Aktuelles aus Medien, Kulturpolitik und Marketing

Aktuelles - Reden ist Silber

  • James Ellroy spricht in Interviews wie seine Helden, einsilbig und monoton
    Er sieht aus wie seine Helden
    1000 Seiten wir aus der Pistole geschossen von James Ellroy

    Der US-amerikanische Kriminalschriftsteller James Ellroy, Jahrgang 1948, ist ein harter Knochen. Er sieht aus wie seine Helden, unbarmherzig und vom ungerechten Leben geschliffen, spricht in Interviews wie seine Helden, einsilbig und monoton, und vermutlich lebt er auch wie seine Helden, Whiskey und Nikotin gehören auf die tägliche Speisekarte.

    Auf jeden Fall ist James Ellroy, der mit dem Schreiben erst 1979 begann, seit Jahren weltberühmt, viele seine Bücher wurden von Hollywood verfilmt. Wie zum Beispiel „L.A. Confidential“ mit unter anderem Russell Crowe.

    Sein neuestes Werk „Jener Sturm“ - bei Ullstein (www.ullstein.de) für 35 Euro erschienen - spielt mal wieder in Los Angeles.

    Es ist das Jahr 1942, die Stadt ist im Ausnahmezustand, das Land steht am Abgrund, nach dem Angriff Japans auf Pearl Harbor sind die Vereinigten Staaten in den Zweiten Weltkrieg eingetreten, eine Nation unter Schock, Japaner werden landesweit festgenommen und interniert.

    Der Star-Pathologe der Polizei, Hideo Ashida, arbeitet nur noch unter Polizeischutz und beginnt einen Fall aufzurollen, der zurück bis ins Jahr 1933 reicht, was dazu führt, dass schon bald jeder gegen jeden arbeitet, alle ihre eigenen Interessen verfolgen und wir uns in einem Strudel von Liebe und Gewalt finden.

    Alles super spannend. Historisch genial recherchiert und verarbeitet. Aber, und das ist der Knackpunkt, das Personenregister in „Jener Sturm“ umfasst fünf Seiten mit rund 75 Personen, die alle wichtig, die alle Teil eines Puzzles sind, die alle einen eigenen Roman verdient hätten.

    Da nicht verloren zu gehen, bedarf es eines wachen Geistes oder zumindest eines Notizblocks, ansonsten verliert man sich auf den knapp 1000 Seiten, die James Ellroy hier rausgeschossen hat. Ansonsten ein cooles Buch. 

    Sönke C. Weiss

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  • Jan Boehmermann versteht seine eigene Twitter-Welt nich mehr
    Böhmermanns Twitter-Welt
    Was ist das bloß für eine Welt geworden - Die Welt auf 280 Zeichen

    Jan Böhmermann, unter anderem bekannt durch sein Fernsehformat „Neo Magazin“ auf ZDFneo und seine fragile Männerfreundschaft mit dem türkischen Staatspräsidenten, polarisiert. Das ist nichts Neues. Als er 2009 zu twittern anfing, war unsere Welt noch eine andere.

    Binnen weniger Jahre hat Twitter eine parallele Öffentlichkeit auf zunächst 140 Zeichen errichtet, heute sind es 280, schnell, zumeist ungefiltert, radikal subjektiv, siehe Donald Trump, der über diese Plattform erfolgreich Geopolitik betreibt. „gefolgt von niemandem, dem du folgst“ heißt Jan Böhmermanns Twitter-Tagebuch von 2009 bis 2020.

    Böhmermanns Twitter-Welt

    In seinen Tweets beobachtet der TV-Moderator sich selbst und die Welt. Er sinniert über die Problematik, Erdbeeren zu transportieren, streitet sich mit dem Bundesjustizminister, pampt den BILD-Chef an, diskutiert mit Sido und flirtet mit Erika Steinbach.

    Zum Beispiel: Wenn Phoenix-Moderatoren gerade nicht auf Phoenix moderieren, werden sie im Haus der Geschichte ausgestellt - um Menschen unter 40 zu veranschaulichen, wie sich die alte Bundesrepublik vor dem Mauerfall angefühlt hat. (21. Januar 2018, 15:51 Uhr).

    Oder: In den Nasennebenhöhlen von Heiko Maas ist immer was los. (16. Januar 2018, 21:48 Uhr). Und so weiter. Jan Böhmermann lobt, streitet, provoziert, fragt, informiert, scherzt, irrt, wundert und blamiert sich.

    Seine Tweets - wohl sortiert und teils mit Fußnoten versehen - sind nicht nur unterhaltsam, sondern eine umfangreiche Kulturgeschichte der zurückliegenden 11 Jahre und stellen vor allem eine Frage:

    Was ist das bloß für eine Welt geworden, die sich auf ein paar Zeichen zusammenfassen läßt? „gefolgt von niemandem, dem du folgst“ ist bei Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de) erschienen, hat 464 Seiten und kostet 22 Euro.

    Sönke C. Weiss

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  • Die Fotokuenstlerin Eva-Maria Horstick hatte die letzten Bergarbeiter im Pott portraitiert
    I Love Women In Art
    Auch in der Kunst und Kultur ungleiche Chancen von Frauen und Männern

    Manchmal sind es gerade die langlebigsten Traditionen, die es am dringendsten zu hinterfragen gilt. Dazu zählt zweifelsohne die lange Tradition ungleicher Chancen von Frauen und Männern, die sich leider auch in der Kunst und Kultur hartnäckig hält.

    Noch heute verdienen Künstlerinnen im Schnitt ein Drittel weniger als ihre männlichen Mitbewerber und werden darüber hinaus auch noch weniger ausgestellt. Fakt ist:

    Die Kunstwelt ist zum größten Teil eine Männerwelt. Die Künstlerinnen Bianca Kennedy und Janine Mackenroth haben nun Nachschlagewerk zur aktuellen Lage weiblicher Kunst- und Kulturschaffender in Deutschland herausgegeben.

