das sind mehr als zwei Fußballfelder.

    Cabreras blaues Wunder

    Wer die Blaue Grotte sehen will, fährt nach – Cabrera. Man entdeckt sie auf dem gleichnamigen Archipel südlich von Mallorca. Mit über 90.000 Hektar Fläche seit 2019 der größte Land- und Meeres-Nationalpark Spaniens, ist das Schutzgebiet Heimat vieler seltener Spezies.

    Unter anderem finden sich dort Delfine, Korallenbänke und ökologisch wertvolle Seegraswiesen, Kinderstube vieler Fischarten.

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Lebensart - Essen und Trinken

  • Beim Azubi Gourmet-Menue im August 2019 macht Sternechef Maximilian Moser aus dem Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg Platz fuer seine Nachwuchskoeche um Florian Bertram, Korbinian Leitner und Yannice Dippert
    Kochlehrlinge auf Gourmet-Niveau
    Nachwuchsköche übernehmen das oberbayerischen Hotel Vier Jahreszeiten

    Wenn das hauseigene Gourmetrestaurant Aubergine (1 Michelin-Stern) und Sternechef Maximilian Moser in die Sommerpause gehen, übernehmen die Nachwuchsköche des oberbayerischen Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg das Ruder in der Küche.

    Normalerweise stehen sie gemeinsam mit dem 33-Jährigen am Herd und erlernen dort die Kunst der erlesenen Gastronomie.

    Von 5. bis 25. August 2019 dürfen die Auszubildenden ihr Können eigenständig unter Beweis stellen und zaubern für Feinschmecker ein Vier-Gänge-Menü, das täglich ab 18.30 Uhr im hoteleigenen Restaurant Oliv’s serviert wird.

    Im Rahmen der selbst kreierten Speisenfolge aus feinsten Zutaten präsentieren sie Seeteufel, Lammkarree und Co. Das „Azubi Gourmet-Menü“ kostet 49 €/Pers.,

    Das „Azubi Gourmet-Menü“ im Restaurant Oliv’s/Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

    Vorspeise

    Dreierlei von der Tomate mit Parmesan-Mousse und Basilikum

    Zwischengang

    Geräuchertes Seeteufelbäckchen an Gurke und Kefir

    Hauptspeise

    Gebratenes Lammkarree mit Tamarindenjus an orientalischem Couscous und Zucchini-Letscho

    Dessert

    Schnitte von der Schafsmilch mit Lavendel und Himbeersorbet

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  • Haute Cuisine zu fairen Preisen geniessen Mallorca-Besucher im Restaurant von Sternekoch Adrián Quetglas in Palma
    Mallorcas Geheimnisse
    Kulinarischer Hotspot auf Mallorca - 3.800 Lokale

    Kurz notiert: Rund 3.800 Lokale gibt es auf Mallorca. Das heißt: Man könnte mehr als zehn Jahre lang jeden Tag in einem anderen Beachclub oder Restaurant, in einer anderen Cafeteria oder Bar speisen, ohne zweimal die gleiche Location zu besuchen.

    Dazu zählen übrigens auch sieben Sternerestaurants, darunter das Adrián Quetglas in Palma, gekrönt mit einem  Michelin-Stern. adrianquetglas.es

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  • Monika  und Gisela Meinel-Hansen an der Zapfanlage
Der erste Schluck schmeckt auch Dr. Bernd Sauer 
Die vier Brauermaedels 
Hans-Jürgen Paesler Frauenbier
Gisela Meinel-Hansen gießt den Nachtisch Bierfee kuesst Fruechdla auf
HolldadieBierfee gibt es in der 0,75 und 0,33 Liter Flasche
    Innovatives Bier
    Bierkreation aus Frauenhand - feines Starkbier namens HolladieBierfee

    "Girls! Have fun!" Unter diesem Motto präsentierten Yvonne Wernlein (Brauerei Haberstumpf, Trebgast), Isabella Straub (Brauerei Drei Kronen, Memmelsdorf) und die Schwestern Gisela und Monika Meinel-Hansen (Brauerei Meinel, Hof) am Samstagabend ihre neueste Bierkreation.

    Über 50 enge Freunde und Journalisten waren gekommen, um in der Trebgaster Bräuschänke das neue Bier mit dem schönen Namen "HolladieBierfee" zu verkosten.

    "Jetzt brauch ich schon seit über 40 Jahren Bier, aber meinst, mir hätte mal jemand ein Ständchen gespielt?" Das war das Fazit von Hans Wernlein, für dessen Tochter Yvonne und ihre drei Kolleginnen eine lokale Künstlerin gerade ein "HolladieBierfee"-Lied vorgetragen hatte.

    Vier Stunden früher hatte der Abend mit dem Einmarsch der vier Brauer-Mädels begonnen. Jede mit einem Blecheimer auf dem Kopf und einer speziell angefertigten Schürze umgebunden.

    Jeder Gast bekam einen kleinen Schluck "HolladieBierfee" frisch vom Fass als Aperitif, und dann erklärte jede der vier "Bierfeen" ihren Beitrag zu dem "Frauenbier". Yvonne Wernlein stellte mit Trebgaster Brauwasser den "Körper des Bieres", Isabella Straub zeichnete für Sudhaus und Malz - die "Seele des Bieres" - verantwortlich.

    Für die fruchtige "Würze des Bieres" sorgte Gisela Meinel-Hansen, die eine spezielle Komposition verschiedener edler Hopfensorten zusammengestellt hatte. Ihre Schwester Monika schließlich organsierte den "Geist des Bieres" - eine Ale- und eine Champagnerhefe.

    Heraus kam nach drei Monaten Reifezeit ein feines Starkbier mit sechs Prozent Alkohol, das Hans Wernlein spontan so beschrieb: "Der Hopfengeruch steigt sofort in die Nase, die Farbe ist leicht orange. Auch im Geschmack wirkt es sofort orangig und fruchtig, ist sehr schlank und im Nachtrunk leicht hopfig".

    Für mich ein echtes Frauenbier. Mit am Tisch saßen Dr. Bernd Sauer, Schatzmeister von Bierland Oberfranken und Hans-Jürgen Päsler, Vorstand der Kulmbacher Kommunbräu.

    Sauer freute sich über das "innovative" Bier, das im schlanken Sektglas auch "einfach mal erfrischend anders präsentiert" wurde. Für ihn ist HolladieBierfee "eine bezaubernde Idee", bei der er sich vorstellen kann, dass "so manche Frau schwach wird".

    Während Sauer das Bier eher als Aperitif oder zum Nachtisch sieht, würde Kommunbräu-Vorstand Päsler es "eher am Abend zum Runterkommen" genießen. 

    Mutig fand er die Abfüllung in 0,33 und 0,75 Liter Flaschen, aber seine Frau klärte auf: "Das ist für uns doch ideal. Ein halber Liter ist mir immer zu viel, da ist die kleine Flasche genau richtig. Und die große ist prima zum
    Verschenken!"

    Zu ihrem Bier servierten die vier Brauerinnen auch ein kleines Menü, bestehend aus "Bierfee-Krüschdla" (dunkles getoastetes Bauernbrot mit Spinat, Schinken und verschiedenen Käsen), "Bierfee-Küchla" (Weißbier-Mango-Muffins) und "Bierfee küsst Früchdla" (Zitronensorbet in einem Früchtebett, mit HolladieBierfee aufgegossen).

    Insbesondere der letzte Gang faszinierte alle Anwesenden, die noch bis nach Mitternacht in der Bräuschänke saßen und ihre Bierfeen hochleben ließen. Die zeigten sich sichtlich beeindruckt. Isabella Straub meinte gerührt: "Die Stimmung hier ist richtig Klasse, seit der ersten Minute!

    Das freut mich natürlich, wo wir so viele Stunden in das Bier investiert haben. Die Leute haben außerdem schon viele Flaschen gekauft, das ist echt super."

    Und Hausherrin Yvonne Wernlein ergänzte: "Ich bin echt geplättet, ich hätte nie gedacht, dass die Gäste so lange sitzen bleiben, ich bin überglücklich!"

    Es ist also wahrscheinlich, dass die acht Hektoliter HolladieBierfee auch ähnlich schnell ausgetrunken sein werden wie die Premieren-Edition aus dem letzten Jahr. Doch auch dann wissen die vier Frauen schon, was zu tun ist: "Dann machen wir eine Herbstedition, dunkel und schokoladig", schwärmte Monika
    Meinel-Hansen.        

    Markus Raupach
    markus@raupach.eu

    GuideMedia GbR
    Grüner Markt 15
    96047 Bamberg
    Tel.: +49 951 5194166
    Fax: +49 951 2084263

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Lebensart - Stil und Lifestyle

  • Das Petitpierre ist gefertigt wie ein High-End-Sportgeraet fuer Erwachsene, denn Kinder haben nicht etwa geringere Beduerfnisse an ihr Rad
MORES® steht fuer Innovation, Qualitaet und Design
Der Edel-Renner fuer die Juengsten
    Luxus en miniature
    MORES® – Das Luxus-Laufrad Petitpierre lässt nicht nur Kinderaugen leuchten

    Der Münchner Ingenieur und Designer MORES® enthüllt das Petitpierre – ein Kinderlaufrad – das antritt, um auf der ganzen Linie zu überzeugen.

    Das ultra-leichte Rahmenmaterial Karbon, modernste Fertigungstechnologien, die optimierte Ergonomie und höchste Sicherheitsstandards spielen dabei zusammen, um die Ansprüche abzudecken, die Kindern an ein Laufrad haben können.

    Darüber hinaus macht das exklusive Design das Petitpierre zu einem Gesamtkonzept, das bereits mit dem Universal Design Award 2013 ausgezeichnet wurde. Der Edel-Renner für die Jüngsten ist ab sofort in den drei verschiedenen Ausführungen Rosé, Weiß und Schwarz erhältlich.

    MORES® sieht sich Innovation, Qualität und Design verpflichtet und verfügt über 30 Jahre Erfahrung mit dem Werkstoff Karbon, 10 Jahre Erfahrung aus der Entwicklung für die Luftfahrt und 15 Jahre Erfahrung aus der Ergotherapie, die allesamt in das Petitpierre eingeflossen sind.

    Sebastian Mores, der Vater des Laufrads und Gründer von MORES®, bekräftigt den hohen Anspruch: „Wir sind stolz darauf ein Laufrad vorzustellen, bei dem wir von Anfang an und bis ins letzte Detail die kindliche Entwicklung im Blick hatten.

    Aufgrund des sehr niedrigen Schwerpunkts können sich bereits sehr junge Kinder ab 1,5 Jahren mühelos und spielerisch fortbewegen. Wegen dem geringen Gewicht und der optimierten Konstruktion ist es leicht zu manövrieren, stabil zu fahren und einfach über kleine Kanten zu heben.“

    Der Rahmen des Petitpierre ist in Monocoque Bauweise, also aus einem einzigen Teil gefertigt. Bei der Entwicklung kamen modernste Verfahren, wie 3D CAD und das Finite Elemente Verfahren (FEM) zum Einsatz.

    Diese numerische Strukturanalyse gewährleistet, dass alle Bauteile bereits im Vorfeld auf alle Belastungen optimal ausgelegt sind und damit eine erhöhte Sicherheit bei geringerem Gewicht bieten.

    „Das Petitpierre ist gefertigt wie ein High-End-Sportgerät für Erwachsene, denn Kinder haben nicht etwa geringere Bedürfnisse an ihr Rad – ganz im Gegenteil“, fügt Sebastian Mores hinzu.

    „Dem hohen Sicherheitsbedürfnis beispielsweise tragen wir unter anderem durch LED-Lichter in Sattel und Lenkerenden, die leichtgängige Bremse mit innen geführten Zügen und die integrierte Fußstütze ebenso Rechnung,

    wie durch hochwertige Komponenten und eine leichtgängige Lenkung, die nicht begrenzt und dadurch verhindert, dass der Lenker bei einem Sturz zur Gefahr wird. Das Highlight ist aber der hochstabile, unverwüstliche Karbonrahmen, der lediglich 600 Gramm auf die Waage bringt.“

    Das Petitpierre eignet sich für Kinder ab einer Größe von 86 cm bis mindestens 116 cm − oder solange es Spaß macht, denn Lenker und Sattelstütze können mit wenigen Handgriffen eingestellt werden. Das Rad kommt komplett montiert und geprüft und ist dadurch sofort für seinen ersten Einsatz bereit.

    Die Fachjury des Universal Design Award 2013 konnte das Petitpierre bereits überzeugen und hat sich deshalb neben den Produkten namhafter globaler Konzerne im Februar 2013 einen der renommierten Preise gesichert.

    Zu den Auswahlkriterien für die Auszeichnung gehören neben dem Design selbst unter anderem die breite, flexible, einfache und intuitive Nutzung sowie Sicherheit und Innovationsgrad. Der Designprozess, den das Petitpierre durchlaufen hat, ist als Video hier zu sehen.

    Über MORES®:

    MORES® wurde 2011 von Sebastian Mores am Standort in München gegründet. Durch Ingenieurskunst und Design hat es sich das Unternehmen zur Aufgabe gemacht ein Kinderlaufrad nach Standards zu entwickeln, die weit über die derzeitige Praxis hinausgehen.

    In die Entwicklungen von MORES® fließen die Kenntnisse aus 30 Jahren Erfahrung mit Karbon, 10 Jahren Erfahrung in der Luftfahrt-Entwicklung und 15 Jahre Erfahrung in der Ergotherapie ein.

    Das Laufrad Petitpierre orientiert sich daher angefangen mit der ersten Skizze bis hin zu modernsten Fertigungstechnologien kompromisslos an den Bedürfnissen von Kindern – allen voran Sicherheit. Das Laufrad ist nach denselben Standards wie hochwertige Sporträder für Erwachsene gefertigt.

    Für weitere Informationen besuchen Sie www.mores-design.com

    Weitere Nachrichten und Artikel über Mode, Fashion-Shows, Top-Events und Geschichten die das Leben schöner machen finden sie in der Rubrik: LEBENSART - Stil und Lifestyle

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    Pressekontakt: anton.buehl@fireflycomms.com

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  • Brigitte Adolph ist Schmuckdesignerin
Brigitte Adolph mit Kollektion Set Undine und Ring Pique
Brigitte Adolph ist erfolgreich
Brigitte Adolph praesentiert Schmuckkollektion
    Neue Kollektion von Brigitte Adolph
    Stil: Schmuck der Spitzenklasse von Brigitte Adolph - Madame FavartLiebe Jewelistas & Jewelists

    So fein, so filigran, so feminin: Schmuck von Brigitte Adolph lässt die Illusion von handgearbeiteter Spitze entstehen. Erst durch die Berührung der zarten Pretiosen wird klar, dass es sich um Kostbarkeiten aus Gold und Silber handelt.

    Schmuck, der verführt und verzaubert, der Tradition auf moderne Art zelebriert, der Frauen durch den Alltag begleitet und sie an Festtagen zur Prinzessin macht.

    Längst schon ist Brigitte Adolph zur Botschafterin in Sachen „Spitze“ geworden. Ihre besondere Technik bleibt – natürlich – ein Geheimnis. Ihre Inspiration jedoch offenbart sich bereitwillig den Kennern alter Traditionen: Venezianische Spitzenmotive, Muster der Nottinghamer Spitzenkultur, zarte Bordüren, die man aus Gemälden zu kennen glaubt..., die Designerin entführt in die Vergangenheit und bleibt dennoch immer im Herzen unserer Zeit.

    Zur Person:

    Brigitte Adolph absolvierte eine klassische Goldschmiedelehre und sammelte danach wertvolle Erfahrungen – unter anderem bei der Arbeit an Kronjuwelen und prächtigen Geschmeiden beim schwedischen Hofjuwelier. Später studierte sie in Dänemark, in Deutschland und in Spanien Schmuckdesign. „Das Studium hat mir die Freiheit gegeben, etwas Neues zu entwickeln“.

    Sie entwarf ihre ganz spezielle Spitzentechnik, machte sich dann 2005 als Schmuckdesignerin in Karlsruhe selbstständig. Auszeichnungen: u.a. red Dot Design Award, Schmuck Award, Modern Jewellery Collection. Zu ihrem Team gehören 3 feste und 2 freie Mitarbeiter.

    Zur Kollektion:

    Goldkollektion mit Stücken in Gelb-, rosé- und Weißgold, ausschließlich in hochwertiger 750/1000 Legierung, mit Perlen, Diamanten, pastelligen Farbsteinen.

    Silberkollektion aus Sterling Silber, auch mit Perlen und zarten Diamanten (öko-faires Silber).

    Schwarze Kollektion aus schwarzrhodiniertem Silber, auch mit leuchtenden Farbsteinen.

    Loop-Kollektion – ein erfolgreicher „Seitensprung“ in Sachen Design, der mit dem red Dot ausgezeichnet wurde.

    Braut-Kollektion: Schmuckstücke für den schönsten Tag im Leben – einfach zum Verlieben. Mit den zarten und femininen Schmuckstücken speziell für die Braut lancierte Brigitte Adolph eine außergewöhnliche Erfolgslinie.
    Bestseller: das Set „Pique Dame“ mit Perlen, gefolgt vom ringklassiker „Bordure“.

    Erhältlich bei Juwelieren und Galerien in Deutschland, Europa und ein paar Spezialisten in Shanghai, Toronto, Dallas.... online auch über Fachhändler wie Juweliere.de

    Wie wurde Spitze zu Ihrem Lieblingsthema?

    Die Liebe zur Spitze habe ich während eines Studien- projektes zum Thema „Erinnerungen“ entdeckt. Für mein Zwischendiplom hatte ich textile Erinne- rungsstücke meiner Familie verarbeitet. Zuerst entstanden daraus Bildkompositionen, später auch Schmuckstücke, für die ich die Spitze selbst häkelte.

    Arbeiten Sie nach echten, historischen Vorlagen?

    Spitze aus unterschiedlichen Kulturen inspiriert mich sehr. In Zusammenarbeit mit der Engländerin Jayne Childs haben wir zum Beispiel traditionelle Muster der Nottinghamer Spitzenkultur kombiniert und dadurch eine ganz neue, moderne Spitzenästhetik erhalten.

    Das Gemälde einer Kaufmannstochter mit großzügigem Spitzenkragen hat mich zu den opulenten ohrringen „Merchants daughter“ inspiriert. In Venedig habe ich auf meiner Hochzeitsreise in einem kleinen Handar- beitsladen eine handgeklöppelte Spitze entdeckt, nach der das Collier „Venezia“ entstand.

    Wie nah ist Ihr Design am Thema Mode?

    Spitze hat eine lange Tradition als weibliche Zierde. Nach langen Jahren des Minimalismus ist sie nun nicht mehr aus den aktuellen Modekollektionen wegzuden- ken. Für meinen Braut-Katalog hatte ich ein gemein- sames Shooting mit dem Hamburger Brautmoden- Geschäft Elbbraut und märchenhaften Brautkleidern von Felicitas, einem renommierten Berliner Label.


    Wir arbeiten beide viel mit Spitze. Mode und Schmuck ergänzten sich wunderbar. Vor einem Monat durfte meine Kollektion nach München für ein Shooting mit Elfenkleid, ebenfalls einem angesagten deutschen Modelabel.

    Verraten Sie das Geheimnis Ihrer Technik?

    ... leider nein, das macht doch gerade den reiz aus.

    Wie sieht für Sie die perfekte Braut aus?

    Perfekt ist ein ambitioniertes Wort... Die „perfekte“ Braut versucht nicht perfekt zu sein, sondern möchte einfach ihr schönstes „Ich“ zeigen. Ich stelle mir Weiblichkeit mit einem extra Touch Eleganz vor. Natürliche Schönheit verbunden mit ganz viel persön- licher Ausstrahlung. Spitze verleiht einer Braut einen Hauch von Anmut und subtiler Erotik.

    Was alles finden Sie spitze (außer Spitze)?


    „Meine zwei Kinder, Men- schen mit Humor, gute Hörbücher bei der Arbeit hören, Weingartener Wein und Balsamico-Chips am Feierabend.“

    Vielen Dank

    Zur Historie:

    Spitze ... einst nur für die reichen

    Nur der Adel oder die reichsten Bürger konnten sich leisten, einen Kragen aus Spitze zu tragen. So war das zum Beispiel im 17. Jahrhundert, als aufwändig hergestellte Nadelspitzen die Garderobe zierten.

    Die ersten dieser, aus einem Gitterwerk aus Fäden herge- stellten, zarten Textilien kennt man seit dem 15. Jahrhundert – aus Norditalien verbreitete sich die Technik weiter.

    Eine fast unerschwingliche Kostbarkeit, bis dann um 1700 die schnellere Klöppeltechnik und später dann die auf Tüllgrund gearbeitete Spitze Verbreitung fand.

    Jetzt konnten sich auch weniger wohlhabende Bürger Spitze zum Sonntagsstaat leisten. Die beliebte Häkeltechnik entstand im 19. Jahrhundert und wurde von Irlands Heimarbeiterinnen zu höchster Vollendung gebracht.

    Welche Technik auch immer: Heute wird Spitze in der regel maschinell gefertigt, schmückt seltener Krägen und Manschetten, dafür häufiger Wäsche, Dessous und je nach Modetrend die outfits der Damen.

    Derzeit lässt man es gerne wieder „blitzen“ – mit Spitzen-Applikationen an Kleidern und röcken, Spitzenblusen, -kleidern und zarten Shirts. undenkbar ohne Spitze: romantische Brautmode, die diesen Kult im besten Sinne „auf die Spitze“ treibt.
    j.reiher@upsideone.de

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  • Schmuck von Heideman
Neue Schmuckkollektion von Heidemann
Partnerringe von Heidemann
Individuelle Schmuckgravuren von Heidemann
Neue Schmuckkollektion von Heidemann
    Individuelle Schmuckelemente
    Partnerringe von Heideman - Schmuck, der tiefste Zuneigung verkörpert Persönliche Gravuren im Schmuck

    Als Liebesbeweis oder zur Erinnerung, als Zeichen der Verbundenheit oder für ein starkes Ego: Ringe mit individuellen Insignien können viel mehr als nur schmücken. Kultstücke im trendigen Design von Heideman.

    Geht nicht, gibt’s nicht, meint Schmuckdesigner Jan Heideman und setzt seine innovativen Herstellungstechniken für einen besonderen Service am Kunden ein: Gravuren nach Wunsch! Natürlich lassen sich ganz einfach nur zwei Namen in schwungvollen Lettern auf den Ring schreiben oder die Initialen in neuester 3D-Methode einbrennen – aber es geht auch raffinierter.

    So können Sprüche und Versprechungen graviert werden, auf der Außenfläche des Rings und für alle zu lesen – oder innen und nur für Auserwählte bestimmt. Symbole und Wappen kennzeichnen den Schmuck, eine Kinderskizze wird auf einem Anhänger verewigt, das Tattoo des Geliebten zum ständigen Begleiter.

    Auch der persönliche Fingerabdruck wird als Print auf dem Ring zum individuellen Schmuckelement. Feine, filigrane Motive sind dank modernster Lasertechnik ebenso möglich wie plakative Skizzen.

    Die Partnerringe oder auch individuelle Einzelringe mit Gravur sind Individuen aus Stahl, je nach Modell mit geschwärzten Partien oder auch mit Steinbesatz. Die Herstellung „made in Germany“ ermöglicht die Erfüllung persönlicher Wünsche schon innerhalb weniger Tage!

    steel_art Partnerringe von Heideman

    „Appetizer“ aus der aktuellen Kollektion:
    Ring Enigma, 13 mm breit, aus hochwertigem Edelstahl, mit Buchstabengravuren nach Wunsch und vier verschiedenen Oberflächen zur Wahl (Glanzmatt, Eismatt, Kratzmatt und poliert). Kostenlose individuelle Gravur, 232 Euro

    2 Partnerringe Par, je 9 mm breit aus hochwertigem Edelstahl. Verschiedene Oberflächen stehen zur Auswahl, Gravur nach Wunsch, ohne Aufpreis, 420 Euro

    2 Partnerringe Duett oval, je 9 mm breit, aus hochwertigem Edelstahl, mit individuellem Schriftzug über beide Ringe hinweg. 4 Oberflächen zur Auswahl, kostenlose Gravur, 389 Euro
    2 Partnerringe Duett, je 13 mm breit, aus hochwertigem Edelstahl, wahlweise in schwarz oder stahlfarben. Gravur nach Wunsch, ohne Aufschlag, 420 Euro

    2 Partnerringe Duett, je 9 mm breit, aus hochwertigem Edelstahl mit herzförmigem Keramikinlay in Schwarz oder weiteren 5 Farben. 4 Oberflächen zur Auswahl, Gravur nach Wunsch, ohne Aufschlag, 420 Euro

    Alle Ringe von Heideman gibt es mit einer attraktiven Geschenkbox.

    steel sicher Heideman

    Klar, modern und einfach schön – das ist Schmuck von Heideman.

