Präsentation von Künstlern und ihren Werken

20.02.2019 Meisterin der Leica

GFDK - Werk der Woche

"Die großartige französische Fotografin Sabine Weiss gilt als die Grande Dame der humanistischen Fotografie und hat in über sieben Jahrzehnten ein Lebenswerk zusammengetragen, in dessen Mittelpunkt Fotografien aus Paris stehen. Dort lebt sie seit 1946.

Als geübte Porträtistin hat sie nicht nur zeitlose Charakterstudien von Prominenten geschaffen, sondern sie hat auch immer wieder Menschen auf der Straße in zufällig gesehenen Situationen fotografiert.

Sie ist eine brillante Geschichtenerzählerin, ihre Aufnahmen leben von einer genauen Beobachtungsgabe und vielschichtigen atmosphärischen Schilderung des Alltagslebens.

Durch das feine Sensorium der Fotografin öffnet sich der Blick auf die kleinen Dinge des Lebens. Sabine Weiss zeigt den Alltag, die Arbeit, aber auch die Freizeit der fotografierten Personen.

Bereits 1956 stellte Robert d´Hooghe die Fotografin in der LFI als „Meister der Leica“ vor: „Und schon begann Paris wieder seine alte Faszination auf die Jugend der Welt auszuüben. Unter denen, die sich in Paris trafen, war auch ein junges Mädchen aus der Schweiz.

Sie war gerade zwanzig Jahre alt, hatte eine solide Lehre in einem Schweizer Fotografenatelier hinter sich und das Leben vor sich. Bald kannte man ‚Sabine‘ in den Kreisen der jungen Dichter, Maler und Musiker zwischen Montparnasse, St. Germain-des-Près und Montmartre, die damit beschäftigt waren, in endlosen Debatten die morsche Welt aus den Angeln zu heben und neu zusammenzusetzen.

Wenn sie sich in die Diskussion mischte, vergaß sie nie zu betonen, dass sie Fotografin sei, und nicht „Künstlerin“. Aber sie war keineswegs schüchtern. Sie fand, dass ihre Freunde zwar ausgezeichnete Kunsttheorien entwickelten, aber nicht verstünden zu sehen.

Unter „sehen“ verstand sie bewegt zu werden von den visuell erfassbaren Eindrücken der Umwelt und von den Zusammenhängen, die sich darin andeuten. Ihre Fotografien belegen bis heute sehr eindrücklich die Fähigkeit des fotografischen Sehens von Sabine Weiss.

Denn das ist in der Tat außergewöhnlich präzise und hat ein Zeitgefühl konserviert, das bis heute prägend wirkt.“ (Ulrich Rüter in LFI 16.04.2018)

Signierte Publikationen liegen während der Ausstellung zum Verkauf bereit:
- Sabine Weiss "Les Villes La Rue L´Autre", Centre Pompidou, 2018, 42 €
- Sabine Weiss, "l´oeil intime", 2014,  35 €
- Sabine Weiss, Jeu de Paume, 2016, 35 €

Ausstellung: Sabine Weiss "la vie"

Eröffnung Samstag, den 4. Mai 19:00 – 21:30 Uhr
Ausstellung bis 04. Juli 2019
Öffnungszeiten: Di. - Fr. 16 – 19 Uhr, Sa. 11 – 15 Uhr

während der Internationalen Photoszene Köln:
Fr. 10. Mai 16 – 21 Uhr, Sa. 11. Mai und So. 12. Mai 11 - 18 Uhr

in focus Galerie - B. Arnold
Hauptstraße 114
50996 Köln

www.infocusgalerie.com
0177 3202913

Geführte Tour mit:
- Sabine Weiss + Buchsignierung
Sa. 11. Mai 15 - 17.30 Uhr
- Galerist Burkhard Arnold
So. 12. Mai 14 und – 16 Uhr

 

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17.02.2019 SINNLICHE FORMEN Akt & Natur

GFDK - Redaktion

Sehr starke Bilder von Jörg Pfeifenbring. Es war und ist die Freude an der Schönheit, der Schönheit des menschlichen Körpers und der Natur, die den Fotografen und Musiker seit Jahrzehnten bewog, diese mit der Kamera festzuhalten und künstlerisch zu bearbeiten. Als "Jäger und Sammler" sucht sich der Künstler alles, was ihn anspricht, fotografisch zu eigen zu machen.

Handwerk bleibt Handwerk auch in der Kunst

Dabei nutzt er Formen aus der Natur u.a. als überlagernde Hintergrundmotive. Mit Hilfe der Sandwich-Technik war es möglich, mehrere Dia-Positive übereinander zu belichten. Die allgemein übliche Verfremdung mittels Computer ist seine Sache nicht, auch aktuell sind Bildbearbeitungen die Ausnahme. Er meint nach dem Warum befragt:

Grenzbereiche gewohnter Sichtweisen

"Handwerk bleibt Handwerk. Das auch, um der überbordenden Selvie-Hysterie etwas entgegen zu setzen. Kunst braucht Zeit." Die Fototechnik hat sich enorm entwickelt, was unter heutigen technischen Voraussetzungen wesentlich schärfere Ergebnisse zeitigt, die Aussage betreffend aber nicht immer von Vorteil ist. Beides zeigt Jörg Pfeifenbring, sodass der geneigte Betrachter selbst vergleichen kann.

Es geht Jörg Pfeifenbring nicht um das voyeuristische Herzeigen

Freunde und Bekannte, die von den Arbeiten des Fotografen angetan waren, vermittelten weitere weibliche und männliche Modelle, sodass er auch zunehmend in Grenzbereiche gewohnter Sichtweisen vordringt. So sind in seinen Arbeiten auch Männerakte und Paardarstellungen zu entdecken.

Es handelt sich folglich nicht um voyeuristisches Herzeigen, sondern vielmehr um das Spiel mit sinnlichen Formen und Farben. An der Natur reizt den Künstler wiederum besonders das Schöne, sodass er häufig seine Modelle in der Natur fotografiert, woraus eine hocherotische Symbiose entstehen kann. Und wie es mit aller Kunst beschaffen ist, vollendet sich das Werk erst im Bild des Betrachters.