    Im Eigenverlag, was in der Tat mutig und darüber hinaus sehr schön geworden ist. Nur so sahen sie die Möglichkeit, ihre Intention authentisch aufrechtzuerhalten, ihren 100 ausgewählten Kolleginnen eine sich gegenseitig befeuernde Plattform bieten zu können.

    Vorgestellt in Kurzporträts von Frauen aus der Kunstszene wie die Sammlerin Julia Stoschek oder Rita Kersting vom Museum Ludwig in Köln:

    Von A wie Anni Albers, geboren 1899 in Berlin, deren Kunst die Webarbeit ist, über Hanna Nitsch, Jahrgang 1974, deren Fotos Gefühlswelten spiegeln, bis hin zu Zwei Dominikanerinnen, deren Passionsteppiche seit über 500 Jahren bezaubern.

    Leider, und das betrübt mich sehr, fehlt die ebenfalls in Deutschland lebende internationale Fotokünstlerin Eva-Maria Horstick, die seit über zwanzig Jahren die Welt mit ihren humanitären wie auch rein künstlerischen Projekten verzaubert und immer wieder ein bisschen besser macht.

    Nichtsdestotrotz, „I Love Women In Art“ soll Menschen ermutigen, das Spektrum für eine Gleichberechtigung von Künstler*Innen zu erweitern und ist unter www.100womenartists.com für 30 Euro erhältlich.

    Sönke C. Weiss

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Aktuelles - Marketing News

  • Der amerikanische Abgeordnete David Cicilline hatte die 30-Prozent-Politik von Apple als Straßenraub bezeichnet
    Ist Apple ein übler Straßenräuber?
    Apple, sollte man einen Straßenräuber feiern?

    Zuerst kommen wir einmal zu ganz schlechten Nachrichten des Tages: Die Corona-Krise hat das Unterhaltungsimperium Disney hart getroffen. Vergnügungsparks, Ferienressorts, Fanartikel und Kreuzfahrten wurden von den Menschen nicht mehr nachgefragt. Das Resultat bekommen die Mitarbeiter zu spüren. 28.000 Mitarbeiter verlieren ihren Job, berichtet heute W&V.

    Rolf Schröter, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, schreibt uns etwas über einen Straßenräuber.

    Lieber Herr Böhmer,

    klingt total nett: Apple verzichtet wegen Corona auf 30 Prozent Provision. Firmen wie Airbnb und Facebook müssen vorübergehend nicht löhnen, damit deren Kleinkunden über mobile Apps kostenpflichtige Online-Veranstaltungen und Kurse anbieten können.

    Nur zur Erinnerung: Der amerikanische Abgeordnete David Cicilline hatte die 30-Prozent-Politik von Apple als "Straßenraub" bezeichnet. Übrigens: Google nimmt auch 30 Prozent Provision und verzichtet – anders als Apple – nicht darauf.

    Sollte man einen Straßenräuber feiern, wenn er vorübergehend darauf verzichtet, die Ärmsten seiner Opfer abzuziehen?

    Nur so nebenbei: Laut der Initiative Lobbycontrol wenden Google, Microsoft, Facebook, Apple und Amazon insgesamt 21 Millionen Euro für Lobbyarbeit auf. Das ist deutlich mehr als zum Beispiel die Autobauer VW, Daimler, BMW, Renault, Ford, Fiat Chrysler und Peugeot, die zusammen auf rund acht Millionen Euro kommen.

    Vielleicht liegt die Spendierfreudigkeit in Sachen politischer Beratung daran, dass in Brüssel gerade am Digitale-Dienste-Gesetz gebastelt wird, das einen europäischen Ansatz zur Regulierung der großen Plattformen liefern soll.

    Handeln Firmen aus Altruismus oder Berechnung? Urteilen Sie selbst.

    Einen schönen Abend wünscht

    Rolf Schröter

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  • Scholz & Friends erhelt als neue Marketing-Lead Agentur den Werbeetat von McDonald’s
    Scholz & Friends gewinnt Pitch
    Bei Pitches gilt halt doch - the winner takes it all

    Holger Schellkopf, Chefredakteur bei W&V, meint man kann nicht immer gewinnen.

    Lieber Herr Böhmer,

    die Ergebnisse der großen Pitches kullern aktuell herein, wie die vom Baum fallenden Kastanien. Jüngster Verkündungstermin war jetzt bei McDonald's.

    Da hatte am Ende eines prominent besetzten Wettbewerbes die Truppe von Scholz&Friends die Nase vorne und setzte sich auch gegen den letzten verbliebenen Konkurrenten Serviceplan durch.

    Für die Münchner zwar eine Bestätigung, so weit gekommen zu sein. Aber bei Pitches gilt halt doch: the winner takes it all.

    Eine andere Vorgehensweise empfiehlt sich für Marken bei der Verteilung ihrer Werbegelder. Glaubt man einer aktuellen Studie von Kantar dann stehen die Aktivitäten der Marketer sogar im Widerspruch zu Verbraucherpräferenzen.

    Die würden Werbung auf Offline-Kanälen als hochwertiger, vertrauenswürdiger, weniger aufdringlich als digitale Kanäle. Interessanter Aspekt: Kinowerbung, Gesponserte Veranstaltungen, Werbung in Zeitschriften sowie die Digitale Außenwerbung sind demnach hoch im Kurs.

    Die Stärke des einen hat allerdings auch mit der Schwäche des anderen zu tun. So scheint das Gefühl des übermäßigen Targetings nicht gerade förderlich für die Akzeptanz der digitalen Kanäle. Listen and learn möchte man da in Branche rufen.

    Gleichzeitig, zur Einordnung der Studienergebnisse, wachsen die ohnehin großen Digitalplayer immer weiter. Das hat natürlich auch mit Angeboten zu tun, denen die Verbraucher nicht widerstehen können.

    Amazon ist darin (und in einigen anderen Dingen) absoluter Großmeister. Wer wissen will, wie so etwas geht, der sollte sich der 13. Oktober merken. Dann ist Prime Day. Ein Spektakel, selbst wenn man nichts kaufen will.