    Die Kreationen von Jan und Eva-Maria Heideman beherrschen die reduzierte Formensprache perfekt. Basis allen Schaffens ist Edelstahl in seiner reinen Form. Durch unterschiedliche Beschichtungen entstehen verschiedene Ausdrucksmöglichkeiten.

    Vor allem stylisches Schwarz kennzeichnet die junge Marke mit Sitz in Ahaus. Das Credo von Heideman: ars artia gratis – die Kunst um der Kunst willen.

    Heideman GmbH
    Öddingstr. 26
    48683 Ahaus / Germany

    Weitere Nachrichten und Artikel über Mode, Fashion-Shows, Top-Events und Geschichten die das Leben schöner machen finden sie in der Rubrik: LEBENSART - Stil und Lifestyle

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Aktuelles - Reden ist Silber

  • Der Spiegel gehoert zu den groessten Fake News schreudern in Deutschland
Gelder der Gebuehrenzahler wurden missbraucht
Bild Zeitung hetzt die Jungen gegen die Alten auf
ARd und ZDF machen Propaganda fuer Bert Ruerup Walter Rister und Maschmeyer
    Die Steigbügelhalter in den Medien
    Fake News, Postfaktisch, Propaganda - Wer Lügt?

    Ich erinnere mich an ein Gespräch, das ich 2007 mit dem Top-Journalisten Dr. Andreas Wildhagen in den Redaktionsräumen der Wirtschafts-Woche-Handelsblatt Redaktion in Düsseldorf geführt habe.

    Ich polterte los, warum schreibt ihr nicht über das, das und das? Das sind die Themen, die das Volk interessieren, warum klärt ihr sie nicht auf? Das wollen die wissen.

    Er lehnte sich nach der stundenlangen Diskussion mit einem Lächeln im Gesicht süffisant in seinem Ledersessel zurück und sagte nur, aber Gottfried wir gehören zum Establishment . Er hätte auch gleich sagen können, wir gehören zur Elite. Damit hatte er alles gesagt und meine Fragen beantwortet.

    Vor zwei Jahren habe ich den Elite-Journalisten noch einmal in Düsseldorf getroffen. Er fiel mir um den Hals und schrie es hinaus, ich habe hingeworfen, ich kann diese Lügen nicht mehr mittragen.

    Andreas Wildhagen war Ressorleiter bei Gruner und Jahr. Danach fünf Jahre bei Burda und Deutschland Korrespondent der Tageszeitung Welt.

    Seit 1997 war er bei der Wirtschaftswoche. Sein Motto war: " Ein Matrose auf einem sinkenden Schiff merkt schnell, das es am Land schöner ist." Wildhagen hat die sinkenden Fake-News Medien-Schiffe verlassen. An der Propaganda fur die Eliten wollte er nicht mehr mitwirken. Gut so.

    Echokammern und Filterblasen - Wer ist noch glaubwürdig? Der Medienwissenschaftler Norbert Bolz schreibt in der aktuelle Cicero-Ausgabe - Bolz führt den Begriff der „weißen Lügen“ ein: „Sie sind das Medium, in dem die politische Klasse und die Medienklasse gemeinsam den Mainstream kanalisieren.

    Weiße Lügen sind gut gemeinte Übertreibungen, mit denen man die unmündigen Bürger in die richtige Richtung schubst, also die Propaganda der Gutmenschen.

    „Political Correctness ist die linke, Fake News die rechte Variante derselben Realitätsverweigerung.“ 

    Hier mal ein Beispiel: Bei Nachrichten über die „Kriminalität von Flüchtlingen“ (73 Prozent), die „Zahl der Flüchtlinge, die zu uns kommen“ (67 Prozent) oder „den russischen Präsidenten Putin“ (59 Prozent) hat jeweils eine Mehrheit der Bürger Zweifel an der Berichterstattung.

    Laut Bolz liegt eine so genannte „weiße Lüge“ bereits dann vor, wenn eine Redaktion auf eine Nachricht verzichte, um damit keine Fremdenfeindlichkeit auszulösen.

    Auch ausgewiesene „Experten“ stoßen bei den Bürgern auf Skepsis. 61 Prozent vertreten die Position: „Auf das Urteil von Experten gebe ich im Allgemeinen nicht viel. Diese sogenannten Experten sind meist nicht unabhängig. Deshalb kann man sich auf ihr Urteil nicht verlassen."

    Die Steigbügelhalter in den Medien

    Albrecht Müller von den "Nachdenkseiten" zeigt uns, wer die Fake-News Betreiber sind, es sind die sogenanten Qualitäts-Leitmedien in Deutschland und nicht die viel gescholtenen asozialen Netzwerke im Internet.

    Müller schreibt. "Nahezu einhellig haben alle unsere etablierten Medien den demographischen Wandel beklagt. Sie sind so „flachgründig“, dass sie gar nicht gemerkt haben, wie übertrieben die Panikmache war. Und sie haben nicht gemerkt oder sich willentlich dafür hergegeben, die Panik um den demographischen Wandel für eine Kampagne zur Teilprivatisierung der Altersvorsorge zu nutzen.

    Geplant und einkalkuliert

    Sie haben sich von der Versicherungswirtschaft und den Banken einspannen lassen. Sie haben keinerlei Distanz zu den Lobbyisten der Riester-Rente und der staatlich geförderten betrieblichen Altersvorsorge gewahrt. Reihenweise sind sie auf sogenannte Wissenschaftler hereingefallen, die erkennbar offen mit den Lobbyisten verbunden waren."

    Lobbyisten und die Medien haben ganze Arbeit geleistet

    Die etablierten Medien haben zu beiden Fragen – zum demographischen Wandel und zur abgeleiteten Empfehlung zur privaten Altersvorsorge – eine Kampagne nach der anderen gefahren. Reich geworden sind die Versicherer, Banken, Bert Rürup, Walter Rister und Maschmeyer. Die Lobbyisten in den Medien haben ganze Arbeit geleistet.

    Ohne die Zustimmung und Unterstützung der Fake-News-Medien hätte man die gesetzliche Rente nicht schlecht reden können. Das erklärte Ziel war, der Politik den Weg zu bereiten, die Leistungsfähigkeit der gesetzlichen Rente platt zu machen. An diesem widerlichen Kuh-Handel, zu lasten der heutigen und zukünftigen Rentner, waren alle Parteien, CDU/CSU, SPD, FDP und die Grünen beteiligt.

    Schwerwiegende Fakes

    Weil die NachDenkSeiten-Macher nicht immer meckern wollen, hatten sie sich fest vorgenommen, die Wahl Steinmeiers zum Bundespräsidenten nicht zu kommentieren. Aber dann hat er sich am Tag der Wahl in einem Interview mit der ARD in einer Weise geäußert, die Widerspruch hervorrufen muss.

    Der neue Bundespräsident macht sich Sorgen wegen der Verbreitung von Falschmeldungen in den sozialen Medien, er sieht darin ein Risiko für die Demokratie. Und er sieht nicht, dass in den etablierten Medien und von der etablierten Politik, gerade auch von ihm, Unwahrheiten verbreitet worden sind und mit Lügen Politik gemacht worden ist. Frank Walter Steinmeier ist einer der Verbreiter von schwerwiegenden „Fakes“. Albrecht Müller.

    Gesine Schwan im Morning Briefing von Gabor Steingart

    Eine späte Erkenntnis, funf Jahre nach beginn der Flüchtlingskriese: "Auch in der Migrationspolitik habe die SPD ihre Kernwählerschaft enttäuscht. Die Grundsätze der Gerechtigkeit seien verletzt worden, da man die Interessen der angestammten Bevölkerung nicht ausreichend berücksichtigt habe:

    Man unterschätzt die Demütigungserfahrung, die Menschen machen, wenn ihnen – noch dazu in sozial schwierigen Situationen – etwas aufs Auge gedrückt wird.“ PS: Nun will Gesine Schwan Parteivorsitzende der SPD werden. Ich bin der Meinung, das hätte sie einmal vor fünf Jahren sagen sollen.

    Gottfried Böhmer

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  • Die unendlichen Weiten Fuenfeinhalb Kilo schwer Foto Soenke C Weiss
    Das NASA-Archiv 60 Jahre im All
    Unendliche Weiten - die Geschichte der NASA in einem opulenten Bildband

    Wow, wow, wow. Fünfeinhalb Kilo Gewicht, 33 Zentimeter Kantenlängen, über sieben Zentimeter Dicke. Ohne zu übertreiben: Eines der wohl imposantesten Bücher, die ich Zeit meines Lebens gelesen habe, ist sicher „Das NASA-Archiv 60 Jahre im All“ von Piers Bizony.

    Erschienen ist dieses Mammutwerk (468 Seiten) im Taschen-Verlag und ist in der Tat alles andere als ein Taschenbuch. Im Gegenteil.

    Anhand von spannend verfassten Zeitzeugen-Berichten und 400 grandiosen wie opulenten Abbildungen wie bislang selten gezeigten Originaldokumenten erzählt das Werk die Geschichte der US-Raumfahrtbehörde, den Wettlauf mit den Russen ins All, die Hintergründe der ersten und bislang einzig bemannten Mondlandung bis hin zu den aktuellen Marsprojekten und zukünftigen Missionen.

    So werden Raumfahrt und Forschung zu einem Abenteuer, das garantiert nicht nur Männern Spaß macht. Das Buch ist so cool wie sich die Raumfahrt der Öffentlichkeit immer präsentiert hat, der Druck ist hochwertig, so dass der Preis von 100 Euro (CHF 140) absolut gerechtfertigt ist.

    Tipp für Weihnachten

    „Das NASA-Archiv 60 Jahre im All“ erscheint im August. Mein Tipp: Schon jetzt für Weihnachten vormerken. Der Bildband spricht alle Generationen an. Und das Fest ist gerettet.

    Sönke C. Weiss

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  • Identitätsverlust - Ein Essay von Heinrich Schmitz
    Nee, watt wör datt schön
    Rabimmel, Rabammel, Rabumm - Identitätsverlust - Ein Essay von Heinrich Schmitz

    Meine Mutter war traurig. " Isch hann extra de Käätzje in de Finster gestellt. Dann koom de Zoch , de Kapell hätt tapfer jespellt, ävver meenste do hät eene metjesonge ?" Ich wusste nicht auf Anhieb, was sie meinte. Kerzen im Fenster, Zug, Kapelle, keiner hat mitgesungen ? Dann war es mir klar.

    "Meenste de Märteszoch ?" . "Jo, die kenne die Leeder all jar nit mieh. De Pänz net un de Eldere och net."

    Wen kümmert's, dachte ich zunächst, aber das kurze Gespräch mit meiner Mutter ging mir den ganzen Tag über nicht aus dem Kopf. Ich war plötzlich wieder Kindergarten und Grundschulkind. Der Martinzug war früher ein Ereignis. Schon Wochen vorher bastelten wir mehr oder weniger schöne Laternen.

    Mit echten Kerzen drin. Feuer, offenes Feuer. Die einzelnen Schulen wetteiferten um die schönsten Kreationen. Ältere Schüler begleiteten den Zug mit Pechfackeln. Wann bin ich endlich so alt, dass ich eine Pechfackel tragen darf, das war die Frage.

    Und während der Bastelphase wurden Lieder geübt. Die hochdeutschen wie "St. Martin, St. Martin", die man auch heute noch googeln kann, und noch viel wichtiger, die Lieder im heimischen Dialekt, nach denen man vergeblich googelt.

    Ein paar findet man noch in Archiven, aber - und da hat meine Mutter recht - viele sind vergessen. Die Kapellen haben noch die Noten, die Texte kennt kaum noch einer. Schade.

    "Dörch all die Strooße trecke mir, Sank Määtes, Sank Määtes,

    met Fackel un met Määtesfüer, Sank Määtes, Sank Määtes,

    mir don dich och veriehre,

    moss os och aanhüehre,

    Sank Määtes, Sank Määtes, Sank Määtes, Sank Määtes, "

    und da verließen sie ihn. Auch mir fällt der ganze Text nicht mehr ein, obwohl ich meine Mundart, der Rheinländer spricht hier von "singer Muttersprooch" ( das "o" offen , wie in Woche ), im Gegensatz zu manch anderem nie verleugnet und neben dem rheinisch-gefärbeten Hochdeutsch immer gesprochen habe.

    Dass im Zweifelsfall ein Großteil der Kinder und der Eltern gar nicht mehr weiß, warum sie mit den Laternen hinter einem Mann auf einem Pferd her rennen, soll hier nicht das Thema sein. Dafür gibt ja Matthias Matussek. Mir geht es nicht um den katholischen Hintergrund, sondern um die Sprache.

    Was wird aus unseren heimischen Dialekten, wenn die Kinder sie nicht mehr sprechen ? Sie gehen verloren. Warum sprechen die Kinder nicht mehr im Dialekt ? Weil die Eltern es nicht mehr tun, sei es , weil sie es selbst schon nicht mehr lernen durften, sei es weil sie es zwar noch können, aber mit ihren Kindern nicht sprechen.

    In der Sozialisation der frühen 60er Jahre, der Zeit also, als neben Hochdeutsch vor allem in den Familien noch Dialekt gesprochen wurde, aber auch auch im Kindergarten, fing es langsam an. Plattdissing. Hochdeutsch sollte gesprochen werden.

    Die Bildungsbürgereltern meiner Freunde verboten ihren Kindern im Dialekt zu sprechen. "Das sagt man aber nicht so". Dialekt gleich doof, Hochdeutsch gleich "jebildet".

    "Watt ene Driss", möchte man da schreien. Kein Mensch kommt aus "Hochdeutschland", höchstens ein paar Hannoveraner. Jede Region, jeder Ort, ja teilweise jedes Stadtviertel hatte einmal ihre eigene Sprache. Pygmalion lebt von dieser Tatsache, Professor Higgins kannte sie alle. Und heute ?

    Ist die Sprachkompetenz unserer Kinder heute besser als in den 60er Jahren, Alter ? Weit und breit kein Dialekt mehr zu hören, aber Hochdeutsch auch eher nicht. Was hat's gebracht, die Dialekte auch aus den Schulen und Kindergärten zu verbannen ? Dass Sprache sich verändert, ist normal.

    Dass eine ganze Sprache bzw. eine ganze Reihe von Sprachen mit der Generation meiner Eltern ausstirbt, ist bedauerlich. Und dass der heimische Dialekt eine eigene Sprache ist, mit eigenen Wörten, eigener Grammatik und eigenem Wert, ist doch kein Geheimnis.

    Im Rheinland wird, nicht zuletzt durch die vielen Mundartgruppen, wie BAP, Bläck Föös, Brings und wie sie alle heißen, eine Art Mundart immerhin noch ein wenig am Leben erhalten - auch wenn es weder das echte Kölsch noch sonst irgendein echter Dialekt ist, der da in der Regel verwendet wird.

    Klingt aber wenigstens so ähnlich. Leider wird diese Sprache aber oft nur zu Karneval aus dem Giftschrank geholt und am Aschermittwoch mit dem Nubbel wieder verbrannt. Dialekt nur als Karnevalsaccessoire ?

    Na und, fragt der ein oder andere Hochkulturer ? Diese niedere Sprache ist doch nicht wertvoll, nur etwas für Volkstheater. Falsch.

    Die Dialekte sind eine untergehende Kultur. Wenn es sich um andere untergehende Kulturen weit weg , am Arsch der Welt handelt, sind die selben hochnäsigen Bildungsbürger gerne bereit ins Portemonnaie zu greifen und für deren Rettung zu spenden. Aber für die eigenen Wurzeln ? Kaum.

    Es gibt einige Projekte wie z.B. die in Köln ansässige "Akademie för uns kölsche Sproch " (http://www.koelsch-akademie.de/) und kleiner örtliche Projekte. Gesprochen wird die "Sproch" aber nur noch von älteren, sie trocknet aus, sie verschwindet.

    Mir tut das weh. Bevor jetzt die Nationalisten denken, sie hätten eine deutsch-nationale Schwachstelle bei mir entdeckt und ich sei ein heimlicher Deutschtümeler. Falsch. Das Gegenteil ist der Fall. In der Vielfalt der Dialekte zeigt sich die Vielfalt der Menschen, ein buntes Deutschland, ein buntes Europa und eine bunte Welt.

    Es ist nicht nötig seine nationale oder regionale Herkunft zu verleugnen und seine Muttersprache , hier den Dialekt, zu verraten und zu verkaufen. Wer die Sprache beherrscht, beherrscht das Denken - und zwar im doppelten Sinne.

    Natürlich ist das sogenannte Hochdeutsch als Amts- und Kommunikationssprache zwischen allen Bürgern wichtig und natürlich sollte jeder Bürger diese Sprache beherrschen.

    Aber nicht um den Preis, damit eine Einheitsidentität überzustülpen und seine Herkunft zu verleugnen. "Deutschsprach, Deutschsprach über alles" kann nicht das Ziel sein. Vielmehr Erhaltung und Wiederbelebung der Dialekte.

    Dass Dialekt und Nationalismus nichts, aber auch gar nicht miteinander zu tun haben, zeigen alle Künstler die an der größten antirassistischen und antinationalistischen Demonstration am 9.11.1992 und am 9.11.2012 teilgenommen haben.

    Die heißt nicht "Hintern hoch - Zähne auseinander", nein, die heißt kraftvoll "ARSCH HUH - ZÄNG USSSENANDER". Ich versteige mich mal zu der Behauptung, dass ein lebender Lokalpatriotismus eine natürliche Immunisierung gegen jede Form von Nationalismus mit sich bringt.

    Auf Hochdeutsch wäre eine solche Veranstaltung mit dieser emotionalen Intensität kaum vorstellbar, "do fählt et Hätz".

    Ich erinnere mich an eine "Einer wird gewinnen" - Sendung mit Hans Joachim Kulenkampff, lange her. Auf der Bühne stand ein Statist in britischer Beefeater-Uniform für irgendein Zuordnungsspiel.

    Nach dem Spiel fragte der Moderator diesen Statisten, "where do you come from" und der antwortet in herzerfrischendem Kölsch, "Isch bin uss Nippes". So muss es sein, unvergesslich, mein Held, der Nippesser.

    Vielleicht können die Kindergärten ja mal in den Altersheimen vorbeischauen. Vielleicht können die Alten ihnen die alten Martinslieder vorsingen.

    Vielleicht können die Kindergärtnerinnen das mit ihren schicken smartphones aufnehmen, die alten Texte aufschreiben. Vielleicht kann meine Mutter beim nächsten oder übernächsten Martinszug wieder die alten guten Lieder hören.

    Nee, watt wör datt schön.

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Kunst - Werk der Woche

  • Heiner Meyer, Chanel Oel auf Leinwand
Heiner Meyer, Stiletto Oel auf Leinwand
Heiner Meyer, Medicine Oel auf Leinwand
    Heiner Meyer – OH, LÀ LÀ
    Der Vorzeige-Maler der deutschen Post-Pop-Art Heiner Meyer

    Schon 2013 war Heiner Meyer bei der GFDK - Werk der Woche. Nun sieben Jahre weiter, wurde er nochmals von der GFDK-Redaktion ausgewählt. Vorzeige-Maler der deutschen Post-Pop-Art Heiner Meyer weckt in der Augsburger GALERIE NOAH Begierden und führt diese zugleich ad absurdum.

    Porsche, Prada und Escada, geliftete Beauties und frohlockendes Softeis, Schönheit satt, prall und geballt bringt Heiner Meyer auf Leinwand wie auf den Punkt; Begierde, Gier, Begehrlichkeit weckt und stillt der Vorzeige-Maler der deutschen Post-Pop-Art auf einen Streich – und eröffnet gekonnt bis perfekt die perfiden Spiele um Schein und Sein in der Arena der Augsburger GALERIE NOAH.

    „OH, LÀ LÀ!“ ist seine aktuelle Ausstellung dort im Glasplast betitelt, die einmal mehr die stilistische Raffinesse des Bielefelder Künstlers vor Augen führt.

    Routiniert und ausgefeilt setzt er in surrealer bis fotorealistischer Manier die Symbole von Luxus und Lifestyle zusammen und weiß zeitgleich geschickt zu konterkarieren: bleibt einem die eisige Kalorienbombe beim Anblick der schlanken Silhouette im Vordergrund im wahrsten Sinne im Halse stecken.

    Doppelbödig ist die Kunst von Meyer allemal, verziert mit reichlich Anspielungen an die Vergänglichkeit, mit Kritik am Jugend- und Schönheitswahn, am Wert der Ware heute, die indes dezent, ja, skurriler Weise ästhetisch daher kommt und sich nicht unbedingt aufdrängt.

    Die 40 neuen Ölbilder, Papierarbeiten, Bronzeplastiken und Objekte in der GALERIE NOAH bedienen die weiblichen wie die männlichen Sehnsüchte und changieren facettenreich hin und her zwischen tragikomischer Ikon- und Ironisierung:

    Diese machen die malerischen Kommentare Meyers auf der echten Louis-Vuitton-Tasche dem angepassten Modeblogger einen poppigen Strich durch die Rechnung; strahlen die makellosen Gesichter in Öl auf Leinwand nunmehr aus dem OP-Verband; und stellt Minnie Mouse in skulpturaler Monumentalität das Schönheitsideal per se wie stante pede in Frage. Schön, schön schräg, Satire auf Pop-Art.

    „Heiner Meyer – OH, LÀ LÀ!“ in die GALERIE NOAH im Augsburger Glaspalast

    am Donnerstag, 18. Juli 2019, um 19 Uhr; der Künstler ist anwesend.

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  • Bilder an denen man sich nicht satt sehen kann von Giuseppe Gonella in berlin
Giuseppe Gonella vor einem seiner Werke
Eine trostlose Endzeitlandschaft von Giuseppe Gonella
Malerei von Giuseppe Conella Zeit, Leben, Tod und Neubeginn
Wasser ist der Ursprung allen Lebens fuer Giuseppe Gonella
Malerei von GiuseppeConella  Die Menschen in seinen Bildern sind selten komplett ausgearbeitet
Malerei von Giuseppe Conella Und immer wieder, trostlose Endzeitlandschaften
Malerei von Giuseppe Conella Die großen Urthemen Zeit, Leben, Tod und Neubeginn beschaeftigen den Kuenstler immer wieder
Malerei von Giuseppe Gonella Einer DNA gleich durchziehen neonfarbene Leuchtspuren die Bilder
    Wasser ist der Ursprung allen Lebens
    Von der ewigen Wiederkehr – Zur Malerei von Giuseppe Gonella

    Ein Moment, den jeder kennt und schon einmal erlebt hat. Wenn sich der Kopf langsam unter Wasser senkt bis die Augen auf Höhe des Wasserspiegels sind, der den Blick teilt und man buchstäblich zwischen den Welten schwebt. Unten die Stille des Meeres, oben das ganze Diesseits der Welt, Wind, der Wellen kräuselt, Sonnenstrahlen, Licht.

    Giuseppe Gonella nennt das Bild, das diesen Moment festhält Unter the Skin of the Sea, und in ihm ist das Thema der Ausstellung gefasst: De aeterno reditu, von der ewigen Wiederkehr.

    Wasser ist der Ursprung allen Lebens, und so ist es bezeichnend, dass unter jener Haut in Form von fluoreszierenden Partikeln, die als Kleinstlebewesen den Beginn der Evolution darstellen, Lebendigkeit pulsiert, während gleichzeitig in der sich aus demselben Wasser erhebenden diesseitigen Ferne die Insel Pontikonisi abzeichnet, vermutlich das Vorbild zu Arnold Böcklins Die Toteninsel.

    Zeit, Leben, Tod und Neubeginn

    Die großen Urthemen Zeit, Leben, Tod und Neubeginn, die Gonella in jedem seiner Bilder verhandelt, sind der kontextuelle Bezug, der die Ausstellung zusammenhält und sie zu einem Ganzen gestaltet. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen ist die direkt auf die größte Galeriewand aufgetragene Wandmalerei, die eine monumentale Ruinenlandschaft zeigt:

    Umgestürzte Säulen, Jahrhunderte alte Zeugen, die bereits alle Bilder der Lebenserzählung gesehen haben, die in den Gemälden aufgefächert wird. Auch jene Bilder, die diese Lebenserzählung bis zu ihrem Ende noch bereithalten wird, werden sie begleiten. Vom Wandgemälde eingefasst sind zwei kleine Leinwände:

    Dem Guardian of the Sun, einem gelben Vogel, der mehrfach in den Bildern auftaucht, ist der Guardian of the Night entgegen gesetzt, eine unheimliche, in sich ruhende Figur ohne Gesicht, umhüllt von einem verzerrten Schachbrettmuster.

    Es wundert nicht, dass Giuseppe Gonella auf das Schachspiel verweist, Paraphrase auf die Gesellschaft zugleich, auf Partien um Leben und Tod, um das Dunkle der Nacht zu versinnbildlichen.

