Präsentation von Künstlern und ihren Werken

06.11.2019 Große Gesten, klar komponiert

GFDK - Werk der Woche

Große Gesten, klar komponiert, der Akt in Anmut und eine Farbigkeit, die vor Intensität strotzt, das schwarze Dunkel weit hinter sich lässt; hier die Versuchung, dort die Judith, immer wieder Lot und seine Töchter, der Künstler im Selbstportrait, kritisch, resigniert, von der Begierde besiegt, und überall die Frau per se, in purer Nacktheit, ganzer Schönheit

Arno Rink, moderner Meister des Altmeisterlichen, Gallionsfigur der Neuen Leipziger Schule, ein Genius in Farbe und Form und nebenbei Zeichner von erstem Rang, füllt derzeit mit seinen neoromantisch gefärbten, geheimnisvollen, allegorischen Szenarien die Museen, und exklusiv die Augsburger GALERIE NOA. Arno Rink, Begründer der Neuen Leipziger Schule, ist in ganzer Bandbreite in der Augsburger GALERIE NOAH zu entdecken.

Zwei Jahre nach seinem Tod, einem kurzen, zwangsbedingten Stillstand, wird Rink erneut entdeckt, vom Museum der bildende Künste Leipzig, von der Kunsthalle Rostock, vom Kunstpalast Düsseldorf – zu Recht, schreibt er die ostdeutsche Kunstgeschichte neu.

Erstmals nach 2017 bereitet eine Galerie sein umfassendes Oeuvre retrospektiv auf: Gut 30 Ölgemälde, Zeichnungen und Mischtechniken aus den Jahren 1986 bis 2016 führen in Augsburg das Können dieses großartigen Malers vor Augen, der sich, und mit sich die DDR-Kunst, heraus gekämpft hat aus einem politisch motivierten Arbeiten hin zu einer neuen Künstlichkeit in Freiheit, das, ohne die Vergangenheit zu verleugnen.

Arno Rink gilt als der Mittler zwischen alter und neuer Leipziger Schule, Frontmann der zweiten Generation, die den sozialistisch verhafteten Realismus der Urväter hin führt zu einer verfremdenden Gegenständlichkeit, einer neuen Figuration, die mit surrealen Elementen spielt wie mit expressiver Flächigkeit und sich meist von der Figur leiten lässt.

1940 in Schlotheim, Thüringen geboren, studierte Rink an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig bei Werner Tübke und Bernhard Heisig, dozierte selbst seit 1975 ebenda. Von 1987 bis 1994 war er Rektor, lange noch, bis 2005, als lehrender Professor tätig, unter anderem für Neo Rauch. In Leipzig gelebt und gearbeitet, dort 2017 auch verstorben, gilt Rink als das künstlerische Flaggschiff der Wende, der viel zu bieten hat, wenig verstreckt und so manches Geheimnis lüftet – Bravo.

Vernissage: 7. November 2019

mehr

29.10.2019 Eine ausdrucksstarke Ausstellung in Graz

GFDK - Werk der Woche

Einfach tolle Fotos - Anke Linz (geboren 1965 in Nürnberg) und Andreas Oettinger (geboren 1963 in München) bilden seit Mitte der 1980er Jahre ein außergewöhnliches Fotografen- Paar. Wenn es zwischendurch mit den Aufträgen schlecht aussah, waren sie sich nicht zu schade, einfache Aushilfsjobs zu übernehmen.

Vielleicht ist es gerade dieser Kontakt zu realen Menschen in realen Arbeits- und Lebenssituationen, die manche Eigenheiten ihrer Herangehensweise erklärt. Ihre Porträts sind zwar von alter Malerei inspiriert,  bieten aber verschiedene Bildsprachen. Mal blicken die Models verschämt zur Seite oder zu Boden, dann unumwunden direkt in die Kamera.

Mal sieht man die ungeschminkte Wahrheit im Gesicht, dann ist das Make-up extrem und die Szene an Dramatik schwer zu überbieten. Nur eines vereint fast alle Porträtaufnahmen von Billy & Hells: Die  statische Stille und die tiefe Ernsthaftigkeit. Ein Lächeln oder gar ein Lachen werden Sie nur sehr selten auf  den Fotos sehen, die dennoch einen starken subtilen Sinn für Humor verraten.


Billy & Hells spielen nämlich auf virtuose Weise mit vertrauten Images und frönen dieser Leidenschaft sowohl in den Bereichen Kunst, Mode und Werbung in unverkennbarem, konsequentem Stil. So wurden auch frühere Auftragsarbeiten für Marken wie Nil oder Baileys ein gleichwertiger Teil des Schaffens von Billy & Hells.