    Schönen Abend noch

    Holger Schellkopf

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  • Konsumenten verlieren das Vertrauen in Marken, besagt eine aktuelle Yext-Studie
    Vertrauen ist ein wertvolles Gut
    Nennt man so was nicht auch Betrug?

    Verena Gründel, Mitglied der Chefredaktion bei W&V, meint  Vertrauen ist ein wertvolles Gut, vor allem für Marken, nur das geht bei vielen verloren.

    Lieber Herr Böhmer,

    3,1 Milliarden Euro pro Jahr geben die Deutschen für Produkte aus, die sie nur gekauft haben, weil falsche oder veraltete Informationen im Netz sie dazu verleiteten. Das zeigt eine Studie von Yext.

    Nennt man so was nicht auch Betrug? Zumindest erzeugen die Falschinformationen eine ganze Menge unzufriedener Kunden, die vermutlich nicht noch mal kaufen werden.

    Während Marken auf der einen Seite über Purpose und Lovebrand-Strategien diskutieren, bescheißen sie (manche) auf der anderen Seite ihre Kunden? Das geht nicht. Vertrauen ist doch die wichtigste Grundlage für die Kundenbeziehung.

    Nur weil Ben & Jerry's großes Vertrauen der Kundschaft genießt, sind Kampagnen wie die neueste, "#LeaveNoOneBehind – Moria eiskalt evakuieren", glaubwürdig.

    Mit ihr wendet sich der Eishersteller an die Politik und fordert sie auf, die Menschen in den Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln in Sicherheit zu bringen.

    Und sie nimmt sogar die Kunden in die Pflicht: Die sollen über ein Social Action Tool auf der Webseite Nachrichten an die Politiker im Bundestag und in den Länderparlamenten schicken.

    Eine mutige Aktion der Marke, die sich seit Jahren für Umweltschutz und soziale Themen einsetzt. So geht Haltung. Wem’s nicht gefällt, der darf gern ein anderes Eis essen.

    Verena Gründel

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Aktuelles - Kultur und Medien

  • THE MORTUARY JEDER TOD HAT EINE GESCHICHTE
    THE MORTUARY im Kino
    Die Toten und ihre Geheimnisse, denn jeder Tod hat eine Geschichte

    Wer in Raven’s End stirbt, landet auf dem Tisch von Leichenbestatter Montgomery Dark (Clancy Brown). Niemand kennt die Toten und ihre Geheimnisse besser als er. Von der Grabrede über die letzte Salbung bis hin zur Verbrennung im hauseigenen Krematorium:

    Die Verstorbenen sind bei ihm in besten Händen. Als sich die furchtlose Sam (Caitlin Fisher) bei ihm um eine Stelle bewirbt, ist er beeindruckt von ihrer Faszination für das Morbide.

    Doch je tiefer er die junge Frau in die dunklen Katakomben seines Anwesens führt, desto klarer wird ihr, dass man die Toten besser ruhen lässt.

    Mit dem smarten Gruselhorror THE MORTUARY – JEDER TOD HAT EINE GESCHICHTE lädt Ryan Spindell zum schaurigen Geisterbahn-Spukfest ein und bereitet mit viel Sinn für schwarzen Humor und liebevoll handgemachten Gore-Effekten wohlige Gänsehaut.

    In der Rolle des exzentrischen Leichenbestatters sorgt Clancy Brown („Die Verurteilten“) für kalte Schauer. Neben Caitlin Fisher („Teen Wolf“) ist Teenieschwarm Jacob Elordi aus den Netflix-Hits „The Kissing Booth“ und „The Kissing Booth 2“ mit von der Partie, der – im wahrsten Sinne des Wortes – vollsten Körpereinsatz zeigt.

    Ab 22. Oktober 2020 im Kino

    Im Verleih von capelight pictures

    Im Vertrieb von Central Film

    Ein Film von Ryan Spindell

    mit Clancy Brown, Caitlin Fisher, Jacob Elordi, u. v. m.

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  • Online-Spieler koennen aufatmen, denn das Gluecksspiel via Handy, Tablet oder PC wird ab dem 1. Juli 2021 offiziell in Deutschland erlaubt
    Legalisierung von Online-Glücksspiel
    Online-Casinos sind bald legal – doch was kommt vorher?

    Der Umbruch im deutschen Online-Glücksspiel steht bevor. Das bislang in den meisten Bundesländern verbotene Zocken im Internet-Casino ist ab dem kommenden Sommer mit dem Inkrafttreten des neuen Länderglücksspielstaatsvertrags legal. Doch was passiert bis dahin?

    Online-Spieler können aufatmen. Zwar wird das Glücksspiel via Handy, Tablet oder PC tatsächlich erst am 1. Juli 2021 offiziell erlaubt, sofern mindestens 13 Länderparlamente ihre Zustimmung geben, aber die Bundesländer haben sich für die Zeit bis dahin auf eine Duldung geeinigt. Damit folgen sie dem Beispiel aus Schleswig-Holstein.

    Das Bundesland im hohen Norden war bislang die einzige Region, die vor ihrem Beitritt zum alten Länderstaatsvertrags Konzessionen an Online-Casinos erteilt hatte. Spielen durften dort allerdings nur Schleswig-Holsteiner.

    Nach dem Auslaufen der Konzessionen Anfang 2019, als die Verhandlungen über den neuen Glücksspielstaatsvertrag noch im vollen Gange waren, hatte die Regierung in Kiel diese verlängert, so dass die Spieler sich nicht plötzlich im rechtsfreien Raum befanden und dem Säckel die Steuereinnahmen erhalten blieben.