    Solche Gegensätze, wie sie sich in Unter the Skin of the Sea andeuten, finden sich im Zusammenspiel der Gemälde häufiger. Jeder dieser Gegensätze lädt dazu ein, sich seinem Spannungsfeld auszusetzen.

    Hier eine stillende Mutter, Sinnbild der Lebensspenderin, doch eine Art Cyberkreatur, dort die Andeutung des mythischen Fabelwesens Ouroboros, das sich selbst genügt: "Allem Zukünftigen beißt das Vergangene in den Schwanz".

    Eine trostlose Endzeitlandschaft

    In einem anderen Gemälde, Reassuring Horizons, schreitet eine in ein transparentes Regencape gewandete Gestalt durch eine trostlose Endzeitlandschaft, während sich in Sunny Side Up mehrere Menschen in paradiesischer Nacktheit um einen mächtigen Baumstamm gruppieren.

    Einer DNA gleich durchziehen neonfarbene Leuchtspuren die Bilder, die Erinnerungen und Emotionen evozieren. Manchmal erwachsen aus diesen Linien grelle Flächen, Farbfragmente, die zusammengesetzt den Grund ergeben, auf dem Gonella Figuratives zumeist nur andeutet.

    Die Menschen in seinen Bildern sind selten komplett ausgearbeitet, stattdessen sind sie häufig sich selbst überlappend und durchscheinend dargestellt, wie in den beiden Gemälden In the Same Breath #1 und #2, als seien sie nicht wirklich gegenwärtig, sondern im Übergang zwischen den Zeiten begriffen.

    So vereinen die meisten Bilder Giuseppe Gonellas mehrere Momentaufnahmen, die zeitlich nicht zu fassen sind. Dieses Wechselspiel aus Endlichkeit und Unendlichkeit erweitert das Spannungsfeld der inhaltlichen Gegensätze um eine apokalyptische Dimension

    In seinen Bildern gibt es ein Überleben

    Stellvertretend für den Betrachter ist es der Hofnarr in Portrait of the Court Jester Gonella – Tribute to Jean Fouquet, der sich der Wucht dieser Bilder aussetzt, und dem der Schrecken buchstäblich ins bleiche Gesicht gezeichnet ist.

    Es ist – wie auch in Mente locale, wieder eine verstörende Landschaft – kein gutes Ende, das Gonella andeutet, und es fällt nicht leicht, sich dem zu stellen.

    Einziger Trost: In seinen Bildern gibt es ein Überleben, auch wenn es nicht das der Menschheit zu sein scheint.

    Man wünscht sich zurück unter Wasser, Under the Skin of the Sea, in die traumverlorene Stille mit ihren bunten, pulsierenden Partikeln, aus der das Leben entsteht, in der Hoffnung, dass die Evolution einen anderen Weg einschlägt und sich die friedliche, paradiesische Vision, die Giuseppe Gonella ebenfalls darzustellen vermag, durchsetzt.

    © Helge Baumgarten, Berlin

    Giuseppe Gonella – De aeterno reditu, Malerei

    Egbert Baqué Contemporary Art

    Fasanenstraße 37

    10719 Berlin

     

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  • Nik Nowak Terminal 2015, transformed arcade game body, mixed media
    Mensch Macht Maschine
    Nik Nowak über kulturelle Transmitter oder akustische Waffen, Panzer und Echodrohnen

    Mensch Macht Maschine - Nik Nowak präsentiert - „DELETHE“

    Nik Nowak ist Künstler, Musiker und Kurator. Seine medienübergreifende künstlerische Arbeit befasst sich häufig mit der Wirkung von Sound, so wie mit der Rolle von Soundsystemen als kulturelle Transmitter oder akustische Waffen. Soundobjekte wie „Mobile Booster“, „Panzer“ und die „Echodrohnen“ verschafften ihm weltweite Aufmerksamkeit.

    Neben seiner Ausstellungstätigkeit geht er dem Phänomen der mobilen Soundsysteme seit Jahren auch wissenschaftlich nach und hält Vorträge zu diesem Thema. Außerdem tritt er regelmäßig mit Live- und DJ-Sets alleine oder mit seiner Band Schockglatze als Musiker auf.

    Das Langzeitprojekt DELETHE wurde 2012 als Projekt des Künstlers Nik Nowak, des Rechtsanwalts Philipp Brandt und des Kurators Peter Lang (✝) gegründet.

    2014 kamen die Kommunikationsdesigner VERBALVISUAL als Kollaborateure hinzu. DELETHE befasst sich mit der Frage nach dem Umgang und der Löschung von Daten nach dem Tod.

    Es ist Forum, Selbstversuch und Service zugleich und möchte den aktuellen Stand der Rechtslage mit der praktischen Umsetzbarkeit von Löschung persönlicher Daten nach dem Tod abgleichen.

    Mit dem Tod eines Menschen ergeben sich persönliche und rechtliche Fragen zum Umgang mit den Daten in der virtuellen Realität. Profile in den sozialen Netzwerken, Avatare, Accounts bestehen weiter.

    Wem gehören die Daten nach dem Ableben, gibt es einen Rechtsanspruch auf Löschung und was bedeutet der Kontrollverlust über die Daten? Gibt es ein Recht auf das Vergessenwerden?

    In der begehbaren Installation DELETHE spielen künstlerische Reflektionen zum Wandel unserer Zeit sowie das Verhältnis konkreter zu virtueller Realität in Bezug auf die Speicherung und Löschung von Daten, Vergessen und Archivieren eine Rolle.

    Nowak (*1981 in Mainz, lebt in Berlin) studierte von 2002 bis 2007 Kunst an der Universität der Künste, Berlin, war Meisterschüler von Prof. Lothar Baumgarten und besuchte 2007 die Bildhauerklasse von Xiang Jing an der Shanghai Normal University.

    2007 wurde ihm das Georg-Meistermann-Stipendium verliehen. 2014 kuratierte er in Zusammenarbeit mit dem Museum Marta die internationale Ausstellung „BOOSTER Kunst Sound Maschine“ und wurde mit dem GASAG Kunstpreis ausgezeichnet, der herausragende künstlerische Position an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technik ehrt.

    Begleitprogramm

    Künstlergespräch am Freitag, 06. September 2019 um 18:00 Uhr

    Städtische Galerie Wolfsburg

    Im Anschluss um 20:00 Uhr Filmvorführung im Hallenbad – Kultur am Schachtweg

    „WAR of ART“ mit Nik Nowak als Gast

    Im Gespräch gibt der Künstler Auskunft über seine Reise nach Nordkorea und die Hintergründe zum Film.

     

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Aktuelles - Interviews und Portraits

  • Michael Horbach und Michaela Boland
Michaela Boland und Michael Horbach Interview
Michael Horbach in der Galerie
Michael Horbach und Michaela Boland im Gespraech
Michael Horbach der Kunstsammler
Michaela Boland und Michael Horbach in Koeln
Michael Horbach Interview GFDK
    Keiner braucht drei Ferraris, auch kein Künstler
    Michael Horbach will mit der Kunst der Schickeria und den Superreichen nichts zu tun haben

    Das Gespräch haben wir 2013 mit Herrn Horbach geführt. Fast wie im Märchen: Er hat bereits in jungen Jahren Millionen gemacht. Nicht umsonst bemühte sich Veronica Ferres-Freund, Carsten Maschmeyer, einige Zeit intensiv darum, ihm sein lukratives Business mit Erfolg abzukaufen. Die Rede ist von Michael Horbach. Die Erfolgsstory des Aacheners begann schon 1983

    Als 23-jähriger Student, kurz nach dem Studium, der Volkswirtschaftslehre nämlich wurde der Sohn eines Pflasterers von seiner damaligen Freundin, einer Medizinstudentin, dazu angehalten, ihr für die Zukunft Tipps bei allen Vorsorge-und Versicherungsfragen zu geben.

    Gesagt, getan. Nachdem die Beratung sich schnell in barer Münze auszahlte, ward der Entschluss, aus dem Talent eine Profession zu machen, flink gefaßt. Und so trug es sich zu, dass schon bald Heerscharen potenzieller und gegenwärtiger Gutverdiener ihn umgaben, um seinen Rat einzuholen.

    Mit 50 aber machte der smarte Geschäftsmann dann jedoch planungsgemäß Schluß mit der Arbeit und widmete sich seinem eigentlich ebenfalls arbeitsreichen Vergnügen, der Kunst, ganz und gar.

    Im Jahre 2000 investierte der langjährige Wahlkölner einen großen Teil des Vermögens in seine Stiftung, die nicht nur Künstler und vor allem Künstlerinnen fördert, sondern auch sozial schwachen Menschen tatkräftig unter die Arme greift.

    Im Rahmen seiner Ausstellung mit dem Titel "Mein Cuba" demonstrierte Horbach, dass er sich auch höchst selbst auf die Kunst des Fotografierens versteht.

    Heute zeigt mir der Vater eines 38-jährigen Sohnes seine schönen Ausstellungsräume in der Kölner Südstadt und spricht ohne Vorbehalt, Strich und Komma wie ein Mensch von Angesicht zu Angesicht. Von den üblichen Plattitüden von Managern, Moderatoren und Politikern ist der sympathische „Wahlkölner“ weit weg.

    Michaela Boland:

    Herr Horbach, ihr aktuellstes Kunstprojekt  ist neben  der Verleihung des Fotopreises, welcher in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten gegangen ist, auch die Ausstellung "5 Räume - 5 Ausstellungen", die noch bis zum 20. August 2013 in ihren Kölner Räumlichkeiten zu bewundern ist. Was genau erwartet das kunstinteressierte Publikum hierbei?

    Michael Horbach:

    Das übergeordnete Thema lautet "Wunden". Zum einen werden wunderschöne Fotografien aus Afghanistan  von Professor Jaro Poncar zu sehen sein. Bei diesen Arbeiten sieht man keine Wunden,  es sind insoweit also keine Kriegsbilder, aber jeder hat diese Bilder bei dem Thema Afghanistan nun mal im Kopf.

    Heiner Schmitz präsentiert Fotos aus Palästina. Ihm war es wichtig, bei den Portraitarbeiten an der Mauer, die seit 2004 zwischen Israel und den palästinensischen Gebieten gebaut wird, Aussagen von betroffenen Menschen in seine fotografische Arbeit einzubinden.

    Außerdem stellt Pari Moradi, die erste Stipendiantin der Michael Horbach Stiftung, die 2007 als Autodidaktin mit der Malerei begann,  Zeichnungen aus. Darüber hinaus sehen wir Marcos Zimmermanns Fotos aus Argentinien, sowie die Fotos des diesjährigen Fotopreisträgers, Thomas Karsten, aus Uganda, auf denen Mütter mit ihren behinderten Kindern zu sehen sind.

    Michaela Boland:

    In den 80-er Jahren haben sie die Kunstgalerie des renommierten Galeristen Hans-Jürgen Müller in  Köln übernommen.

    Dort haben sie Künstler wie Blalla W. Hallman unter Vertrag ausgestellt, der kurz vor seinem Aufenthalt in einer psychiatrischen Anstalt alle ihm verfügbaren eigenen Arbeiten zerstört haben soll und u.a. an der University of California in San Francisco sowie der Hochschule für Bildende Künste in Braunschweig gelehrt hat.

    Sein Werk hat sich vor allem in blasphemischer und obszöner Weise mit existenziellen Grundfragen wie Religion oder Sexualität beschäftigt. Muss es für ihren Geschmack denn immer ein wenig exzessiver sein?

    Michael Horbach:

    Ich bin in meinem Leben schon immer gegen den Strom geschwommen. Blalla Hallman habe ich damals zunächst übernommen. Er war zu dem Zeitpunkt bereits Künstler der Galerie Hans-Jürgen Müller. Ich hatte zu der Zeit noch meine Firma und habe das Ganze damals noch mehr als Hobby betrieben. So habe ich zuerst einmal einfach sämtliche Künstler übernommen.

    Michaela Boland:

    Betraf das ebenfalls die bekannte belgische Fotografin und Videokünstlerin Marie Jo Lafontaine, der ihr internationaler Durchbruch 1987 auf der Documenta 8 mit einer Videoinstallation in Kassel gelang?

    Michael Horbach:

    Nein, die war nicht bei Hans-Jürgen Müller. Sie hatte ich zuvor akquiriert und ausgestellt.

    Michaela Boland:

    Für die damalige Zeit schon recht außergewöhnlich, nicht wahr?

    Michael Horbach:

    Ja, das kann man sagen. Ich wollte sie jetzt noch mal ausstellen und habe Kontakt mit ihrem Galeristen aufgenommen. Der hat dann aber gesagt, "Oje, Herr Horbach, die ist inzwischen sehr bekannt und dementsprechend auch anstrengend". Dann hat er mir so ein paar Fakten genannt und dann habe ich gesagt, " Nein, danke, das möchte ich nicht."

    Michaela Boland:

    Obwohl man sich bereits kennt und einen persönlichen Bezug zueinander hatte?

    Michael Horbach:

    Ja, aber das ist dann einfach zu anstrengend. Ich habe das lediglich gehört, aber sie soll beispielsweise darauf bestehen, dass jemand ihre Arbeiten aufhängt, der am Tag tausend Euro dafür kassiert.

    Die Kisten für ihre Kunstwerke sollen ein Vermögen kosten. Da möchte ich das Geld doch lieber den jüngeren Künstlern zukommen lassen. Außerdem mache ich das ja alles privat, dieses Geld zahle ich nicht aus meiner Stiftung.

    Michaela Boland:

    Klingt beinahe wie das, was man hin und wieder von exzentrischen Popdiven zu hören bekommt.

    Michael Horbach:

    Ja, da gibt es Sachen. Jetzt habe ich gehört, dass Andreas Gursky angeblich drei Ferrari fährt. Das ist so eine Geschichte die ich nicht besonders gut finde.

    Michaela Boland:

    Soweit er es vermag, alle gleichzeitig zu fahren, wäre es doch cool.

    Michael Horbach:

    (lacht)  Ja, gut.

    Michaela Boland:

    Der von ihrer Stiftung alle zwei Jahre ausgeschriebene und mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis geht in diesem Jahr an den Künstler Thomas Karsten. Worum geht es in dem von ihm dokumentierten Projekt?

    Michael Horbach:

    Dieses Projekt heißt "Räder für Uganda". Da haben wir 60 Fahrräder gestiftet und Thomas Karsten hat diese vor Ort verteilt. Er hat dort einen Transporter gemietet und ist anschließend durch die Dörfer gefahren und hat die Räder an arme Familien verteilt.

    Am Anfang wollten wir das ganze über eine Stiftung organisieren, daher hat er zunächst zwei Fahrräder jener Stiftung übergeben, jedoch hat er schnell gemerkt, dass am Ende doch wieder nur solche Menschen mit den Rädern fuhren, die eigentlich gar nicht so arm waren.

    Das sah man dann beispielsweise an solchen Dingen wie Armbanduhren. Insoweit haben solche Projekte nur Sinn, wenn man sie selbst in die Hand nimmt. Die zweite Arbeit, für welche Thomas Karsten den Fotopreis erhält, ist die Ausstellung, die zur Zeit in unseren Ausstellungsräumen hängt. Es geht um Frauen aus Uganda mit ihren behinderten Kindern.

    Michaela Boland:

    Nicht gerade eine Schön-Wetter-Thematik.

    Michael Horbach:

    Manchmal muss man durchaus zwei oder dreimal hinsehen, um es überhaupt zu bemerken. Ich finde, die Menschen auf den Fotos präsentieren sich voller Stolz und Selbstbewußtsein. Zwar durchaus zurückhaltend, aber dennoch merkt man, da ist Stolz. Ich halte das für eine gelungene Arbeit.

    Michaela Boland:

    Ist es grundsätzlich einfacher als Künstler Aufmerksamkeit innerhalb der Öffentlichkeit zu generieren, wenn man sich schlichtweg mit gesellschaftskritischen, sozialen oder unästhetischen Themen befaßt?

    Michael Horbach:

    Eher nicht. Wenn man Mainstream machen will und einen Galeriebetrieb hat, dann auf keinen Fall. Das hier ist ja keine Galerie, ich verkaufe ja nicht. Die Künstler können in ihrem Namen verkaufen.

    Ich gebe nur Geld aus und tue das gerne und bekomme das alles auf irgendeine Art und Weise zurück. Mich interessiert sozialkritische Fotografie am meisten und der mit 10.000 Euro dotierte Fotopreis sieht das auch als Kriterium.

    Michaela Boland:

    Man könnte ihren Fotopreis mit rein ästhetisch-schöner Fotografie also eher nicht erhalten?

    Michael Horbach:

    Auf keinen Fall. Also, ich bin sehr offen für sogenannte schöne und ästhetische Fotografie, habe im ersten Jahr 2011 in diesem Raum eine Ausstellung zum Thema Erotik ausgestellt und da waren sehr schöne ästhetische Fotografien dabei. Insoweit habe ich da überhaupt nichts gegen.

    Allerdings empfinde ich die normale Schönheit, die uns immer präsentiert wird, langweilig. Wenn ich also sehe, was uns durch bestimmte Models als Schönheit verkauft wird, dann kann ich nur traurig sein.

    Michaela Boland:

    Warum wird der Fotopreis nicht jedes Jahr, sondern nur alle zwei Jahre vergeben?

    Michael Horbach:

    Ich wollte hierfür eine bestimmte Summe ausschreiben und 10.000 Euro sind für einen Fotopreis schon ganz kräftig. Jedes Jahr wäre das ein bisschen viel gewesen. Das kommt ja aus meiner Stiftung. Da habe ich eine größere Summe hineingesteckt als ich meine Firma verkauft habe.

    Davon lebt die Stiftung hauptsächlich. Es ist nicht so, dass ich viel akquiriere und sage, "bitte spendet", denn da habe ich zu sehr die Angst, dass der eine oder andere sagt, "du hast Geld genug, mach du das mal".

    Michaela Boland:

    Heißt das, es gibt einen Topf, aus dem sich bedient wird?

    Michael Horbach:

    Ja, da ist ein Topf und von Zinsen wird die Arbeit finanziert (Anmerkung Redaktion: Das ist das deutsche Stiftungsgesetz). Darüber hinaus gibt es noch andere Gelegenheiten, bei denen ich dann sage, "o.k., du kannst deine Wohnung mit meiner Kunst ausstatten und dafür spendest du etwas".

    Oder, wenn mich Freunde, die es sich leisten können, auf Mallorca besuchen, dann zahlen auch die in die Stiftung ein. Drei-Gewinnerprinzip nenne ich das.

    Michaela Boland:

    Welche Art von Kunst hängt denn so privat bei ihnen?

    Michael Horbach:

    Früher, als ich jung war, Blalla Hallmann. Aber das geht heute nicht mehr. Ich möchte heute schon Kunst um mich haben, die positiv wirkt. Ich habe zum Beispiel fünf wunderschöne schwarzweisse Fotografien des kubanischen Fotografen Korda, der einst das berühmte und meistverbreitete Foto der Welt gemacht hat, nämlich das von Che Guevara.

    Neben diesem Foto hängt ein wunderschönes beeindruckendes Foto eines Mädchens, das einen Holzscheit als Puppenersatz an die Brust drückt. Korda hat ja immer gesagt, dass er kein Kommunist sei und rein gar nichts mit Kommunismus am Hut habe, aber, dass er Fidelist sei.

    Fidel habe alles richtig gemacht und zu diesem Foto hat er speziell gesagt, "ich werde so lange für die Revolution kämpfen bis jedes kubanische Mädchen eine richtige Puppe hat".

    Genau das habe ich auch in Kuba erlebt, dass junge Mütter, mit denen ich ins Gespräch kam, zu mir sagten, "wenn du noch mal kommst, kannst du meiner Tochter bitte eine Puppe mitbringen". Außerdem mag ich den italienischen Künstler Salvo oder auch die Kölner Künstler Heinz Zolper und Michael Buthe. Von den jungen Künstlern gefällt mir die Iranerin Pari Moradi

    Michaela Boland:

    Was tun sie eigentlich in ihrer Freizeit oder sind sie gar rund um die Uhr mit der Stiftungsarbeit beschäftigt?

    Michael Horbach:

    Ich versuche eine Harmonie zwischen Verantwortung und Vergnügen zu schaffen. Wobei Vergnügen ist, sich mit Kunst zu beschäftigen, viel zu reisen und zu fotografieren. Darum habe ich ja auch meine Firma mit 50 verkauft, weil ich frei sein wollte.

    Es gibt so viele schöne interessante Sachen, die ich im Leben kennenlernen möchte. Ich mache zudem auch etwas für meinen Körper und mache Sport.

    Michaela Boland:

    Was für einen Sport treiben sie?

    Michael Horbach:

    Ich habe einen Trainer, der zwei Mal die Woche kommt, dann werde ich so richtig gequält.

    Michaela Boland:

    Einen Personaltrainer?

    Michael Horbach:

    Ja, denn ich habe einfach Angst, dass ich zu viele Fehler mache, wenn ich allein oder in einer Gruppe Sport treibe. Das kann ich mir nämlich nicht mehr leisten, weil dann meine Knochen noch mehr schmerzen würden.

    Michaela Boland:

    Mit ihren eigenen Fotos von Kuba, die teilweise augenblicklich noch in ihren Ausstellungsräumen zu bewundern sind, haben sie für große Aufmerksamkeit gesorgt. Zwischenzeitlich ist sogar ein eigener Bildband ihrer Arbeiten erschienen. Wann haben sie selbst damit begonnen, die Kamera zu zücken und zu fotografieren?

    Michael Horbach:

    Ich habe immer schon geknipst und Urlaubsfotos gemacht. Irgendwann habe ich gemerkt, dass ich eigentlich einen ganz guten Blick habe. Mit der Technik habe ich es nicht so, da kenne ich wirklich nur das Notwendigste.

    Allerdings habe ich jetzt auch immer wieder in Fachbüchern gelesen, dass das gar nicht sein muss, wenn man Fotografie künstlerisch betreiben will, wobei ich den Anspruch noch immer nicht erhebe ein Künstler zu sein.

    Ich war vor ungefähr sieben Jahren zwei Jahre hintereinander in Argentinien, Buenos Aires, in Patagonien, da habe ich angefangen, intensiver zu fotografieren. Dabei hatte ich immer im Kopf, meiner Umgebung ein anderes Gesicht von Schönheit zu zeigen.

    Michaela Boland:

    Wie sollte das aussehen?

    Michael Horbach:

    Gesichter sollten einfach natürlich sein, möglichst ungeschminkt. Gesichter, die auch Spuren aufweisen, da wo nichts bearbeitet wird, wo Augen sind, die einen einfach umhauen. Dafür sterbe ich, dafür lebe ich. Das kann man bei kleinen Kindern bekommen, bei alten Männern oft und bei Frauen natürlich.

    Da habe ich schon sehr viele Portraits fotografiert. Ich nehme mir dann Amateure aus der Umgebung, spreche junge Frauen auf der Straße an und sage sofort, "es geht nur um Portraitfotografie, um interessante Gesichter“

    Michaela Boland:

    Und die sagen dann immer sofort, "ja"?

    Michael Horbach:

    In der Regel ja, nicht alle, aber der überwiegende Teil schon.

    Michaela Boland:

    Gab es eine bestimmte Motivation, ausgerechnet kubanische Gesichter für ihre Fotografie zu wählen?

    Michael Horbach:

    Ich habe Kuba durch mehrere Besuche sehr schätzen gelernt, vor allen Dingen die Menschen, die Lebensweise, die Landschaft und die Natur.

    Michaela Boland:

    Was zeichnet die Menschen dort ihrer Meinung nach aus?

    Michael Horbach:

    Dass sie einfach erstens Zeit haben und zweitens in der Regel immer gut drauf sind. Sie sind noch befreit vom Wettbewerb, also dem, was unser System natürlich ganz stark fördert. Außerdem habe ich das Gefühl, die Menschen dort haben noch soziale Bindung.

    Die sind zwar materiell arm, aber von denen könnten wir sehr viel lernen. Die sind auf ihre Art auch reich. Beispielsweise vom Charakter her, einfach von der Weise her, wie diese Menschen leben. Und das ist das, was ich zeigen wollte.

    Das Negative kennen wir durch unsere Presse zur Genüge. Das ist ja eine Diktatur, die sind ja alle arm und das ist natürlich alles der Kommunismus schuld usw.

    Ich wollte da einfach einen Gegenpol bilden und den Menschen, seine Schönheit, seine Heiterkeit und den Reichtum Kubas durch meine Fotografie zeigen und ich denke, das ist mir ganz gut gelungen. Die meisten kommen, staunen und sagen: "Ja, die lachen ja alle. Hast du die dazu aufgefordert?" Das habe ich kein einziges Mal gemacht.

    Michaela Boland:

    Insofern ist die Lebensfreude der Menschen offenbar eine ganz andere als hier bei uns. Woran, glauben sie, liegt das?