Klischees wie die entschlossen dreinblickende Krankenschwester, die strenge Lehrerin, die gütige Mutter, der coole Matrose oder der lässige Cowboy werden aus ihrem Bezugsrahmen gehoben und in einen neuen Kontext gestellt.


Weder bei den Farben, noch bei der Kleidung und der Inszenierung überlässt man etwas dem Zufall. Die Bilder der beiden, die seit dem Jahr 2000 in Berlin leben, waren unter anderem in Tokyo, London, in den Niederlanden und in Los Angeles zu sehen. 2007 erhielten sie den Taylor Wessing Portrait Prize der National Gallery of London, ein wichtiger Moment für ihren internationalen Durchbruch.


Der Name des Duos stammt übrigens angeblich von der englischen Aussprache des Wortes „Billighotels". Falls die Legende stimmt, zeigt sie schön den Zusammenhang von Klischee, ungeschönter Realität und Witz.


Mit dem Werk von Billy & Hells wurde eine Ausstellung als Premiere in Graz gezeigt, die einen ganz neuen Blick auf die Möglichkeiten der Porträtfotografie offenbart.


Alle im Atelier Jungwirth ausgestellten Fotografien können erworben werden.
Weitere Informationen und Bilder finden Sie unter www.billyundhells.de

Billy & Hells
Schwarzweiße Schwester in Farbe
 

mehr

19.09.2019 Aufstand der Puppen

Prof. Dr. Claudia Rademacher

Puppen, Barbiepuppen, Schaufensterpuppen…Trendsetterin, Ikone, Traumfrau? Sie machen jede Mode mit, schlüpfen in jede Uniform und passen sich flexibel dem jeweiligen Zeitgeist an! Opportunistinnen als Ideal?

Die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt lebte 2005 ein halbes Jahr mit über 7 Schaufensterpuppen und hat diese in ihrem alltäglichen Umfeld fotografisch inszeniert. Daraufhin kam sie auf die Idee, die Puppen als Installation zum Thema der Fußball-WM in Dortmund 2006 zu gestalten mitsamt ihrer Barbiepuppenvollversammlung.

Eva Horstick-Schmitt greift dabei in die gestylte Fassadenwelt der Schaufensterpuppen ein und verknüpft Fotokunst und Performance zur Verstörung des gewohnten Blicks: lebendig aussehende Schaufensterpuppen als Parade und Barbiewahn zum Quadrat.

Allerdings zeigen sich die schön geschmückten Schaufensterpuppen nicht wie gewohnt hinter schützendem Glas, unantastbar gestylt und aufgemotzt hinter Scheiben. Die Welt der Puppen wird lebendig, in einer Kunstperformance kreativ zur Schau gestellt. Die Realität transformiert sich zur bühnenhaften Inszenierung, in der das alltägliche Sein im Design erfroren ist.

Mit ihren Puppen-Installationen greift die Künstlerin Eva Horstick-Schmitt den grundlegenden Schöhnheitswahn der Gegenwartsgesellschaft auf. „Körperkult und Schönheitswahn“ – ein Diskurs, der in der soziologischen Forschung aktuell intensiv unter der Herrschaftskategorie „Bodyismus“ diskutiert und analysiert wird, erfährt durch die fotokünstlerische Performance irritierende und verstörende Einsichten.

„Babaismus“ nennt die Fotokünstlerin ihr Projekt, mit bewusstem Verweis auf dadaistische Traditionen. Schon 1999 erstellte Eva Horstick-Schmitt Anzüge mit Frauengesichtern, Fotoarbeiten und ließ diese zur Eröffnung des Coloneums Köln von zwei Models vorführen.

„Modelwahn zum Quadrat!“ Eva nahm die Barbies mit auf Reisen, veränderte ihr Gesicht und machte sie zu einer Begleiterin als Mahnmal für unseren Schönheitswahn zum Quadrat.

In der Galerie Camera Obscura präsentierte sie 2009 und 2008 ihre Barbiepuppenfotografien neben ihren Reportagen aus dem Kosovo zum Thema Menschenhandel, stellte Rauminstallationen auf mit Videos, Modemagazinen,

Zeitungsausschnitten von Opfern und dem Torso einer gequälten Puppe – als Stimme gegen Krieg und Gewalt, sowie mit Paketband auf den Boden geklebte schwarz-weiß Fotografien von Opfern und Massengräbern.

Sie scheute sich nicht die Besucher*innen der Galerie auf diese Weise auf die Greultaten und Grausamkeiten in Kriegs- und Krisengebieten aufmerksam zu machen. „Eva – jenseits von Eden“ nannte sie diese Serie.

