Exklusive Interviews mit interessanten Menschen

18.11.2022 Valentina Ultsch im Interview

GFDK - Interviews und Portraits

Jung, kreativ und motiviert: Vor wenigen Wochen ist die Tochter von harry’s home Gründer Harald „Harry“ Ultsch offiziell in den Familienbetrieb eingestiegen. Neben seinen Söhnen Florian und Fabian, hält nun auch Valentina Ultsch eine wichtige Unternehmensposition inne:

Mit gerade einmal 26 Jahren übernimmt die BWL-Absolventin die Leitung im Bereich Human Resources der gesamten Harry’s Home Holding AG mit Firmensitz in Innsbruck.

Dazu gehören insgesamt 250 Mitarbeiter der harry’s home hotels & apartments sowie der Innsbrucker Häuser ADLERS Lifestyle-Hotel und Hotel Schwarzer Adler.

Im Interview erzählt uns die junge Tirolerin, was ihr am Personalwesen besonders gut gefällt, welche langfristigen Ziele sie für das Unternehmen anstrebt und warum die Zusammenarbeit innerhalb der Familie so unkompliziert ist.

Nach deinem BWL-Studium in Wien bist Du vor wenigen Wochen in leitender Funktion in Euren Familienbetrieb eingestiegen – mit gerade einmal 26 Jahren. Welche Position hast Du übernommen?

Valentina Ultsch: Ich habe die Leitung Human Resources sowohl bei den harry’s home hotels & apartments als auch bei den Innsbrucker Häusern ADLERS Lifestyle-Hotel und Hotel Schwarzer Adler übernommen.

Das betrifft aktuell insgesamt 250 Mitarbeiter der gesamten Harry’s Home Holding AG, nächstes Jahr werden es 300 sein. Ich bin übrigens nicht unmittelbar nach dem Studium in unseren Familienbetrieb eingestiegen.

Was hast Du stattdessen gemacht und wieso hast Du Dich für einen späteren Einstieg entschieden?

Direkt nach dem Studium wäre es einfach zu früh gewesen. Ich wollte lieber noch ein bisschen Praxiserfahrung in anderen Firmen sammeln, um zu sehen, wie es anderswo läuft.

Das habe ich schließlich knapp drei Jahre lang in Graz gemacht. Zuerst war ich dort bei Iventa – The Human Management Group, dann bei epunkt tätig – jeweils in der Personalberatung.

Warum hast Du Dich für den Bereich Human Resources entschieden? Was gefällt Dir daran am meisten?

Mein Interesse dafür habe ich während eines Management Trainees in unserem Betrieb entdeckt. Ich durfte dabei mehrere Positionen durchlaufen und alle Abteilungen kennenlernen.

Zu der Zeit hatten wir eine tolle Mitarbeiterin im Bereich Human Resources, die mir gezeigt hat, wie kreativ das Gebiet sein kann, z. B. hinsichtlich Employer Branding oder Recruiting. Die Abwechslung und der permanente Austausch mit Menschen macht mir sehr viel Spaß.

Was sind Deine langfristigen Ziele in dieser Position und wie stark ist dabei auch Deine Familie involviert?

In unserem Betrieb leben wir das Motto „We all are family“, das direkt aus unserer Familie hervorgeht. Mein Ziel ist es, diesen Slogan auch wirklich zu verinnerlichen – egal wie groß wir als Unternehmen sind.

Das soll nicht nur eine schöne Maske nach außen sein, sondern innendrin auch richtig gelebt werden. Das ist mir extrem wichtig.

Und was für Pläne hast Du konkret für den HR-Bereich?

Langfristig haben wir den Traum ein Baukastensystem für Jobprofile zu erstellen. Das Ganze soll „Create your job“ heißen, angelehnt an unseren Claim „Create your stay“.

Dabei sollen sich künftige Mitarbeiter ihre Jobprofile selbst nach ihren Stärken zusammenbasteln können. Wir haben bereits die Größe und Flexibilität, dass wir damit spannende Stellen ausschreiben können.

Hast Du schon vor Deinem offiziellen Einstieg ins Unternehmen mitentscheiden dürfen oder lag das bisher eher beim Rest der Familie?

Also mitgeredet habe ich immer (lacht). In unserer Familie herrscht eine sehr offene Gesprächskultur. Es wird natürlich auch im privaten Umfeld viel über das Geschäft gesprochen und gerade größere, strategische Entscheidungen untereinander besprochen.

Meine Eltern legen großen Wert darauf, die Meinung aller einzuholen und gleich abzuwägen. Bei ein paar externen Terminen, etwa in Wien, wo wir viele Partner haben, durfte ich zuletzt schon dabei sein und z. B. mitentscheiden, wie die künftigen Designgenerationen in unseren Hotels aussehen werden.

Du bist die Jüngste in Eurer Familie, die aktiv in den Betrieb eingestiegen ist. Hast Du das Gefühl, dass es Nachteile mit sich bringt als letzte dabei zu sein?

Ich hatte anfangs schon die Befürchtung, dass ich im Nachteil sein könnte, denn der Altersunterschied zu meinen beiden älteren Brüdern ist relativ groß. Mittlerweile glaube ich, dass das sogar ein Vorteil ist.

Bei uns gibt’s keinen Konkurrenzkampf aber natürlich kann es auch mal krachen, das gehört dazu. Mit meinen neun Jahren Unterschied zu Florian zählt dieser nämlich schon zu einer anderen Generation, da kann man schon mal anderer Meinung sein. Genau das ist aber auch das Schöne:

Unser Vater ist sehr offen und möchte immer wissen wie unterschiedliche Altersgruppen denken und unsere Mutter legt großen Wert darauf, dass wir miteinander reden und gemeinsam Spaß haben. Am Ende finden wir stets einen Konsens, mit dem alle innerhalb der Familie zufrieden sind. 