    Michael Horbach:

    Jetzt kann man sagen, das ist das Wetter, das ist die Karibik, o.k. In jedem Fall kann man aber sagen, durch das System wird das nicht zerstört. Dazu kommt, dass auch viele Halbwahrheiten oder Unwahrheiten in unserer Presse stehen.

    Es ist ein anderes System und da muss offenbar aus Sicht unserer bürgerlichen Presse immer alles schlecht sein. Ich wäre daher froh, wenn wir so ein Selbstbewußtsein hätten, dass wir zwar auf die Fehler hinweisen, aber vor allen Dingen auch zeigen, wo wir von dem anderen System etwas lernen könnten. Soweit müssten wir eigentlich sein.

    Michaela Boland:

    Fotografieren sie die Menschen auch schon mal hier in unseren heimischen Gefilden oder gehen sie dafür dann regelmäßig in andere südliche Länder?

    Michael Horbach:

    Ich habe das schon hier in der Galerie, auch auf Mallorca gemacht, aber sehr oft mit meinem Lieblingsmodel und das ist die Iranerin Pari Moradi.

    Michaela Boland:

    Die nicht nur Stipendiantin ihrer Stiftung, sondern jetzt auch ihre Lebensgefährtin ist.

    Michael Horbach:

    Ja (lacht), es macht einfach Spaß, weil sie natürlich ist. Ich brauche im Grunde gar nichts zu sagen (beim shooting), sondern nur abzuwarten und dann zu fotografieren.

    Michaela Boland:

    Wie alt ist sie?

    Michael Horbach:

    36.

    Michaela Boland:

    Wie hat sich die Liebesgeschichte zwischen ihnen beiden entwickelt?

    Michael Horbach

    Das war eigentlich beim ersten Treffen klar. Manchmal geht das so. Außerdem wollte ich nur eine Marokkanerin oder eine Iranerin als Partnerin haben. Männer haben ja manchmal so einen Spleen. Ich war acht Jahre mit einer Marokkanerin zusammen, aber das ging aus religiösen Gründen nicht mehr, das war alles ein wenig kompliziert.

    Pari ist Iranerin, hat aber mit Religion "nichts am Hut", wie man  so schön sagt. Aber der sogenannte Unreligiöse kann religiöser sein als der, der jeden Tag in die Kirche geht. Es kommt immer darauf an, was man tut.

    Michaela Boland:

    Sie fördern insbesondere KünstlerInnen. Unter anderem auch durch einen mehrmonatigen gesponserten Aufenthalt hier bei ihnen vor Ort. Wie sieht das konkret aus?

    Michael Horbach:

    Ich habe hier auch ein Atelier, das ich jungen Künstlerinnen aus dem Ausland für drei bis sechs Monate zur Verfügung stelle. Sie erhalten ein kleines Stipendium, das mit einer monatlichen Zahlung von 300.- bis 600,- Euro verbunden ist. Sie können hier arbeiten und wohnen. In der Regel mache ich auch anschließend eine Ausstellung.

    Michaela Boland:

    Welche besonderen Vorteile hat das für die Künstlerinnen? Geht es für Nicht-Europäerinnen in erster Linie darum, Kontakte zu knüpfen?

    Michael Horbach:

    Ja, natürlich. Meine Vorliebe ist Südamerika und wenn es sich ergibt, sage ich eben, "ja, o.k."

    Michaela Boland:

    Che Guevara ist übrigens in ihren Ausstellungsräumen, wie ich gerade sehe, auch recht präsent.

    Michael Horbach:

    Eine Sache, bei der ich emotional immer sehr berührt bin, ist, wenn versucht wird, ihm irgend etwas vorzuwerfen. Che ist ein Mensch, der bestimmt viele Fehler gemacht hat, aber es war Krieg, Revolution. Was soll man da mehr zu sagen? Für mich ist sein Lebensweg einfach etwas besonderes.

    Dass er als Medizinstudent in Südamerika diese unglaubliche Armut kennengelernt und sich deshalb verpflichtet hat, in Lepra-Stationen ärztlich tätig zu werden.

    Wer macht das? Das sagt doch alles. Es wird ihm vorgeworfen, dass er „während der Revolution Verräter hingerichtet habe. Diese hatten drei, vier Dörfer dem Erdboden gleichgemacht und hunderte Menschen wurden dabei getötet.

    Dass man im Kriegszustand das nicht einfach hinnimmt und selbst irrationale Entscheidungen trifft, das hat die Geschichte in den letzten 2.000 Jahren hundertmal bewiesen.

    Heutzutage wird ihm ja auch vorgeworfen, er hätte selbst Leute erschossen. Ob das stimmt, weiß man nicht. Aber, was ist heute? Heute läuft alles vom Schreibtisch aus. Wenn man überlegt, was Amerika so alles in 50 Jahren verursacht hat, aber das sind die feinen Herren hinter den Schreibtischen, die gab es zu allen Zeiten in allen Ländern.

    Michaela Boland:

    Kommen wir einmal zu ihrer früheren sehr erfolgreichen Karriere als Anlageberater. Sie haben in kurzer Zeit ein Vermögen gemacht. Ist ihnen das leicht gefallen?

    Michael Horbach:

    Ich bin wie die Jungfrau zum Kinde dazu gekommen, Unternehmer zu werden. Ich habe das mit Begeisterung gemacht und ich denke, ich habe es auch gut gemacht. Gerade in dieser verrufenen Branche habe ich ein Beispiel dafür abgegeben, dass man es auch ganz anders machen kann und dass es dafür auch einen riesigen Bedarf gibt.

    Denn jeder Deutsche braucht in finanziellen Bereichen Beratung. Ob das Finanzierungen und Versicherungen sind oder Existenzgründungen betrifft.

    Jeder wünscht sich einen Berater, dem er vertrauen kann und das ist sehr wichtig. Dies wird von Banken und den meisten Finanzdienstleister in der Regel nicht abgedeckt. Wenn man es dann mal anders macht, dann kann man einen Riesenerfolg haben.

    Michaela Boland:

    Wie schafft man denn dieses Vertrauen?

    Michael Horbach:

    Nach meinem Studium war es mein Ziel 2000,- DM im Monat zu verdienen. Ich hatte es nicht im Sinn, dass ich Millionär werden muss. Aber wenn man das macht, wozu man super geeignet ist und das auch noch vernünftig macht, dann kommt das Geld von allein.

    Ob man vertrauenswürdig ist oder nicht, hängt natürlich auch vom Charakter ab. Da kann man zum Teil gar nichts für, das hat man geerbt. Viele sagen immer zu mir, "dein Vater war genauso". Man kann sehr ehrgeizig sein, man darf arbeiten wie verrückt, aber man sollte ehrlich arbeiten.

    Mich hat die fünfte Stelle nach dem Komma auch nicht mehr interessiert, aber mein Prinzip war stets: Ich empfehle dem Kunden immer das, was ich an seiner Stelle auch machen würde.

    Das ist eigentlich das eine Geheimnis. Und das zweite Geheimnis ist, dass ich wohl eine Selbstverständlichkeit ausgestrahlt habe. Für mich war immer klar, das hatte ich in mir, "dem anderen kann nichts Besseres passieren als in meine Finger zu geraten".

    Michaela Boland:

    Klingt recht selbstbewußt.

    Michael Horbach:

    Ja, in dem Bereich. Ich habe auch Bereiche, in denen ich mit Sicherheit nicht so selbstbewußt bin, wie es immer scheint.

    Michaela Boland:

    Welche wären das?

    Michael Horbach:

    Das hat man als Aachener oder Kölner allein durch die Sprache (lacht).  Egal, wo man auftaucht in der Welt, kommt die Frage: "Kommst du aus Köln?"

    Michaela Boland:

    Sie haben eine langjährige Verbindung zu Köln. Wie oft sind sie noch in der alten Heimat, Aachen?

    Michael Horbach:

    In Aachen-Würselen steht mein Elternhaus. Ich war in der letzten Woche gerade dort und werde im alten Rathaus und in zwei Krankenhäusern meine Kuba-Fotos ausstellen. Zuerst habe ich mich gefragt, ob das einen Sinn hat, aber dann war mir plötzlich klar, dass gerade kranke  Menschen Trost durch die Lebensfreude erhalten könnten, die die Kuba-Bilder ausstrahlen.

    Michaela Boland:

    Leben ihre Eltern noch?

    Michael Horbach:

    Nein, die sind schon mehr als zehn Jahre tot.

    Michaela Boland:

    Sind sie Einzelkind gewesen?

    Michael Horbach:

    Nein, ich habe noch einen jüngeren Bruder und eine jüngere Schwester.

    Michaela Boland:

    Sind ihre Geschwister in ähnlichen Bereichen wie sie tätig?

    Michael Horbach:

    Nein, mein Bruder ist Arbeiter. Er hat Fliesenleger gelernt. Ich war im ganzen Familienumkreis der einzige, der studiert hat. Mein Vater war Arbeiter, Pflasterer, aber höchstwahrscheinlich war er der Beste in Aachen.

    Michaela Boland:

    Was haben sie aus ihrem Elternhaus an persönlichen Dingen mitgenommen?

    Michael Horbach:

    Einmal das Vorbild. Ich habe einmal in einer Rede zum 10-jährigen Jubiläum der Firma Horbach als meine Eltern anwesend waren gesagt, "Papa, ich habe im Grunde genommen nichts anderes gemacht als du. Ich habe immer mit viel Pflichtbewußtsein und Emotionen gearbeitet".

    Das ist eigentlich dasselbe. "Im Grunde", habe ich gesagt, "bin ich Arbeiter". Auch wenn ich in einem Bereich gearbeitet habe, in dem es um Finanzen ging. Wobei mich die Finanzen, das Geld oder die Geldanlage  selber nie sehr interessiert haben.

    Dafür hatte ich später sehr schnell meine kompetenten, qualifizierten Mitarbeiter. Mich hat es interessiert, den Menschen zu gewinnen und zu überzeugen. Sowohl den Kunden in der Beratung als auch später bei der Mitarbeitersuche.

    Ich habe nichts lieber getan als zur Uni zu gehen und junge Studentinnen und Studenten, von denen ich dachte, dass sie zu uns passen könnten, anzusprechen. Dann habe ich sie gefragt: "Hören sie mal, Finanzberatung, wäre das was für sie? Sie würden gut zu uns passen." Das habe ich nachdem beurteilt, was von den Menschen herüber kam. Da kann man sich manchmal irren, aber oft hatte ich auch Erfolg.

    Michaela Boland:

    Was wollten sie eigentlich ursprünglich mal werden?

    Michael Horbach:

    Ich wollte eigentlich einen Beruf im sozialen Bereich, also beispielsweise in Richtung Gewerkschaften oder Journalismus. Das war eher mein Wunsch. Ich war ein schlechter oder sagen wir, ein durchschnittlicher Schüler, so war das einzige, was ich damals studieren konnte, die Volkswirtschaftlehre.

    Ich wußte ehrlich gesagt nicht wirklich, was das ist. Aber da lag genau meine Begabung, wirtschaftliche Zusammenhänge zu erkennen.

    Darum sage ich heute auch immer zu jungen Leuten, "sucht, guckt, wo ihr emotional betroffen seid und nicht, wo man viel Geld verdienen kann und was in fünf Jahren gefragt ist".

    Wenn ich kein wirkliches Interesse habe, kriege ich keinen Job, kann vor allen Dingen nicht vernünftig Geld verdienen und die Familie ernähren usw.  Man sollte dahin gehen, wo seine Emotionen liegen. Und wenn es Ethnologie ist, dann eben Ethnologie. Das ist übrigens ein fantastischer Beruf.

    Michaela Boland:

    Glauben sie an Vorhersehung?

    Michael Horbach:

    Hm, da bin ich hin und her gerissen. Ich habe nicht so viele Bereiche, wo ich schon weiß, das ist so. Manchmal denke ich, das kann kein Zufall sein, wie jetzt die Geschichte mit meiner Lebensgefährtin.

    Auch habe ich durch Zufall Roger Willemsen kennengelernt und das ist eine Freundschaft geworden, von der ich sehr viel profitiere. Ist das Schicksal? Der hat ja nun wirklich sehr wenig Zeit, trotzdem war er hier in meinen Kunsträumen und hat eine Lesung aus seinem Buch "Die Enden der Welt" gehalten.

    Ich sage immer, Deutschland bräuchte tausend Roger Willemsens. Von seiner kritischen Einstellung und seinem Hinterfragen her.

    Mein Wunsch ist es, dass er irgendwann mal zwei Tage Zeit hat, mit mir auf Mallorca auf der Finca zu sitzen, was er im übrigen schon seit fünf Jahren vorhat, damit er mir vielleicht mal erklärt, wie er es aushält, dieses ganze Wissen darüber zu haben, wie Gesellschaft funktioniert und wie brutal Geld und Macht eine Gesellschaft lenken. Ich würde gerne wissen, wie er das verarbeitet und wie er damit umgeht.

    Michaela Boland:

    Wie häufig verbringen sie Zeit miteinander?

    Michael Horbach:

    Er war für die Lesung hier und ich habe zwei Stunden vorher mit ihm gequatscht, da war ich so aufgedreht, dass ich keine Ansprache mehr halten konnte. Und dann hat er zwei Stunden aus seinem Buch gelesen, aber ohne Buch, sondern auswendig.

    Danach sind wir noch zu mir herübergegangen und es fiel irgendwo das Stichwort "Afghanistan", da hat er nochmal einen zweistündigen Vortrag über Afghanistan gehalten. Das ist unglaublich (lacht).

    Michaela Boland:

    Wodurch entstand eigentlich ursprünglich ihre Liebe zur Kunst?

    Michael Horbach:

    Als ich damals meine Firma hatte, habe ich irgendwann gespürt,  zwei Seelen schlagen, ach in deiner Brust. Ich war ungefähr 25 als ich angefangen habe, Kunst zu sammeln. Damals noch sehr bescheiden. Von meinem Elternhaus her war da ja nichts.

    Null Komma null, außer dem, was man natürlich auch braucht, nämlich eine intakte Familie, Wärme, Anstand usw. Das erste Bild habe ich dann mal auf der Art Cologne gekauft. Das war natürlich eine Zeichnung von einer schönen Frau.

    Michaela Boland:

    So lockt das holde Geschlecht wohl doch immer wieder?

    Michael Horbach:

    (lacht). Immer und immer wieder. Das wird auch nie enden. Dann habe ich in bescheidenem Maße gesammelt. Dabei habe ich nie die bekannten, also die teuren Künstler gewählt, sondern ständig versucht, junge Künstler zu unterstützen.

    Das hat mir einfach emotional mehr Spaß gemacht. Für mich war eben Kunst auch immer so eine Oase abseits des Kapitalismus und abseits vom harten Wettbewerb.

    Michaela Boland:

    Klingt nach der ausgleichenden Waagschale als Gegengewicht zum wohl eher harten Wirtschaftsbusiness.

    Michael Horbach:

    So kann man das von außen sehen, aber ich habe es eben gemacht. Mir ging es nie um Business. Ich war, glaube ich, der erste, den Vorstände mit Bart, langen Haaren und Rollkragenpullover empfangen haben.

    Ich war immer dagegen. Einige haben das auch nicht kapiert und gefragt, "was will der denn", aber der eine oder andere hat doch gemerkt, da brennt etwas.

    Nun gut, irgendwann habe ich auch einen Anzug angezogen und irgendwann hatte ich auch Spaß daran, eine Krawatte zu tragen. Aber Kunst war für mich immer etwas, was nichts mit Kapitalismus zu tun haben darf. Jetzt habe ich mich allerdings durch diese Kunsträume und durch die Stiftung noch einmal damit beschäftigt, was in der Kunst wirklich los ist und das ist gruselig.

    Michaela Boland:

    Warum geht es teilweise in die falsche Richtung?

    Michael Horbach:

    Da gibt es Künstler und Galeristen, die sind durch die Kunst Milliardäre. Aber das sind null Komma null ein Prozent. 99 Prozent der Künstler sind froh, wenn sie im Jahr drei oder vier Mal ein Bild verkaufen, so dass sie davon leben können. Mit speziell jener Kunst, die inzwischen auch ganz klar von der Schickeria und den Superreichen besetzt ist, will ich nichts zu tun haben.

    Michaela Boland:

    Ist es ihnen insoweit ein regelrechtes Anliegen, dort eine Gegenströmung als Akzent zu setzen?

    Michael Horbach:

    Ja, genau. So will ich beispielsweise in meinen Kunsträumen künftig Rheinländer ausstellen, die schon eine gewisse Vita haben und schon bekannt sind. Aber eben keinen Richter oder Polke. Die sind in Museen, die brauchen das nicht.

    Dann will ich in einem Raum drei bis vier Mal im Jahr junge Künstler ausstellen, aber auch ältere Künstler, die gut sind, es aber nicht mehr in bekannte Galerien schaffen, weil sie für diese nicht mehr lukrativ sind. Solche, die quasi bereits ein bisschen vergessen worden sind, denen will ich auch eine Heimat geben.

    Michaela Boland:

    Mit ihrer Stiftung wollen sie ja neben Künstlern auch armen Menschen helfen. Aus welchem Grund apostrophieren sie auch dabei besonders die Frauen?

    Michael Horbach:

    Ich denke eben, dass Frauen am meisten benachteiligt werden. Ich will ja besonders armen Familien helfen und da eben insbesondere alleinstehenden Frauen mit Kindern. Denn die haben es nun mal besonders schwer. Bei Künstlern ist es ähnlich. Ich brauche das auch, ich muss mich auch mit dem Weiblichen umgeben.

    Mit zu viel Männlichem und diesem ständigem Wettbewerb, das gegenseitige Aufplustern, das muss ich in meinem Alter nicht mehr haben. Ich bin davon überzeugt, dass es uns wesentlich besser ginge, wenn Frauen die Welt regieren würden. Natürlich keine Margaret Thatcher. Also, wenn Frauen schlimmer werden als Männer, naja.

    Michaela Boland:

    Daraus ist wohl zu schließen, dass sie kein Anhänger der Politik der kürzlich verstorbenen eisernen Lady waren?

    Michael Horbach:

    Nein, die ganze neo-liberale Wirtschaftstheorie- und Politik hat entsetzlichen Schaden in der Welt angerichtet. Da gibt es tolle Bücher drüber und wenn man das liest, dann denkt man, das kann nicht wahr sein. Aber sogar Sozialdemokraten sind zeitweise darauf reingefallen.

    Deregulierung der Märkte heißt ja nichts anderes als dass das Geld frei und ohne Beschränkung wandern können muss. Das ist genau das Falsche. Dadurch haben wir jetzt eine Weltwirtschaftskrise, die sehr wahrscheinlich 50 Millionen mehr Hungernde besorgt hat.

    Michaela Boland:

    Also sind doch nicht nur Lehman Brothers die Buhmänner, wozu man sie so gerne gemacht hat, soweit der Ursprung des ganzen Desasters in Wahrheit wesentlich weitreichendere Ursachen aufweist?

    Michael Horbach:

    Ja, das ganze ist ja auch vorbereitet worden durch eine Philosophie, die wie Adam Smith sagt, "Das freie Spiel der Kräfte" lautet. Da ist eine unsichtbare Hand, die regelt alles.

    Die regelt zu 90 Prozent alles, aber es gibt eben 10 Prozent, wo bei Angebot und Nachfrage der Marktmechanismus nicht funktioniert, sondern Stilblüten in die Welt setzt.

    Menschen, die gesellschaftlich wertvollste und harte Arbeit leisten, wie Krankenschwestern und Pfleger, die von ihrem Geld kaum leben können, stehen beispielsweise Angestellten bei der Deutschen Bank gegenüber, die mit Derivaten spekulieren und zum Teil 20 Millionen Jahreseinkommen haben.

    Man sagt uns ja immer, "wer viel Geld verdient, der schafft auch viele Werte. Die haben eine Weltwirtschaftsfinanzkrise geschaffen. Und da sage ich, das kann man nicht laufen lassen. Da bin ich wirklich erbitterter Gegner jeder liberalen Wirtschaftspolitik.

    Und das ist der große Fehler der FDP, dem Markt total zu vertrauen. Ich sage, der demokratisch legitimierte Staat muss eingreifen, wo der Marktmechanismus nicht funktioniert. Das ist seine Pflicht, dafür ist er gewählt.“

    Michaela Boland:

    Wie sollte konkret eingegriffen werden?

    Michael Horbach:

    Man muss nach unten korrigieren. Wenn ich höre, "wir leben in einer Zivilisation" und dann gibt es welche, die für fünf Euro hart arbeiten, dann ist das ein Widerspruch. Das geht nicht. Genauso oben.

    Es kann nicht sein, dass auch von Politikern gesagt wird, wenn einer zehn Millionen im Jahr verdient, dann hat der keine Lust mehr, wenn er nicht die Möglichkeit hat 15 Millionen zu verdienen oder wenn er nur zwei Millionen verdient, dann sei er demotiviert.

    Was ist das für ein Menschenbild? Wenn das stimmen würde, dann sage ich, "gute  Nacht". Die Politiker, die so etwas von sich geben, und das sind ja nun eher mal die Liberalen und Konservativen, die müssten mal darüber nachdenken, was sie für ein Menschenbild haben .

    Michaela Boland:

    Was kann man ihrer Meinung nach, abgesehen vom Absehen davon, sein Votum zum nächsten Stimmabgabezeitpunkt erneut in gleicher Weise zu setzen, denn dagegen unternehmen?

    Michael Horbach:

    Mehr Demokratie. In allen Bereichen mehr Demokratie.

    Michaela Boland:

    Lohnt es sich heute noch, auf die Straße zu gehen?

    Michael Horbach:

    Das ist natürlich ein Mittel, um zu zeigen, wir sind wach. Es gibt durch Facebook oder Youtube ja inzwischen auch andere Mittel oder was auch immer.

    Michaela Boland:

    Etwa die sogenannten Shitstorms?

    Michael Horbach:

    Ja. Ich denke, links sein, kann nur bedeuten, mehr Demokratie und mehr Kontrolle zu fordern. Und da haben wir viel zu wenig. Alle vier Jahre mal wählen zu gehen, das ist der Anfang.

    Michaela Boland:

    Würden sie insoweit in einer verkürzten Legislaturperiode eine mögliche Lösung sehen?

    Michael Horbach:

    Hm, eher einfach ein wenig mehr Basisdemokratie. Ich bin ganz klar dafür, dass erstens die, die die Krise verursacht haben, und das sind nun mal die Reichen, mit dazu beitragen, dass wir aus der Krise herauskommen. Ich bin derjenige, der auch Interviews zum Thema Reichensteuer gibt. Also, ich bin bereit dazu, deutlich mehr Steuern zu zahlen.

    Michaela Boland:

    Würden sie in dem Zusammenhang auch die augenblickliche Politik der EU auf Zypern hinsichtlich der Enteignung Reicher als gerechtfertigt und moralisch vertretbar ansehen?

    Michael Horbach:

    Ich versuche, möglichst nur noch den Kulturteil zu lesen und Politik nur so im Groben, nicht mehr so sehr in die Tiefe gehend, denn ich will mich emotional nicht mehr so hinein begeben.

    Ob die in Zypern jetzt damit die Richtigen packen, also, ob wirklich die Milliardäre, die da anlegen, jetzt auch zehn oder zwanzig Prozent ihrer Einnahmen zahlen, ist fraglich.

    Wenn das so wäre, dann wäre das o.k. Wenn Europa, also die anderen Steuerzahler, nicht helfen würden, dann wären die Einlagen auch sehr wahrscheinlich sehr viel weniger wert.

    Die Frage ist nur, und da bin ich sehr skeptisch, trifft es wirklich die, die man treffen will? Wir müssen den Markt da regulieren, wo er nicht funktioniert.

    Das ist ja auch in dem System der Marktwirtschaft möglich, denn da wo keine Marktwirtschaft mehr ist, weil Monopole da sind oder Milliardäre regulieren, da muss der Staat eingreifen. Das ist Pflicht, um die Marktwirtschaft zu erhalten. Das hat also nichts mit Sozialismus oder Kommunismus zu tun.

    Michaela Boland:

    Und welchen Ansatz sehen sie da?

    Michael Horbach:

    Ich habe im Grunde zwei Ansätze: Zurück zu den Zeiten Helmut Kohls und der war kein Sozialist. Da zahlte man aber 53 Prozent Steuer. Da gab es Vermögenssteuer. Heute werden unglaubliche Leitartikel in der FAZ und so weiter darüber geschrieben, dass Vermögenssteuer überhaupt nicht ginge.

    Vor 15 Jahren ging das noch. Das würde überhaupt nicht funktionieren und wäre auch rechtlich gar nicht möglich. Da denke ich, "nanu, wo sind wir denn? Wir hatten es doch".

    Das Zweite, was ich vorschlage, ist folgendes: Ich würde mir wünschen, das dass, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, wieder rückgängig gemacht wird. Dass wir also wieder die Verteilung haben wie bei Helmut Kohl.