    Die Glücksspielbranche mit ihren diversen Zweigen ist in Deutschland ein Riesengeschäft. Die staatlichen Lottogesellschaften, Sportwettenanbieter und Casinoanbieter bringen es zusammen auf rund 13,9 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

    Doch nur 80 Prozent dieser Umsätze werden bislang auf dem geregelten, staatlich erlaubten Markt erzielt. Die Gesetzesnovelle soll den boomenden Schwarzmarkt unterbinden. Einen Überblick der aktuell Online Spielbanken für deutsche Spieler können auf www.spielbankendeutschland.com durchgeblättert werden.

    Erlaubt sind derzeit in der Bundesrepublik die staatlichen Lotto- und Totogesellschaften, konzessionierte Automaten in Spielhallen und staatlich konzessionierte Sportwetten.

    Online-Poker, Online-Slots, aber auch diverse Online-Sportwetten befinden sich bislang im illegalen Bereich, obwohl nur in den wenigsten Fällen rechtliche Konsequenzen entstanden sind. Die Popularität dieser Spielformen hat zu einer jahrelangen Debatte der Gesetzgeber geführt.

    Zum einen sind den Staatskassen enorme Steuereinnahmen entgangen, weil die in jedem Fall im Konzessionsland abgeführt werden, zum anderen waren die Zocker in keiner Weise geschützt.

    Zwar gibt es seit etlichen Jahren in der EU konzessionierte Online-Glücksspielanbieter, die sich an strikte Auflagen und Kontrollen halten müssen, aber auf dem schwarzen Markt tummeln sich auch etliche unseriöse Anbieter.

    Die mit dem Besuch der häufig in der Karibik zugelassenen Seiten verbundenen Risiken wie die Nichtauszahlung von Gewinnen, aber auch Datenmissbrauch soll mit der Legalisierung von Online-Glücksspiel in Deutschland wegfallen.

    Den heiß umstrittenen Knackpunkten Jugendschutz und Suchtgefährdung wurde dabei besonderes Augenmerk geschenkt. Konten dürfen nur nach strikten Kontrollen des Geburtsdatums eröffnet werden.

    Zudem sollen Höchstsummen von maximal 1000 Euro im Monat festgelegt werden, die als Gesamtsumme für sämtliche Formen des Online-Spiels gelten.

    Zocker, die sich durch ihr Spielverhalten auffällig machen, werden in eine gesamtdeutsche Datei aufgenommen und gegebenenfalls für sämtliche Anbieter gesperrt. Kunden können sich zudem freiwillig in die Sperrkartei aufnehmen lassen.

    Um sicherzustellen, dass diese Bedingungen auch tatsächlich erfüllt werden, soll eine eigene Aufsichtsbehörde geschaffen werden, die nach dem Inkrafttreten des neuen Glücksspielrechts die Online-Anbieter überwacht.

    Zudem dürfen die entsprechenden Lizenzen nur an Anbieter aus Deutschland vergeben werden, sodass die Überwachung gewährleistet werden kann und die Steuereinnahmen auch tatsächlich im Land bleiben. Der Besuch von Seiten aus dem Ausland bleibt illegal.

    Für diese Regelungen gibt es bereits Vorbilder aus dem benachbarten Ausland. Die Schweiz hat im Jahr 2019 ihr Glücksspielgesetz reformiert und Online-Casinos legalisiert.

    Seiten aus dem Ausland dürfen allerdings nicht besucht werden und sind größtenteils von der Schweiz aus blockiert. Konzessionsanträge werden streng untersucht. Die Genehmigungen für Online-Casinos sind in der Schweiz bislang überwiegend an Betreiber der seit langem erlaubten traditionellen landbasierten Casinos erteilt worden.

    Eine derartige Lösung schwebt auch den deutschen Gesetzgebern vor, wenn es um die klassischen Casino-Spiele geht. Online-Poker und Online-Roulette sollen künftig von den Betreibern der auf sämtliche Bundesländer verteilten staatlichen Spielbanken angeboten werden. Für Sportwetten und Automaten ist das keine Grundbedingung.

    In Österreich wird das seit längerem so gehandhabt. Die legalen Online-Casinos befinden sich sämtlich in den Händen einer Tochtergesellschaft der halbstaatlichen Casino Austria AG.

    Drei Viertel aller Deutschen vergnügen sich zumindest gelegentlich mit einer Form von Glücksspiel. Dabei steht das Lotto „6 aus 49“ mit 54,3 Prozent an erster Stelle, aber auch Sportwetten, Poker und andere Spiele sind populär.

    Die Gesetzgeber wollen die Duldungsphase der Online-Glücksspiele unter anderem dazu nutzen, das Gebaren der Online-Anbieter, die unter anderem auf tag24.de zu finden sind, zu studieren.

    Wer sich nicht an die im künftigen Glücksspielstaatsvertrag festgelegten Regeln hält, muss damit rechnen, bei der Lizenzvergabe ab Juli 2021 nicht berücksichtigt zu werden.

    Das neue Gesetz soll bei der nächsten Konferenz der Regierungschefs der Länder im März 2021 offiziell beschlossen werden. Welche Online-Anbieter dann ab dem Sommer die begehrten Konzessionen erhalten werden, bleibt den einzelnen Ländern überlassen.

    Schleswig-Holstein, das als einziges Bundesland Erfahrung damit hat, hat zwölf Lizenzen erteilt. Die Online-Casinos lassen dafür auch in Kiel die Klassen klingeln. Die dortige Regierung geht von Steuereinnahmen zwischen 40 und 60 Millionen Euro im Jahr aus. Für die anderen Bundesländer könnte das demnächst ähnlich aussehen.

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  • Sven Wolf, Ralph Bombis, David Zuelow, Eva Maria Blank, Matthi Bolte-Richter und Jochen Klenner
    DIE JUNGEN UNTERNEHMER in NRW
    Eva-Maria Blank meint unternehmerische Investitionen dürfen nicht ausgebremst weden

    DIE JUNGEN UNTERNEHMER in NRW im Politik-Talk mit Landtagsabgeordneten - Landesvorsitzende Eva-Maria Blank: „Damit der Strukturwandel in NRW gelingt, dürfen unternehmerische Investitionen nicht ausgebremst werden.“

    Auch in Zeiten von Corona machten DIE JUNGEN UNTERNEHMER in NRW keine Ausnahme und luden zum jährlichen Politik-Talk ein.