Jörg Pfeifenbring wurde 1960 in Weimar geboren. Er ist gelernter Schlosser. Sein fotografisches Interesse überkam ihn schon in seiner Jugend mit der ersten Pouva-Start. Später war er jahrelang als freier Presse-Fotograf unterwegs, bevor er sich der künstlerischen Fotografie verschrieb. Heute ist er u.a. als freiberuflicher Musiker "weltweit" im Deutsch-Folk-Genre und bei der "Wiederbelebung" historischer Musikinstrumente aktiv.

Sehr herzlich dankt Jörg Pfeifenbring der Galerie Markt 21 für das Zustandekommen dieser seit langem geplanten Ausstellung, die sich einreiht in vergangene Expositionen in Jena, Apolda, Gera, Berlin, Weimar, Braunschweig, Toulouse, Montpellier und anderen Orten.

Das „Duo Lied-Fass“ aus Weimar (Jens Sachse & Jörg Pfeifenbring)
spielt Folklore und freche Lieder zum Mitsingen und Zuhören .

Programm zur Vernissage am Freitag, dem 25. August 2017 ab 21 Uhr:

vom 26.08. bis 20.09.2017 - täglich von 16 bis 23 Uhr geöffnet, Eintritt frei

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17.02.2019 Performance als Prozess des Produzierens

GFDK - Clemens Baier

Die deutsche Künstlerin Anna Witt, wohnhaft in Wien, hat in Zusammenarbeit mit der schwedischen Designergruppe Uglycute ein Projekt für die EMSCHERKUNST.2013 entwickelt: „Breaking New“. Über den gesamten Ausstellungzeitraum (22. Juni – 6. Oktober) wird eine Gruppe DuisburgerInnen als mobiles Konstruktionsteam agieren.

Der Schwerpunkt der Performance ist der Prozess des Produzierens: Gefundene, weggeworfene Materialien werden (wieder) in funktionale Objekte transformiert – beispielsweise in Stühle, Tische oder Hocker. Wo auch immer wiederverwertbares Material abgeladen wurde, entsteht ein neues Objekt und dort wird es auch zurückgelassen, um benutzt, neu platziert oder mitgenommen zu werden. Die PerformerInnen operieren, ausgestattet mit einem mobilen Kit an Werkzeugen, in den Straßen von Duisburg-Marxloh und Umgebung.

Im Vorfeld der EMSCHERKUNST.2013 wurden die PerformerInnen in einem Workshop mit Uglycute in die Arbeitsweise eingeführt. Dieser fand vom 10. bis 12. Mai im Künstler-Hauptquartier an der Wiesenstraße in Duisburg-Marxloh statt. Das Hauptquartier ist ausgestattet als Lager, Versammlungsort, Dokumentations-Archiv und dient als Anlaufstelle für Besucher.

Die Räumlichkeiten sind mit einem von Uglycute entwickelten  Modulsystem ausgestattet, das die verschiedenen Funktionen des Raums verbindet. Dieses modulare System mimt den industriellen Prozess in der Herstellung sowie die industrielle Ästhetik und ist inspiriert von Marxlohs Flair, wo sich die glitzernde Brautmodenindustrie mit den Auswirkungen der Industrie des Ruhrgebiets treffen.

Die Künstlerin Anna Witt über ihre ersten Erfahrungen: „Das Thema Sperrmüll sorgt in der Region für Kontroversen, was mich auf die Idee brachte, ihn als Ressource zu betrachten. ‚Breaking New‘ will nicht auf ein Problem verweisen, sondern produktiv damit umgehen.“

Anna Witt betonte, dass es für sie eine Notwendigkeit ist, sich mit den Bedingungen der alltäglichen Realität vor Ort auseinander zu setzen. „Wichtig ist es mir, ein Projekt zu entwickeln, das im Dialog mit den Bewohnern steht und verfügbar ist. Ich wünsche mir, dass es sich ins alltägliche Leben integriert.

Es ist mir wichtig, das Projekt mit den Menschen vor Ort und direkt in den Straßen entstehen zu lassen“, so die Künstlerin. Uglycute zu ihren Beweggründen: „Das Design ist inspiriert von der Marxloher Ästhetik. Es ist eine interessante Kollision zwischen der glitzernden Hochzeitsindustrie und der rostenden Industrie.“

Kurator Prof. Florian Matzner, der bereits die erste Ausgabe der EMSCHERKUNST im Kulturhauptstadtjahr 2010 kuratierte, ging auf die Bedeutung des Projekts für die Region ein: „Kunst muss für mich raus aus dem ‚white cube‘ des Museums – dafür sprechen unsere ungewöhnlichen Ausstellungsorte wie leerstehende Ladenlokale, ehemalige Industrieanlagen oder unentdeckten Landschaften, aber auch all die Nebenschauplätze und ‚Unorte‘ zwischen Gelsenkirchen und Dinslaken.“

Matzner ist es ein Anliegen in den urbanen Raum, direkt zu den Menschen, zu gehen. Katja Aßmann, Künstlerische Leitung Urbane Künste Ruhr ergänzte: „Die EMSCHERKUNST ist in erster Linie für die Menschen vor Ort gemacht.

Die Kunst begibt sich in den Alltag der Emschertalbewohner und macht Lust mitzumachen. Urbane Künste Ruhr tratt neben Emschergenossenschaft und Regionalverband Ruhr erstmals als Veranstalter der EMSCHERKUNST. 2013 auf. Wir freuen uns auf den gemeinsamen Start in den diesjährigen Kultursommer.“

Anna Witt
Anna Witts performative Interventionen und Videoinstallationen beschäftigen sich mit der Konstruktion kultureller Stereotype und der Positionierung von Individuen innerhalb sozialer Systeme. Ihre Arbeiten können sowohl fiktionalen als auch dokumentarischen Charakter haben. Witt studierte an der Akademie der Bildenden Künste in München und bei Monica Bonvicini in Wien. 2005 erhielt Anna Witt ein Vollstipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes. Zuletzt bekam sie 2010 ein Staatsstipendium für Video- und Medienkunst in Österreich.

Uglycute
Das Kollektiv Uglycute bewegt sich an der Schnittstelle zwischen Design, Kunst und Lehre. Ihr Interesse gilt experimentellen Produktionsprozessen und den Auswirkungen von Design auf die Gesellschaft. Eine wesentliche Fragestellung ihrer Arbeit ist die Wertigkeit von Materialien und ihre Tätigkeit umfasst nicht nur die Produktion, sondern auch das Schreiben, Unterrichten und das Abhalten von Workshops.