Interview: Natalie Schneider/AHM

mehr

27.10.2022 Was gehört zum idealen Sauna-Erlebnis dazu?

GFDK - Interviews und Portraits

In der Therme Meran im Herzen der Südtiroler Kurstadt können Urlauber auch während der erkältungsanfälligen Herbst- und Wintermonate Gutes für sich tun: Neben 15 zum Teil mit dem gesunden Thermalwasser des Vigiljochs befüllten Indoor-Pools gibt es auch eine 2.200 Quadratmeter große Saunalandschaft.

Fünf Schwitzkammern, ein Schneeraum, mehrere Kaltwasserbecken, diverse Ruhezonen sowie ein uneinsehbarer Außenbereich stehen Gesundheitsbewussten dort zur Verfügung. Pünktlich zum Beginn der Weihnachtszeit Ende November 2022 wird zudem das neue Honig-Dampfbad eröffnet.

Warum man nur vor und nach, aber nicht während des Saunagangs trinken sollte, was präventiv gegen Erkältungen hilft und weshalb Schlappen an den Füßen ein No-Go sind, verrät Bereichsleiter Christian Pixner (48) von der Therme Meran im „How to Sauna“-Interview.

Herr Pixner, erklären Sie uns bitte kurz die unterschiedlichen Saunen der Therme Meran?

Wir haben in der Therme Meran zwei klassische finnische Saunen, in der Großen im Außenbereich finden auch regelmäßig Aufgüsse statt. Die Aufenthaltsdauer sollte bei acht bis maximal 15 Minuten pro Saunagang liegen.

In unserer Bio-Heu-Sauna halten es Besucher in der Regel etwas länger aus, zehn bis 20 Minuten sind ideal. Unsere beiden Dampfbäder arbeiten unter anderem mit Bio-Kräutern und sind die ideale Vorbereitung für höhere Temperaturen.

Es wird gerade umgebaut im Saunabereich der Therme Meran. Was genau passiert da?

Neu hinzukommen wird im Dezember 2022 das Honig-Dampfbad mit dem Duft nach Südtiroler Honig, angenehmer Musik und Bienensummen. Außerdem soll es Honig-Aufgüsse und -Peelings geben. Die Architektur ist dem Inneren einer Bienenwabe nachempfunden.

Der eine verträgt Hitze besser, der andere schlechter. Welche Sauna ist also für wen geeignet?

Jenen, die Hitze gut vertragen, empfehlen wir die finnische Sauna mit 90 bis 100 Grad und 10 Prozent Luftfeuchtigkeit. Hitzeempfindliche werden sich in der Bio-Heu-Sauna wohler fühlen.

Sie kommt mit kreislaufschonenden 45 bis 60 Grad auf etwa halb so viel Temperatur, wartet stattdessen aber mit einer Luftfeuchte von 30 bis 50 Prozent auf. In den Dampfbädern herrschen ebenso angenehme 42 bis 45 Grad und 100 Prozent Luftfeuchtigkeit.

Was gehört zum idealen Sauna-Erlebnis dazu?

Die Empfehlung vor dem ersten Saunagang lautet: viel trinken, keine schweren Mahlzeiten zu sich nehmen und unbedingt duschen. Zudem sollte man in körperlich guter Verfassung sein, bei eventuellen Unklarheiten ist im Vorfeld ärztliche Abklärung erforderlich.

Nach jedem weiteren Saunagang duschen Profis erneut, nutzen ein Kaltbecken oder den Schneeraum und legen anschließend eine etwa 20-minütige Pause ein – in einem unserer Ruheräume oder auf einem der Wasserbetten unterm Sternenhimmel.  

Damit der Körper die vorab aufgenomme Flüssigkeit zuerst vollkommen ausschwitzen kann, sollte man erst wieder nach dem Saunagang viel trinken.  

Für alle Sauna-Novizen, deren Kreislauf noch nicht an den Wechsel zwischen Wärme und Kälte gewöhnt ist: Was empfehlen Sie dem, der die Therme Meran erstmals besucht, sich aber gleich mal das Tagesticket für den Saunabereich gelöst hat?

Wichtig für Sauna-Novizen ist eine milde Temperierung wie in der Heu-Sauna. Dort sollte man sich nah an den Eingang und auf die unteren Stufen setzen, um gegebenenfalls schnell zurück an die frische Luft zu gelangen.

Das Wichtigste bei allen Saunagängen ist immer, auf seinen Körper zu hören. Denn nicht jeder Tag ist gleich und nicht jeden Tag verträgt man Hitze gleich gut.

Für viele sind Nacktbereiche Zonen, in denen sie sich unwohl fühlen. Andererseits gelten Handtücher und Co. in den meisten Saunen als unhygienisch. Gibt es eine Art Sauna-Knigge und könnten Sie kurz erläutern, was gar nicht geht?

Handtücher sind deshalb nicht erlaubt, weil sie im Inneren der Sauna schädlich für die Gesundheit sind. Die Poren müssen sich während eines Saunagangs öffnen können. Ist der Körper mit einem Handtuch bedeckt, kann dies nicht erfolgen.

Grundsätzlich gilt: Man sollte aus hygienischen Gründen immer barfuß in die Sauna gehen, aus Respekt gegenüber anderen Gästen wenig und leise sprechen sowie Peelings nur in der Dampfsauna verwenden.

Warum ist Saunieren eigentlich so gesund?

Saunieren stärkt Immunsystem, Herz sowie Kreislauf und fördert das Wohlbefinden. Da Schwitzen die Haut kräftig durchblutet und mit reichlich Sauerstoff und Nährstoffen versorgt, wird die Haut am ganzen Körper rosig und straff, wobei Frauen später schwitzen als Männer.

Aber auch Geübten empfehle ich maximal drei Saunagänge. Wer mehr macht, muss das selbst verantworten. Denn gesund ist das nicht.

Und wie oft müsste man regelmäßig saunieren, damit sich der Gesundheits-Effekt überhaupt bemerkbar macht?

Wir empfehlen ein bis zwei Saunabesuche pro Woche, jeweils mit zwei bis drei Saunagängen.

Angenommen ich möchte mir selbst ein Sauna-Präventivprogramm gegen Erkältungen gestalten: Wie könnte ein solcher Plan aussehen?