    In den letzten zehn Jahren hat ja eine eindeutige Umverteilung stattgefunden, aber von unten nach oben. Ich will zwar keine Umverteilung von oben nach unten, ich will nur wieder, dass das, was in den letzten zehn Jahren passiert ist,  rückgängig gemacht wird. Bin ich jetzt Sozialist?

    Michaela Boland:

    Dass insoweit also die Ober- und Unterschicht nicht mehr so weit auseinanderklafft und die Mittelschicht droht, gänzlich wegzukippen?

    Michael Horbach:

    Genau. Es werden ja immer Zahlen genannt. Zehn Prozent der Deutschen gehört 50 Prozent des Vermögens. Die Zahl ist nicht schön, aber viel schlimmer finde ich die Zahl, die dafür steht, wieviel die 50 Prozent von unten aus betrachtet an Besitz haben. Wissen sie das?

    Michaela Boland.

    Nein.

    Michael Horbach:

    1,2 Prozent. Es waren vier Prozent vor ca. sieben oder acht Jahren und das ist auf 1,2 herunter gegangen. Das ist die schlimmste Zahl und die liest man  viel zu selten. Und das macht klar, dass etwas passieren muss.

    Michaela Boland:

    Wenn man ein derart soziales Denken hat, wie es offenbar bei ihnen der Fall zu sein scheint, inwieweit berührt einen dann, wenn man erfährt, dass ausgerechnet das Unternehmen, an welches sie wahrscheinlich zu keinem allzu schlechten Kurs ihre Firma veräußert haben, öffentlich stark ins Kreuzfeuer der Kritik gerät, weil ahnungslose Kunden durch Fehlberatung im Hinblick auf den Erwerb hochriskanter Anlagen um ihr Erspartes gebracht wurden?

    AWD-Kunden soll ja bereits von verschiedenen Gerichten Schadensersatz zugesprochen worden sein. Ihr Lebenswerk steckte nun mit im Unternehmen, was war das für ein Gefühl?

    Michael Horbach:

    Ja, das war ja immer so. Ich merke dadurch eben, was für eine tolle Arbeit die Firma Horbach macht. Die Firma Horbach besteht ja vom Namen her noch, sie nennt sich jetzt Horbach Finanzplanung. Das war ja AWD und dann hat der Maschmeyer an Swiss life, eine Schweizer Versicherungsgesellschaft, verkauft.

    Den Name AWD gibt es nun nicht mehr. Aber Horbach gibt es noch. Bei Hannover 96 gibt es sogar jetzt Bandenwerbung, da steht Horbach Finanzplanung für Akademiker. Wenn es 20 solcher Firmen gäbe, sähe es in der Finanzberatung besser aus.

    Das Problem sind ja die Strukturvertriebe. Der größte ist, glaube ich, DVAG. Die haben ungefähr 10.000 Mitarbeiter, wie die allerdings ausgebildet werden, ist eher ein Wahnsinn. Die tun so als wenn sie Makler wären, sind aber im Grunde ein Firmenvertreter der AachenMünchener.

    Wenig Ausbildung und viele arbeiten nur nebenberuflich. Auch wenn die Mitarbeiter es gut meinen würden. Sie können es nicht anders. Sie können nicht ordentlich beraten. Darum habe ich immer gesagt, man sollte als Berater möglichst ein abgeschlossenes Studium mit sich bringen.

    Es gibt zwar auch Berater ohne Studium, die hervorragend sind, aber die mit Studium wollen in der Regel einen Beruf ausüben und nicht nur einen Job machen. Als ich an AWD verkauft habe, war außerdem meine Bedingung, dass es keinen Strukturvertrieb und keine nebenberufliche Mitarbeiter mehr gibt. Das hatte Maschmeyer mir zugesagt.

    Die Idee war, durch unser Geschäftsmodell AWD beeinflussen zu können. Und Maschmeyer hat mir am Anfang auch ganz klar das Gefühl gegeben, dass er sich daran hält. Der Maschmeyer ist ja ein sehr Geschickter.

    Das hat zwar gedauert, aber irgendwann, als die merkten, dass wir weiterhin super super erfolgreich waren, da hat der schon geguckt nach dem Motto: Was ist los? Und dann ist die eine oder andere Leitidee oder Vision vom AWD übernommen worden.

    Michaela Boland:

    Wie kam es überhaupt zum Verkauf an Carsten Maschmeyers AWD?

    Michael Horbach:

    Natürlich gebe ich auch gerne zu, dass ich mit 50 frei sein wollte. Ich habe mich lange gegen ein Treffen mit AWD, also Maschmeyer, gewehrt. Irgendein Vorstand sagte mir dann, "komm, dann lernst du den doch mal kennen". Eigentlich war der Strukturvertrieb ja mein Feindbild.

    Dann habe ich aber irgendwann gesagt, "naja, warum nicht". Und Maschmeyer hat mir den Hof gemacht. Also, das können sie sich nicht vorstellen, aber der kann das.

    Michaela Boland:

    Also, ist er ein charismatischer Mensch?

    Michael Horbach:

    Ja. Im Nachhinein muss ich sagen, es war alles richtig. Da war auch kein anderer Interessent. Wir waren seiner Zeit in Deutschland die Nr. 2 und sind es ja heute auch noch. Wir hatten uns ja  auf Akademiker spezialisiert. Das, was AWD gemacht hat, war ja mehr so das Normale. Eigentlich haben die uns nur gekauft, um ihr Ansehen vor dem Börsengang aufzupolieren.

    Michaela Boland:

    Wie hat sich die Firma Horbach zu dem entwickeln können, was sie wurde?

    Michael Horbach:

    Meine damalige Freundin wurde mit dem Medizinstudium fertig und sagte zu mir, "du bist kritischer Verbraucher, ein Volkswirt. Was muss ich machen". So ist die Firma Horbach entstanden. Ich habe mich dann schlau gemacht und sie beraten, dann hat sie andere PJ-ler herangebracht.

    Irgendwann wusste ich, es gibt Krankenhäuser, wo sich weitere PJ-ler aufhalten, dann bin ich dahin gegangen. (Anmerkung der Redaktion: Als PJler bezeichnet man einen Medizinstudenten bzw. eine Medizinstudentin im Praktischen Jahr oder auch „Hakenhalter“.

    Michaela Boland:

    Dann haben sie quasi Krankenhäuser nach Kunden abgeklappert?

    Michael Horbach:

    Ja, ich bin dann vom einen zum anderen gegangen, von einer Empfehlung zur nächsten. Auch heute sage ich noch zu den Leuten, die mich fragen, wie ich das damals gemacht habe, "gib mir einen guten Kunden, der davon überzeugt ist, dass ich alles für ihn richtig gemacht habe, mit dem baue ich die Firma Horbach nochmal auf".

    Michaela Boland:

    Aber PJ-ler verdienen doch noch kaum etwas und haben früher gar nichts verdient.

    Michael Horbarch:

    Ja, aber da habe ich die schon beraten und ihr Vertrauen gewonnen. Natürlich gibt es da noch nichts zu verkaufen (verdienen), denn die haben ja noch kein Einkommen. Aber denen konnte ich schon wertvolle Tipps geben wie z.B dass es für das PJ (praktische Jahr) eine kostenlose Berufshaftpflicht gibt usw.

    Irgendwann treten sie ins volle Berufsleben ein und dann brauchen sie eine Krankenversicherung. Für die meisten Ärzte ging es darum, "wie kann ich jetzt sparen, also investieren, damit ich später günstig eine Niederlassung finanzieren kann".

    Michaela Boland:

    Ist speziell die Branche der Anlageberatung dazu geeignet, schnell aus dem Ruder zu laufen?

    Michael Horbach:

    Maschmeyer ist natürlich einer, der im Mittelpunkt steht und sie deshalb  von rechts und links um die Ohren kriegt. Es gibt ja noch andere. Andere sind eigentlich von dem her, was sie machen, viel viel schlimmer.

    Da sitzen dann im Aufsichtsrat irgendwelche Politiker, da kommt keine Kritik. Die werden mit Geld gefüttert und gemeinsame Fotos des Chefs z.B mit dem damaligen Bundeskanzler oder anderen Politikern auf irgendwelchen Veranstaltungen fotografiert.

    Und die Mitarbeiter sind dann zu den Kunden gelaufen, zu den alten Omas, und haben gesagt, "gucken sie mal, der Chef mit dem Bundeskanzler. Kann da was  falsch sein? Um Gottes Willen, unterschreiben sie". Das hasse ich bei den Politikern, dass sie sich kaufen lassen.

    Nun, was die Strukturvertriebe auf der einen Seite anbelangt, so gibt es da genug Kritik und ich denke, wir haben dadurch schon etwas verändern können. Wenn man sich allerdings mal den ganzen Bereich der Banken ansieht, ist das, was da passiert, noch viel schlimmer.

    Dagegen ist der Maschmeyer ein kleiner Wurstel. Als die Firma Horbach größer wurde, hat man mir gesagt, "du musst einen Namen haben, du musst die Deutsche Bank als Bankverbindung haben". So bin ich dort Kunde geworden. Aber, wenn ich den Ratschlägen der Deutschen Bank gefolgt wäre, hätte ich die Hälfte meines Vermögens verloren.

    Also, was die Banken da machen und was da passiert, nehmen wir zB die Steueroasen, ist das doch viel schlimmer. Das mit den Banken, das können sie über Jahrhunderte hinweg zurück verfolgen. Es war immer so. Die Banken haben die Politik nicht nur beeinflusst, sondern auch die Macht über die Politik gehabt und das ist bis heute so.

    Michaela Boland:

    Das Sprichwort "Geld regiert die Welt" trifft also ausnahmslos zu?

    Michael Horbach:

    Ja. Es ist so. Darum sage ich, "mehr Demokratie" und ich sage, "es  muss einen Mindestlohn geben", denn alles andere ist menschenunwürdig  und hat nichts mit Zivilisation zu tun. Kein Mensch braucht mehr als eine Million im Jahr zu verdienen.

    Wer nur Geld als Motivation hat, wäre bei mir an der falschen Adresse. Eine Gesellschaft lebt davon, dass alle Menschen innerhalb einer Gesellschaft von ordentlichen Einkommen leben können. Das wird heute vernachläßigt.

    Außerdem muss man schauen, wen bevorteilt der Marktmechanismus und wen nicht. Wo funktioniert er überhaupt nicht, Beispiel Krankenschwestern und Spekulanten.

    Deshalb sollte es oben und unten Grenzen geben. Wenn man demokratisch denkt, muss man verhindern, dass Menschen so viel Geld haben, dass sie zum Beispiel die Presse regulieren können. Ein national-konservativer Peter Scholl-Latour sagt zum Beispiel, "Pressefreiheit? Ja, gibts: für einige Milliardäre"

    Michaela Boland:

    Pressefreiheit ist nach ihrem Dafürhalten insoweit nicht existent?

    Michael Horbach:

    In Kuba gibt es drei Zeitungen, das stellt die gesamte Presse dar. Wir haben sehr wahrscheinlich 3000, aber die gehören fünf Milliardären. Also, wo ist der Unterschied? Wenn man es abstrakt sieht, also wirklich einmal über das Kleinkarierte blickt, ist das doch alles ein Einheitsbrei.

    Alles, was beispielsweise, Russland, China oder Kuba anbelangt, muss schlecht sein. Ich möchte nicht dort leben, ich möchte auch nicht solche Systeme haben, aber ich möchte, dass wir objektiv sind und nicht dasselbe machen, was wir diesen Ländern vorwerfen.

    Michaela Boland:

    Woran machen sie das Nicht-Objektive konkret fest?

    Michael Horbach:

    Ich kann ihnen ein gutes Beispiel nennen. Das betrifft Kuba und ich mache es an meiner eigenen Erfahrung fest. Vor wenigen Monaten kam groß in der Presse, "Endlich Reisefreiheit für Kuba". Vorher hieß es ja immer, die Kubaner sind unfrei, dort herrscht eine Diktatur. Ich habe vor fünf Jahren eine nette Kubanerin aus dem Kulturbereich kennengelernt.

    Die wollte auch mal hierher nach Deutschland kommen. Es ging daher zunächst um ein Visum. Also ging sie zur kubanischen Botschaft in Havanna und erhielt sofort ein Visum. Das wird dort für ein Jahr ausgestellt. Das Ganze hat nur einen Haken:

    Wenn die Kubaner dann nicht innerhalb eines Jahres nach Kuba zurückkehren, dann heißt es von kubanischer Seite, "dann bleibt draußen". Das Problem sind aber hier wir Deutschen.

    Michaela Boland:

    Inwiefern?

    Michael Horbach:

    Nun, meine Bekannte benötigte ja auch ein deutsches Visum für die Einreise. Dafür musste ich sorgen. So ging ich zur deutschen Botschaft. Dort teilte man mir komischerweise mit, " Nein, diese Leute bleiben nachher hier".

    Also antwortete ich, " ich habe eine Stiftung und  hinterlege 50.000 Euro als Sicherheit". Da haben sie zuerst gesagt: "Nein, nein, das wollen wir nicht." Aber dann haben sie es nachher doch gemacht.

    Also, Tatsache ist, die Kubaner dürfen verreisen, aber wir verhindern, dass die Kubaner frei verreisen können. Ich kann sogar verstehen, dass sie die Kubaner und auch die Afrikaner nur eingeschränkt hierher lassen, denn wir können weder ganz Kuba noch ganz Afrika hier unterbringen. Aber ich möchte zumindest in der Presse die Wahrheit lesen, damit das auch alle verstehen.

    Michaela Boland:

    Sie halten mit ihrer Meinung glücklicherweise nicht hinterm Berg.

    Michael Horbach:

    Natürlich ist es einfacher, wenn man mit dem Strom schwimmt. Ich habe immer alles kritisch hinterfragt. Der liebe Gott hat mir nun mal so einen Kopf gegeben. Das tut zwar hin und wieder auch ein bisschen weh, aber so ist es dann eben.

    Michaela Boland:

    Ist es leichter, nicht mit dem Strom zu schwimmen, wenn man über die finanziellen Mittel verfügt, sich den möglichen Konsequenzen dafür gegebenenfalls nicht ausgesetzt sehen zu müssen?

    Michael Horbach:

    Nun, ob das einfacher ist? Ich habe den einen oder anderen Kontakt zu vermögenden und eher konservativen Leuten, wo ich mir nicht sicher bin, dass ich sie von meinen Ansichten überzeugen könnte. Gerade hatte ich wieder einen Fall, da dachte ich mir, "ich lasse es einfach, denn das macht mich nur wahnsinnig".

    Die sagen dann tatsächlich zu mir, "du bist durch dieses System reich und unabhängig geworden, also schieß jetzt gefälligst auch nicht dagegen".

    Dann frage ich zurück: "Moment mal, wo steht das denn geschrieben?" Nun habe ich sehr wahrscheinlich das Glück, dass ich zwar keinen Euro zu Unrecht verdient habe, allerdings habe ich für meine Arbeit viel zu viel verdient.

    Der Markt gibt das so her, dass es, wenn du eine Lebensversicherung verkaufst oder ein Haus finanzierst, eben zwei oder viertausend Euro gibt. Jetzt habe ich natürlich nicht gesagt, "nein, ihr braucht mir nur die Hälfte zu überweisen". Klar. Aber, mir ist schon bewußt, dass ich durch drei oder vier Beratungen am Tag das verdient habe, was eine Krankenschwester in drei Monaten verdient.

    Michaela Boland:

    Ist das auch ein Grund dafür, dass sie heute verhältnismäßig viel an die Gesellschaft zurück geben?

    Michael Horbach:

    Ich habe mit Sicherheit kein schlechtes Gewissen, weil ich etwas Positives in die Welt gesetzt habe. Gerade in der Branche, wo es am dringendsten notwendig ist.

    Denn die Firma Horbach lebt weiter und ist gerade im Hinblick auf das Management mit Menschen besetzt, die mir aus der Seele sprechen. Die sind alle sozial eingestellt und leben den sozialen Gedanken weiter.

    Bei mir war es auch schon im Alter von 30 Jahren so, dass ich zehn Prozent meines Einkommens in soziale Belange investiert habe. Das habe ich sowohl während meiner Zeit mit der Firma Horbach so gehalten, als auch später beim Verkauf des Unternehmens.

    Augenblicklich wird es zwar nicht mehr im selben Maße von meiner früheren Firma, die nach wie vor meinen Namen trägt, gehandhabt, aber immer noch recht engagiert durchgeführt. Das ist schon irgendwo drin.

    Michaela Boland:

    Lieber Herr Horbach. Für die Ausstellung sowie alle weiteren Projekte auch weiterhin viel Erfolg und vielen Dank für dieses Interview.

    Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

    Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

    Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

    Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

    Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

    Freunde der Künste,
    das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

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  • Michaela Boland trifft fuer die Gesellschaft Freunde der Kuenste Ingrid Steeger
Ingrid Steeger mit Michaela Boland
Ingrid Steeger freut sich schon auf ihr Buch, und find es wunderbar
    MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER
    Kultstatus - Ingrid Steeger "...und find es wunderbar" - Ich hatte kein Verlangen nach diesem Beruf. Vielleicht hatte der Beruf Verlangen nach meiner Person

    Das Große Exklusivinterview für freundederkuenste.de - MICHAELA BOLAND TRIFFT INGRID STEEGER

    Mit ihrem Nachnamen wollte sie sich schon in ihrer Jugend nicht abfinden. Weil sie mit Stengert nichts anfangen konnte, wandelte sie ihn kurzerhand in Steger um als sie ihren Stenotypistinnen-Job in einem Architekten-Büro antrat.

    Womöglich die einzige Rebellion ihres Lebens. Nur einige getippte Ausschreibungen und ein weiteres "e" im Namen später sollte die Öffentlichkeit noch eine ganze Menge von der schönen Blondine zu hören und sehen bekommen.

    Durch die legendäre und prämierte Fernsehunterhaltungsproduktion "Klimbim" avancierte sie in den 70er Jahren zum Kultstar. Zeitgleich haftete auch das Image der sexy, aber leicht dösigen Ulknudel an ihr.

    Mit zahlreichen Rollen in anerkannten Fernsehformaten zeigte sie danach immer wieder, dass sie sich nicht nur auf das schwierige Fach der Komik, sondern ebenso gut auf Ernstes versteht. Die Aufs, doch vor allem die Abs ihres Privatlebens wurden durch Medien im Laufe der Jahre immer wieder gnadenlos detailliert vor Millionen ausgebreitet.

    Doch kaum ein Prominenter hat es vermocht, so aufrecht und geradlinig durch schlechte Zeiten zu gehen, wie sie. Zurzeit gibt es sie nur im Doppelpack. Yorkshire-Lady Eliza Doolitle, ein Geschenk ihrer Kasseler Theater-Kollegen, ist seit einiger Zeit ihre ständige Begleitung.

    So auch im Kölner Theater am Dom, wo sie bis zum 09. Februar neben Simone Rethel, Beatrice Richter, Christine Schild und Volker Brandt in dem Stück "Der Kurschattenmann" zu sehen war, bevor die Produktion nach Bonn zog.

    Ich bin sehr gespannt auf dieses Zusammentreffen und freue mich darauf. Als Kind der 70er Jahre war es stets etwas Besonderes für mich, abends hin und wieder "Klimbim" sehen zu dürfen.

    Die blonde Gabi mit Zöpfen, Sommersprossen, Nickelbrille und bezeichnender Zahnlücke war mir die Liebste, weil sie, rotzfrech, die Wahrheit auf den Punkt zu bringen schien, zwar regelmäßig  eine schallende Ohrfeige ob des Wagemutes einstecken und anschließend heulen musste, sich jedoch niemals entmutigen ließ.

    Ihre Darstellerin, Ingrid Steeger, hatte längst Kultstatus erreicht als sich die ersten weniger ruhmreichen Schlagzeilen über deren Privatleben durch die Printmedienlandschaft zogen.

    Über zerbrochene Beziehungen und Ehen der einst so gefeierten Mimin mit Idealfigur bis hin zum traurigen Hartz IV-Antrag vor wenigen Jahren, einem Zeitpunkt, der für die Schauspielerin längst von Depressionen bestimmt war.

    Wie auch immer Ingrid Steeger in den Medien beurteilt wurde, bei ihrem Publikum zeichnete sie sich wegen ihrer sympathischen Art kontinuierlich durch Beliebtheit aus.

    Im gemütlichen Theater am Dom treffe ich die 65-Jährige. Von ihrer jungendlichen Frische hat sie kaum etwas eingebüßt, sondern sieht nach wie vor einfach ausgesprochen gut aus. Alter ist offensichtlich bei ihr tatsächlich nur eine Ziffer.

    Selbst ihre Stimme hat sich im Laufe der Jahre kaum verändert. Ihre zweijährige Yorkshire-Terrier-Hündin, Eliza Doolittle, die sie auf Schritt und Tritt begleitet und ihr nur gelegentlich, wenn sie einen Knochen oder gar Luftballons zum hineinbeißen und platzen lassen sucht, von der Seite weicht, ist zu einem wichtigen Faktor im Leben der Schauspielerin geworden.  

    Michaela Boland:

    In ihrem aktuellen Theaterstück, "Der Kurschattenmann" im Kölner Theater am Dom, geht es um einen alternden Casanova , der, nicht ganz ohne Hintergedanken, versucht, direkt mehrere Damen gleichzeitig zu beglücken. Was für eine Rolle spielen sie dabei?

    Ingrid Steeger:

    Ich spiele eine Dauerpatientin, eine Frau, die eine sehr schwierige Ehe hatte und unter Depressionen leidet. Alle Damen in diesem Stück leiden unter Depressionen. Jede ist ein wenig vom Leben geschädigt und wir verlieben uns alle in diesen Ulrich" (gespielt von Volker Brandt), der ein Charmeur ist, allerdings auch ein kleiner Hochstapler, und der versucht, an das Geld der Frauen zu kommen. Aber natürlich auf amüsante Art.

    Michaela Boland:

    Wie haben sie sich auf die Rolle vorbereitet?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe den Text gelernt (lacht).

    Michaela Boland:

    Hin und wieder besteht ja die Notwendigkeit, sich intensiver in bestimmte Charakterzüge einer Rolle hineinzufinden. Man liest gelegentlich, dass Schauspieler für eine Rolle zu- oder abnehmen, manchmal sogar ein Stück weit real in ein solches Leben eintauchen müssen, um so authentisch wie möglich zu sein.

    Ingrid Steeger:

    Es ist ein Boulevardstück und das ist natürlich auf Komödie aufgebaut. Wir müssen uns also in keine Depression hineinfinden, ganz anders als zum Beispiel bei dem letzten Stück, dass ich in Kassel gespielt habe, "Gatte gegrillt". Das war ein völlig anderes sich Heranarbeiten.

    Da ging es um eine Frau, die nach 20 Jahren Ehe von ihrem Mann für eine jüngere Geliebte verlassen wurde. Diese Frau kommt einfach nicht damit klar, dass er sie einfach so in die Ecke gestellt hat, und versucht, dies auch noch nach Jahren aufzuarbeiten.

    Das ist etwas ganz anderes, da muss man dann mehr dran arbeiten. Aber hier geht es im Grunde genommen nicht nur um die Depression, sondern darum, was dieser Ulrich erfindet und wie wir darauf hereinfallen und später versuchen, ihn auszutricksen und uns schließlich zu distanzieren.

    Es ist insoweit eine lockere Unterhaltung, denn wenn sich die Depression im Text widerspiegeln würde, wäre es keine Unterhaltung mehr.

    Michaela Boland:

    Das andere Stück, das sie gerade ansprachen, "Gatte gegrillt" spielten sie in Kassel?

    Ingrid Steeger

    :Ja, das war eine Tragikomödie, eine englische, schwarze Komödie. Wir spielten es in Kassel und Bremen. In Bremen wird es wohl auch noch einmal aufgeführt werden.

    Michaela Boland:

    Wenn sie ein Stück zeitversetzt noch einmal spielen und zwischendurch für andere Produktionen zur Verfügung stehen, bleibt ihnen der Text dann eigentlich trotzdem im Gedächtnis oder müssen sie den alten Text dann in der Tat von Grund auf neu erlernen?

    Ingrid Steeger

    Nein, das Hirn ist ja ein Computer. Da ist alles gespeichert, wenn man noch einmal darüber geht. Ich habe gerade drei Stücke drauf. Das Stück "Gatte gegrillt" werde  ich wahrscheinlich noch einmal in Bremen spielen. Außerdem werde ich jetzt damit anfangen, noch ein anderes Stück für Kassel zu lernen. Also, das ist alles abrufbereit. Man geht natürlich nochmal drüber, das ist ganz klar.

    Michaela Boland:

    Gibt es bei ihnen auch schon mal Angst vor einem Blackout?