Prof. Dr. Claudia Rademacher

 

 

 

 

 

mehr

18.07.2019 Heiner Meyer – OH, LÀ LÀ

GFDK - Werk der Woche

Schon 2013 war Heiner Meyer bei der GFDK - Werk der Woche. Nun sieben Jahre weiter, wurde er nochmals von der GFDK-Redaktion ausgewählt. Vorzeige-Maler der deutschen Post-Pop-Art Heiner Meyer weckt in der Augsburger GALERIE NOAH Begierden und führt diese zugleich ad absurdum.

Porsche, Prada und Escada, geliftete Beauties und frohlockendes Softeis, Schönheit satt, prall und geballt bringt Heiner Meyer auf Leinwand wie auf den Punkt; Begierde, Gier, Begehrlichkeit weckt und stillt der Vorzeige-Maler der deutschen Post-Pop-Art auf einen Streich – und eröffnet gekonnt bis perfekt die perfiden Spiele um Schein und Sein in der Arena der Augsburger GALERIE NOAH.

„OH, LÀ LÀ!“ ist seine aktuelle Ausstellung dort im Glasplast betitelt, die einmal mehr die stilistische Raffinesse des Bielefelder Künstlers vor Augen führt.

Routiniert und ausgefeilt setzt er in surrealer bis fotorealistischer Manier die Symbole von Luxus und Lifestyle zusammen und weiß zeitgleich geschickt zu konterkarieren: bleibt einem die eisige Kalorienbombe beim Anblick der schlanken Silhouette im Vordergrund im wahrsten Sinne im Halse stecken.

Doppelbödig ist die Kunst von Meyer allemal, verziert mit reichlich Anspielungen an die Vergänglichkeit, mit Kritik am Jugend- und Schönheitswahn, am Wert der Ware heute, die indes dezent, ja, skurriler Weise ästhetisch daher kommt und sich nicht unbedingt aufdrängt.

Die 40 neuen Ölbilder, Papierarbeiten, Bronzeplastiken und Objekte in der GALERIE NOAH bedienen die weiblichen wie die männlichen Sehnsüchte und changieren facettenreich hin und her zwischen tragikomischer Ikon- und Ironisierung:

Diese machen die malerischen Kommentare Meyers auf der echten Louis-Vuitton-Tasche dem angepassten Modeblogger einen poppigen Strich durch die Rechnung; strahlen die makellosen Gesichter in Öl auf Leinwand nunmehr aus dem OP-Verband; und stellt Minnie Mouse in skulpturaler Monumentalität das Schönheitsideal per se wie stante pede in Frage. Schön, schön schräg, Satire auf Pop-Art.

„Heiner Meyer – OH, LÀ LÀ!“ in die GALERIE NOAH im Augsburger Glaspalast

am Donnerstag, 18. Juli 2019, um 19 Uhr; der Künstler ist anwesend.

mehr

11.07.2019 Wasser ist der Ursprung allen Lebens

GFDK - Werk der Woche - Helge Baumgarten

Ein Moment, den jeder kennt und schon einmal erlebt hat. Wenn sich der Kopf langsam unter Wasser senkt bis die Augen auf Höhe des Wasserspiegels sind, der den Blick teilt und man buchstäblich zwischen den Welten schwebt. Unten die Stille des Meeres, oben das ganze Diesseits der Welt, Wind, der Wellen kräuselt, Sonnenstrahlen, Licht.

Giuseppe Gonella nennt das Bild, das diesen Moment festhält Unter the Skin of the Sea, und in ihm ist das Thema der Ausstellung gefasst: De aeterno reditu, von der ewigen Wiederkehr.

Wasser ist der Ursprung allen Lebens, und so ist es bezeichnend, dass unter jener Haut in Form von fluoreszierenden Partikeln, die als Kleinstlebewesen den Beginn der Evolution darstellen, Lebendigkeit pulsiert, während gleichzeitig in der sich aus demselben Wasser erhebenden diesseitigen Ferne die Insel Pontikonisi abzeichnet, vermutlich das Vorbild zu Arnold Böcklins Die Toteninsel.