Am besten planen Gesundheitsbewusste drei Saunadurchgänge, wobei die ersten zwei  in der finnischen Sauna stattfinden sollten. Zum Abschluss empfiehlt sich ein Besuch des Dampfbads, um die Schleimhäute und Atemwege zu reinigen bzw. zu befeuchten.

Apropos: Hat ein Dampfbad eigentlich irgendeine Wirkung oder sorgt es nur für Wohlbefinden?

Durchaus! Hinzu kommt die positive Wirkung auf Schleimhäute und Atemwege, die intensiv befeuchtet werden. Deshalb ist ein Dampfbad auch ideal gegen Erkältungen.

Und wofür genau sind eigentlich Aufgüsse gut?

Aufgüsse verstärken ganz einfach den Reiz des Saunagangs, wobei das Saunaerlebnis mit Entspannungsmusik beinah bis zur Meditation hin gefördert wird.

nterview: Jessica Thalhammer/AHM

Ja, ich möchte Inhalte von Youtube angezeigt bekommen. Ich bin einverstanden, dass dadurch meine personenbezogenen Daten an den Betreiber des Portals, von dem der Inhalt stammt, weitergegeben werden, so dass dieser mein Verhalten analysieren kann. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung

mehr

14.10.2022 2023 zehnter geburtstag des hotels

GFDK - Interviews und Portaits

Über den Dächern der Tiroler Landeshauptstadt thront das ADLERS Lifestyle-Hotel Innsbruck. Die beeindruckende Alpenkulisse sieht man vom Restaurant weitsicht, der Bar und dem Rooftop wie kaum anderswo in der City.

Fast zehn Jahre ist es her, dass die Hoteliers Sonja Sophie und Harald Ultsch das Haus eröffneten. Mittlerweile leitet ihr zweitältester Sohn Fabian den Betrieb erfolgreich.

Im Interview erzählt der 32-Jährige, wieso von Anfang an klar war, dass er das Hotel übernehmen würde und nicht eins seiner Geschwister, welche Freuden und Herausforderungen die leitende Position als General Manager mit sich bringt und weshalb er immer auf die Unterstützung seiner Eltern, Schwester und seines Bruders setzen kann.

Zum zehnjährigen Jubiläum 2023 lässt sich Fabian gemeinsam mit seiner Familie gewiss etwas ganz Besonderes einfallen. www.adlers-innsbruck.com

Das ADLERS Lifestyle-Hotel Innsbruck wurde 2013 von Deinen Eltern Sonja und Harald Ultsch eröffnet. Fast zehn Jahre später bist Du mit gerade einmal 32 Jahren der Chef des Hauses. Stand damals schon fest, dass Du das Hotel einmal leiten würdest?

Fabian Ultsch: Als meine Eltern vor einigen Jahren die Möglichkeit für den Erwerb des ADLERS bekamen, haben sie mich sofort gefragt, ob ich in den Betrieb einsteigen möchte.

Sie wollten das jedoch nur in Angriff nehmen, wenn alle drei Kinder voll dahinterstehen, das war also ein gemeinsamer Entschluss. Kurz vor der Eröffnung 2013 war ich zudem noch im Ausland, um Erfahrungen zu sammeln.

Das Schwesterhotel Schwarzer Adler Innsbruck leiten Dein Vater Harald und Dein älterer Bruder Florian. Wieso bezieht sich Dein Aufgabenbereich innerhalb der Familie nur auf das ADLERS Lifestyle-Hotel und nicht auf beide Häuser?

Ursprünglich war die Idee, dass ich neben dem ADLERS auch in den Schwarzen Adler miteinsteige. Doch zu der Zeit war uns noch nicht bewusst, wie viel Arbeit das ADLERS eigentlich bedeutete.

Mit seinem breiten Spektrum an Angeboten ist es von all unseren Hotels der umsatzstärkste und personalintensivste Betrieb.

Da das Haus immer jemanden benötigt, der als permanenter Ansprechpartner für Gäste und Mitarbeiter zur Verfügung steht, war schnell klar, dass ich „nur“ für das ADLERS zuständig sein konnte.

Der Wirt in unserer Familie war nämlich schon immer ich – schon als Kind habe ich viel mit unseren Gästen im Schwarzen Adler zu tun gehabt. Es war also klar, dass ich das ADLERS übernehmen werde.

Und was ist mit Eurer Hotelgruppe, den harry’s home hotels & apartments?

Da meine Stärken im Food&Beverage-Bereich liegen, habe ich mich in den letzten Jahren nach und nach in die harry’s home hotels & apartments eingearbeitet und schließlich das Barkonzept für die gesamte Gruppe geschrieben.

Auch an den Vorstandssitzungen nehme ich regelmäßig teil und bleibe so über aktuelle Entwicklungen stets informiert. Bei harry’s home aber bin ich eher ins strategische als ins operative Geschäft involviert.  

Triffst Du Deine Entscheidungen bei den geschäftlichen Angelegenheiten des ADLERS allein oder beziehst Du Deine Familie öfter mit ein?

Grundsätzlich werden kostenintensive Entscheidungen gemeinsam gefällt, also wenn zum Beispiel größere Umbauten anstehen. Das ist auch wichtig, denn meine Eltern haben das entsprechende Know-how aus den letzten Jahrzehnten in der Hotellerie.

Darüber hinaus ist meine Mutter im Betrieb stark involviert, da sie sich größtenteils ums Housekeeping kümmert, bei dem sie sehr viel Erfahrung hat. Kleinere operative Geschäfte entscheide ich selbst. Aber im Großen und Ganzen bin ich froh, dass ich auf die Expertise meiner Familie und unserer Mitarbeiter zählen kann.

Gibt es innerhalb der Familie auch mal Konflikte?

Natürlich, die gibt es in jeder Familie (lacht). Aber aus Reibungen entsteht Energie und diese muss man kanalisieren. Wir versuchen, auch wenn wir nicht hundertprozentig einer Meinung sind, doch zu einem gemeinsamen Ziel zu kommen.