    Ingrid Steeger:

    Doch, die hat jeder Schauspieler, aber ich hatte das Problem bis jetzt glücklicherweise noch nicht. Manchmal kommt es vor, dass man in der einen Sekunde denkt, "Oh Gott, wie gehts jetzt weiter", aber in letzter Sekunde ist der Text dann wieder da. Es kann auch passieren, wenn man zu oft spielt und man sich dann einfach zu sicher ist und manchmal ein bisschen vor sich hin träumt.

    Michaela Boland:

    Kannten sie die Kollegen aus ihrem aktuellen Stück schon durch frühere Zusammenarbeit?

    Ingrid Steeger:

    Die Simone Rethel kannte ich schon, Christine Schild zuvor noch nicht. Aber Beatrice Richter und Volker Brandt kannte ich ebenfalls schon lange.

    Michaela Boland:

    Funktioniert die Zusammenarbeit grundsätzlich leichter, wenn man sich bereits kennt?

    Ingrid Steeger:

    Die Phase des Kennenlernens kann man dann natürlich überspringen. Man lernt sich selbstverständlich bei den Proben noch besser kennen. Das Gute an den Proben ist dann immer, dass es sowohl ein berufliches als auch ein privates Zusammenraufen ist.

    Michaela Boland:

    Setzen sie sich im Anschluss an die Vorstellungen immer noch privat mit den Kollegen zusammen?

    Ingrid Steeger:

    Also, heute setzen wir uns zum Beispiel zusammen. Oder als der Jopie 109 Jahre alt wurde (Anm. d. Red.: Johannes Heesters wäre am 05.12.2012 109 Jahre alt geworden, verstarb allerdings am 24.12.2011) haben wir uns in seiner Abwesenheit zusammengesetzt.

    Das war übrigens nicht dramatisch, sondern es war sogar sehr lustig. Da hat die Simone gesagt, dass der Jopie Heesters zu seinem Geburtstag immer sehr gerne viel Leute um sich gehabt habe.

    Da haben wir gesagt, "o.k., dann machen wir das auch", und haben uns alle zusammen gesetzt. Auch zum Geburtstag von Beatrice Richter und Christine haben wir das getan. Manchmal setzten wir uns auch alle zusammen, wenn irgendjemand Besuch bekommt.

    Aber eben nicht jeden Abend. Auf Tournee ist man natürlich automatisch mehr zusammen, aber hier in Köln hat jeder seine eigene Wohnung oder sein Appartement und so sein Eigenleben. Das ist üblich, wenn man irgendwo fest spielt.

    Michaela Boland:

    Montags ist spielfrei. Was tun sie an diesem Tag üblicherweise?

    Ingrid Steeger:

    Es ist eigentlich immer irgendetwas. Irgendwelche Interviews oder sonstige Termine. Auch arbeite ich gerade an einem Buch und der Lübbe-Verlag ist ja hier in Köln ansässig, insofern ist da immer irgendetwas zu tun.

    Nur abends versuche ich zumindest immer, in meiner Wohnung zu sein, auf die Uhr zu gucken und zu sagen, "jetzt wäre ich normalerweise auf der Bühne und jetzt bin ich nicht auf der Bühne". Wir spielen hier ja sieben Tage die Woche. 

    Michaela Boland:

    Worum wird es in ihrem Buch gehen?

    Ingrid Steeger

    Natürlich, um mein Leben (lacht). Worum soll es sonst gehen?

    Michaela Boland:

    Also eine Autobiografie. Packen sie da alles hinein oder werden bestimmte Themen ausgeklammert?

    Ingrid Steeger:

    Es wird natürlich immer etwas bleiben, was nur mir gehört, das ist ganz klar. Aber es stand ja sehr viel in der Presse, doch das ist ja immer alles nur recht oberflächlich angedeutet und die Hintergründe nicht. In meinem Buch wird viel drin stehen, was auch nicht immer lustig sein wird, auch viel Neues. Es ist jedoch kein ab- oder aufrechnen.

    Michaela Boland:

    Wann wird es erscheinen?

    Ingrid Steeger:

    Im August.

    Michaela Boland:

    Steht der Titel bereits fest?

    Ingrid Steeger:

    Ja, es heißt "...und find es wunderbar". Also nach dem ..."dann mach ich mir `n Schlitz ins Kleid", das lassen wir natürlich weg, sondern nur ".und find es wunderbar".

    Michaela Boland:

    War Klimbim für sie eigentlich Fluch, Segen oder beides?

    Ingrid Steeger:

    Beides natürlich, beides. Ohne Klimbim würde ich heute nicht hier sitzen und sie würden mich nicht interviewen.

    Michaela Boland:

    Man weiß es nicht.

    Ingrid Steeger:

    Ich hatte kein Verlangen nach diesem Beruf. Vielleicht hatte der Beruf Verlangen nach meiner Person, aber ich nicht nach dem Beruf. Das hat sich so ergeben. Ich bin rein geschlittert und bin dabei geblieben.

    Michaela Boland:

    Sie haben die Handelsschule abgeschlossen und in einem Architekturbüro gearbeitet.

    Ingrid Steeger:

    Kurzfristig, sehr kurzfristig.

    Michaela Boland:

    Was gehörte da zu ihren täglichen Aufgaben?

    Ingrid Steeger:

    Schreibmaschine schreiben. Ausschreibungen tippen. Ich war als Stenotypistin tätig, es gab ja noch keine Computer und dergleichen.

    Michaela Boland:

    War das nicht so geplant?

    Ingrid Steeger:

    Es war nie mein Traum im Büro zu arbeiten. Es war auch nicht mein Traum, auf die Handelsschule zu gehen. Das waren damals andere Zeiten. Mein Vater hat bestimmt, dass ich auf die Handelsschule gehe und damals hat man halt das gemacht, was die Eltern gesagt haben.

    Michaela Boland:

    Was haben sie da für einen Abschluss gemacht?

    Ingrid Steeger:

    Wirtschaftsabitur.

    Michaela Boland:

    Was war ihr eigener Plan für ihr Leben?

    Ingrid Steeger:

    Ich wollte ganz einfach nicht  im Büro arbeiten. Damals kamen gerade die Discotheken auf, das war ja damals was ganz Neues. Und dann fing ich an, in Berlin als Go-Go-Girl in Diskotheken zu tanzen. Allerdings nicht wie die Go-Go-Girls heute sind.

    Wir haben Röckchen angehabt, Stiefel und lange T-Shirts und standen nur so da und haben so vor uns hingetanzt. Und dann habe ich auch teilweise zwischendurch im Büro gearbeitet und habe das natürlich zu Hause auch nicht so genau erzählt.

    Dann habe ich aufgehört, regelmäßig bei dem Architekten zu arbeiten und zwischendurch immer, wenn das Geld knapp war, dann als Sekretärin gejobbt und immer wieder mal getanzt. Und so hat sich das alles irgendwie ergeben. Bei mir hat sich immer alles ergeben, das griff stets ineinander über, ob ich wollte oder nicht.

    Michaela Boland:

    Haben sie denn auch ein wenig darauf vertraut, dass immer irgendetwas kommt?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe auf gar nichts vertraut. Ich wusste nur etwas: Mein Leben sollte nicht im Büro enden. Allerdings sollte es auch nicht vor der Kamera enden.

    Michaela Boland:

    Glauben sie an Schicksal?

    Ingrid Steeger:

    Ja, wenn man sein Leben beobachtet, liegt das Schicksal eigentlich in meiner eigenen Hand. Wenn man das im Nachhinein sieht, ging eigentlich alles ineinander über. Nur leider kapiert man das in dem Moment nicht, sonst könnte man seine Fähnchen rechtzeitig besser danach ausrichten

    Michaela Boland:

    Sie haben beschrieben, dass sie in ihrem Leben vieles gemacht machen, was andere von ihnen verlangt haben. Würden sie dies, rückwirkend betrachtet, heute anders handhaben?

    Ingrid Steeger:

    Mit diesem Satz kann ich gar nichts mehr anfangen. Ich überlege da auch gar nicht. Was sage ich? Wenn ich das und das gemacht hätte, wäre vielleicht nicht das und das passiert. Wenn ich keine Sexfilmchen gemacht hätte, hätte ich nicht Klimbim gemacht.

    Mich mochten damals die Kinder, die Frauen und die Männer und wenn ich kein Ja-Sager gewesen wäre, wäre mein Sex, den ich nicht freiwillig gegeben habe, sondern, den ich gab, weil ich ihn geben musste, weil man es von mir verlangte, vielleicht nicht so sauber rüber gekommen, dass mich wiederum dann nicht  die Kinder und die Frauen geliebt hätten.

    Also, das ist alles so ein Gemisch. Wenn, wenn, wenn und hätte. Dieses Wort "hätte", habe ich eigentlich aus meinem Leben getan. Ich kann es nicht ändern und ich will auch gar nicht darüber nachdenken, was dann passiert wäre, denn ich weiß es nicht.

    Michaela Boland:

    Eigentlich sind sie über all die Jahre bei Jung und Alt  nahezu dauerbeliebt.  Erinnern sie sich überhaupt an Negativ-Kritik?

    Ingrid Steeger:

    Negative Kritik in dem Sinne eigentlich kaum. Aber, sagen wir mal, es hat vieles, was die Presse geschrieben hat, nicht gestimmt. Die Presse hätte eigentlich wissen müssen, dass sie mir mit dem, was sie da  hin und wieder schreibt, schadet.

    Aber sie haben es halt  geschrieben, weil es aufreißerisch ist und weil sie eben etwas schreiben müssen. Aber, dass mich jetzt jemand verdammt hat, in dem Sinne, eigentlich nicht. Nun muss ich sagen, lese ich auch sehr wenig die Presse, weil ich mich nicht ärgern will.

    Denn einiges stimmt und einiges stimmt natürlich nicht. Und wenn man das dann so liest, wie man es nun gar nicht gesagt oder gemeint hat, ist das nicht schön. Oder es kommen so schlimme Mutmaßungen, die dann mein Leben schon vorausbeschreiben, wo ich denke, das kommt einer Verurteilung gleich, wobei sie ganz genau wissen, dass das nicht stimmt. Aber wir wissen ja, wie die Medien sind.

    Michaela Boland:

    Also, egal, wie lange man im Business ist, man ärgert sich immer mal wieder über Berichterstattung hinsichtlich der eigenen Person?

    Ingrid Steeger:

    Darum lese ich es mir erst gar nicht durch, dann braucht man sich auch nicht zu ärgern. Aber es gibt leider Gottes immer Leute, die einem das dann schicken.

    Michaela Boland

    Man hat ihnen für viele Jahre den Stempel "Ulknudel" verpaßt.1992 kam dann "Der große Bellheim" unter der Regie von Dieter Wedel, mit dem sie auch privat liiert waren. Es wurde vielerorts so formuliert, dass sie  nun in das sogenannte "seriöse Fach" wechselten. War es ihnen selbst ein Bedürfnis, vom Image der lustigen erotischen Frau in das sogenannte seriöse Schauspielfach zu überzugehen?

    Ingrid Steeger:

    Also für mich ist alles seriös. Klimbim war die härteste Arbeit meines Lebens. Ich habe vor dem Bellheim auch schon zweimal Derrick und den Kommissar gemacht. Außerdem habe ich darüber hinaus bereits in Fernsehspielen Rollen übernommen.

    Also, ich habe nicht nur Komik gemacht. Die Leute hängen sich nur immer an der Komik und insbesondere an Klimbim fest. Bellheim ist nicht das erste in dieser Richtung gewesen. Ich habe nämlich auch einen anspruchsvollen Derrick gemacht.

    Das ist das gleiche in grün. Nur damals wurde das durch den Dr. Dieter Wedel, weil ich ja auch noch mit dem liiert war, einfach groß herausgehoben. Bellheim war natürlich ein riesen Erfolg, ist auch in einer Zeit entstanden, in der ich mit ihm liiert war. So habe ich auch den ganzen Aufbau mit verfolgt. Dadurch wurde die Rolle natürlich stark überbewertet.

    Michaela Boland:

    Wie haben sie sich eigentlich ineinander verliebt? Ich selbst hatte noch keine Gelegenheit, ihn kennenzulernen, habe allerdings das eine und andere Mal von Schauspielern gehört, dass er auch recht streng sein könne. Können sie das bestätigen?

    Ingrid Steeger:

    Streng ist ein sehr nettes Wort. Ja, er ist ein sehr schwieriger Mensch. Aber  immerhin haben wir es ja fünf Jahre miteinander geschafft. Und es war keine unglückliche Zeit. Im Nachhinein sieht man vieles anders. Aber wir hatten eigentlich eine sehr gute Zeit, die nicht immer einfach war. Doch schwierige Menschen sind nun mal schwierig und das wusste ich natürlich.

    Michaela Boland.

    War es Liebe auf den ersten Blick?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ich habe mich ja auch mit Händen und Füßen dagegen gewehrt, weil ich ja wusste, dass er schwierig war. Aber, da ich nun mal gelernt habe, im Leben mehr auf andere Leute einzugehen, ist mir das vielleicht nicht so schwer gefallen wie den anderen Frauen.

    Michaela Boland:

    Ist das heute noch immer so bei ihnen, mehr auf die Bedürfnisse anderer Menschen einzugehen als auf ihre eigenen?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe schneller den Durchblick als früher und versuche da schon, meine Distanz zu halten. Jedoch glaube ich, dass es einfach ein Teil meines Charakters ist, das ich vielleicht immer ein bisschen mehr in den Menschen sehe und dann tut man auch mehr für die anderen.

    Ich kann dann deren Bedürfnisse nicht einfach an mir abprallen lassen. Ich versuche, die Menschen mehr zu ergründen und bringe womöglich einfach manchmal ein bisschen zu viel Verständnis für andere auf und das merken natürlich manche Leute und die wissen das dann schon zu benutzen.

    Michaela Boland:

    Kommen wir noch einmal auf Klimbim zurück. Sie sagten gerade, es sei für sie die härteste Arbeit ihres Lebens gewesen. Inwieweit hatte das mit dem Regisseur Michael Pfleghar zu tun?

    Ingrid Steeger:

    Ja, es war sehr schwierig. Und auch hier kommt wieder hinzu, dass wir miteinander liiert waren und dass ich ihm dann gehört habe, beruflich wie privat. Das war für mich zum damaligen Zeitpunkt durchaus in Ordnung. Im Nachhinein sieht man vieles anders.

    Im Hinblick auf meine Jugend sagen die Leute ja auch, "deine Jugend war ja schrecklich", aber in meiner Jugend fand ich meine Jugend in Ordnung. Mit dreißig vierzig Jahren dann nicht mehr.

    Aber, das ist auch vielleicht etwas, das man überlebt, wenn man es in dem Moment so sieht. Aber Klimbim war eben deshalb so schwierig, weil ich vor der Kamera nicht so agieren konnte, wie ich es gerne getan hätte.

    Oder der  Pfleghar hat es auch einfach nur nicht so gesehen und er hat es natürlich, ich sage immer "rausgeprügelt" in Anführungsstrichen. Ich wusste nicht, dass ich komisch sein würde und er hat es mit Gewalt herausgeholt und ich habe gehorcht.

    Also ich habe wieder mal gehorcht. Wie immer im Leben, habe ich auch ihm gehorcht. Und das war ja offensichtlich richtig so. Es hat nicht unbedingt Spaß gemacht, aber es kam etwas dabei heraus. Und das durfte das Publikum ja nun auch nicht merken.

    Das war wichtig. Wenn wir das jetzt zusammen durchgehen würden, könnte ich ihnen jede Szene nennen, bei der ich geheult habe. Auch beim Schneemann. Das war nicht im Studio, sondern das war wirklich draußen im Schnee. Und das im Abendkleid.

    Und das mussten wir zehn bis zwanzig Mal drehen und da bin ich fast erfroren und bin seiner Meinung nach immer falsch um den Schneemann herumgelaufen. Das war dann auch nicht komisch.

    Michaela Boland:

    Als vorlaute Gabi haben sie in der Klimbim-Familie regelmäßig Backpfeifen kassiert. Wurden die Schläge gefakt oder mussten sie den Schmerz tatsächlich aushalten?

    Ingrid Steeger:

    Es war real. Das war nicht komisch. Die Volkmann hat eine gute Handschrift gehabt.

    Michaela Boland:

    Hatten sie denn nie das Bedürfnis, Elisabeth Volkmann bei Gelegenheit mal eine schallende Ohrfeigen-Retourkutsche zu verpassen?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ich dachte ja, das muss so sein.

    Michaela Boland:

    Schauen sie sich Wiederholungen von Klimbim gelegentlich an? Können sie das gut sehen?

    Ingrid Steeger:

    Nein, das gucke ich mir nicht an. Ich sehe mir auch keinen Talk, den ich gemacht habe, an. Ich gucke mich überhaupt nicht an. Machen aber viele Schauspieler nicht. Ich kann mich nicht ertragen. Klimbim, kann ich nicht mehr verbessern.

    Man ärgert sich auch nur darüber. Bei Talks zum Beispiel, dann denkt man, wieso hast du nicht dieses oder jenes gesagt oder, das hättest du machen können. Ich weiß das in dem Moment selbst, wenn ich den Mund aufmache, weiß ich schon, was falsch ist und dann brauche ich mir das nicht noch einmal anzuschauen.

    Michaela Boland:

    Sie haben früher auch Fernsehwerbung für Rolo Schokoladenkaubonbons und Old Spice gemacht. In was für einer Erinnerung haben sie die Spots?

    Ingrid Steeger:

    Rolo, das war eine süße Werbung. Das waren die größten Werbespots, die ich gemacht habe. Für Rolo haben wir sogar auch Preise erhalten.

    Michaela Boland:

    Im Rolospot haben sie gesungen, ebenso wie regelmäßig in Klimbim. Gab es auch Anfragen von Produzenten für Plattenproduktionen?

    Ingrid Steeger:

    Ja, klar. Ich habe auch einige gemacht.  Auch hier wollte ich eigentlich gar nicht, aber die wollten. Ich fand mich nie gut als Sängerin. Selbst da habe ich mich Satz für Satz gequält. Ich habe auch Musical gemacht, bin zur Falckenbergschule gegangen, habe die Lieder einstudiert.

    Und dann kam ich bei den  Freilichtspielen auf die Bühne und da hatten wir kein Mikroport und nichts und meine Stimme hat total versagt. Wenn ich Theater spiele, geht meine Stimme bis ganz nach hinten, auch wenn tausend Leute da sind.

    Dann hole ich mir meine Stimme einfach tief aus dem Bauch, aber wenn ich singe, dann rutscht mir die Basis nach oben. Ich kann nicht singen und ich will auch nicht, weil ich nicht kann (lacht).

    Michaela Boland:

    Haben sie zu irgendeinem Zeitpunkt eigentlich noch eine klassische Schauspielausbildung absolviert?

    Ingrid Steeger:

    Nein.

    Michaela Boland:

    Funktionierten Dinge wie auf der Bühne laut und deutlich sprechen zu können dann aufgrund ihrer gesammelten Erfahrung?

    Ingrid Steeger:

    Das habe ich mir erarbeitet. Beim ersten Theaterstück habe ich das nicht gehabt. Zwischen Bühne und Fernsehen liegen natürlich Welten. Mein erstes Stück war ein Zwei-Personenstück mit Harald Leipnitz und da ging meine Stimme gar nicht nach hinten und da haben die Leute auch immer gerufen "lauter, lauter".

    Da habe ich mir die Bühnenwirksamkeit dann mit der Zeit vom Spielen her erarbeitet. Wer Fernsehen spielt, gewährleistet noch lange nicht, dass er eine Bühnenwirksamkeit hat. Umgekehrt genauso.

     

    Michaela Boland:

    Halten sie eigentlich noch Kontakt zu ihren früheren noch lebenden Klimbim-Kollegen, wie Wichard von Roell oder Peer Augustinski?

    Ingrid Steeger:

    Zu Peer ja. Er wohnt ja auch hier in Köln. Der war auch schon hier im Theater. Wichart, also zum Opi, weniger. Die anderen sind ja schon tot.

    Michaela Boland:

    Sie haben vor einigen Jahren bereits ein Buch herausgebracht, in dem es um ihre Männer gehen soll.

    Ingrid Steeger:

    Nein, das ist kein Buch, bitte. Oh, da bin ich auch so was von stinkig. Das ist auch nur wieder aus Blödsinn entstanden, weil jemand das wollte. Das ist ja kein Buch, das sind Karikaturen. Es ist gezeichnet und dann steht da jeweils so ein blöder Text drunter.

    Also das kann man vergessen, da stehe ich auch nicht zu, zu diesem Buch. Das ist aus Blödsinn entstanden und der Verkauf versucht das halt bis heute noch das zu vermarkten. Ich finde auch den Vertrag nicht mehr, habe da auch nie eine Abrechnung oder sonst was gekriegt und das ärgert mich immer.

    Michaela Boland:

    Nichts desto trotz haben sie ja bereits die eine oder andere Erfahrung mit Männern in ihrem Leben gemacht, die nicht unbedingt immer nur schön war, wie man im Laufe der Jahre auch in den Medien mit verfolgen konnte. Wofür sind Männer aus ihrer heutigen Sicht eigentlich gut?

    Ingrid Steeger:

    Ja, das frage ich mich auch. Ja, gut, es gibt schon gute Beziehungen.

    Michaela Boland: Was macht eine gute Beziehung nach ihrem Dafürhalten aus?

    Ingrid Steeger:

    Einfach eine gute Gemeinschaft, etwas zusammen erleben und durchleben. Ich kann nicht behaupten, dass ich nur schlechte Beziehungen hatte. Ich denke, der Anfang ist immer schön und man hat immer eine schöne Zeit gehabt.

    Und dann irgendwann merkt man, dass die Zusammengehörigkeit doch nicht so gegeben ist und dann geht man halt auseinander. Ich finde das schön, wenn ich sehe, dass Leute 25, 30, 40, 50 Jahre verheiratet sind, aber auch die hatten natürlich ganz harte Zeiten. Und die haben sich im Alter dann wieder zusammengerauft.

    Also eigentlich müsste man versuchen, das durchzustehen. Also an Treue oder so etwas glaube ich prinzipiell nicht. Nicht nur in Bezug auf das, was ich erlebt habe, sondern auch, was ich bei den anderen Leuten sehe.

    Ich glaube, das ist auch irgendwie nicht im Menschen drin, was ich sehr traurig und schade finde. Der Körper gehorcht offensichtlich nicht immer so ganz. Aber ich finde es schön, dass man trotz allem zusammenbleiben kann. Wenn ich ältere Ehepaare sehe, die Hand in Hand herumlaufen, finde ich das herrlich.

    Und jeder hat da mal ein außereheliches Verhältnis gehabt, das geht ansonsten ja nicht über eine so lange Zeit, aber ich finde es einfach toll, dass man dann trotzdem zusammenbleibt.

    Michaela Boland:

    Bei Bettina Böttinger im Kölner Treff haben sie geäußert, dass sie Angst vor einer Beziehung hätten. Ist das nach wie vor so? Könnten sie sich nicht vorstellen, noch einmal die Liebe zu finden?

    Ingrid Steeger:

    Ich kann es mir überhaupt nicht vorstellen. Nein.

    Michaela Boland:

    An Angeboten mangelt es mit großer Wahrscheinlichkeit kaum. Wie könnte ein potentieller Kandidat denn idealerweise sein?

    Ingrid Steeger:

    Weiß ich nicht. Der müsste gebacken werden. Ich kann es nicht sagen. Ich möchte keinen Jüngeren haben und ich möchte auch keinen Älteren haben. Also so einen alten Mann möchte ich auch nicht unbedingt nackt sehen. Und einen Jüngeren, nun, als ich 50 war, hatte ich mal eine Beziehung mit einem jüngeren Mann.

    Ich kann gar nicht verstehen, wie ältere Frauen sagen können, dass sie sich mit einem jüngeren Mann an der Seite jung fühlen. Ich habe mich alt gefühlt. Zuerst einmal, mit welchen Leuten der sich umgeben hat, da war ich schon längst einen Zacken drüber.

    Das war einfach nicht mehr meine Welt. Vielleicht gaukelt man sich da für eine Zeit etwas vor. Dann ist das sicherlich schön, weil man für eine Weile mal wieder in etwas anderes eintaucht.

    Aber mit der Zeit merkt man irgendwie, das ist vorbei, da bin ich schon mal durch. Es ist fein, wenn das andere durchmachen, das freut mich für sie. Man soll natürlich auch nie sagen.

    Aber ich hätte Schwierigkeiten damit, da wieder Kompromisse zu machen und mich anzupassen. Dann saust da wieder einer in der Gegend herum, nein, das ist mir zu anstrengend.

    Michaela Boland:

    Sie haben deutlich geschildert, dass sie in ihrem Leben immer wieder anderen Menschen gehorcht haben. Wären sie denn heute sicher davor, zu gehorchen, gesetzt den Fall, sie verlieben sich allen Widerständen zum Trotz doch  erneut?