Zeit, Leben, Tod und Neubeginn

Die großen Urthemen Zeit, Leben, Tod und Neubeginn, die Gonella in jedem seiner Bilder verhandelt, sind der kontextuelle Bezug, der die Ausstellung zusammenhält und sie zu einem Ganzen gestaltet. Ausgangspunkt seiner Betrachtungen ist die direkt auf die größte Galeriewand aufgetragene Wandmalerei, die eine monumentale Ruinenlandschaft zeigt:

Umgestürzte Säulen, Jahrhunderte alte Zeugen, die bereits alle Bilder der Lebenserzählung gesehen haben, die in den Gemälden aufgefächert wird. Auch jene Bilder, die diese Lebenserzählung bis zu ihrem Ende noch bereithalten wird, werden sie begleiten. Vom Wandgemälde eingefasst sind zwei kleine Leinwände:

Dem Guardian of the Sun, einem gelben Vogel, der mehrfach in den Bildern auftaucht, ist der Guardian of the Night entgegen gesetzt, eine unheimliche, in sich ruhende Figur ohne Gesicht, umhüllt von einem verzerrten Schachbrettmuster.

Es wundert nicht, dass Giuseppe Gonella auf das Schachspiel verweist, Paraphrase auf die Gesellschaft zugleich, auf Partien um Leben und Tod, um das Dunkle der Nacht zu versinnbildlichen.

Solche Gegensätze, wie sie sich in Unter the Skin of the Sea andeuten, finden sich im Zusammenspiel der Gemälde häufiger. Jeder dieser Gegensätze lädt dazu ein, sich seinem Spannungsfeld auszusetzen.

Hier eine stillende Mutter, Sinnbild der Lebensspenderin, doch eine Art Cyberkreatur, dort die Andeutung des mythischen Fabelwesens Ouroboros, das sich selbst genügt: "Allem Zukünftigen beißt das Vergangene in den Schwanz".

Eine trostlose Endzeitlandschaft

In einem anderen Gemälde, Reassuring Horizons, schreitet eine in ein transparentes Regencape gewandete Gestalt durch eine trostlose Endzeitlandschaft, während sich in Sunny Side Up mehrere Menschen in paradiesischer Nacktheit um einen mächtigen Baumstamm gruppieren.

Einer DNA gleich durchziehen neonfarbene Leuchtspuren die Bilder, die Erinnerungen und Emotionen evozieren. Manchmal erwachsen aus diesen Linien grelle Flächen, Farbfragmente, die zusammengesetzt den Grund ergeben, auf dem Gonella Figuratives zumeist nur andeutet.

Die Menschen in seinen Bildern sind selten komplett ausgearbeitet, stattdessen sind sie häufig sich selbst überlappend und durchscheinend dargestellt, wie in den beiden Gemälden In the Same Breath #1 und #2, als seien sie nicht wirklich gegenwärtig, sondern im Übergang zwischen den Zeiten begriffen.

So vereinen die meisten Bilder Giuseppe Gonellas mehrere Momentaufnahmen, die zeitlich nicht zu fassen sind. Dieses Wechselspiel aus Endlichkeit und Unendlichkeit erweitert das Spannungsfeld der inhaltlichen Gegensätze um eine apokalyptische Dimension

In seinen Bildern gibt es ein Überleben

Stellvertretend für den Betrachter ist es der Hofnarr in Portrait of the Court Jester Gonella – Tribute to Jean Fouquet, der sich der Wucht dieser Bilder aussetzt, und dem der Schrecken buchstäblich ins bleiche Gesicht gezeichnet ist.

Es ist – wie auch in Mente locale, wieder eine verstörende Landschaft – kein gutes Ende, das Gonella andeutet, und es fällt nicht leicht, sich dem zu stellen.

Einziger Trost: In seinen Bildern gibt es ein Überleben, auch wenn es nicht das der Menschheit zu sein scheint.

Man wünscht sich zurück unter Wasser, Under the Skin of the Sea, in die traumverlorene Stille mit ihren bunten, pulsierenden Partikeln, aus der das Leben entsteht, in der Hoffnung, dass die Evolution einen anderen Weg einschlägt und sich die friedliche, paradiesische Vision, die Giuseppe Gonella ebenfalls darzustellen vermag, durchsetzt.

© Helge Baumgarten, Berlin

Giuseppe Gonella – De aeterno reditu, Malerei

Egbert Baqué Contemporary Art

Fasanenstraße 37

10719 Berlin

 

mehr

09.06.2019 Mensch Macht Maschine

GFDK - Werk der Woche

Mensch Macht Maschine - Nik Nowak präsentiert - „DELETHE“

Nik Nowak ist Künstler, Musiker und Kurator. Seine medienübergreifende künstlerische Arbeit befasst sich häufig mit der Wirkung von Sound, so wie mit der Rolle von Soundsystemen als kulturelle Transmitter oder akustische Waffen. Soundobjekte wie „Mobile Booster“, „Panzer“ und die „Echodrohnen“ verschafften ihm weltweite Aufmerksamkeit.