Es geht grundsätzlich immer ums große Ganze. Und wenn einer zurückstecken muss, wird demjenigen einfach beim nächsten Mal wieder mehr Freiraum gewährt.

2023 feiert das ADLERS Lifestyle-Hotel Innsbruck seinen zehnten Geburtstag. Ist etwas Besonderes für dieses Jubiläum geplant?

Wir werden auf jeden Fall etwas Großes machen, das würde ich aber selbst, wenn ich es jetzt schon wüsste, nicht verraten. Wir haben das fünfjährige Jubiläum schon ausgiebig gefeiert, das ging damals drei Tage. Mal sehen, wie lange die Zehn-Jahres-Feier dauert (lacht).

Gibt es in nächster Zeit größere Projekte für das Hotel?

Unser nächstes größeres Projekt wird der Umbau des Frühstücksbereichs sein, welcher für Anfang 2023 geplant ist. Damit wollen wir uns mehr an die heutige Zeit sowie an die Bedürfnisse der Gäste anpassen.

Vor zehn Jahren war Frühstück noch nicht so wichtig, wie es heute ist. Abgesehen davon nehmen wir immer wieder kleine Anpassungen vor, wie zum Beispiel den Austausch von Möbeln.

Vielmehr ist es aber meist nicht, was auch am zeitlosen Innendesign des ADLERS liegt, wodurch wir nie zwingend etwas verändern müssen.

Was liebst Du am meisten als General Manager des Hotels?

Da gibt’s drei ganz wesentliche Faktoren:

Ein glücklicher Gast: Es ist jedes Mal ein schönes Gefühl, wenn ich sehe, dass Gäste unser Haus zufrieden verlassen.

Unsere Mitarbeiter: Einige von ihnen sind schon eine ganze Weile im Hotel und es freut mich immer wieder zu sehen, wie sie ihren Weg gehen und sich dabei weiterentwickeln

Abwechslung: Man kann sehr viel ausprobieren und kreativ bleiben. Man kommt also nie in einen normalen Arbeitsalltag hinein.

Und was sind die größten Herausforderungen?

Die Gästezufriedenheit. Wir freuen uns darüber, dass wir im ADLERS viele unterschiedliche Gästegruppen begrüßen dürfen: vom Lifestyle-Traveller über Business-Reisende bis hin zu Sportlern.

Genau das ist jedoch die Herausforderung, der wir uns täglich gerne stellen. Durch die unterschiedlichen Charaktere müssen wir ein breit gefächertes Spektrum an Bedürfnissen erfüllen, was uns jedoch meist gut gelingt.

Außerdem befindet sich der Arbeitsmarkt gerade in einem großen Umbruch. Die Themen Employer Branding und Mitarbeiterzufriedenheit werden künftig einen deutlich höheren Stellenwert haben.

Touristiker haben aber schon oft gezeigt, dass sie flexibel auf geänderte Erwartungen eingehen können. Auch wir haben schon einige Ideen, wie z. B. den verstärkten Einsatz von Pensionisten auf Teilzeitbasis, die sich etwas dazu verdienen möchten.

Zum Schluss: Hast Du einen Lieblingsdrink in der ADLERS Bar?

Die Drinks in unserer Bar werden immer saisonal kreiert. Ich persönlich habe ganz am Anfang, als ich den Betrieb eingestiegen bin, einen Drink eingeführt:

Der French Kiss besteht aus Grapefruitsaft mit Roséwein und Soda. Den trinke ich immer wieder gern. Außerdem bin ich ein großer Fan unserer verschiedenen Sour-Cocktails, die man alle mal probiert haben sollte.

Interview: Natalie Schneider/AHM

mehr

13.10.2022 im Tannheimer Tal, Tirol

GFDK - Interviews und Portraits

„Vorreiter waren wir von Beginn an – 1992 war unser Wellness-Bereich schon 555 Quadratmeter groß. Die Nachfrage für Treatments lag allerdings bei Null. Erst als wir an einer Autobahnraststätte Prospekte verteilten, überrannten uns die Gäste plötzlich.

In einer nächtlichen Hauruck-Aktion ließen mein Mann und ich drei weitere Massagekabinen einbauen. Mittlerweile misst der Jungbrunn-Spa 7.900 Quadratmeter.

Auch in Sachen Design hat sich der Gutzeitort, den mein Sohn Marcel heute mit demselben Herzblut wie wir damals leitet, komplett gewandelt.

Im Hotel konnte ich meine künstlerische Ader ausleben:

Heimisches Hirschleder, Loden und Leinen waren in meinen Augen fürs haptische Land-Lebensgefühl ebenso wichtig wie die Mooswand im Spa oder wettergegerbtes Stadelholz, welches wir gegen alle Warnungen der örtlichen Tischler eingebaut haben.

Das in Kombination mit moderner Formensprache und coolen Details ist vorher nie dagewesen.

So wurde der Jungbrunn-Style als Spannungsbogen zwischen Trend und Tradition geboren, der Besucher bis heute in seinen Bann zieht.

Ich habe dabei immer versucht, die menschliche Komponente nicht zu vernachlässigen, bei Gästen wie Mitarbeitern. Meine Philosophie: Schwierigkeiten mit Charme meistern, jeden Tag das Beste geben, authentisch bleiben.

So sind aus Ecken und Kanten Feinschliff und Besonderheiten entstanden, die in der Hotellerie ihresgleichen suchen.“ 

mehr

13.10.2022 asiatische Philosophien und Heilmethoden

GFDK - Interviews und Portraits

Den Kampf um die Gleichberechtigung werden weder ein Weltfrauentag noch das allgegenwärtige Gendern entscheidend beeinflussen. Und doch geht die Tendenz in die richtige Richtung. Mit 14 begann ich zu meditieren, gleichzeitig erwachte meine Begeisterung für asiatische Philosophien und Heilmethoden.

Die Hochschule schloss ich in Traditioneller Chinesischer Medizin (TCM) ab. Je älter ich wurde, umso mehr studierte ich unterschiedlichste ganzheitliche Gesundheitsansätze und gründete unter anderem ein Zentrum für Alternative Medizin in Kathmandu/Nepal.