    Ingrid Steeger:

    Das ist ja eben das Problem. Ich wäre mir da nicht so sicher, dass mir das nicht mehr passiert. Und ich habe keine Lust, dass das wieder von vorne losgeht. Denn ich würde wahrscheinlich automatisch, also nicht mehr gehorchen, aber ich würde einfach sehen, dass es meinem Partner gut geht und der würde das dann wieder ausnutzen und so weiter.

    Ich will auch nicht ständig jemanden um mich herum haben. Wissen sie, ich bin jetzt 65 und kann nicht mehr mit einem Mann zusammen alt werden. Wenn ich jetzt einen mit 30 kennengelernt hätte, dann wird man zusammen alt.

    Ich würde es vom Optischen her erleben. Sein Körper verändert sich, mein Körper verändert sich. Wenn ich aber jetzt einen kennenlerne, dann sehe ich den schon mal alt und er sieht mich alt. Diese Entwicklung ist gar nicht mehr gegeben, gar nicht mehr zu schaffen. Selbst wenn ich jetzt einen Mann in meinem Alter kennenlerne, ist der ja schon voll entwickelt.

    Wir können nicht mehr in dem Sinne zusammen alt werden. Natürlich gibt es Wunder, vielleicht gibt es auch noch mal eins. Aber darüber denke ich nicht nach. Ich habe gute Freunde und ich habe Eliza Doolittle, meinen Hund.

    Die ist jetzt zwei Jahre alt. Wenn man mal überlegt, kleine Hunde werden alt, wenn sie nicht krank werden. In fünfzehn Jahren bin ich achtzig, also, was soll das?

    Michaela Boland:

    Sie sind das jüngste von drei Geschwistern. Wie ist das Verhältnis zu ihrer Familie?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe einen Bruder, der ist in Berlin. Der hat mich gerade angerufen und eine Schwester, die mich ebenfalls heute angerufen hat. Das Verhältnis zu meinen Geschwistern ist sehr gut, zu meiner Schwester enger als zu meinem Bruder.

    Mein Bruder hat mich angerufen, um mir den Hörer hinzuhalten, weil meine Mutter mal einen lichten Moment hatte und vor sich hingesprochen hat. Sie ist 100 Jahre alt und dement. Sie ist eigentlich gar nicht mehr, quasi ein lebender Leichnam und alle paar Monate redet sie irgendetwas vor sich hin.

    Michaela Boland:

    Wie oft sehen sie sich?

    Ingrid Steeger:

    Wir haben uns am 17. August gesehen. Das war ihr 100.ster Geburtstag. Da hat sich die Familie getroffen. Dazu muss ich sagen, dass eigentlich bekannt ist, dass wir nie eine glückliche Familie waren und da auch keine Liebe zwischen der Mutter und uns war. Sie tut mir einfach nur leid.

    Michaela Boland:

    In einer Boulevardzeitung war zu lesen, dass  sie geäußert hätten, ein Ableben sei eine Erlösung für ihre Mutter.

    Ingrid Steeger:

    Ja. Sie hat kein Leben mehr. Ich wünsche das jedem Menschen, wenn er mal so dran ist wie sie. Sie wird gewickelt, sie wird gefüttert. Das habe ich dem Express, den Blödmännern, nicht gesagt, das haben sie sich aus "Volle Kanne" herausgezogen und haben natürlich die Überschrift gemacht "Ingrid Steeger wünscht sich den Tod ihrer kranken Mutter".

    Meine Mutter kriegt nichts mehr mit, liegt nur apathisch herum und dämmert vor sich hin. Das ist kein Leben mehr. Das ist entwürdigend. Ab und zu redet sie, da muss das Langzeitgedächtnis durchkommen, aber auch das hat keinen Zusammenhang mehr. Es ist einfach kein Leben.

    Michaela Boland:

    Dass sie in finanzieller Hinsicht einmal durch eine sehr schwierige Zeit gegangen sind, konnte ganz Deutschland durch sensationslüsterne Boulevardmedienberichterstattung mit verfolgen.

    Wie haben sie es geschafft, derart bemerkenswert aufrechten Ganges durch diese Lebensphase hindurchzugehen und welchen Tipp geben sie Menschen in ähnlichen Lebenssituationen?

    Ingrid Steeger:

    Ich bekomme viele Anfragen in dieser Hinsicht. Viele Menschen fragen mich, die in der Situation sind. Doch das kann man nicht mit meiner Situation vergleichen. Erstens mal war ich ja in einer schweren Depression. Da kamen viele Dinge, wie Depression und Krankheiten zusammen.

    Das Ganze hat sich auch jahrelang vorher angekündigt, so etwas kommt ja nicht von heute auf morgen. Durch meinen Bekanntheits- und Beliebtheitsgrad hatte ich jedoch das Glück, dass die Leute mich aufgefangen haben. Ein normaler Mensch wird ja leider nicht so aufgefangen wie ich aufgefangen wurde.

    Dadurch, dass das so groß in der Presse stand, was für mich ein schlimmer Schlag war, musste ich mich ja dazu stellen. Es ging nicht anders.

    Michaela Boland:

    Hat da jemand aus ihrem direkten Umfeld geplaudert oder wie kam ans Licht, dass sie ihren Lebensunterhalt nicht mehr aus eigener Kraft bestreiten konnten?

    Ingrid Steeger:

    Natürlich, bestimmt. Ich weiß es nicht. Die Bildzeitung hat es herausbekommen und die haben perfekt daran gearbeitet, bestimmt zwei, drei Monate. Die wussten alles ganz genau, mehr als ich. An welchem Tag und um wie viel Uhr ich den Antrag gestellt habe.

    Da konnte man auch gar nichts widerlegen. Da muss man ja dann zu stehen, denn das waren alles Fakten. Es war alles nachzuweisen und da kam ich dann gar nicht mehr drum herum.

    Michaela Boland:

    Sie hätten versuchen können, sich mit der empfundenen Schmach zu verkriechen, haben jedoch tapferer weise gegenüber der Öffentlichkeit regelmäßig Rede und Antwort gestanden. Wie haben sie sich dazu motivieren können?

    Ingrid Steeger:

    Mich zu verstecken, ging ja gar nicht, denn dann wäre ich tot gewesen. Tot für mich und für die anderen. Dann wäre ich wirklich am Boden gewesen. Es gab wirklich nur die Möglichkeiten, entweder bleibe ich liegen, weiterhin in meinem Koma und in meiner Depression verhaftet oder ich stehe auf.

    Und dadurch, dass ich mich dazu gestellt habe, also, ich bin wieder einmal dazu gezwungen worden, etwas zu machen, habe ich dann auch die Kraft bekommen.

    Dann standen nämlich auch die Medien zu mir, ebenso wie die Leute. Dadurch kam ich nach vier Monaten bereits aus Hartz IV heraus, denn die Gagen bei den Talks waren sehr gut. Das Sozialamt hat mir sofort berechnet, wie lange ich davon zu leben habe. Und dann kam sofort das Theaterstück und alles Weitere ging direkt ineinander über.

    Ich kann somit einem normalen Menschen, in Anführungsstrichen, überhaupt keinen Tipp geben, denn das war bei mir ein Ausnahmefall. Denn ein normaler Mensch wird nicht aufgefangen und kriegt auch keine guten Gagen in Talks.

    Natürlich muss man stark sein und Kraft haben und Freunde haben. Viele meiner Freunde wussten ja gar nicht, was mit mir los war. Meine Freunde wohnen ja nun alle nicht bei mir oder in meiner näheren Umgebung.

    Sie wussten schon, irgendwas funktioniert nicht mehr so. Es ging ja, wie gesagt, über Jahre. Die Depression hat sich tatsächlich über Jahre erstreckt.

    Michaela Boland:

    Wie geht es ihnen heute in Bezug auf ihre Depression? Ist sie überstanden?

    Ingrid Steeger:

    Ich gehe mal davon aus, dass die Depression schon länger vorüber ist, sonst würde ich gar nicht auf der Bühne stehen.

    Michaela Boland:

    Die Gefahr eines Rückfalls ist bei Depressionen nicht immer auszuschließen.

    Ingrid Steeger:

    Ich war auch mit Depressiven zusammen und habe das sehr studiert. Es gibt so viele verschiedene Arten von Depressionen. Depression ist nicht gleich Depression. Klar kann man von heute auf morgen wieder in eine Depression verfallen, wenn irgendetwas passiert.

    Es gibt auch eine akute Depression. Jeder Mensch hat mal eine akute Depression gehabt, fällt da kurz rein und ist dann wieder da. Die schlimmste ist die endogene, also die vererbte Depression, die dann sporadisch in Abständen immer wieder kommt.

    Michaela Boland:

    Aber jetzt geht es ihnen gut?

    Ingrid Steeger:

    Mir geht es sehr gut.

    Michaela Boland:

    Das ist schön. Interessieren sie sich eigentlich auch für bildende Kunst?

    Ingrid Steeger:

    Meine ganze Wohnung ist vollgepflastert mit Bildern von guten Künstlern.

    Michaela Boland:

    Bevorzugen sie da eine bestimmte Stilrichtung?

    Ingrid Steeger:

    Ich bin ein sehr großer Fan der Impressionisten. Van Gogh, Gauguin, Manet, Monet usw.

    Michaela Boland:

    Vermissen sie als Berlinerin eigentlich manchmal ihre Heimat?

    Ingrid Steeger:

    Nicht ein bisschen.

    Michaela Boland:

    Was sagen sie denn zu der Flughafenaffaire rund um den regierenden Bürgermeister von Berlin Klaus Wowereit?

    Ingrid Steeger:

    Da habe ich mich, ehrlich gesagt, nicht so viel drum gekümmert. Viele Leute denken immer, ich wohne noch in Berlin. Berlin ist für mich ein Kapitel, das schon lange vorbei ist. Dort zieht mich auch nichts mehr hin zurück.

    Michaela Boland.

    Gibt es für sie eine Lieblingsstadt?

    Ingrid Steeger:

    Hamburg und Zürich.

    Michaela Boland:

    In Zürich haben sie auch einmal gelebt?

    Ingrid Steeger:

    Ja. Und was mir augenblicklich auch gut gefällt, ist Köln. München war für mich immer so eine Anlaufstätte, wenn ich aus Frankreich kam. Jetzt lebe ich fast schon wieder zehn Jahre in München. In Hamburg habe ich ja auch fünf Jahre gewohnt. Jetzt wird es mal Zeit, dass ich wieder umziehe.

    Michaela Boland:

    Wie stehen sie zu sozialen Netzwerken wie Facebook? Haben sie einen Account dort?

    Ingrid Steeger:

    Nein, ganz bestimmt nicht. Was soll ich da reinschreiben? Meinen Freunden schreibe ich entweder eine Mail oder wir telefonieren. Und ich will das nicht, dass da jeder Einblick erhält. Das sind ja nicht alles meine Freunde, auch, wenn sie sich so nennen. Ich kenne die doch gar nicht.

    Michaela Boland:

    Googeln sie sich gelegentlich selbst?

    Ingrid Steeger:

    Dann müsste ich ja von morgens bis abends beim Anwalt sitzen. Nein, ich habe eine sehr gute Website, die wird unentwegt aktualisiert. Das ist für Berufliches und für Fans und das reicht mir total.

    Und wann ich nun morgens einen Kaffee getrunken habe, oder ob ich hingefallen bin, das muss ich den Fans nicht mitteilen. Das sollen mal alles die Jüngeren machen. Oder ich finde das  für Schlagersänger ganz gut, die ihre Platten verkaufen wollen.

    Michalea Boland:

    Oder, wenn man ein neues Buch promoten möchte?

    Ingrid Steeger:

    Das kommt alles auf meine Website. Dann sollen sie sich das da angucken, da steht das dann alles drin. Aber, was ich jetzt alles privat tue, wann ich den Hund gehauen habe oder etwas über mich und meine Gefühle, das muss nicht  sein. Die Medien, die kriechen dann sowieso da herum und ziehen sich dann da etwas heraus.

    Michaela Boland:

    Wird es im Rahmen ihrer geplanten Buchveröffentlichung ".und find es wunderbar" auch Lesungen geben?

    Ingrid Steeger:

    Bestimmt.

    Michaela Boland:

    Mit Peer Augustinski haben sie in jüngster Vergangenheit auch verschiedene Lesungen durchgeführt. Wird es da Wiederholungen geben?

    Ingrid Steeger:

    Ja, das einzige Problem besteht nur darin, dass es immer sehr schwierig ist, wenn ich, wie jetzt, Theater spiele.

    Michaela Boland: Ihre Stimme ist nach wie vor sehr wohlklingend und vor allem junggeblieben. Nutzen sie diesen Umstand beispielsweise auch zum Synchronsprechen?

    Ingrid Steeger: Wenig, aber Hörspiele mache ich jetzt. Ich habe gerade einen Krimi gemacht. Synchron weniger.

    Michaela Boland:

    Wenn man sie direkt anblickt, sieht man sie verhältnismäßig häufig charmant lächeln, obgleich sie zwischendurch in unbeobachteten Momenten immer wieder ein wenig ernst  wirken. Wann und über was können sie manchmal so richtig herzhaft lachen?

    Ingrid Steeger:

    Weiß ich nicht. Vielleicht über Blödsinn. Über Eliza Doolittle muss ich manchmal herzhaft lachen.

    Michaela Boland: Wie kam es zu der Namensgebung?

    Ingrid Steeger:

    Ich habe die Eliza Doolittle gespielt. Ich spielte Pygmalion. Diese Rolle habe ich auch sehr gerne gespielt.

    Michaela Boland:

    Gibt es eine Rolle, die sie heute besonders gerne noch einmal spielen würden?

    Ingrid Steeger:

    Eliza Doolittle, doch leider bin ich dafür zu alt. Es ist ja ein Mädchen aus der Gosse, die zur Dame erzogen wird. Das geht nur, wenn man jünger ist.

    Michaela Boland:

    Liebe Frau Steeger, vielen Dank für dieses Interview und alles erdenklich Gute weiterhin für ihre Zukunft.

    Infos unter:

    www.ingridsteeger.de

    de.wikipedia.org/wiki/Ingrid_Steeger

    www.sueddeutsche.de/geld/reden-wir-ueber-geld-ingrid-steeger-ich-habe-um-euro-gebettelt-1.1031386

    Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

    Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

    Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

    Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle großen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

    Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

    Exklusivinterview und

    Porträt des Monats

    © Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

    mehr
  • Gottfried Boehmer und Anna Vilents 2003 vor der Ausstellung mit den Promi-Motiven
Stefan Raab wurde auch von Anna Vilents aufs Korn genommen
    Die Rote Anna malt Böse Bilder
    Bitter süße Bilder von Anna Vilents - die omnipräsente Medien-Prominenz der "STARS"

    Lange, sehr lange ist das her. Ein Rückblick in das Jahr 2003. Was wären die „Stars" ohne RTL, VOX, Pro 7, Bild, Bunte oder Gala?

    von Peter Hauptvogel

    Die 22-jährige Ukrainerin Anna Vilents hat die omnipräsente Medien-Prominenz unserer Zeit mit Pinsel und Acrylfarbe aufs Korn genommen und in bitter süßen Bildern porträtiert. Sie wollte nur eins: Malerin werden.

    Die rothaarige Malerin, die 1993 mit ihren Eltern „als Kontigent-Flüchtling" aus der Ukraine an den Rhein kam, weiß genau wie man Publicity macht. Und ihr Mentor Gottfried Böhmer von Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin weiß das auch. Wohl deshalb wirkten beide auf der Vernissage auch so vergnügt.

    Doch Anna ist mehr als ein kleines Schlitzohr, sie ist eine begnadete Künstlerin. Die jüngste Meisterschülerin der alterehrwürdigen Düsseldorfer Kunstakademie. Immerhin einer Institution, die 17 von 100 Namen für die aktuelle Weltrangliste der bildenden Künstler dieser Welt liefert.

    18 Jahre alt war Anna als sie angenommen wurde. Sie sprach kaum ein Wort deutsch und besaß kein Abitur. Aber bei der Begabtenprüfung überzeugte sie, wurde sie Meisterschülerin von Prof. A. R. Penck. Dass allein ist schon ein Pfund, mit dem man wuchern kann. Fachleute schätzen vor allem ihre raffinierte Tropftechnik.

    Anders als deren berühmter Erfinder Jackson Pollock bleibt sie jedoch im figürlichen, wenn sie Tierkörper mit Menschenköpfen malt, und dabei Übergänge findet, die ins Mystische reichen. Gut und gerne 4.000 € muss man heute schon für ein Vilents-Bild auf ein Tisch blättern.

    Am Ende der jetzt laufenden PR-Show mit den Promi-Motiven wird der Preis gewiss noch gestiegen sein, man darf ihr das gönnen. Allein schon die Zielstrebigkeit mit der sie ihre Künstler- Karriere verfolgte, verdient Anerkennung. Konsequent lehnte sie jeden anderen Berufsvorschlag von Eltern und Lehrern ab, wollte Malerin werden - und wurde es.

    Air Berlin Magazin Ausgabe 2/2003

    Claudia Schiffer, Boris und Barbara Becker, Verona Feldbusch, Thomas Gottschalk, Ariane Sommer - alle sind sie da. Unsere Medien-Stars im Format 100 x 90 cm. Anna Vilents, in diesem Semester die jüngste Meisterschülerin (Prof. A. R. Penck) an der Düsseldorfer Kunstakademie, porträtiert die „Stars" aus Film und Fernsehen wie die Fürsten, Mönche und Madonnen der Renaissance-Zeit.

    Jedoch mit streng kritischem Blick. Auf den 13 „Star-Porträts" wird mit diesen streng ins Gericht gegangen: Dieter Bohlen als Florentiner in der Hand seinen Bestseller als Bibel. Nina Hagen wird als kleines Mädchen dargestellt. Barbara Becker als leidende Heilige.

    Anna Vilentsist jedoch keine Zeitgeist-Reporterin, ihr Scharfblick gilt verschiedenen gesellschaftlichen Phänomenen mit einem Schuss Ironie. Ausstellung: Gesellschaft Freunde der Künste Düsseldorf - Berlin.

    Messemagazin Ausgabe 1/2003

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Kunst - Video

  • Martin Garrix, Dimitri Vegas & Like Mike, Robin Schulz, Gestoert aber GeiL, Steve Aoki, Le Shuuk, Da Tweekaz, MOGUAI und Gianluca Vacchi kommen nach Duesseldorf
    die WORLD CLUB DOME Winter Edition
    Der größte Winter-Club der Welt kehrt zurück nach Düsseldorf

    Der größte Winter-Club der Welt – er kehrt zurück nach Düsseldorf. Nach der erfolgreichen Premiere mit 90.000 Clubbern im vergangenen November bringt BigCityBeats die WORLD CLUB DOME Winter Edition erneut in die MERKUR SPIEL-ARENA. Am 10., 11. und 12. Januar steigt das erste große Happening des Jahres.

    Auf der riesigen Mainstage spielen die weltweit erfolgreichsten DJs ihre Sets und Bands geben Konzerte. All das visuell begleitet von einer der größten Lasershows Europas.

    Auch der Club Music Circle mit den unterschiedlichsten Stilrichtungen der elektronischen Musik ist 2020 wieder on und in Location. Er umkreist mit mehr als 20 Clubs die beeindruckende Club-Hall.

    EDM, Techno, House, Hip-Hop, Trap, Hardcore, Trance, Future Bass – Mainstream und Underground Tür an Tür. 1LIVE wird Live hautnah begleiten.

    Das Line-up: Es wächst. Nebst dem Nummer-1-DJ der Welt Martin Garrix fügen sich nun weitere Global Player in die Riege der internationalen Top-Acts ein. Mit Dimitri Vegas & Like Mike kommen die erfolgreichsten DJ-Brothers des Planeten in die Rheinmetropole.

    Ebenfalls am Start: Robin Schulz, der mit „Speechless” satte 34 Millionen YouTube-Aufrufe bis dato generierte. Auch am Start: Gestört aber GeiL! Das DJ-Duo aus Erfurt, das gekonnt den Spagat zwischen Tech House und Deep House meistert.

    Ebenfalls bestätigt: Steve Aoki, der beim BigCityBeats WORLD CLUB DOME im Sommer mit Timbaland eine Weltpremiere feierte. Und auch die Hardstyles-Community wird auf dem Dancefloor feiern, wenn Da Tweekaz die Stage erobern.

    Und spätestens MOGUAI „catcht” dann alle Raving Generations, denn er zählt zu den Pionieren des elektronischen Sounds.

    BigCityBeats WORLD CLUB DOME Winter Edition

    10./ 11./12.01.2020

    MERKUR SPIEL-ARENA Düsseldorf

    Line-up Phase 1:

    Martin Garrix, Dimitri Vegas & Like Mike, Robin Schulz, Gestört aber
    GeiL, Steve Aoki, Le Shuuk, Da Tweekaz, MOGUAI, Gianluca Vacchi

    Radiosender 1LIVE ist Media-Partner

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  • Die Saengerin Daniela Rothenburg und The Voyagers traten fuer die Künstlerin Kristin Dembny an
    Kurator Gottfried Böhmer
    Kaiserswerther Kunstpreis 2006: vergeben an Kristin Dembny

    Der Kaiserswerther Kunstpreis 2006 ging an die aus Dresden stammende Künstlerin Kristin Dembny für ihren Werkzyklus "Frida Kahlo - Viva la Vida". Zur Preisverleihung kamen über 1000 geladene Gäste. Das musikalische Rahmenprogramm gestaltete die Sängerin Daniela Rothenburg und The Voyagers. Moderation: Michaela Boland. Laudatio und künstlerische Leitung: Gottfried Böhmer, Gesellschaft Freunde der Künste.

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  • Zu Ehren der diesjährigen Preistraegerin der Kuenstlerin Sala Lieber, die für ihren Werkzyklus Back to the roots den Kaiserswerther Kunstpreis 2008 erhaelt, tratt am Samstag abend die Sopranistin Christiane Linke auf
    weil es so schön war
    Kaiserswerther Kunstpreis 2008: Das Konzert von Christiane Linke

    Das wollen wir ihnen noch mal zeigen - weil es so schön war.

    Zu Ehren der diesjährigen Preisträgerin der Künstlerin Sala Lieber, die für ihren Werkzyklus „Back to the roots“ den Kaiserswerther Kunstpreis 2008 erhält, tratt am Samstag abend die Sopranistin Christiane Linke auf.

    Die gebürtige 28-jährige Düsseldorferin war bereits mit 8 Jahren Preisträgerin bei „Jugend musiziert“. Sie hat an der MHS in Köln Gesang studiert sowie Meisterkurse in der Schweiz, Italien und Deutschland ( Köln und Siegburg) belegt.

    Sie ist bereits in berühmten Opern wie Mozarts „Zauberflöte“ anlässlich der Klosterfestspiele in Rheine und Neuwied/Koblenz sowie bei Kammerkonzerten mit dem Sinfonieorchester Wuppertal oder den Duisburger Philharmonikern aufgetreten.

    Begleitet wird sie von Witolf Werner, der an der Musikhochschule Köln das Fach „Orchester dirigieren“ bei Prof. Michael Luig belegte und 2001 seine erste Oper: „Cosi fan tutte“ von W. A. Mozart dirigierte.

    Nach seinem Studium wirkte er als Dirigent am Theater Dortmund und Bielefeld.  Im Sommer 2007 debütierte er beim JPON (Junges Philharmonisches Orchester Niedersachsen) mit der zehnten Sinfonie von Dimitri Schostakowitsch.

    Außerdem ist er musikalischer Leiter des „Freien Symphonie Orchesters Bielefeld“, der „Jungen Symphoniker Bielefeld“. Er ist Stipendiat der Richard-Wagner-Stiftung und der „Akademie Musiktheater heute“.

    In den vergangenen Jahren haben die Pianistin Marta Maria Georgia Tanea, die Sängerin Daniela Rothenburg sowie Violinist Baptiste Pawlik mit Ihren Konzerten die Preisträgerinnen der letzten Kaiserswerther Kunstpreise 2005-2007 Johanna Rzepka (2005: Werkzyklus „Home Sweet Home), Kristin Dembny (2006:„Frida Kahlo – Viva la Vida“) sowie Dorothea Schüle (2007:„Der Gesang der Amazonen“) geehrt.

    Die Veranstaltung fand am 13. September 2008 in Düsseldorf – Kaiserswerth am Kaiserswerther Markt 25-27 um 19.30 Uhr statt. Kuratiert wurde die Ausstellung von dem künstlerischen Leiter Gottfried Böhmer der auch für das Programm verantwortlich ist. Moderiert wurde die Veranstaltung von der TV-Moderatorin Michaela Boland.

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Kunst - Künstler vorgestellt

  • Lykke Li Zachrisson
Lykke Li Zachrisson
Lykke Li Zachrisson
    beeinflusst von der Surf Music der 60er Jahre
    Vorgestellt: Die schwedische Künstlerin Lykke Li Zachrisson prägt selbstbewußt die internationale Musikszene

    Lykke Li Zachrisson kam 1986 als mittleres Kind einer Fotografin-Mutter und eines Musiker-Vaters zur Welt. Dass ihre Mutter sie stehend und ohne Narkotika gebar, war ein Ausdruck des revolutionären Krankenhaus-Credos „being born on a woman’s terms“ und vermutlich LYKKE LIs erste Konfrontation mit der Frauenwelt, die auch ihr Ringen mit der Frage der Zugehörigkeit begründen sollte.