Neben seiner Ausstellungstätigkeit geht er dem Phänomen der mobilen Soundsysteme seit Jahren auch wissenschaftlich nach und hält Vorträge zu diesem Thema. Außerdem tritt er regelmäßig mit Live- und DJ-Sets alleine oder mit seiner Band Schockglatze als Musiker auf.

Das Langzeitprojekt DELETHE wurde 2012 als Projekt des Künstlers Nik Nowak, des Rechtsanwalts Philipp Brandt und des Kurators Peter Lang (✝) gegründet.

2014 kamen die Kommunikationsdesigner VERBALVISUAL als Kollaborateure hinzu. DELETHE befasst sich mit der Frage nach dem Umgang und der Löschung von Daten nach dem Tod.

Es ist Forum, Selbstversuch und Service zugleich und möchte den aktuellen Stand der Rechtslage mit der praktischen Umsetzbarkeit von Löschung persönlicher Daten nach dem Tod abgleichen.

Mit dem Tod eines Menschen ergeben sich persönliche und rechtliche Fragen zum Umgang mit den Daten in der virtuellen Realität. Profile in den sozialen Netzwerken, Avatare, Accounts bestehen weiter.

Wem gehören die Daten nach dem Ableben, gibt es einen Rechtsanspruch auf Löschung und was bedeutet der Kontrollverlust über die Daten? Gibt es ein Recht auf das Vergessenwerden?

In der begehbaren Installation DELETHE spielen künstlerische Reflektionen zum Wandel unserer Zeit sowie das Verhältnis konkreter zu virtueller Realität in Bezug auf die Speicherung und Löschung von Daten, Vergessen und Archivieren eine Rolle.

Nowak (*1981 in Mainz, lebt in Berlin) studierte von 2002 bis 2007 Kunst an der Universität der Künste, Berlin, war Meisterschüler von Prof. Lothar Baumgarten und besuchte 2007 die Bildhauerklasse von Xiang Jing an der Shanghai Normal University.

2007 wurde ihm das Georg-Meistermann-Stipendium verliehen. 2014 kuratierte er in Zusammenarbeit mit dem Museum Marta die internationale Ausstellung „BOOSTER Kunst Sound Maschine“ und wurde mit dem GASAG Kunstpreis ausgezeichnet, der herausragende künstlerische Position an der Schnittstelle von Kunst, Wissenschaft und Technik ehrt.

Begleitprogramm

Künstlergespräch am Freitag, 06. September 2019 um 18:00 Uhr

Städtische Galerie Wolfsburg

Im Anschluss um 20:00 Uhr Filmvorführung im Hallenbad – Kultur am Schachtweg

„WAR of ART“ mit Nik Nowak als Gast

Im Gespräch gibt der Künstler Auskunft über seine Reise nach Nordkorea und die Hintergründe zum Film.

 

mehr

03.06.2019 Einfluss der Pop Art

GFDK - Werk der Woche - Angelika Blaeser

Nina Nolte, geboren 1957 in El Salvador, beschwört mit ihren Licht durchfluteten Swimmingpool-Bildern den immerwährenden Sommer herauf. Leuchtendes, klares Wasserblau bildet die Folie für Szenerien, die auf den ersten Blick Schnappschüssen aus einem Urlaubsalbum gleichen.

Malerei von Nina Nolte

Die Malerei der aktuell in Düsseldorf lebenden Künstlerin ist fotorealistisch, der Einfluss der Pop Art vor allem an der satt leuchtenden Farbpalette unverkennbar. Fotografien sind das Ausgangsmaterial für ihre Bilder, jedoch folgen die Kompositionen einer eigenen, innerbildlichen Logik, die auf absolute Stimmigkeit aller Elemente zielt.

Das überraschende Resultat ist eine Wirklichkeit, die auf minutiöse Hyperrealismen verzichtet und doch die Schönheit des Körpers, seine Würde und Eleganz darstellt oder Momente reiner Lebensfreude spiegelt (Pool-Paintings). 

The best is yet to come, das Titel gebende Bild der Ausstellung, ist Teil einer Serie von Arbeiten, die Frauen mittleren Alters zeigen, im Wasser stehend, rauchend, plaudernd, sich schminkend, die einfarbigen oder ornamental gemusterten Turbane kunstvoll um den Kopf gewunden. Die Frauen sind mit sich beschäftigt, schauen den Betrachter nicht an, feiern sich selbst, stolz und in sich ruhend.