Danach arbeitete ich an einem Detox-Forschungsprojekt, das meinen weiteren Lebensweg ebenso beeinflussen sollte. Gemeinsam mit meinem Mann John eröffnete ich 2005 unser holistisches Healing-Resort Kamalaya auf Koh Samui/Thailand.

Dort spielen Entgiftungs-Programme neben vielen anderen Angeboten eine Rolle. Für alle, die unsere Philosophie nicht kennen:

Kamalaya ist ein Ort, in dem uraltes medizinisches und spirituelles Wissen sowie die neuesten Erkenntnisse ganzheitlicher Heilmethoden so miteinander wirken, dass Gesundung auf allen Ebenen – nämlich in Herz, Verstand, Körper und Geist – geschieht.

Für viele Gäste sind die individuell auf sie zugeschnittenen Programme ein emotional bewegender Prozess, der ihnen tiefe Erholung und große innere Zufriedenheit beschert. Wer mag, verfolgt uns online mit Kamalaya Connect und unserem Podcast.“ 

mehr

16.08.2022 an der französischen Atlantikküste

GFDK - Interviews und Portraits

Als Jadeküste wird jener Küstenstreifen an der Atlantikküste Frankreich bezeichnet, der sich zwischen dem Fluss Loire und dem Sumpfgebiet des Marais Breton befindet.

Sie ist das Zuhause von Jacques-Alain Guiho, der sich hier für den Erhalt der traditionellen Fischerei einsetzt. Symbol dieses Küstenabschnitts rund um den Ort Pornic: die traditionellen Fischerhütten auf Pfählen, die Carrelets.

Bei der speziellen Fischfangmethode, deren Ursprünge auf das 18. Jahrhundert zurückgehen, kommen Netze mit quadratischen Maschen zum Einsatz, die von den Carrelets aus ins Wasser gelassen werden.

Guiho wacht nicht nur über den Schutz der traditionellen Hütten, die als immaterielles Kulturerbe in Frankreich anerkannt sind.

Vielmehr hat sich die Vereinigung zum Erhalt der traditionellen Fischerei – deren Vorsitzender er ist – zum Ziel gesetzt, die Bevölkerung sowie Urlauber am Atlantik für diese nachhaltige und altbewährte Praxis zu sensibilisieren.

mehr

15.07.2022 Im Lechtal habe ich viele Lieblingsplätze

GFDK - Interviews und Portraits

Mit dem Wiesn-Hit „Cordula Grün“ gelang Künstler Josh. 2018 der Durchbruch. Mittlerweile ist er voll im Musikgeschäft angekommen. Nach seinem ersten großen Erfolg tourt der Wiener mit seinem neuen, zweiten Album „Teilzeitromantik“ sowie dem Hit „Expresso & Tschianti“ derzeit durch Deutschland und Österreich.

Am 26. und 27. August 2022 macht er mit seiner Band Station auf der Geierwally Freilichtbühne in Elbigenalp im Tiroler Lechtal.

Die österreichische Naturparkregion ist dem erfolgreichen Musiker bestens bekannt. Im Interview erzählt er uns, woher er die Inspiration für seine Texte nimmt, wie er sich körperlich und geistig auf seine Konzerte vorbereitet und warum er das Tiroler Lechtal so gerne besucht.

„Teilzeitromantik“ heißt Ihr neues, zweites Album. Wie kam der Titel zu Stande?

Josh: In meinen Songs geht es prinzipiell sehr oft um Gefühle. Der Gedanke hinter dem Titel „Teilzeitromantik“ besteht darin, dass es im Leben immer um die ganz große Romantik gehen soll, die Realität das aber oftmals gar nicht zulässt. Meist schafft man es einfach nicht, diese Romantik jeden Tag zu leben.

Gibt es einen roten Faden in Ihren Texten und woher nehmen Sie die Inspiration dazu?

Alles was ich schreibe, stammt in irgendeiner Weise aus normalen Situationen im Leben bzw. aus meinem Leben. Die „aufregendsten“ Dinge der Welt sind ja wirklich die, die einen am meisten berühren, obwohl es vielleicht nur Kleinigkeiten sind, z. B. dass man jemanden aus den Augen verliert oder sich verliebt. Zwischenmenschliche Beziehungen beschäftigen Menschen oft mehr als der eigene Kontostand.

Stichwort Konzerte. 2020 und 2021 mussten die meisten Ihrer Veranstaltungen pandemiebedingt abgesagt werden. 2022 sind Sie in Österreich und Deutschland wieder auf Tour. Wie bereiten Sie sich körperlich und geistig darauf vor?  

Wir hatten bisher eine großartige Tour und ich freue mich schon riesig auf alles, was dieses Jahr noch folgen wird. Die Vorbereitungen meiner Auftritte laufen eigentlich immer gleich ab:

Ich übe sehr viel und vor längeren Konzertreihen achte ich darauf, mich halbwegs gesund zu ernähren oder auch mal ins Fitnesscenter zu gehen, sodass mein Rücken nicht schlapp macht.

Am wichtigsten ist für mich aber auf jeden Fall das Proben mit der Band, denn ich möchte immer gut vorbereitet auf die Bühne gehen. So macht’s dann auch am meisten Spaß und ich genieße den Moment, ohne groß nachdenken zu müssen.

Am 26. und 27. August 2022 treten Sie auf der Geierwally Freilichtbühne in Elbigenalp im Tiroler Lechtal auf. Kennen Sie das Lechtal und wenn ja, was schätzen Sie dort am meisten?

Ich kenne das österreichische Lechtal gut und war auch schon einige Male vor Ort. Die Landschaft ist einfach wunderschön.

Da in meinem Leben immer relativ viel Trubel herrscht, mag ich es in meiner Freizeit gern etwas ruhiger, ich bin absolut kein Fan von Massentourismus.

Auch die Geierwally Freilichtbühne in Elbigenalp gefällt mir total gut und ich freue mich schon auf unsere beiden Konzerte dort im August.