Pressekontakte:
Urbane Künste Ruhr, Kultur Ruhr GmbH, Leithestraße 35, 45886 Gelsenkirchen
Bettina Steindl, bs@urbanekuensteruhr.de
Clemens Baier,  cb@urbanekuensteruhr.de
Ausstellungsbüro EMSCHERKUNST, Emschergenossenschaft, Kronprinzenstraße 24, 45128 Essen
Patricia Bender, bender.patricia@eglv.de
Regionalverband Ruhr, Kronprinzenstraße 35, 45128 Essen
Jens Hapke, hapke@rvr-online.de

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17.02.2019 tägliche spontanität ist gefragt

GFDK - Atelier Winkler

Was ist das Wesentliche bei der Abstraktion? Eigentlich handelt es sich ja nicht um Abstraktion, sondern um gegenstandslose Malerei. Was wir sehen und hören, haben wir gespeichert - in der Umsetzung in ein Medium der bildenden Kunst ist es so, daß man auf einen seelisch-geistigen Gehalt reduziert.

Abstraktion ist nicht literarisch, eine Wiedergabe in ablesbarer Form, sondern es ist die Auseinandersetzung mit einem Thema, das rein von der seelisch-geistigen Konzeption herkommt.


Die Auseinandersetzung mit der folterkammerähnlichen Situation im Atelier, wo man die weiße Fläche vor sich hat - egal ob Holz, Leinen oder Papier - ist so, wie sie viele Maler schon hatten: den ersten Strich oder Punkt zu machen und nicht ein Bild entstehen zu lassen, das schon vorher im Kopf da war. Das wäre nur eine Wiederholung eines bereits gemalten Bildes.


Dabei fehlt die Spontanität und der Kampf, der sich - nach meiner Erfahrung - so entwickelt, daß irgendwann am Beginn des Arbeitsprozesses das Bild einen Moment erreicht, in dem es mir Antwort gibt. Das klingt zwar kompliziert, aber unter Antwort verstehe ich den Dialog zwischen Maler und Werk.

Erst dann beginnt der richtige Arbeitsvorgang, während dem man ein Bild immer wieder neu erzeugen muß, Die Schwierigkeit liegt auch darin, sich beim nächsten Bild nicht zu wiederholen, die Angst davor habe ich jedes Mal.

Man sollte nicht beim ersten Bild schon sagen können, man habe das drilte auch schon gesehen usw. Es ist eine lebendige Geschichte wie eine Vereinigung zwischen Mann und Frau, weil auch das Erotische eine große Rolle spielt und für mich thematisch sehr wesentlich ist.

Das ist vielleicht das Credo meiner Malerei, wenn man von der rein farblichen Auseinandersetzung und Sensation, die sich aul einem Bild abspielt, zu dem geht, was unter der Bildfläche ist und immer wieder zum Durchbruch kommt.


Ein Bild muß so weit offen sein, daß es für jeden Betrachter die Möglichkeit einer weiteren Diskussion bietet, er soll die Auseinandersetzung, die ich mit dem Bild hatte, fortsetzen. Das erst gibt ihm den Wunsch, das Bild zu besitzen, weil er das Gefühl hat, daß der Erzeuger dieser Oberfläche einen Kampf hinter sich gebracht hat, der für den Beschauer weitergeht.

Viele der Erwerber meiner Bilder, die nie zuvor ein abstraktes Bild besessen haben, waren sofort von der Komposition eingenommen, ohne den Namen des Künstlers zu kennen, aber die Kraft kam aus dem Bild zu ihnen.


Man braucht ein Konzept, ohne literarisch zu sein, aus dem man schöpfen kann. Von der Geburt bis zum Tod ist alles, was Leben ausmacht - Sexualität, Leiden und Probleme - neben den Standortbestimmungen des Alters, in denen die Summe der Erfahrungen mitschwingt, in diese künstlerische Aussage integriert.

Dies ist meine Spange von Alpha zu Omega: die Erotik, die sich nach Freud wie ein roter Faden durchs Leben zieht, all die kleinen Tode, die man auch in der Vereinigung erlebt. Beim Malen bin ich ein vollkommen eruptiver Mensch, der die Farbe und den Inhalt benützt, um sich in seiner Sprache auszudrücken.

Viele Dinge im Leben werden geistig-seelisch erfaßt und man kann nicht achtlos  vorübergehen, alles hat Bedeutung, es gibt aber Schwerpunkte. Der Künstler sollte in seiner Zeit Seismograph sein, nicht politische Dinge aufsaugen und sich für einen politischen Maler ausgeben oder Psychotherapeut, der mit seinen Bildern heilen will, sondern die Inhalte sollten substantiell sein.


Ich male auch nicht gerne, aber ich bin von der Malerei besessen. Dabei erreichen nur wenige Bilder einen gewissen Grad an Perfektion, die für den Zeitpunkt, an dem sie gemalt wurden, einmalig war und unwiederholbar bleibt.

Die Reduzierung der Farbe hat sich nach der langen Abstinenz von der Malerei ergeben. Begonnen hatte ich im Umkreis der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, man kannte damals nichts anderes, vor allem nicht das, was international passierte.

Als ich nach Jahrzehnten wieder begann, hatte ich das Glück, kurze Zeit wie ein Kind zu malen, unbeschwert mit breiten Pinseln, Farbbahnen ziehend, eruptiv. Bis die Malerei dann eine andere Position in meinem Leben einnahm.

Dabei kam die Erkenntnis, daß Buntheit eine gefährliche Möglichkeit des Ausdrucks ist, da man sich in ihren Sensationen verliert.  Sie übertünchen Fehlerquellen wie auch das Handwerk zu diesem Vertuschen dienen kann.

Es kam der Anspruch, sich mit Wenigem, aber substantiell auszudrücken; sich mehr zu konzentrieren durch Reduktion von Form und Farbe, auf das, was man sagen will. Dabei gibt es Vorbilder, ohne die man nicht auskommt - Tapies ist dabei ein wichtiger Mentor für mich, den man glücklicherweise nicht kopieren kann, ich versuche diese Mauerbilder, die er als einer der ersten in die Malerei einbrachte, in meine Sprache umzusetzen.