Nina Nolte Biografie

Ausbildung  

1957 geboren als Kind deutscher Eltern in San Salvador, El Salvador

1959 – 1964 Übersiedelung nach Deutschland und Einschulung in die Grundschule in Mannheim/ Feudenheim

1964 – 1972 Umzug nach Barcelona, Grundschule und Gymnasium an der Deutschen Schule Barcelona

1972 – 1976 Fortsetzung der Gymnasialzeit am Max Planck Gymnasium in Ludwigshafen am Rhein, Abitur

1976 1976 – 1991 Deutsche Lufthansa, Frankfurt am Main und München, erste Arbeiten auf Papier mit Acryl- und Aquarellfarben, autodidaktischer Erwerb der Maltechniken, erste Ausstellung

1991 - 1997 freiberufliche künstlerische Tätigkeit in München, erste Ausstellung in einer Galerie

1991 1997 – 2010 Übersiedelung nach Andalusien, San Pedro Alcántara, und zunehmend großformatige Arbeiten mit Acryl auf Leinwand, Weiterentwicklung zur gegenwärtigen künstlerischen Position

Einzelausstellungen  

1991 - 1993 Galerie Inter Art/ München

1992 Galerie am Theater, Aachen

1994 Galerie Art Forum/ Mexico City

         Galerie Perplex/ Berlin

1995 Galerie Espace Suizze/ Strasbourg Haupthaus von Mercedes-Benz/ Berlin

1996 University Club/ Washington D.C.

         Art Trust International Gallery/ Sarasota, Florida

1997 Fabien Fryns Gallery/ Marbella

         Mercedes-Benz/ Dresden

1998 vier Wanderausstellungen mit der Diputación de Málaga, Área de Cultura y Educación (der Abteilung für Kultur und Erziehung der Provinzregierung von Malaga) in Fuengirola, Antequera, Pizarra und Casabermeja Galerie Rina Bouwen/ Madrid

1999 Galerie Art Forum/ Mexico City

         Galerie Minkner/ Palma de Mallorca

2000 Galerie Espacio/ San Salvador (El Salvador)

2002 Art Seasons Gallery/ Singapur

2003 Pablo Goebel Fine Arts/ Mexico City

         Galerie Espacio/ San Salvador (El Salvador), Portrait für die Gattin des

         salvadorenischen Staatspräsidenten

(1999 – 2004) Francisco Guillermo Flores Pérez Art Thiess/ München

2004 Thomas Punzmann Gallery/ Marbella

2006 Galerie Carmen del Campo/ Cordoba Art Thiess/ München

2007 Sara Nightingale Gallery/ Water Mill, Long Island NY

          Casino de Marbella

2009 Sara Nightingale Gallery/ Shelter Island NY

          Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

          Thomas Punzmann Gallery/ Marbella

 

Gruppenausstellungen (Auswahl ab 2008)

2008 Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

         Galerie Elizabeth Budia/ Barcelona

         Sara Nightingale Gallery/ Water Mill NY

         Art Thiess/ Muenchen

         Berliner Liste, mit Thomas Punzmann

         Gallery MIArt/ Mailand, mit Galerie Jorge Alcolea

         Bridge Art Fair/ New York, mit Galerie Jorge Alcolea

2009 Janine Bean Gallery/ Berlin

         Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

         Berliner Liste/ Berlin, mit Thomas Punzmann Gallery

2010 Galerie Angelika Blaeser, Duesseldorf

          Galerie Jorge Alcolea/ Madrid

          Rivera & Rivera Gallery/ Los Angeles

          Anya Tish Gallery, Houston

          Janine Bean Gallery/ Berlin

          PAN Amsterdam, mit Willem Kerseboom

         Gallery Berliner Liste, mit Thomas Punzmann

         Gallery Hot Art Fair/ Basel, mit Thomas Punzmann

         Gallery Art Antique/ Utrecht, mit Willem Kerseboom

         Gallery ART Amsterdam, mit Willem Kerseboom

         Gallery ART-Fair 21, mit Thomas Punzmann Gall

Galeriekontakt:

Galerie Angelika Blaeser

modern & contemporary art

Bastionstr. 10

40213 Düsseldorf

+49 (0)211 877 44 582

+49 (0)172 977 44 00

info@remove-this.galerie-angelika-blaeser.de

 

Öffnungszeiten: Di. – Fr. 11 – 18 Uhr, Sa. 11 – 15 Uhr, sowie nach Vereinbarung

mehr

03.06.2019 das wesen der natur

GFDK - Birgit Enge

Seine Leidenschaft gilt den Bergen: Peter Mathis, geboren 1961, lebt in Hohenems, wenn er nicht gerade an den unterschiedlichsten Orten der Welt fotografiert. Seit 1986 gilt er vor allem als Spezialist für atemberaubende und naturgetreue Sport- und Outdoor-Bilder, vom Klettern über Schi bis zu Motorsport.