Zu meinen Bandkollegen habe ich schon gesagt, dass wir nach unserem Auftritt unbedingt noch zwei bis drei Tage Urlaub anhängen müssen, um gemeinsam ein bisschen wandern zu gehen. Auch darauf freue ich mich schon sehr.

Gibt es ein besonders schönes Erlebnis, das Sie mit dem Lechtal verbinden?

Es gibt ganz viele schöne Momente, die ich dort beim Wandern oder Skifahren erlebt habe. Wo es mir sehr gut gefallen hat, ist gleich in der Nähe von Elbigenalp, auf der Berghütte Kasermandl.

Haben Sie einen Lieblingsplatz im Lechtal?

Ich habe dort eigentlich viele Lieblingsplätze. Freunde von mir besitzen eine Hütte – sogar ohne fließendes Wasser – auf der habe ich schon ein paar sehr lustige Abende erlebt. Aber wo genau die Hütte sich befindet, verrate ich natürlich nicht.  Auch nicht meine anderen Lieblingsorte. Nicht dass am Ende ganz viele Leute dorthin kommen (lacht).

Würden Sie gerne öfter ins Lechtal kommen?

Ja, das würde ich sehr gerne. Das einzige Problem ist, dass es von meinem Zuhause in Wien kaum einen Ort in Österreich gibt, an den man länger fährt als ins Lechtal. Das ist wirklich sehr schade, denn sonst wäre ich wahrscheinlich öfter dort. Darum ist es aber umso schöner, wenn ich im August endlich wieder da bin.

Interview: Natalie Schneider/AHM

Ja, ich möchte Inhalte von Youtube angezeigt bekommen. Ich bin einverstanden, dass dadurch meine personenbezogenen Daten an den Betreiber des Portals, von dem der Inhalt stammt, weitergegeben werden, so dass dieser mein Verhalten analysieren kann. Weitere Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

mehr

29.06.2022 Von Bayern bis Tirol:

GFDK - Interview und Portraits

Nach sechs ereignisreichen Jahren ist das Interreg-Projekt „Lebensspur Lech“ zum 1. Juli 2022 abgeschlossen. Während dieser Zeit hat sich im gesundheitstouristischen Erlebnisraum zwischen dem bayerischen Allgäu und dem Tiroler Lechtal viel getan – dort, wo Europa auf kleinstem Raum zusammengewachsen ist.

Alle neu entstandenen Stationen bleiben auch weiterhin für Gäste und Einheimische zugänglich.

Warum der Wildfluss Lech dabei stets das verbindende Element ist, wie man aus einem verschlafenen Bergweiler ein „Auszeitdorf“ macht und weshalb grenzüberschreitende Regionalentwicklung so sinnvoll ist, wissen Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier und der Geschäftsführer von Lechtal Tourismus Michael Kohler.

Sie haben das gemeinsame „Baby“ ins Leben gerufen,  mit ihren Teams gehegt, gepflegt und nun erfolgreich zu Ende geführt. www.lebensspur-lech.com,

Wie sind Sie 2016 auf das Interreg-Projekt „Lebensspur Lech“ gekommen?

Stefan Fredlmeier: Einer der Schwerpunkte von Füssens Tourismusentwicklung ist die zeitgemäße Umsetzung des Kneipp’schen Naturheilverfahrens.

Es war also naheliegend, bei unseren Nachbarn nachzufragen, wer ähnliche Ambitionen hat. Da uns der Lech mit unseren österreichischen Partnern nicht nur geografisch verbindet, war Kneipp als gemeinsame Klammer schnell gefunden.

Michael Kohler: Das Tiroler Lechtal steht seit jeher für naturorientierten und sanften Tourismus. 2015 bekamen wir die Gelegenheit, uns auch im gesundheitstouristischen Bereich weiterzuentwickeln und das obendrein in Zusammenarbeit mit unseren Allgäuer Freunden. Schon der Lechweg hat als Grundfeste unserer Partnerschaft gezeigt, dass es sich lohnt, an einem Strang zu ziehen.

Was genau versteht man unter einem „gesundheitstouristischen Erlebnisraum“ und welche Voraussetzungen hat dieser zu erfüllen?

SF: Das klingt sehr technisch – ist es aber nicht. In unserem Fall handelt es sich um eine Region, in der Gäste der Philosophie Sebastian Kneipps folgen, sie in all ihren Facetten und mit allen Sinnen erfahren können.

Festgelegte Voraussetzungen oder Grenzen gibt es dabei nicht. Letztlich ist entscheidend, was der Besucher wahrnimmt und erleben kann: nämlich ganzheitliche Entschleunigung in der unverfälschten Natur des Wildflusses Lech.

Warum war ausgerechnet das Thema Kneipp/Innere Ordnung von Beginn an zentrales Thema?

SF: Für Füssen als Kneippkurort mit jahrzehntelanger Erfahrung war das Thema gesetzt. Kneipp eignet sich aufgrund seines präventiven Charakters und seiner Niederschwelligkeit bestens, um Gesundheit mit Tourismus zu verbinden.

MK: Angesichts der gesellschaftlichen Relevanz von Themen wie Entschleunigung, Balance und Auszeit lag nahe, die Kneipp’sche Säule „Innere Ordnung“ als Projekt-Schwerpunkt zu fokussieren. Uns war von Beginn an klar, dass wir damit den richtigen Nerv treffen und am Puls der Zeit sind.

Welche Partner sind beteiligt und warum hat der Portalort Füssen diese mit ins Boot geholt?

MK: Neben Füssen im bayerischen Allgäu ist das Lechtal als Teil des Naturparks Tiroler Lech beteiligt. Die Angebotsentwicklung fand bei uns schwerpunktmäßig in der Gemeinde Holzgau und vier Seitentälern des Lechtals statt.

Der Verein Lechweg fungierte als bestehender Organisationsrahmen für gemeinsame Maßnahmen wie Qualifizierung und Marketing. So konnten wir uns den verwaltungstechnischen Akt sparen, für die „Lebensspur Lech“ einen eigenen Verein zu gründen.