Es sind Dinge wie spontane Kritzelei oder der natürliche Verwitterungsprozeß, die einen Oberflächenreiz entwickeln und ich konnte mein Kürzel gut nebeneinandersetzen, ohne einen Zusammenhang herzustellen, der ein Aussageproblem mit sich bringen würde. Ohne die eigene Sprache zu verlieren, trotz Veränderung oder veränderter Aussage bleibt der ehrliche Künstler stets erkennbar.


Das ,,Freiarbeiten", die Entwicklungsschritte bei den Papierarbeiten, sind für die Entstehung der großen Bilder äußerst wichtig. Die Malerei ist für mich täglich ein Neubeginn, mit all seinen Problemen, der Kampf ist jeden Tag der gleiche.

Josef Winkler über seine Malerei

Josef Winkler wurde am 15. November 1925 in Wien geboren.

1946 studierte er an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt - 1947/48 folgte ein Studium an der Akademie der bildenden Künste bei Josef Dubrowsky und Herbert Boeckl.

Von 1948-1950 war der Künstler Stipendiat an der Art School in Guildford, England.

In diesen Jahren war Winkler stilistisch mit der Gruppe, der Wiener Phantastischen Realisten Verbunden und fand auch in dieser Zeit seine eigenen Facetten.

Nach den ersten Erfolgen unterbrach Winkler seine künstlerische Arbeit und verschrieb sich dem Kunsthandel.

Diese lange Beschäftigung ließ den Künstler reifen.

Als er 1990 schließlich selber wieder zum Pinsel griff, ja dem Kunsthandel den  Rücken zuwandte, um sich ausschließlich der Malerei zu widmen, war er geprägt von den Künstlern und Formen des abstrakten Expressionismus und verschrieb sich immer mehr dem Informell.

Heute zählen Winklers Werke zum festen Bestandteil verschiedenster privater Sammlungen in Österreich, Deutschland und der Schweiz.

Kontakt

Josef Winkler
email: office@atelier-winkler.com







 

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19.01.2019 Tourismusverhalten des Menschen

GFDK - Werk der Woche

Liebe Freunde der Künste, wir freuen uns Euch die Künstlerin Magdalena Abele vorstellen zu dürfen. Ganz besonders gefällt uns der Ansatz ihrer Arbeiten, Mensch und Natur, diese stehen leider nicht immer im Einklang, wie uns die Künstlerin zeigt.

Magdalena Abeles künstlerisches Ansinnen wurzelt in der Romantik, ohne sich darin aber in irgendeiner Weise zu verlieren. Mit scharfem analytischen Blick behandelt sie ihr zentrales Thema, die von Menschenwesen "bevölkerte" Landschaft. Sie zerlegt, was sie sieht, und rekonstruiert daraus eine neue Bildwirklichkeit.

Klug untersucht sie so zugleich das Medium der Fotografie, mit dem sie arbeitet. Sie folgt damit dem hohen Ideal eines nicht nur handwerkelnden, sondern komplexen und selbst-reflexiven Kunstschaffens.

Selbst sagt sie über ihre Arbeit:
"Ausgangspunkt meiner fotografischen Arbeit ist die Landschaft und der Mensch, der sich in ihr bewegt. Meine Bildsujets sind dabei oft solche Orte, die als touristische Anziehungspunkte bekannt sind: Menschen pilgern dorthin, nehmen die Natur mit ihrer Anwesenheit in Beschlag, bevölkern solche Orte, weil diese in Reiseführern als sehenswert ausgewiesen wurden.


Das Tourismusverhalten des Menschen bietet mir die visuelle Basis für eine weiterführende künstlerische Analyse und Betrachtung. Die ritualisierte Begehung der Landschaft zeigt sich in ihrer fast rührenden Hilflosigkeit als zum Scheitern verurteilter Versuch einer echten Annäherung an die Natur, das Ursprüngliche.


Erst bei näherer Betrachtung der durchkomponierten Panoramen fällt auf, dass in die natürliche Logik des Bildarrangements eingegriffen wurde. Denn meine Bilder zeigen keine Momentaufnahmen einzelner Situationen, sondern mehrere Ansichten zeitgleich in einem Bild.

Ein Einzelbild reicht oft nicht aus, um das zu wiederzugeben, was mir der Ort in dem Moment des Fotografierens erzählt; aus zahllosen Aufnahmen aus ein- und derselben Perspektive setze ich ein neues Einzelbild zusammen.

Durch diese zeitliche Verdichtung, in ihrer Intensität individuell variierend je nach Ort und Motiv, entstehen so Bilder, die sich in der Unschärfezone von Wirklichkeit und Simulation nicht eindeutig verorten lassen und so auf subtile Weise das Wirklichkeitsversprechen des fotografischen Bildes hinterfragen."

26. Januar bis 23. Februar 2019

Eröffnung: Freitag, 25. Januar 2019, 20:30 Uhr
Kuration/Einführung: Markus Bydolek

Galerie Junge Kunst
Karl-Marx-Straße 90, 54290 Trier
+49 (0)651 / 976 38 40

Samstag und Sonntag 14-17 Uhr
sowie nach telefonischer Vereinbarung

 

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18.01.2019 Circus

GFDK - Ute Bauermeister

Rolf Knie stammt aus der berühmten Schweizer Zirkusdynastie und war selbst lange Jahre als Clown in der Manage, bevor er sich für die Malerei entschied. Seine Motive findet er nach wie vor überwiegend in der bunten Zirkuswelt: wilde Tiere, gelenkige Artisten und deren waghalsige Kunststücke.

Zirkus sei eine Show von Menschen für Menschen, keine virtuelle, sondern eine reale Welt, so Rolf Knie. Mit seinen 65 Jahren hat der populäre Künstler noch genauso viel Lust und Freude am Ausprobieren und an Veränderungen wie als Jugendlicher.

Seine blauen Augen blitzen verschmitzt, er ist offen, neugierig und humorvoll, ein Maler, Künstler, Bildhauer, Freigeist. Auf Mallorca, seiner zweiten Heimat, lässt sich Knie den Wind um die Nase wehen und findet Inspiration für neue Motive.

Rolf Knie hat den Zirkus im Blut

Der Übergang von Zirkus zu Malerei ist für ihn fließend, das eine bedingt das andere. „Schon in meiner Kindheit und Jugend bin ich mit vielen berühmten Malern in Kontakt gekommen. Viele Künstler waren vom Zirkus begeistert und besuchten regelmäßig die Vorstellung.