Zahlreiche internationale Firmen wie Adidas, HellyHansen, Red Bull, Daimler Benz, Lufthansa oder auch die Österreich Werbung zählen zu seinen Kunden. Viele Magazine und Werbeagenturen weltweit setzen ebenfalls auf die außergewöhnlichen Fähigkeiten und die strikte Philosophie des Peter Mathis.

Seit 1998 gewann er verschiedene Auszeichnungen bei Wettbewerben und Festivals von Kanada bis Italien. 2007 wurde ihm in Schweden der Titel eines Hasselblad Masters verliehen. 2008 zeichnete ihn die Vereinigung der Europäischen Berufsfotografen in Belgien zum Master of European Photography aus.
 

Mehr als ein Dutzend Bücher hat der Vorarlberger bisher veröffentlicht, sein jüngstes Werk „Visual Dualism – Dolomites“ wird im Rahmen der Ausstellung im Atelier Jungwirth erstmals vorgestellt. In Graz werden vor allem die Naturfotografien aus den Dolomiten zu sehen sein, die Peter Mathis in den Jahren seit 2009 speziell für dieses Buch aufgenommen hat.

Die Dualität von hell und dunkel, Linien, Strukturen, Licht und Schatten ist einzigartig; bei Mathis wird nichts dem Zufall überlassen.

Peter ist kein Jäger des ‚schönen Motivs’, nicht auf der Suche nach der dekorativen Szenerie oder dem spektakulären Moment. Ihm geht es stattdessen um den Kern der Natur, um ihr Wesen und ihre Schönheit, die sich in jedem Detail offenbaren kann – wenn man es nur richtig zu sehen vermag“, schreibt die Kunsthistorikerin Christiane Schmieger.


Ein Bild ist bei Peter Mathis folglich nicht einfach die Wiedergabe eines Augenblicks, sondern das Ergebnis einer sorgfältigen Auseinandersetzung mit Motiv, Licht und Umgebung. Spätere Eingriffe mit dem Computer oder banale Effekthascherei lehnt der Fotograf explizit ab.

Wenn er Sportler fotografiert, so achtet er stets darauf, dass die Natur nicht zu Schaden kommt. Neben den Landschaften werden Portraitaufnahmen immer wichtiger in seinem Werk. Auffallend auch ein immer stärkeres Faible für Schwarzweiß-Bilder.

Birgit Enge, Atelier Jungwirth, Opernring 12, A-8010 Graz. Tel. +43/(0)316-815505 - mail@atelierjungwirth.com, www.atelierjungwirth.com
 

mehr

03.06.2019 Hund, Katz und Maus

GFDK - Werk der Woche

Geliebte Gefährten - Künstlerin Anne Kückelhaus stellt Herrchens bester Freund und Frauchens Schmusekatze – unser aller Lieblinge -in den Mittelpunkt ihres künstlerischen Schaffens. Zu sehen sind die tierischen Installationen aktuell im Kunstverein Trier.

Geschichten, die ich in meinen Arbeiten erzähle, haben ihren Ursprung im täglichen Leben -
die kleinen Komödien und Tragödien des Alltags werden in ihrer Überführung in eine Skulptur oder Installation bisweilen kritisch, immer aber humorvoll kommentiert.


In der Überzeichnung der Figuren und der Neuordnung ihres Kontextes, zeigen meine Arbeiten ihre erzählerische Kraft.

[…] Das gemischte Material wie auch die reduzierte Oberflächengestaltung korrespondieren mit [Anne Kückelhaus‘] Hang zur Abstraktion, und es ist der Künstlerin nie um naturalistische Abbildlichkeit zu tun: Die keramischen Kückelhaustiere haben kein Fell, kein Gefieder - oft nicht einmal die Andeutung eines solchen - es sind gespachtelte, geknetete Oberflächen; plastisch ja, körperlich anwesend, aber haptisch nicht greifbar. Und ganz bestimmt: Kein Streichelzoo.


Überhaupt hat man vor Kückelhaus’ Skulpturen den Eindruck, sie wollten stets auf ihr Ursprungsmaterial hinweisen, auf den formbaren Ton - so als besäßen alle Wesen, aber eben auch die Gegenstände noch metamorphotisches Potential; wenn nicht aus sich selbst heraus, dann doch unter den Händen ihrer Schöpferin, so als könnten sie sich jederzeit in etwas völlig anderes verwandeln. […]

Durch das Arrangement der Einzelkomponenten provoziere ich bewusst die Projektion menschlicher Eigenschaften auf die Tiere und Situationen und spreche die Empfindungen des Betrachters gezielt an, so dass die vom Tier gezeigten Handlungen und Verhaltensweisen doch auch zugleich vom Menschen erzählen.