Was wurde im Kontext der „Lebensspur Lech“ alles realisiert? 

SF: Im Rahmen umfangreicher Bauprojekte wurden in Füssen zahlreiche Erlebnisareale geschaffen, die Sebastian Kneipp sicher gut gefallen hätten – von Kneipp-Gussstellen über Ruheinseln bis zu Bewegungs-Parcours und Besinnungswegen.

Vor allem aber vertiefte Füssen per Qualifizierung der Gastgeber und Angebotsentwicklung das gesellschaftlich relevante Thema „gesunder Schlaf“:

Mithilfe des Kneipp‘schen Naturheilverfahrens rücken wir lebensstilbedingter nächtlicher Unruhe zu Leibe und sind dafür sogar von der Ludwig-Maximilians-Universität München wissenschaftlich zertifiziert worden.

MK: Wir Partner im Lechtal schufen in Holzgau den Vitalweg, der spannend und inspirierend alle Kneipp’schen Themen erlebbar macht.

Mittlerweile ist dort sogar die einheimische Bevölkerung unterwegs und somit auch die Akzeptanz für derlei Projekte im Tal gegeben.

Dem Wunsch nach Ruhe, Besinnung und Selbstjustierung wird in den sogenannten Auszeitdörfern Rechnung getragen, die sich tief in den Seitentälern des Lechs befinden.

Dort laden die Natur und Ruheinseln dazu ein, eine „Gegenwelt“ zum hektischen Alltag zu erleben. Sowohl im Lechtal als auch in Füssen wurden zudem Kneipp-Gesundheitstrainer ausgebildet. Und wir haben die „Lebenspur Lech“ mit Marketing- und Pressearbeit öffentlichkeitswirksam präsentiert.

Apropos Auszeitdörfer: Was genau hat es damit auf sich?

MK: Auf diesen „Coup“ sind wir besonders stolz. Denn im Prinzip handelt es sich dabei „nur“ um vier Kleinstgemeinden in den Talschlüssen des Tiroler Lechtals.

Doch Produktentwicklung bedeutet vor allem Kreativität – und so haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und die „Tiroler Auszeitdörfer“ ins Leben gerufen.

Mit ihrem Anspruch auf Kneipps „Innere Ordnung“ sprechen sie mittlerweile gestresste Manager ebenso an wie Paare, die einen romantischen Rückzugsort suchen oder Aktive, die gern off the path unterwegs sind.

Hierbei war uns vor allem wichtig, die Dörfer nicht mit touristischen Highlights zuzupflastern und zu inszenieren. Vielmehr wollten wir die bestehenden Gegebenheiten – den idyllischen Bergdorfcharakter, die Ruhe, das Fehlen großer Hotelanlagen – noch hervorheben.

Es galt zu vermitteln, dass es ein Privileg ist, dort zu leben oder Urlaub zu machen. Da auch die Auszeitdörfer nicht von Abwanderung verschont bleiben, sollte zudem den Einheimischen eine Perspektive geboten werden. 


Was hat sich in den vergangenen sechs Jahren in Sachen grenzüberschreitende Verbindung(en) getan und zum Positiven verändert?

SF: Die bereits über den Lechweg und gemeinsame Kulturprojekte vertrauensvolle Zusammenarbeit hat sich in den letzten sechs Jahren nochmals intensiviert.

Da inzwischen auch der Lechradweg verlängert worden und noch attraktiver ist, wird der Lech seiner Bedeutung als verbindende Achse noch stärker gerecht.

Schon seit jeher verbindet er uns wie eine Lebensader und es macht auch weiterhin Sinn, gewisse Themen miteinander zu bearbeiten und Synergien zu nutzen.


Warum sind EU-Projekte sinnvoll und wie genau werden sie wahrgenommen und genutzt?

SF: Bei Interreg-Projekten wie der „Lebensspur Lech“ steht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit klar definierten Entwicklungsschwerpunkten im Vordergrund. So wächst Europa zusammen.

In unserem Fall erleben Einheimische und Gäste die touristischen Angebote entlang des Wildflusses Lech. Dabei hat die politische Grenze zwischen Österreich und Deutschland keinerlei Relevanz mehr, sondern wir bringen einfach gemeinsam etwas weiter.


Inwieweit bleibt die „Lebensspur Lech“ nach Projektende auch weiterhin bestehen?

MK: Alle Angebote der „Lebensspur Lech“ gibt es auch weiterhin. Tatsächlich konnten wir alle 2016 fixierten Ziele umsetzen, obwohl Preissteigerungen im Förderzeitraum mehrfaches Nachjustieren erforderlich machten.

So aber haben wir die Chance bekommen und genutzt, Prozesse anzustoßen, Kompetenzen zu entwickeln, eine Infrastruktur aufzubauen und damit den Tourismus langfristig und nachhaltig zu stärken – zum Nutzen der Regionen und natürlich auch der Gäste.
Was „treibt“ Sie für die Zukunft noch an?

SF: Qualitätsbasierter und nachhaltiger Tourismus bleibt unsere gemeinsame Daueraufgabe. Die angeschobenen Entwicklungen müssen weiter vertieft werden, um die „Lebensspur Lech“ als grenzüberschreitenden Erlebnisraum für gesundheitsfördernden Naturtourismus mit einer modernen Umsetzung des Kneipp’schen Naturheilverfahrens noch stärker zu profilieren.

Gibt es eine Idee für ein verlängerndes oder sogar neues Interreg-Projekt zwischen den bestehenden Partnern?

MK: Da haben wir noch einiges vor – weitere Ideen gehen in Richtung grenzüberschreitende Mobilitätsverbesserung, naturschonende Besucherlenkung und digitale Verbünde, unter anderem bei den verschiedenen Gästekarten. Vor allem aber ist das Maß aller Dinge, dass der touristische Erlebnisraum auch weiterhin mit dem Lebensraum harmoniert.