Oskar Kokoschka, Jean Miró und Marc Chagall kamen bei uns vorbei, sie alle haben Zirkusmotive gemalt, ich war mit Jean Tinguely befreundet, der uns oft besuchte. All diese Künstler haben mich geprägt. Durch den engen Kontakt zu ihnen bin ich wie durch eine Kunstschule gegangen“, erinnert er sich.

Von 1968 bis 1983 stand er selbst als Clown in der Manege, danach hat er Film und Theater gespielt. Seit den 1990ern malt, zeichnet, modelliert er und beherrscht alle Varianten des Druckes. Er arbeitet mit Acryl, Kohle, Leimfarben Fettkreide auf lithographierten Zirkusplakaten. Immer wieder nutzt er auch das geliebte Zirkuszelt selbst als Bildträger.

Kunstwerke von Rolf Knie

Die farbenfrohen Gemälde von Rolf Knie sind kraftstrotzend, dynamisch, voller Fantasie und Fröhlichkeit. Seine Zebras haben blaue, gelbe und pinkfarbene Streifen und auch die Elefanten sind alles andere als grau. Er malt frech, lebendig mal direkt auf Zirkuszeltplane oder auch auf Leinwand und Plakate. Immer mit Respekt vor der großen bunten Welt der Manege.

Rolf Knies Kunst ist weltweit zu sehen

Kürzlich hatte er eine Ausstellung in China. In Thailand entstehen gerade drei lebensgroße Elefanten aus Bronze. Und auch im Europa-Park war Rolf Knie schon einmal sehr erfolgreich: Bereits 2001 verzauberten über 200 Exponate des Schweizer Malers im Botta Dome die Besucher.

Legendär ist die tiefe Freundschaft zwischen Rolf Knie und Charlie Chaplin. Das Kino-Genie Charlie Chaplin hat Rolf Knie immer wieder im Circus besucht und nach seinem Tod vermachte er seinem Freund Rolf Knie sogar seinen Rolls Royce, der dieses Kleinod bis heute hegt und pflegt. Charlie Chaplin sagte: "Wer das Leben zu ernst nimmt, braucht eine Menge Humor, um es zu verstehen." Rolf Knie hat viel von Chaplins Weisheiten übernommen.

Fantasiewelt Zirkus

In der neuen Winterausstellung steht erneut die fantasievolle Welt des Zirkus im Mittelpunkt. Eine besondere Aura strahlen die Arbeiten auf Zirkuszeltplanen aus, deren Struktur mit Ösen und Stricken dem Bild einen ganz eigenen Charakter verleihen. Affen im Frack, Pferde im Galopp, Löwen im Sprung tummeln sich auf den Bildern, kopfüber und in neuen Perspektiven. Man schnuppert beim Betrachten von Knie’s Werken direkt Zirkusluft.  „Es ist mir wichtig, die Kunst zu den Menschen zu bringen. Kunst soll mit Freizeit und Unterhaltung verbunden werden, der Europa-Park ist dafür der beste Platz“, kommentiert Rolf Knie.

Übrigens, wer sich für die Bilder von Rolf Knie interessiert, kommt im Europa-Park immer auf seine Kosten: Viele Zeichnungen und Gemälde hängen dauerhaft in den Hotels und beispielsweise in der Bar „El Circo“ im Hotel „El Andaluz“. Eine monumentale Eisenskulptur von Rolf Knie mit Artisten und Clowns "begrüßt" vor dem Mario Botta Dome am Haupteingang des Europa-Park die Gäste.

Ausstellung im Europa-Park Rust

Familie Knie und Familie Mack sind eng miteinander verbunden. Noch vor dem Zweiten Weltkrieg hat die Familie Knie die ersten aufwendigen Zirkuswagen vom "Mutterunternehmen"  Mack Waldkirch besessen. Die Ausstellung "Rolf Knie – Circus" steht in einer Reihe mit sehr erfolgreichen  Kunstausstellungen, bei denen der Europa-Park in den vergangenen Jahren unter anderem Arbeiten der Künstler Marc Chagall, Tomi Ungerer und Raymond Waydelich gezeigt hatte.

Info:

"Rolf Knie – Circus"

Eine große Kunstausstellung rund um das Thema Zirkus fand im Europa-Park statt. In der Mercedes-Benz Hall

Rolf Knie

geb. 1949 in Bern

Clown, Vater, Zirkusmensch. Maler, Bildhauer, kreativer Kopf. Für ihn ist das Leben eine dauernde Veränderung. Mutter: Profitennisspielerin und Eiskunstläuferin, Vater: Zirkusdynastie Knie. Verbrachte Kindheit reisend im Zirkus, 1973 Heirat mit Erica Brosi. 1977 Geburt seines Sohnes Gregory. 1991 heiratete er zum zweiten Mal. Seine Frau Anabela Lorador-Rodriguez ist eine portugiesische Artistin.

www.rolfknie.ch 

www.saltonatale.ch

Ansprechpartner Presse: Ute Bauermeister

bauermeister@koppelstaetter-media.de

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18.01.2019 der pott der gegensätze

Redaktion GFDK - Funda Toprak

Ein Porsche erzählt von der Welt des Mangels...ein vom Zerfall gekennzeichnetes Haus wiederum entlarvt die Oberflächlichkeit einer Scheinwelt...somit dient die Begegnung zweier Welten als Spiegel für die Welt des Gegenpols...

Armut bedingt Reichtum....Reichtum bedingt Armut...sie stehen in einer unauflöslichen Verbindung

Luxus-Autos im Revier

Was bei mir persönlich ankommt, ist der Blick für das Wesentliche...Eva erzählt oftmals mit einem Blick die dualen Gegensätzlichkeiten zwischen illusionärem Streben und dem, was wir Realität nennen...

In Gelsenkirchen haben wir den kleinsten Puff des Reviers erkundschaften mit Hilfe eines Ortskundigen.

Der Ruhrpott - ein Revier voll Gegensätze

Ich fand es immer schrill, wie hier im Revier die Menschen auf Autos abfahren, aber eben günstig einkaufen gehen, wie in das Matratzenlager oder auch in eine Spielhölle einkehren.