    Unter dem Motto „NRW der Zukunft“ diskutierte die Landesvorsitzende Eva-Maria Blank auf Gut Gnadental in Neuss mit den Landtagsmitgliedern Matti Bolte-Richter (Grüne), Ralph Bombis (FDP), Jochen Klenner (CDU) und Sven Wolf (SPD).

    Einen Schwerpunkt der Diskussion bildete die Frage, mit welcher Wirtschaftspolitik die ökonomischen Corona-Folgen am besten zu bewerkstelligen sind. Blank machte deutlich:

    „Damit Deutschland und NRW aus der Rezession kommen, reichen schnell verpuffende Konjunkturprogramme nicht aus. Damit die Unternehmen den Strukturwandel erfolgreich gestalten und Arbeitskräfte am Standort halten können, braucht es ein politisches Umfeld, das  Investitionen ermöglicht und nicht bremst.

    Gefragt sind ein schnelleres Planungsrecht, Fortschritte beim Bürokratieabbau und eine flächendeckende digitale Infrastruktur.“

    Die Oppositionsvertreter Wolf und Bolte-Richter plädierten für eine Ausweitung staatlicher Ausgaben und Investitionen, worauf Klenner und Bombis als Vertreter der Regierungsparteien auf die Risiken einer steigenden Staatsverschuldung hinwiesen.

    Zudem wiedersprachen Wolf und Bombis einander hinsichtlich möglicher Gefahren, die die verlängerte Aussetzung der Insolvenzantragspflicht mit sich bringt. Während für Wolf die Angst vor künstlich am Leben gehaltenen Pleite-Unternehmen unbegründet ist, warnte Bombis diesbezüglich vor abnehmendem Vertrauen zwischen Unternehmen, was die Begleichung von Rechnungen angeht.

    Auch das durch die Corona-Krise befeuerte Thema Homeoffice stand auf der Agenda. Der SPD-Abgeordnete Wolf sympathisierte mit einem branchenspezifischen Rechtsanspruch auf Homeoffice, Bombis und Klenner sprachen sich hingegen für flexible, innerbetriebliche Vereinbarungen aus.

    In der anschließenden Publikumsrunde wiesen Unternehmer auf den dringenden Bedarf hin, das Arbeitszeitrecht an die digitale Welt anzupassen, um auf die gestiegenen Flexibilitätsanforderungen sowohl von Arbeitgebern als auch Arbeitnehmern eingehen zu können.

    DIE JUNGEN UNTERNEHMER sind das Forum für junge Familien- und Eigentümerunternehmer bis 40 Jahre. Unter dem Motto Freiheit, Eigentum, Wettbewerb und Verantwortung bezieht der Verband klar Stellung für eine wettbewerbsorientierte und soziale Marktwirtschaft sowie gegen überflüssige Staatseingriffe. Die Verbandsmitglieder sind Inhaber oder Gesellschafter eines Unternehmens.

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Aktuelles - Interviews und Portraits

  • Puenktlich zur Wiedereroeffnung der Unterkunftsbetriebe am 25. Mai 2020 begruesst die Suedtiroler Gemeinde Schenna ihre Gaeste mit einem neuen Willkommensschild am Ortseingang
    Willkommen zurück in Schenna
    Vier Hoteliers aus Schenna in der Post-Coronazeit im Interview

    Aufatmen in Schenna: Seit dem 25. Mai 2020 dürfen die Beherbergungsbetriebe in Südtirol wieder öffnen. Die meisten von ihnen sowie Seilbahnen und Wandergebiete beginnen ihre Saison Anfang/Mitte Juni. Der aktuelle Entwurf des Südtiroler Landesgesetzes sieht zum Schutz der Gäste eine Vielzahl an Vorschriften vor.

    Wie professionell die hohen Sicherheits- und Hygienestandards in der Praxis umgesetzt werden, um bald wieder Urlauber bewirten zu können, erzählen folgende vier Hoteliers aus Schenna im Interview:

    Doris Kohlgruber/Genusshotel der Weinmesser und HGV-Ortsobfrau, Monika Dosser/Panoramic Suites Winzerhöhe, Heidi Pföstl-Wörndle/Schenna Resort sowie Hansjörg Ainhauser/Hotel Gutenberg und Präsident des Tourismusvereins Schenna.

    Müssen Schennas Hotelgäste in den nächsten Wochen mit eingeschränkten Leistungen rechnen?

    Doris Kohlgruber: Da besteht kein Grund zur Sorge. Grundsätzlich können alle Bereiche im Hotel – natürlich immer unter Einhaltung der Hygienemaßnahmen und des gebotenen Sicherheitsabstands – geöffnet werden. Nur falls das Hotel die sogenannte „Covid Protected Area“ nicht erfüllt, müssen Hallenbäder und Saunen geschlossen bleiben.

    Monika Dosser: Die „Covid Protected Area“ sieht unter anderem vor, dass sich alle Hotelmitarbeiter täglichen Fiebermessungen und wöchentlichen serologischen Tests unterziehen. In unserem Apartmenthotel werden somit alle Bereiche geöffnet sein – bis auf die Waldsauna. Diese dürfen nur Urlauber nutzen, die bei ihrer Ankunft einen zertifizierten, negativen Covid-Schnelltest vorlegen.

    Genuss und Essen spielen im Urlaub eine große Rolle. Welche Maßnahmen planen Sie über die gesetzlichen Vorschriften hinaus im F&B-Bereich?

    Doris Kohlgruber: Der Gast hat bei uns künftig immer die Möglichkeit, Frühstück und Abendessen auf dem Zimmer einzunehmen. Im Restaurant servieren wir alle Speisen direkt am Tisch. Die Krise zeugt vom Einfallsreichtum der Branche und deren kreativen Konzepten.