    Die Zachrissons waren eine Familie, die niemals still stand, von Schweden nach Neuseeland und schließlich nach Portugal zog, wo sie sich in einem Bergdorf niederließen, um der Nachstrahlung des Tschernobyl-Desasters zu entkommen.

    Als folgsames Rebellenkind, das seine ersten Schritte barfuß auf scharfen Kieseln zu Pfauenlauten und Donner machte, die Winter in Indien, Nepal und Marokko verbrachte und in elf verschiedenen Einrichtungen zur Schule ging, wandte sich Lykke schnell dem Kritzeln von Gedichten und dem Tanzen zu – nicht aus Interesse sondern als Notwendigkeit.

    Als die Familie schließlich einige Jahre später nach Schweden zurückzog, hatte sich das Umherwandern bereits auf die Natur der inzwischen Neunjährigen ausgewirkt, deren Innerstes rastlos und frühreif war.
     
    Mit 19 war Tanzen kein adäquates Outlet mehr für LYKKE LIs immer lauter werdende Seele, und so wurde der Gesang zum Heilmittel für ihre jugendlichen Leiden und die Beschränkungen von Stockholms Vorstadt. Schließlich verlagerte sie ihren Lebensmittelpunkt nach New York, zog in Bushwick ihr Ding durch, schaltete und waltete, uptown und zurück.

    Als sie eines Morgens in ihrer rattenverseuchten Kammer einer Wohnung aufwachte, nachdem sie am Abend zuvor bei einer Open-Mic-Nacht von der Bühne gebuht worden war, wurde ihr schlagartig klar: Schlimmer kann es nicht werden, ab jetzt kann es nur noch bergauf gehen – und sie wusste, dass die Kunst, in welcher Form auch immer, für immer ihr Leben sein würde.
     
    Badabing Badaboom.
     
    Zurück in Stockholm, pleite und allein, aber zu allem bereit, lag Lykke dem Produzenten Björn Yttling (von Peter, Bjorn & John) in den Ohren und fand in ihm den passenden Deckel für ihren Topf, da er sie in die Welt des professionellen Schreibens und Aufnehmens von Musik einführte.
     
    2007 nahmen die beiden 14 Songs auf, aus denen LYKKE LIs gefeiertes Debütalbum Youth Novels werden sollte – ein Werk, das die 21-Jährige schnell berühmt machte und sie auf ein atemberaubendes Rennen durch die Welt klaustrophobischer Backstage-Räume, greller Lichter, verruchter Partys, wuseliger Flughäfen, mieser Typen, hübscher Fremder, faltiger Mode und Stripper-Stiefeln, wertiger Lumpen und Balisons in überstrapazierten Koffern führte. Und zum Herzschmerz...


    Gott segne den Herzschmerz, werden wohl alle mit einstimmen, schließlich war dieser für den unvergesslichen Song „Possibility“ verantwortlich, der von einer ziemlich kaputten Einstellung gegenüber der Liebe zeugt, für den Film „Twilight – New Moon“ geschrieben wurde und Millionen junger Vampirseelen aus dem Herzen sprach, die sich danach sehnten, nicht dazuzugehören. Und zu lieben.
     
    „Mein letzter Tango mit der Liebe endete ziemlich übel, aber man kann sagen, dass ich mein eigenes Herz gebrochen habe. Liebe war nur mein Instrument und der Herzschmerz mein Geist – etwas, an das ich mich klammern konnte, als alles um mich herum zusammenbrach...“
     
    Nach zwei verrückten Jahren, in denen praktisch jeder Ort, jede Person und jedes Vergnügen auf dieser Erde nach ihrer Aufmerksamkeit lechzte – außer der Liebe natürlich –, sehnte sich LYKKE LI verzweifelt nach einem Ort, an dem sie sich ausruhen konnte anstatt auf einer Bühne zu tanzen. Da es keinen Ort gab, den sie ihr Zuhause nennen konnte, beschloss sie einmal mehr, nach New York zu gehen – um ein bisschen zu leben!
     
    „Zwei Monate verbrachte ich dort und hatte eine gute Zeit. Doch ich war ausgemergelt, New York war für mich zu dem Zeitpunkt der falsche Ort. Und als ich den Stecker gezogen hatte, als ich allein war und die Flut von Angeboten und Einladungen langsam verebbte, musste ich mich damit auseinandersetzen, wer ich war.

    Auch wenn sich meine Lebensumstände drastisch geändert hatten und mir alles offen stand, was ich mir je erträumt hatte, hatte ich immer noch die gleichen Gefühle wie vorher: die gleiche Existenzangst, die gleiche Rastlosigkeit. Ich hatte mich nicht verändert und wartete noch immer. Ich musste etwas unternehmen. Ich musste wachsen.“
     
    Also floh LYKKE LI in den Westen, in die kalifornische Wüste, spielte in einem schrägen und dunklen Moses-Berkson-Film namens „Solarium“ mit und begrub einen Teil ihres verletzten Herzens im brühend heißen Wüstensand. Den Rest nahm sie mit in ein Haus auf einem Hügel im Osten von Los Angeles, wo sie sich ein Fahrrad und eine Autoharp kaufte, ein wenig prachtvolles Klavier lieh, ein paar Blumen in ihrem Zimmer verteilte und sich hinsetzte um nachzudenken.
     
    Zur Ruhe gekommen, ein bisschen einsam und mit der Gainsbourg’schen Angst konfrontiert, dass dich der Geist einer Liebe, die nie wirklich gelebt hat, für immer verfolgen wird, immer in dir hausen wird, ungeboren und untot, suchte sie Trost in der Musik.
     
    Schon bald erzitterte die Bergkuppe des Echo Parks unter der Musik jener Gemüter, die an einem ähnlich kontemplativen, gebildeten und schmerzvollen Ort waren wie sie: Leonard Cohen, Neil Young und Dr. John gemischt mit Velvet Underground und This Mortal Coil, alles unter dem omnipräsenten Bann von Alan Lomax Feldstudien, Whiskey und Darjeeling.
     
    Doch wie jeder, der sich in den Untiefen von Sehnsucht und Verlust befindet, war LYKKE LI darauf bedacht, sich wieder zu berappeln und in sich selbst die Essenz ihrer Musik wiederzuentdecken. Sie dürstete nach der rauen Kraft der Schlichtheit, nach einer Form aufrichtiger Wahrheit.


    Sie kam zu dem Entschluss, dass es – unabhängig von Furcht, Verlust und Sehnsucht – nicht um die Perle in der Auster geht sondern um das Sandkorn, aus dem die Perle entsteht. Um die Kohle selbst, nicht den Diamanten, der aus ihr entstehen kann. Um das Jetzt, das sich unausweichlich ins Dann verwandelt, und das Wenn, aus dem vielleicht nie ein Jetzt wird.
     
    Und dann fing sie an zu schreiben.
     
    „Ich wollte zurück zu den Anfängen, als Songs noch etwas bedeuteten. Ich wollte Minimalismus, nur Texte und Melodien. Wie alle großartigen Songs sollten auch meine nur mit Handschlägen und Gesang gespielt werden können.“
     
    Sie bündelte den Niedergang des Shangri-La-Leitwolfs mit „Women Under The Influence“, „Ladies And Gentlemen Of The Canyon“, einer Kung-fu-Marianne-Faithful und einer bewaffneten Nancy Sinatra im Kaktusrausch und machte Musik.

    Aus ihrem Kopf kamen Voodoo-Trommeln, ein paar schmerzende Akkorde, peitschend und heilig, erschütternd und hoppelnd zugleich, und eine Stimme, die sich urplötzlich vom Sehnsuchtsvollen zum Fordernden gewandelt hatte, vom Fragilen zum Rauen.
     
    „Wenn ich singe... dann geht es immer um meine intimsten Emotionen, über die ich mit niemandem sprechen würde. Aber es ist meine Bühne, mein Raum, an dem ich alles ausdrücken kann, was ich will. So oder so – ich setze die Grenzen, ich mache die Regeln. Ihr müsst draußen bleiben.“
     
    „These scars of mine make wounded rhymes tonight“, singt sie und setzt damit den Titel ihres zweiten Albums in einen Kontext. Ein Zweitwerk, das das Recht einfordert, nicht dazuzugehören, wohlwissend, dass es dies dennoch tut. Von einer Künstlerin, die zu gleichen Teilen aus Diesseits und Jenseits, Liebe und Zerstörung, Kampf und Glauben besteht.
     
    „Das könnte es tatsächlich sein, mein letztes Hurrah. Dieses Album musste perfekt sein, es muss für Dekaden vorhalten. Für alle Fälle.“ 
     

    Mit den Worten einer Mutter, die einst aufstand, um eine Künstlerin zu gebären:
     
    „Tanz’ solange du noch kannst“, singt LYKKE LI.
    „Tanz’, weil du musst.“

     

     

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  • Verwirrspiel von realen, kopierten und inszenierten Wirklichkeiten
Catrine Val imitiert stellvertretend 11 Miss-World-Anwaerterinnen
    Als glamouröse Camouflage getarnt
    TREAP - Catrine Val entwickelt eine Interdependenz zwischen realen, kopierten und inszenierten Wirklichkeiten

    Mit der Erweiterung unserer zwischen-menschlichen Kommunikation durch die verschiedenen Dienste des Internets wächst die Bedeutung virtueller sozialer Netzwerke.

    Metaphysischen Mysterien

    All diese metaphysischen Mysterien werden durch die unmittelbare Verdopplung der Welt – das Mitlaufen des perfekten Doubles der Realität in Echtzeit – in Facebook, MySpace oder YouTube neu definiert.


    Den Ausgangspunkt für das Motiv von TREAP bilden die auf YouTube geposteten Videobotschaften der Miss World Wahl 2008. Catrine Val imitiert stellvertretend 11 Miss-World-Anwärterinnen aus unterschiedlichsten Nationen in einer Collage.

    Die medialen Fiktionen

    Da die medialen Fiktionen rund um die Schönheitsköniginnen einer „Miss Rushia“, „Miss Ethiopia“ oder „Miss Turkey“ im gleichen Maße um die Verführungskunst oberflächlicher Scheinwelten kreisen wie in der Mode, zitiert TREAP exemplarisch die viel beachtete Anzeigenkampagne der Herbst-/Winterkollektion 2006 der deutschen Modefirma Escada.

    Zenit eines längst vergangenen expressiven Luxus

    Mit vielen echten Fellen und grellen Farben steht diese Kampagne aus heutiger Sicht – in Zeiten der Rezession – für den Zenit eines längst vergangenen expressiven Luxus. Das Styling in TREAP orientiert sich an der von den 11 Schönheitsköniginnen während ihrer Interviews auf YouTube getragenen, privaten Kleidung.

    Man erkennt ansatzweise unterschiedliche, landestypische Modevorlieben und Auffassungen. Dicht gedrängt werden in TREAP 11 Nationen gleichberechtigt nebeneinander gestellt.

    Als glamouröse Camouflage getarnt

    Die Nachahmung birgt ein unheimliches wie auch sinnliches Potenzial. Am Ende hinterfragt TREAP als glamouröse Camouflage getarnt, das alltägliche Verwirrspiel von realen, kopierten und inszenierten Wirklichkeiten.

    Der Titel der Fotoarbeit „TREAP“ zitiert einen Begriff aus der Informatik:
    Dort bezeichnet dieser einen binären Suchbaum mit einem genau
    definierten Procedere für die Datenstruktur.

    Miss India
    Miss Czechoslovakia
    Miss Italy
    Miss Korea
    Miss Sweden
    Miss Russia
    Miss France
    Miss Ethiopia
    Miss Denmark
    Miss Great Britain
    Miss Turkey

    TREAP
    2009
    300 x 90 cm

    Foto: Jan Friese
    Hair & Make-up: Rebecca Keim
    Stylist: Ekachai Eksaroj
    Postproduktion: Jens Greber

    Statement:

    Catrine Val


    „Meine künstlerische Position entwickelt sich aus einer bedingungslosen Neugierde am Diskurs im Umgang mit Kommunikationsmedien und den damit einhergehenden Hinterfragung einer medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist.“ 

    Der Schwerpunkt meiner Arbeiten liegt in der Videokunst, wie in der konzeptuellen inszenierten Fotoarbeit. Thematisch stellen sie sensible, gesellschaftliche Beobachtungen an, die oft zum Environment inszeniert, das Verhältnis der Betrachter zum Videobild, untereinander gestalten.

    Im Vordergrund trat in den letzten Arbeiten wie  „Ich bin ein Anderes“ oder der hybriden Installation von „YouPrompt“ die produktive Gestaltung des Spannungsfeldes von virtuellen und realen Beiträgen im Experiment.

    Im Kern bezogen sich die Installationen auf das ständig wachsende und auf YouTube abgelegte Videomaterial, in seiner ambivalenten und zuweilen belanglos erscheinenden Vieldeutigkeit. Aus den vorangegangenen Ansätzen und der bisherigen Arbeit entwickele ich  gerade das Konzept SHEPARL.

    Gegenstand  der Hinterfragung wird auch hier die gesellschaftliche Funktion von Medien und deren kulturelle Bedeutung. Das Projekt SHEPARL überträgt die neuen partizipatorischen Kulturen, die sich im Internet entwickelt haben, auf politische Prozesse und untersucht, welche Rolle moderne Kommunikationsmedien im politischen Diskurs der Zukunft spielen können.

    Kann man eine Verwirklichung der medienkulturellen Identität, die sich ihrer sozialen, politischen, ästhetischen und ethischen Eingebundenheiten bewusst ist, alleine nur durch das Nachahmen erzeugen?

    Doch mein Hauptfokus liegt gerade  bei der Fortsetzung der inszenierten Modefotographie unter dem Titel„ WAYS OF ESCAPE“ mit aus Modekampagnen bekannten Haltungen und Posen in der Vervielfältigung einer einzigen Person.

    Werdegang
    seid 2004
    Künstlerisch-Wissenschaftlicher Mitarbeiter, Klasse Bjørn Melhus, Kunsthochschule Kassel

    2001 - 2004

    Postgraduiertes Studium bei Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein Kunsthochschule für Medien, Köln,

    1994 – 2001

    Studium der Freien Kunst, Klasse Urs Lüthi, Kunsthochschule Kassel

    1991-1993

    Arbeit in der Webeagentur Dr. Puttner & BSB; Wien

    1988 - 91

    Höhere Berufsfachschule für Graphik & Design, 

    Ausstellungen

    2010
    HUMAN  RIGHTS, Fondazione Opera dei Caduti

    Rovereto, Italy

    startUP, Sala Birolli, Verona, Italy
    BIG BANG, Einzelausstellung, Politics of the body

    Galerie König, Berlin
    2009

    26. Kasseler Dokumentarfilmfestival Monotoring, Kassel

    Images Recalled,3. Foto-Festival, Kunsthalle Mannheim

    Gemeinsam in die Zukunft Frankfurter Kunstverein

    Ich bin ein Anderes Stiftung Starke, Einzelausstellung, Berlin

    2008

    Monkey Up Plug In, Einzelausstellung, Basel Schweiz

    2007

    WATERCOLOURS, Galerie König, Hanauport

    2006

    Fremd bin ich eingezogen Kunsthalle Fridericianum, Kassel

    Coolhunter, Kunsthalle Budapest, Ungarn

    Blosses Außen U-Bahngalerie, München

    2005

    Coolhunter, ZKM, Karlsruhe

    Altitude KHM, Köln

    Coolhunter, Kunsthaus Wien

    2004

    Transmitter, European Media Art Festival, Osnabrück

    2002

    Feminale, Köln

    Unplugged, Ars Electronica, Linz, Österreich

    2001

    Monitoring, DokFest, Kassel

    2000

    Das erste Mal Marburger Kunstverein

    1998

    Rundgang 2

    Museum Fridericianum, Kassel

    Zur Künstlerin: Catrine Val, geboren 1970 in Köln, studierte Kunst bei Urs Lüthi, Valie Export, Marcel Odenbach und Horst Königstein und arbeitete an der Kunsthochschule Kassel. Ihre Video- und Fotoarbeiten waren Bestandteil diverser Ausstellungen und Festivals. (Quelle: Kehrer Verlag)
    Mit "FEMINIST" war sie bereits in der Ausstellung "Gaze upon my graze" des "Art Museum at The Art Park" in Hsinchu/Taiwan und auf dem "International Portfolio Reviews/Photo Ireland Festival" vertreten. Im Juni 2012 wurde ihr Bildband "FEMINIST" für den Renaissance Photography Prize London nominiert.
     

     

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  • Gesungen hat Jessica Pilnaes schon immer, ist sie doch familiaer vorbelastet
Ihr Vater war Keyboarder in Schwedens beliebtester Pop-Band, den Sven-Ingvars
Mit 20 wurde Jessica Pilnaes Mitglied der international erfolgreichen R & B-Band Robyn
Es folgten Tourneen durch Schweden und Deutschland
Als approbierte Medizinerin hat Jessica Pilnaes einen Plan B fuer den Fall der Faelle
    ungewöhnlicher lebensweg
    Vorgestellt: Jessica Pilnäs - eigentlich wollte sie Ärztin werden, heute macht sie erfolgreich Jazz

    Soulig ist ihre Stimme, leuchtend, warm, und doch zurückhaltend und zu feinsten Nuancen fähig - so präsentiert sich die Schwedin Jessica Pilnäs auf „Bitter And Sweet“. Unwillkürlich mag man an den scheinbar unerschöpflichen Fundus skandinavischer Sängerinnen denken.

    Doch so einfach ist die Sache diesmal nicht. Auch in Schweden ist mancher Karriereweg verschlungen - wie der von Jessica Pilnäs:

    Gesungen hat die 31-Jährige schon immer, ist sie doch familiär vorbelastet: Ihr Vater war Keyboarder in Schwedens beliebtester Pop-Band, den „Sven-Ingvars“. So kam sie schon mit 16 Jahren 1995 in die Vorauswahl des Eurovision Song Contest, gleichzeitig eine der beliebtesten Fernsehshows des Landes. Sie wurde Dritte und bekam sofort einen Plattenvertrag angeboten.

    Doch Jessica schwebte etwas anderes vor als eine Karriere als Pop-Sternchen: „Ich war so jung und gerade erst auf die höhere Schule gekommen und wollte diese ordentlich erledigen.“ Statt den Vertrag zu unterschreiben, setzte sie also auf Ausbildung und ging nach dem Gymnasium schließlich auf die renommierte „Fridhem“-Jazzschule, der etliche der heutigen schwedischen Jazzgrößen entstammen.

    Mit 20, nunmehr solide ausgebildet, wurde Pilnäs Mitglied der international erfolgreichen R & B-Band „Robyn“. Wieder wurden Pop-Produzenten auf sie aufmerksam, diesmal konnte sie der Versuchung nicht widerstehen. Unter dem Pseudonym „Isa“ - „es gab damals gerade zu viele Jessicas“, erklärt sie die Namensgebung durch ihr Label Sony - spielte sie das Album „Pretender“ ein.

    Das verkaufte sich zwar vor allem in Japan blendend, doch Pilnäs merkte schnell, dass sie, fremdbestimmt, Promotion gesteuert und Playback singend, weit entfernt von dem war, was sie eigentlich machen wollte: „Das war nicht ich. Ich fühlte mich nicht wohl, wie die anderen Popsängerinnen in Musikvideos herumtanzen.

    Ich war so enttäuscht von der Musikindustrie und all des Drucks müde, der den Spaß tötete.“ Kurzentschlossen zog sie sich aus dem Musikgeschäft zurück und setzte Plan B in Kraft: ein abgeschlossenes Medizinstudium an der renommiertesten Universität Schwedens, der Nobelpreis-Institution „Karolinska Institutet“.

    Vielleicht wäre Jessica Pilnäs heute allein dem Arztberuf verfallen, wenn es nicht zwei Musiker gegeben hätte, die ihren Rückzug für einen schweren Verlust für den Jazz hielten: Starposaunist Nils Landgren versucht noch während ihres Studiums wiederholt, sie für den Gesang zurückzugewinnen.

    Für sein ABBA-Projekt 2003 nimmt er mit ihr eine Duett-Version von „The Winner Takes It All“ auf, das dann später auf der ACT Compilation „Magic Nordic Voices“ (ACT 9718-2) veröffentlicht wird.

    Und am 3. Juni desselben Jahres wird mit Landgren, Wolfgang Haffner, Dan Berglund, Jesper Nordenstadt und anderen nicht nur Viktoria Tolstoys ACT-Debüt „Shining On You“ (ACT 9701-2) in ABBAs legendären Polar-Studios eingespielt, derselbe Musiker-Pool begleitet vorher auch Pilnäs bei fünf Songs, die sich jetzt auf „Bitter And Sweet“ wiederfinden.

    2008 schließlich holt Landgren sie in sein zweites „Christmas With My Friends“-Projekt (ACT 9476-2), nicht nur für die Aufnahme, sondern auch auf Tournee durch Schweden und Deutschland.

    Der Gitarrist und Produzent Johan Norberg, hierzulande vor allem als Partner von Jonas Knutsson mit dem Duo „Norrland“ bekannt, ist die andere entscheidende Figur. Schon 2000 ist er in der Band, die Jessica Pilnäs alias Isa auf Japantournee begleitet. Von ihrem Talent überzeugt, schreibt er ihr sofort nach der Rückkehr einen Song und holt sie in sein Studio.

    In „The More I See“, das dann zunächst von Rigmor Gustafsson auf „I Will Wait For You“ (ACT 9418-2) vorgestellt wurde, geht es um den Moment des Erwachens der Liebe. Beide stellten fest, dass er ihre Beziehung widerspiegelt. Seither sind sie ein Paar und seit einigen Jahren Mann und Frau.

    All diese Stationen ihrer persönlichen wie musikalischen Entwicklung finden sich nun auf „Bitter And Sweet“. „Ich habe mich bewusst für diese Art Kompilation entschieden. Bevor ich etwas ganz Neues machen konnte, musste ich erst die Vergangenheit zu einem guten Ende bringen und präsentieren, was da gewachsen ist und mit viel Liebe gemacht wurde. Es ist eine Art Tagebuch.“

    Natürlich ist „The More I See“ zu hören, mit dem sozusagen die Jazzwerdung der Jessica Pilnäs begann, und auch „The Winner Takes It All“, das schon sehr typisch ist für das Understatement, das “gegen den Strich Bürsten“, mit dem Jessica Pilnäs Songs auf das Wesentliche abklopft und ihm mit ruhigem Jazz-Flow, feinsten Phrasierungen und eigenem Ausdruck neue, noch nie gehörte Gestalt gibt: „Viele schwedische Sängerinnen versuchen so hoch wie möglich zu singen.

    Ich mache fast das Gegenteil, ich versuche alles so einfach wie möglich und sozusagen so tief wie möglich zu gestalten“, erklärt sie ihren Ansatz.

    Was man auch den eigens für dieses Album eingespielten Interpretationen von „Don’t Dream It’s Over“ des neuseeländischen Songwriters Neil Finn und des Billie Holliday-Klassikers „Don’t Explain“, aber auch den Norberg/Pilnäs-Kompositionen „Just Not Today“, „Man In A Balloon“ und „Bitter And Sweet“ anhört.

    Und nicht nur bei Simon & Garfunkels „Bridge Over Troubled Water“ und „There Must Be An Angel“ von Eurythmics, deren Versionen ebenso der grandiosen Session in den Polar-Studios entstammen wie das Titelstück „Bitter And Sweet“, wird Pilnäs‘ Affinität zum Pop deutlich.

    „Es gibt so viele gute Popsongs, es wäre schade, wenn sie vergessen und einfach verschwinden würden. Ich habe einige ausgesucht, um sie selbst neu zu entdecken und sie dann dem Publikum neu nahe zu bringen.“

    Als approbierte Medizinerin hat Jessica Pilnäs einen Plan B für den Fall der Fälle. Doch im Moment spielt die Musik wieder die erste Geige in ihrem Leben: „Während der vergangenen Jahre sehnte ich mich wieder sehr nach der Musik.

    Die Freude am Singen ist immer mehr zurückgekommen, und ich bin glücklich jetzt wieder dem Publikum zu begegnen, live spielen zu dürfen. Ich will noch einmal richtig durchstarten.“ Worüber man sich als Hörer von „Bitter And Sweet“ nur freuen kann. Ebenso wie auf weitere Resultate einer ungewöhnlichen Karriere.

    ACT Music & Vision GmbH & Co.KG

    Telefon: + 49 - (0) 89 - 72 94 92 - 0

    E-Mail: info@remove-this.actmusic.com

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