Art@Live.de

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04.01.2019 barockes kunstwerk

GFDK - Werk der Woche

Sala Liebers Bilder sind mehr barocker Garten, Menagerie und opulente Zauberwelten in einem. Der Faltenwurf, die Radkrägen und die Frisuren lassen sofort das goldene Zeitalter des 17. Jahrhunderts lebendig werden.

Die Entdeckung der Welt, das Sprengen aller Grenzen und der unermessliche Reichtum der Oberschicht, die sich in glanzvoller Kunst und Architektur feierten und sich exotische Tiere im Haus und Pflanzen im Garten als Hausgenossen zu halten begonnen, gehören untrennbar in diese Zeit.

Und auch der strenge, ernste Blick, keine Gefühlsregung, unnahbar und distanziert lassen den Betrachter erschauern und faszinieren ihn gleichzeitig.

Es ist alles edel, exklusiv und sehr kostbar. Personen, Tiere, Gärten, Gebäude Pflanzen, einfach alles. Der Betrachter ist zwar zugelassen, aber durch die gewählten Großformate nicht wirklich auf Augenhöhe, eher eine Stufe tiefer, niedriger abgestuft.

Sala Lieber übertragt Elemente alter Kunst in ihre Bilder

Überall überraschend viel, überraschend anders und doch vertraut, durch die Zitate die die Künstlerin aus der alten Kunst in ihre neuen zeitgenössischen Bilder aufnimmt. Ein ganzer Kosmos, fremd und faszinierend zugleich.

Die Tiere, meist Vögel, nie geschaute Vögel und schon gar nicht in Europa zu Hause seiende Arten, sitzen dicht an dicht und verhalten sich so gar nicht artgerecht. Figuren meist Frauen, die distanziert und blasiert ins Bild gesetzt sind, sind ebenso exotisch und fremd.

Die meist im Hintergrund vorhandenen historischen barocken Gebäude und Räume vertraut und auch fremd.

Sala Lieber stellt Mut zur Opulenz, Schönheit und der Erotik in Frage

Erst wenn man sich durch die verwirrende Vielfalt von allem auf der Leinwand gearbeitet hat, kommt der Verdacht auf, dass die scheinbare Historienmalerei gar nicht aus dem Europa der Vergangenheit stammt, sondern auch eine eigene Spezies ist, ähnlich aber nicht gleich auf einem Planeten, ähnlich aber doch anders.

Ob sie jetzt oder vergangen sind, so ganz ist das nicht zu entscheiden. Sind die technisch perfekt dargestellten Figuren und Panneaux hier oder doch eine eigene Welt? Sind die jungen rotblonden Frauen wirklich jung, jung geblieben oder vielleicht unsterblich immerwährend alterslos?

Sieht so Glück in unermesslichem Reichtum aus? Und wer ist der Exot, Figur, Vogel oder der Betrachter, der wiederum von den Figuren und Tieren, wenn sie nicht selbstvergessen mit sich beschäftigt sind, als Exot, weil so anders betrachtet werden.

Sala Lieber stellt die Gewissheiten wie Vergangenheit, Wissen und Zukunft verdeckt durch brillante Malkunst und dem Mut zur Opulenz, Schönheit und der Erotik in Frage.

Über die Künstlerin Sala Lieber

Die gebürtige Ungarin (geb. 1980), Meisterschülerin von Prof. Herbert Brandl und Kunstakademie Düsseldorf-Absolventin zeigt, dass sie die Kunstgeschichte im Blut hat und sie weiß sie stark, überraschend heißblütig und überwältigend in ihren Bildern umzusetzen.

Berühmte Geschichten und Gesten werden so zu neuen Hinguckern und entwickeln ihre sensationelle Sprengkraft auf den Betrachter ein weiteres mal. Klug und überraschend ist die Kunst von Sala Lieber nichts für schwache leichte Betrachternerven.

Hier regiert das Leben pur, nur welches, dass bleibt offen und lässt Bewunderung und Schwindel im Kopf des Betrachters zurück.

Kurzvita Sala Lieber

1980 geboren in Budapest (Ungarn)
1999-2001 Kunstakademie Dresden, Studium der freien Malerei,Prof. Elke Hoppfe, Prof. Siegfried Klotz, Prof. Max Uhlig
2001-2005 Kunstakademie Düsseldorf,Prof. Jörg Immendorff, Prof. G. Merz, Prof. H. Brandl
Februar 2006 Abschluss mit Akademiebrief, Meisterschülerin bei Prof. H. Brandl
Gaststudentin bei Karin Kneffel, Bremen

Galerie Hoffmann Contemporary Art – Lange Straße 50 – 33378 Rheda-Wiedenbrück – Tel: 05242/400 623 – info@kunstagentur-hoffmann.dewww.kunstagentur-hoffmann.de

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04.01.2019 Wirklichkeitsschichten

GFDK - Adrian Luncke

Nehmen wir auf unsere Wirklichkeit Bezug, so wenden wir für gewöhnlich die Kategorien von Raum und Zeit auf sie an. Wir gliedern sie in ein Hier und Jetzt, ein Dort und Dann... und schaffen somit Systeme der Abfolge und der Trennung. Für die Beschreibung von Ereignissen oder Situationen greifen wir Momente aus diesen Systemen heraus: Sie geschehen zu einer bestimmten Zeit, an einem bestimmten Ort.


Anne Wölk setzt einer derart eingeschränkten Betrachtungsweise eine vielfältige entgegen. So schlägt sie vor, Momente der Wirklichkeit in Schichten zu fassen – Schichten, die aufeinandertreffen, die sich wie unterschiedliche Meinungen aneinander reiben und sich letztlich zu einem reichen Ergebnis zusammenfügen:

Ihren Umgang mit dem Thema Zeit verdeutlicht Anne Wölk, indem sie Science Fiction Material zurückliegender Jahrzehnte aufgreift. Ebenso wie die Vergangenheit die Gegenwart vorbereitet und auf diese Weise in ihr enthalten ist, verhält sich die Gegenwart zur Zukunft – an die Stelle der zeitlichen Reihung setzt Anne Wölk also Beobachtungen der Gleichzeitigkeit.