    Heidi Pföstl-Wörndle: Als Alternative zum Restaurantbesuch bieten wir beispielsweise Picknickkörbe an, gefüllt mit allerlei Südtiroler Köstlichkeiten und einem Flyer mit unseren schönsten Picknickplätzen. Außerdem werden wir unseren Felsenkeller sowie die Sky-Terrasse für die Einnahme der Mahlzeiten öffnen und die Essenszeiten verlängern, um mehr Raum und Freiheit für die Gäste zu schaffen.

    Hansjörg Ainhauser: Auch wir haben uns viele Gedanken um den Service gemacht und wollen weiterhin unser beliebtes Buffet anbieten. Der Bereich ist aber selbstverständlich mit Plexiglas ausgestattet.

    Die Speisen werden jedoch von unseren Mitarbeitern gereicht, sodass niemand in Kontakt mit Besteck und Behältern kommt.

    Das Kuchenbuffet am Nachmittag wird auf kleinen Tellern angerichtet, die einzeln mit Zellophan umhüllt sind. Und auch entlang der Bar gibt es einen transparenten Schutz, damit sich Gäste dort trotzdem wie gewohnt aufhalten können.

    Wie wird die korrekte Einhaltung aller geforderten Maßnahmen kontrolliert?

    Doris Kohlgruber: Im jeweiligen Betrieb übernimmt dies in erster Linie der Sicherheitsbeauftragte. Das kann entweder der Hotelier selbst sein oder eine dazu ernannte Person.

    Hansjörg Ainhauser: Bei Verstößen drohen hohe Strafen, was kein Hotelier riskiert. Gäste können sich also definitiv sicher fühlen. Das Wichtigste im Umgang mit dieser besonderen Situation ist die Schulung der Mitarbeiter und eine transparente Informationspolitik für alle Beteiligten.

    So gilt zum Beispiel in ganz Südtirol eine strenge Abstandsregelung von mindestens zwei Metern in Bars und Restaurants.

    Konnten Sie die gästefreie Corona-Zeit auch positiv für Ihren Betrieb nutzen?

    Heidi Pföstl-Wörndle: Wir haben in den vergangenen Wochen die Holzböden der Loggien erneuert, einige Räume umdekoriert und zahlreiche Wände frisch gestrichen. Außerdem sind in Garten und Weinberg kleine Ruheinseln entstanden, die Gästen noch mehr private Rückzugsmöglichkeiten bieten.

    Ferner haben wir viele interne Arbeitsabläufe überarbeitet, verbessert und an die momentane Situation angepasst. Und eine neue Homepage ist ebenso im Entstehen.

    Monika Dosser: Da wir erst im Vorjahr komplett umgebaut haben, konnten wir die Zeit für eine Situationsanalyse nutzen. Künftig möchten wir konsequent eine nachhaltige Betriebsführung verfolgen und noch genauer darauf achten, woher unsere Produkte stammen.

    Darüber hinaus digitalisieren wir gerade möglichst viele Verwaltungs- und Rezeptionstätigkeiten, damit Prozesse wie beispielsweise der Check-in kontaktlos ablaufen können.

    Was ändert sich mit der Wiedereröffnung in Bezug auf Corona?

    Heidi Pföstl-Wörndle: Alle Aktivitäten verlagern sich mehr nach draußen. Unsere Yoga-Einheiten und Meditationen finden beispielsweise künftig im Freien statt und als Alternative zu den Saunaaufgüssen bieten wir „Sinnesbaden“ in der Natur an.

    Doris Kohlgruber: Ändern wird sich vor allem die Art der Begrüßung. Aber auch wenn es nicht mehr das In-den-Arm-nehmen, ein Küsschen oder ein kräftiges Händeschütteln sein wird, lässt sich die Südtiroler Herzlichkeit und Gastfreundschaft durch einen Mundschutz nicht aufhalten.

    Hansjörg Ainhauser: Worüber sich Schenna-Urlauber wirklich freuen können – die meisten Unterkunftsbetriebe halten während Corona außerordentliche Stornobedingungen für ihre Gäste bereit, sodass größtmögliche Sicherheit und Flexibilität garantiert sind.

    Interview: Marion Pronesti + Jessica Harazim/AHM PR

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  • Dr. Hans-Martin Beyer und Daniela Pfefferkorn im Interview
    Keine Angst vor kaltem Wasser
    Interview - Wie Kneippen die Abwehrkräfte stärkt

    Ein intaktes Immunsystem ist die beste Prävention gegen Krankheiten. Die Gesundheitsexperten der „Lebensspur Lech“ schwören in Sachen Stärkung der Abwehrkräfte auf die Kneipp’sche Lehre.

    Warum die ganzheitliche Philosophie heute zeitgemäßer denn je ist und wie man die Tricks des Wasserdoktors auch zu Hause ganz leicht anwenden kann, erklären der Füssener Rehabilitationsmediziner Dr. Hans-Martin Beyer (63) und die zertifizierte Kneipp-Trainerin Daniela Pfefferkorn (40) aus  Steeg/Tiroler Lechtal im Interview.

    Wassertreten und ein kalter Armguss sind gemeinhin das, was wir mit Kneipp verbinden. Reicht es aus, sich nach dem Duschen einfach nur kurz kalt abzubrausen, um gesund zu bleiben?

    Daniela Pfefferkorn: Diese Maßnahmen sind zwar schon ein guter Anfang, sie allein reichen jedoch nicht aus, um die Abwehrkräfte zu stärken. Das ganzheitliche Konzept von Pfarrer Kneipp fußt auf fünf Säulen.

    Die Hydrotherapie ist nur ein Teilbereich, auch die Ruhe- und Ordnungstherapie, Ernährungstherapie, Bewegungstherapie sowie der Einsatz von Heilkräutern gehören dazu.

    Wie kann ich die Hydrotherapie zu Hause anwenden, ohne einen Fehler zu machen?