[…]Es ist grundsätzlich einer der spannenden Züge an der Kunst von Anne Kückelhaus, dass sie – mal offensichtlich, mal unterschwellig - einen starken Zug ins Narrative aufweist.

Und zwar dergestalt, dass nicht etwa in Bildern und Figuren Geschichten erzählt werden, sondern dass wir Motiven begegnen, die Erzählerisches, aufs höchste verdichtet, im Keim enthalten: Wir müssen sie nur noch mit dem Wasser unserer Phantasie begießen, um Geschichten daraus sprießen zu lassen. […]

In meinen Arbeiten konfrontiere ich den Betrachter mit bekannten und doch unerwarteten Bildern. Vertraut Geglaubtes wird zum Denkanlass, in der Reflexion werden individuelle Sichtweisen vielfach beleuchtet, divergente Sichtweisen durchgespielt, vielleicht Verbindendes gefunden und so Geschichten erzählt/gefunden.

Kunst von Anne Kückelhaus

Ich präsentiere meine Figuren häufig in installativen Zusammenstellungen. Dabei finden unterschiedliche Materialitäten in meinen Arbeiten zusammen (Keramik, Textil, Zeichnung, …) und erweitern die meist keramische Grundkomponente.

Jedes Material mit seinem erzählerischen Potential wird ein wichtiger Bestandteil der Gesamtarbeit – so nutze ich beispielsweise in der Arbeit „Verkündung“ fluoreszierende pinke Sprayfarbe zur Verstärkung des Ausdrucks der tierischen Aggression.

Neben dem erzählerischen Zusammenspiel der unterschiedlichen Materialien, trägt auch der Präsentationsraum mit seiner eigenen Geschichte, seinen architektonischen Besonderheiten und seiner Stimmung zur Gesamtwahrnehmung meiner figürlichen Arbeiten bei.

Diese werden vielfach für bestimmte Orte entwickelt, oder in ihrer Ausarbeitung und Präsentation an gegebene Raumsituationen angebunden. Ausstellungen folgen oftmals einem übergeordneten Thema – die Geschichten der Einzelarbeiten ergänzen sich und verflechten sich so zu einem größeren Gesamtbild.

Kursiv: Auszüge aus: Dr. Stephan Trescher: „Frei & Wild“

Ausstellung in Trier

Die Arbeit von Anne Kückelhaus war bis 2018 im Kunstverein Trier zu sehen:

Anne Kückelhaus, Geliebte Gefährten, 2. 12. 2017 bis 13. 1. 2018

mehr

24.05.2019 Europa als todkranke Patientin

GFDK - Werk der Woche

Unser Ziel ist es, dass Europa einmal ein großes, gemeinsames Haus für die Europäer wird, ein Haus der Freiheit. Konrad Adenauer

Brexit, Geflüchtete, zunehmender Nationalismus, die EU droht auseinanderzubrechen. Die Düsseldorfer Künstlerin Johanna Wiens, Schülerin von Jörg Immendorff und Meisterschülerin der Kunstakademie Düsseldorf, hat ein Kunstwerk geschaffen, mit dem sie ihre Sorge um die europäische Gemeinschaft ausdrückt. In ihrem Gemälde Aneurysma zeigt sie Europa als todkranke Patientin, die gerade operiert wird.

Mit ihrem Bild will Johanna Wiens eindringlich dazu aufrufen, am kommenden Sonntag zur Europawahl zu gehen. Unser gemeinsames Europa steht für Werte wie Freiheit, Rechtstaatlichkeit und Solidarität. Die dürfen wir unter gar keinen Umständen aufs Spiel setzen, betont die gebürtige Polin.

Angesichts des Machtzuwachses nationalistischer Parteien in vielen europäischen Ländern plädiert die Künstlerin für eine vernünftige Entscheidung in der Wahlkabine: Wir sollten nicht zulassen, dass sich Kräfte, die strikt gegen die EU sind, im Europaparlament durchsetzen. Das wäre so, wie wenn ich mich von Ärzten operieren lasse, denen es nicht um meine Gesundheit geht.

Johanna Wiens, geb. 1976, studierte an der Kunstakademie Düsseldorf als Schülerin von Jörg Immendorff und Meisterschülerin von Gerhard Merz.

Sie lebte nach dem Studium einige Jahre in China, Taiwan und Japan und beschäftigte sich mit den dortigen Geistes - und Kulturformen. Seit ihrer Rückkehr beschäftigt sie sich mit der geschichtlichen und europäischer Identität.

 

mehr
Treffer: 129