Ähnlich verhält es sich Wölk zufolge mit dem Raum: Ein Hier ist ohne ein Dort unbestimmt und letztlich gar nicht zu denken – und trotzdem sind Hier und Dort nicht zwangsläufig auch örtlich voneinander getrennt. So versinnbildlicht die Stadtlandschaft eben die Zusammenkunft von Stadt und Land – zwei Räume, die meist als distinkt verstanden werden. Mit der Aufnahme von Markierungen, wie sie Menschen in der Natur, etwa auf Baumstämmen, hinterlassen, überträgt die Künstlerin diese Gedanken zur Überlagerung auf das einzelne Objekt.


Dabei betrifft Gleichzeitigkeit auch den Charakter vieler anderer Gegenstände und unserer Bezugnahme auf sie: Das Wesen einer Eislandschaft besteht nicht allein in dem visuellen Eindruck, den sie beim Betrachter hinterlässt; auch ihre kaum sichtbare molekulare Struktur ist unabdingbar Teil desselben.


Ähnliches gilt für Tags und Schriftzüge, mit denen Writer der Streetart-Szene ihre Reviere im Stadtraum markieren. Wie Betrachter sie verstehen, hängt nicht zuletzt von ihren Vorkenntnissen ab: Können Eingeweihte die Codes auch inhaltlich deuten, bleibt Uninformierten allein die Auseinandersetzung mit ihren ästhetischen Qualitäten.

Keine dieser Verständnisweisen übertrifft jedoch die andere – sie sind schlicht unterschiedlicher Art. Und ein Phänomen in seiner vollen Wirkung zu erfassen, so legt Anne Wölks Arbeit letztlich nahe, heißt, viele dieser Facetten in einem Crossover-Prozess zu einem Eindruck zu verdichten.

Das tut die Künstlerin , indem sie nicht nur Elemente zeigt, die zunächst recht unterschiedlich erscheinen, sondern auch, indem sie ihr eigenes künstlerisches Medium, die Malerei, auf seine Möglichkeiten untersucht:

Anne Wölk deutet Räumlichkeit durch Überlagerungen an, zeigt Konkretes und Abstraktes, arbeitet mit einer breiten Farbpalette und hinterfragt das Verhältnis von Leinwand und aufnehmendem Raum. Das ergibt Kunstwerke, die den Betrachter wohl deshalb in ihren Bann ziehen, da sie sich, gestalterisch vielfältig und farblich intensiv, als harmonisches Ganzes darstellen. So macht das beeindruckende Spiel mit Vielfalt und Einhalt den besonderen Reiz von Anne Wölks Arbeiten aus.


Adrian Luncke M.A

Vita
geboren 18.10. 1982 in Jena, Thüringen
Ausbildung
2008-2009 Meisterschülerin bei Prof. Antje Majewski
2004-2007 Malereistudium an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee, (Diplom 2007) Klasse Prof. Katharina Grosse und Prof. Antje Majewski
2006 Chelsea College of Fine Art and Design, London, UK Sudienreise nach Tokyo, Kyoto, Japan
2001-2004 Malereistudium an der Burg Giebichenstein Halle, Klasse Ute Pleuger
2004 Tutor 3./4. Studienjahr Naturstudium/ Aktzeichnen Burg Giebichenstein Halle


Auszeichnungen:
2012 Feldforschung in situ, artist in residence, Bodensee Art Fund, Wasserburg am Bodensee
Katalogförderung der Union Investment Stiftung, Frankfurt am Main
Finalistin Jean-Claude Reynal Scholarship,
Bordeaux Frankreich
2011 Grand Prize, Papirmasse Art Magazine, Montréal, Kanada
Finalistin Art Takes Miami, 2011, New York, USA
2008 Residenzstipendium Kunstverein Werkstatt Plettenberg
Stipendium der Marianne Ingenwerth-Stiftung, Bonn
2006 Erasmus Stipendium, exchange program, Chelsea College of Fine Art and Design, London
2004-2008 Stipendium der Studienstiftung des deutschen Volkes,
2001 1.Platz Malerei 9. Thüringer Landesausstellung, Erfurt

Ausstellungen (Auswahl)
2012 “Plausible Dreams“, Kreuzberg Pavillon, Berlin
“Feldforschung in situ. Anne Wölk“, Bodensee Art Fund, Wasserburg (Solo)
“This Is Hardcore“, Shanghai Business Center, Potsdam
“MyPlace“, Kunstverein Münsterland, Coesfeld (Kat.)
“Beautiful!“, Private View - Platform for Contemporary Art Projects, Berlin
“I‘M SORRY. I DID NOT REALIZE YOU!“, Port Art Gallery, Ankara, Türkei
“Home Office of the Fan Fiction Empire“, The Residence Gallery, London, Großbritannien
“Formation“, PLAN.OPEN, Arbeit Gallery, London, Großbritannien
“Postcards From the Edge“, Cheim & Read, New York, USA
2011 “Slideluck Berlin IV“, .HBC, Berlin
“Realismus“, orth für aktuelle Kunst, Aulich Merkle Stiftung, Offenbach am Main, (Kat.)
“Drawing Connections“, Siena Art Institute, Sienna, Italien
“A drawback“, Atelierhof Kreuzberg, Berlin, (Kat.)
“Technology won‘t save us“, im Rahmenprogramm der 12. Istanbul Bienniale Art Suites Gallery, Istanbul, Türkei, (Kat.)
“On Painting“, Ghyczy, Berlin
“Young European Landscape“, Galerie Wolfsen, Aalborg, Dänemark, (Kat.)
“Peep Show“, Tape Modern, Berlin
“Krieg im Frieden“, Kunstpavillon, München
“FITAX 1500“, GRIMMUSEUM, Tupajumi foundation, Berlin
“The Sketchbook Project“, Brooklyn Art Library, New York und Austin Museum of Art, Texas, ... USA
“Young European Landscape“, Collegium Hungaricum Berlin, (Kat.)
“Realismus“, Galerie Epikur, Wuppertal
“Lost“, Galerie im Park, Bremen
2010 “A HARD RAIN ́S GONNA FALL“, BSA Showroom, Berlin
Teilnahme am editorial project, organisiert von Latitudes,
“The Last -Newspaper“, New Museum, New York, USA
“D12/ Dirty Dozen“, Alter Ego archive, Grimmuseum, Berlin
“Die Kunst der Natur ist die Natur der Kunst“, Künstlerverein Walkmühle, Wiesbaden, (Kat.)
“Lyrics“, Galerija EX ARTE, Ljubljana, Slowenien, Solo
“A Communist Gala“, Cuchifritos Gallery, New York, USA
2009 “CHRISTMAS PALM“, Freies Museum Berlin
“DOUBLE-SELF“, mbf-Kunstprojekte, München, Solo
“Young Art Promotion Project“, Galerie Zulauf, Freinsheim
“Watchlist 10“, JKB Temporary, Berlin
“1,2,3“, Uferhallen, Berlin
“Zirkus Minimus“, Walden Kunstausstellungen, Berlin
2008 “Eberhard-Dietzsch Award“, Geraer Bank eG, Gera, (Kat.)
“Highlights of German Academies“, Dina4 Projekte, Berlin
“Utopia of Space“, Kyrgyz National Museum of Fine Arts, Bishkek, Kyrgisien
“Horizons“, Galerie Adlergasse, Kulturverein riesa efau, Dresden, Solo
“Tag und Nacht“, Kunstverein Werkstatt Plettenberg, Solo
“Quotes - The Art of Allusion“, Vonderbank Artgalleries, Berlin
2007 “Selection 2007“, Elgiz Museum of Contemporary Art, Istanbul, Türkei
“Signale“, Ostrale, Dresden
“Life Spotting“, Vonderbank Artgalleries, Berlin