    Dr. Hans-Martin Beyer: Die am einfachsten durchzuführenden und effektivsten Anwendungen zu Hause sind Kneippgüsse. Man beginnt dabei immer auf der herzfernen, rechten Körperseite ­und die ersten Male nur an Beinen oder Armen.

    Später können sie auf den Unter- beziehungsweise Oberkörper sowie den ganzen Körper ausgedehnt werden. Drei Dinge gilt es dabei unbedingt zu beachten: Stets an den Füßen oder Händen anfangen, nicht auf kalter Haut anwenden und die Güsse generell morgens am Oberkörper, abends am Unterkörper ausführen.

    Der Brausekopf in der Dusche sollte dafür durch ein Gießrohr ersetzt werden. Das hat eine noch intensivere Wirkung, weil durch den gebündelten Wasserstrahl deutlich mehr Thermorezeptoren in der Haut gereizt werden.

    Daniela Pfefferkorn: Gerade Armbäder können ohne Bedenken allein zu Hause durchgeführt werden. Für intensivere Anwendungen empfehle ich allerdings die professionelle Anleitung durch einen Experten.

    Vegetarisch, vegan, low carb – das Thema Ernährung spielt heutzutage eine wichtigere Rolle denn je. Wie hielt es Pfarrer Kneipp einst damit und was würde er zu den modernen Food-Trends sagen?

    Daniela Pfefferkorn: Sebastian Kneipps Ernährungsempfehlungen waren nicht einseitig. Auf dem Speiseplan standen ausgewogene Mahlzeiten mit vielen frischen, unverarbeiteten Lebensmitteln, heimischen Pflanzen und Kräutern sowie wenig tierischen Produkten.

    Alles in allem eine gesunde, natürliche und genussorientierte Ernährung, die man heute wohl als „Clean Eating“ bezeichnen würde.

    Nach Kneipp aktivieren auch Kräuter unsere körpereigenen Abwehrkräfte. Welche Heilpflanzen sind das und in welcher Form nimmt man sie am besten zu sich?

    Daniela Pfefferkorn: Baldrian, Brennnessel, Fenchel, Holunder, Johanniskraut, Rosmarin, Salbei oder Spitzwegerich sind Pflanzen, die in Form von Tees, Suppen oder Salaten vorbeugend wirken. Sie können aber auch bei akuten gesundheitlichen Problemen den Heilungsprozess enorm unterstützen.

    Dr. Hans-Martin Beyer: Auch Löwenzahn hat positive Auswirkungen auf das Immunsystem. Seine Inhaltsstoffe wie Vitamin B, C und E binden freie Radikale binden und wehren so Zellangriffe ab.

    Dafür einfach täglich einen Sud aus 1 EL getrockneten, zerkleinerten Blättern und ¼ l kochendem Wasser herstellen, acht bis zehn Minuten ziehen lassen, abseihen und trinken – stärkt die Abwehr, entgiftet die Leber und fördert die Arbeit der Nieren.

    Bewegung an der frischen Luft hat noch keinem geschadet. Welcher Sport und wie viel davon ist im Kneipp’schen Sinn auch bei Wind und Wetter gesund?

    Dr. Hans-Martin Beyer: Geeignet sind generell alle Ausdauersportarten wie Radeln, Wandern, leichtes Joggen oder Schwimmen, aber  auch Inlineskaten, Skateboarden oder Schlittschuhlaufen.

    Entscheidend ist die Intensität: Man sollte sich dabei immer noch gut unterhalten können. Denn eine zu hohe körperliche Belastung kann das Gegenteil bewirken und das Immunsystem sogar für einige Stunden hemmen.

    Daniela Pfefferkorn: Wichtig ist vor allem, täglich an die frische Luft zu gehen – und das bei jedem Wetter und zu jeder Jahreszeit. Es muss auch nicht immer Sport sein, selbst morgendliches Barfußlaufen oder Tautreten können die Abwehr auf Dauer stärken.

    Der Fokus der „Lebensspur Lech“ liegt auf Innerer Ordnung und gesundem Schlaf. Inwieweit beeinflussen ein intaktes Seelenleben und nächtliche Ruhe das körperliche Wohlergehen?

    Dr. Hans-Martin Beyer: Dauerstress und damit einhergehend ein hoher Adrenalin- und Noradrenalin-Spiegel führen unweigerlich zu schlechtem Schlaf und im schlimmsten Fall zu Burnout.

    Durch ein Leben gemäß der Kneipp’schen Gesundheitslehre lassen sich nicht nur die körperlichen Abwehrkräfte stärken, auch die psychische Widerstandskraft wird deutlich und nachhaltig verbessert.

    Bewegung in freier Natur „entmüllt“ das Gehirn, entspannt und lässt uns zur Ruhe kommen. Stresshormone werden verbraucht, anstatt sich im Körper anzuhäufen. So finden wir zu einer natürlichen Inneren Ordnung und schlafen gut ein sowie erholsam durch.

    Wie kann ich mit ein paar Kniffen auch im eigenen Schlafzimmer für optimale Schlafbedingungen sorgen?

    Daniela Pfefferkorn: Hier gilt es, einige Regeln der sogenannten Schlafhygiene zu beachten. Dazu gehört beispielsweise gutes Lüften – die optimale Raumtemperatur im Schlafzimmer liegt zwischen 15 und 18 Grad.

    Dazu sollte man störende Licht- und Geräuschquellen sowie das Smartphone abschalten und eine regelmäßige Ruhezeit einhalten. Außerdem ist es sinnvoll, individuelle Rituale zu entwickeln: Beruhigende Tees und Meditationsübungen etwa stimmen Körper und Geist auf erholsamen Schlaf ein.   

    Interview: Jessica Harazim + Marion Pronesti/AHM PR

    Über die Lebensspur Lech. Die grenzüberschreitende „Lebensspur Lech“ erstreckt sich vom österreichischen Tirol bis ins bayerische Allgäu. Ziel der Partner (Füssen Tourismus und Marketing, Tourismusverband Lechtal, Verein Lechweg) ist es, rund um die Weitwanderroute Lechweg einen gemeinsamen gesundheitstouristischen Erlebnisraum mit den Schwerpunkten mentale Balance und gesunder Schlaf zu schaffen.