www.annewoelk.de

 

 

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31.01.2018 von Kippenberger bis Disney

GFDK - Michael Sanchez

Cosima von Bonin ist die prominenteste Vertreterin der Konzeptkunst. Sie arbeitet mit Textilien, Filmen, Installationen, Malerei, Skulptur bis hin zur Fotografie und widmet sich mit Vorliebe den "Übermaßen".

Die gezeigten frühen Arbeiten von Cosima von Bonin umfassen eine Reihe von Gefängnisfenstern aus Pappe und Tape, die 1993 bei American Fine Arts in New York zu sehen waren. Für jene Ausstellung hatte von Bonin oberhalb der Arbeiten Vogelkäfige mit Wellensittichen angebracht, was zu unregelmäßigen Ablagerungen von Vogeldreck führte, die auf der Oberfläche der Arbeiten nach wie vor zu erkennen sind.

Weitere frühe Arbeiten beispielsweise der im Jahr 1994 über einer Tür des Kunstvereins Kippenberger im Fridericianum, Kassel, drapierte Bikini, sowie ein Raster aus zusammengenähten Herrentaschentüchern  wurden für Grandville and the Decision of Grandville komplett in Weiß nachgebildet.

Mehrere freistehende Möbelbeine aus dem Jahr 1992 werden auf weißen Sockeln präsentiert, wie Soldaten, die sich zu einem Angriffsmanöver versammelt haben. Ein Sperrholz-Lkw und sein Gegenüber aus Pappe, erstmals gezeigt 2010 anlässlich der Ausstellung The Fatigue Empire im Kunsthaus Bregenz, wurden von ihrer Ladung befreit, die möglicherweise durch etwas anderes oder durch gar nichts ersetzt werden wird.

Indem sie den unheimlichen Animismus von J. J. Grandvilles satirischen Graphiken (beispielsweise Un autre monde, 1844) umkehrt, präsentiert von Bonin ihre Tier-Avatare, etwa den auf einem biomorphen Fake-50er-Jahre-Tisch hängenden roten Einsiedlerkrebs, seit ihrer Bregenzer Ausstellung im vergangenen Jahr als schlaffe und erschöpfte Wesen.

In dieser neuen Installation nun griff der Ermattungseffekt bei einer Skulpturengruppe auf einer Tischplatte ineinander verschränkt liegende weiche Wesen auch auf die Farbe über. So wird die Ausstellung, ungewöhnlich für von Bonin, von Weiß beherrscht.

Während er in Düsseldorf lebte und dort an seiner Section Cinéma arbeitete, bezeichnete Marcel Broodthaers sich selbst einmal als Vampir von Düsseldorf. Ebenso wie Broodthaers in seinem selbstreflexiven Spätwerk ist auch von Bonin vom Vampirismus gegenüber anderen schließlich zum Selbstvampirismus übergegangen.

Als Vampir ihrer selbst und Vampir von Köln agiert von Bonin innerhalb eines Autovampirismus-Loops, man könnte auch sagen: innerhalb einer Möbiusschleife, die Köln 1993 mit Berlin 2011 verbindet und in einer Galerie präsentiert wird, deren Räume in Form eines Loops angeordnet sind, wobei zu jeder Arbeit ein geloopter Soundtrack gehört.

Auf Grundlage ihres untoten Netzwerks aus Referenzen und sozialen Beziehungen scheint von Bonin ein Document of the Dead geschaffen zu haben, um an dieser Stelle den Titel einer ebenfalls in der Ausstellung gezeigten Videodokumentation über den Zombie-Filmemacher George Romero zu zitieren.
Michael Sanchez (Quelle: Galerie Buchholz/ Ausstellung GRANDVILLE AND THE DECISION AT GRANDVILLE, 2012)

Cosima von Bonin geboren 1962 in Mombasa, Kenia studierte Freie Kunst, Szenografie und Medienkunst bei Günter Förg und Johannes Schütz. Sie lebt und arbeitet in Köln.

Im Verlag DuMont ist ein Kunstkatalog The Lazy Susan Series über erschienen, der einen einen Überblick über die vierteilige und bislang größte Ausstellung von Cosima von Bonin gibt, die von Rotterdam über Bristol nach Genf und zuletzt in die Heimatstadt der Künstlerin, Köln, führt. Sie unterscheidet sich von einer herkömmlichen Wanderausstellung, da sie sich von Ort zu Ort verändert hat.

Überdimensionale Kuscheltiere, genähte Bilder und minimalistische Skulpturen füllen die Ausstellungsräume. Mit ihren Installationen changiert die Künstlerin zwischen Ernsthaftigkeit und Witz und hinterfragt die Grenzen zwischen Kunst und Alltag. Begleitend zu ihren Arbeiten thematisiert sie Autorenfunktionen. Künstler aus den Disziplinen Literatur, Musik und Film realisieren zu den Arbeiten von Cosima von Bonin eigene Werke.(Quelle: DuMont Verlag)

 

Kontakt:

Galerie Buchholz in Köln post@galeriebuchholz.de

www.galeriebuchholz.de

 

 

 

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