    Grundlage für alle Aktivitäten bildet die Kneipp’sche Gesundheitslehre mit ihren fünf Säulen Wasser, Bewegung, Ernährung, Kräuter und Innere Ordnung.

    Der Lech steht dabei sinnbildlich für die Kraft und Heilwirkung der Natur und ist das verbindende Element zwischen den Orten. Das Projekt „Lebensspur Lech“ wird aus INTERREG-Mitteln der Europäischen Union gefördert.

     

     

     

     

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  • Packerin Eleonore Perschl wickelt Schrothkur-Gaeste des Fuenf-Sterne-Hotels Allgaeu Sonne in Oberstaufen zur Mobilisierung der Abwehrkraefte in feuchtkalte Handtuecher
    Interview zur Schrothkur
    Eleonore Perschl erzählt warum Schrothler gesünder sind

    Sie werden um 4 Uhr morgens in feuchtkalte Tücher gewickelt, um ein künstliches Fieber zu erzeugen und nehmen nur 400 bis 600 Kalorien pro Tag zu sich: Schroth-Gästen der Allgäu Sonne wird einiges abverlangt.

    Wie hart die Kur wirklich ist, was das über 200 Jahre alte Naturheilverfahren so besonders macht und warum es gerade jetzt so einen Hype erlebt, erzählt Eleonore Perschl im Interview.

    Sie arbeitet seit über 30 Jahren als „Packerin“ in dem Fünf-Sterne-Hotel in Oberstaufen – Deutschlands einzigem Schrothheilbad – und bereitet sich selbst jeden Herbst mit einer Schrothkur auf den Winter vor.

    Frau Perschl, was kann die Schrothkur, was andere Diäten nicht können?

    Eine Schrothkur ist nicht in erster Linie Diät. Der Gewichtsverlust ist nur ein willkommener Nebeneffekt. Viel wichtiger: Während der Kur wird der Körper entgiftet, Krankheiten wie Migräne, Bluthochdruck und Diabetes können gelindert und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden.

    Schrothler sind weniger anfällig für Stress und Erkältungskrankheiten, der Effekt hält bis zu neun Monate an.

    Warum erlebt die Schrothkur derzeit so einen Hype?

    Die Kur entspricht dem aktuellen Bedürfnis, sich ganzheitlich etwas Gutes zu tun: Der gesamte Körper wird entschlackt und entgiftet.

    Die erlaubten Speisen in der Allgäu Sonne sind vegan und basisch – auch das liegt im Trend. Kurz gesagt: Das Naturheilverfahren erfüllt das verstärkte Bewusstsein für sich und die Umwelt.

    Sie machen selbst jedes Jahr eine Schrothkur. Was glauben Sie: Wie würde es Ihnen heute ohne Schrothkur gehen?

    Ich bin mir sicher: Es ist der Schrothkur zu verdanken, dass ich seit 30 Jahren nicht einen einzigen Tag krank zuhause bleiben musste.

    Bitte beschreiben Sie kurz den Tagesablauf eines „Schrothlers“.

    Außer sonntags wecke ich die Schroth-Gäste zwischen 4 und 5 Uhr mit Kräutertee sowie Zwieback, um sie anschließend erst in ein nasskaltes Tuch, dann in mehrere Schichten trockene Decken und Mollton mit Wärmflasche zu wickeln.

    Das erzeugt ein künstliches Fieber. So bleibt der Schrothler maximal zwei Stunden liegen, schläft oder schaut einen Film. Nach dem Auspacken fallen die meisten nochmal in einen tiefen, ruhigen Schlaf. Der Wechsel von Trocken- und Trinktagen ist eine wichtige Säule der Kur.

    An den Trockentagen sind nur leichte Spaziergänge und Entspannungsübungen angeraten. Ansonsten stehen Bewegung, Tanzen und Wandern auf dem Programm.

    Das Sportangebot in der Allgäu Sonne ist hinsichtlich Intensität an diesen Wechsel angepasst. Die Tagebucheinträge zwei meiner Kolleginnen geben einen guten Einblick in den Schroth-Alltag.

    Die Schrothkur hat den Ruf, dass es dabei recht lustig zugeht. Woher kommt das?

    An den Trinktagen wird Wein zum Abendessen angeboten, an den Trockentagen ist immerhin ein „Aufgestockter“ erlaubt, also ein Wacholderschnaps mit Orangen- und Grapefruitsaft.

    Außerdem gehen viele an den Bewegungstagen zum Tanzen, zum Beispiel im Stießbergstüble der Allgäu Sonne. Das Schöne ist, dass man dort immer Gleichgesinnte trifft, mit denen man fachsimpeln kann.

    Wie häufig kommt es vor, dass ein Schrothgast die Kur abbricht, weil er/sie nicht durchhält?

    Ich kann mich an keinen einzigen Fall in der Allgäu Sonne erinnern. Bei uns geht es nicht so streng zu, wie es sich vielleicht anhört. Wir gehen auf alle Wünsche ein:

    Wenn jemand beispielsweise nicht mumienartig eingewickelt sein mag, lassen wir die Arme draußen. Manche essen heimlich mal ein Stück Kuchen. Das ist zwar schade, weil es das positive Ergebnis der Kur abschwächt, aber die Entscheidung überlassen wir jedem selbst.

    Preisbeispiel: Die Schroth-Schnupperwoche ab 1.093 €/Pers. umfasst 7 Übernachtungen, Schroth-Vollpension, 6 Schrothpackungen wie oben beschrieben sowie eine Rückenmassage und ein Meersalz-Körperpeeling.

    Weitere Auskünfte

    Allgäu Sonne    Stießberg 1    D-87534 Oberstaufen/Allgäu

    Fon +49 8386 702-0    info@allgaeu-sonne.de 

     

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