Interview: Jessica Thalhammer/AHM

mehr

07.06.2022 Zurück zu den Weinwurzeln

GFDK - Interviews und Portraits

„Von klein auf hatte ich eine tiefe Verbindung zum Weingut Castello di Morcote am Luganer See, das mein Großvater 1940 erwarb und wo schon die alten Römer Reben gepflanzt haben.

Ich wusste früh, dass dieses sieben Hektar große Tessiner Landstück mein Leben bestimmen würde. Als Kind habe ich dort viel Zeit verbracht, das Handwerk gelernt und so den Grundstein für meine Leidenschaft gelegt.

Nach einem Studium der Kunstgeschichte in Lausanne zog es mich zurück auf den Weinberg, wo ich seit 1996 wieder arbeite.

Meine Familie war zunächst skeptisch, als ich den Betrieb 2009 komplett übernommen habe, aber für mich war es eine Herzensangelegenheit.

Und die absolut richtige Entscheidung, denn unsere Weine gehören heute – unter anderem dank unserer zwei angesehenen Önologinnen – zu den 100 besten der Schweiz.

Damit auch die nächsten Generationen erfolgreich sein können, lege ich großen Wert auf Nachhaltigkeit, seit 2017 sind wir bio-zertifiziert.

Auf unseren 2021 eröffneten Weinkeller, der mit regionalen Naturmaterialien und erneuerbarer Energie gebaut wurde, bin ich besonders stolz:

Neben professioneller und schonender Traubenverarbeitung haben wir einen Begegnungsort für hochwertigen Weintourismus geschaffen, der die Tessiner Region langfristig aufwerten soll.

Mit unserem Boutique Hotel im ehemaligen Kloster am Fuß des Weinbergs ist zudem eine symbiotische Beziehung entstanden.“

mehr

18.05.2022 exklusivinterview mit michaela boland

GFDK - Michaela Boland

Dieses Interview haben wir 2014 mit Jesper Munk geführt, und er hat sich tatsächlich im Musik-Geschäft gehalten. Am 31. Mai wird er 30 Jahre und wir erinern noch einmal an seine Anfänge.

21 Jahre, unfassbar tiefe Stimme, blonde Strubbelmähne und treuer Blick aus blauen Augen. All dies kombiniert mit einem sportlich durchtrainierten Körper im lässigen Jeans-Tanktop-Lederjacken-Look erklärt vermutlich schnell, aus welchem Grund auch BRAVO-Leser jetzt den Blues für sich entdecken.

Der Deutsch-Däne Jesper Munk verzaubert derzeit landesweit mit berührenden Eigenkompositionen, die hin und wieder an sein Idol Amy Winehouse erinnern. "For in my way it lies" lautet der Titel seines aktuellen Albums in Anlehnung an ein Zitat aus Shakespeare`s Macbeth. Eine Lektüre, die der in München beheimatete Soul-Musiker leider nie zu Ende las.

Grund: Für gemeinsame Jam-Sessions schwänzte er mit seinen Freunden gerne mal den Unterricht. Durchaus zu seinem Glück, denn der Sohn einer dänischen Mode-Direktrice und eines bayerischen Musikers musste währenddessen einmal derartig laut werden, dass seine bisher glockenklare Chorstimme brach, einen Sprung machte und "auf einmal total dreckig klang". Jetzt verschafft er sich Gehör, denn dieses besondere Timbre in der noch jungen Stimme prägt sich unverzüglich ein.

Während seiner ELECTRIC SHOW Tour 2014 durch Deutschland treffe ich den belesenen Newcomer und begeisterten Tom Waits-Fan. Dass in erster Linie Gefühl seine Musik prägt, wird schnell ersichtlich, wenn man mit dem natürlich-sensiblen und sympathisch zurückgenommenen, klugen Jesper ins Gespräch kommt. Von sich hören machen wird diese Neuentdeckung gewiss noch häufig, denn sie ist uneitel, frisch, markant und gut.

 

Michaela Boland: Hast du Macbeth in der Zwischenzeit nochmal gelesen?

Jesper Munk: Nein, habe ich immer noch nicht. Leider bin ich nicht dazu gekommen.

Michaela Boland: Hast du damals im Gymnasium keine Klausur über diesen Klassiker schreiben müssen?

Jesper Munk: Doch, klar.

Michaela Boland: Wie ist sie gelaufen, wenn du den Stoff nicht gelesen hast?

Jesper Munk: Ganz schlecht natürlich.

Michaela Boland: Ist es denn noch in Planung, das Stück irgendwann zu verinnerlichen oder schon ad acta gelegt?

Jesper Munk: Ich will es unbedingt mal lesen. Ich will überhaupt mehr von Shakespeare lesen, denn das darf man nicht auslassen. Auf keinen Fall. Leider bin ich gerade einfach zu inkonsequent. Zurzeit lese ich nämlich in einer Tom Waits-Biografie, die ich von einem guten Freund geschenkt bekommen habe. Ansonsten beschäftige ich mich in literarischer Hinsicht augenblicklich hauptsächlich mit Lyrics.

Michaela Boland: Der klassische Blues leitet sich von "I`ve got the Blues" ab. Dies heißt ja so viel wie, `ich bin traurig`. Bist oder warst du häufig traurig?

Jesper Munk: Ich würde zwar sagen, dass ich eigentlich schon ein sonniges Gemüt habe, allerdings staut sich natürlich hin und wieder mal etwas an. Denn, nicht immer läuft alles super rund. Wenn sich dann etwas anstaut und man keine Lust hat, diese Dinge so rauszulassen oder gar gegenüber jemandem direkt zu äußern, dann braucht man ein Ventil. Für manche ist das Sport, für andere ist es etwas anderes und für mich ist es eben die Musik.

Michaela Boland: Von deiner attraktiven Optik her könntest du ohne weiteres als eine Art Justin Bieber durchgehen. Nun steht er mit Pop für eine gänzlich andere Musikrichtung als du. Wäre Pop etwas, das du grundsätzlich ablehnen würdest?

Jesper Munk: Schrecklich. Das lehne ich zu hundert Prozent ab.

Michaela Boland: Im Bereich Blues würde man eher reifere Semester vermuten. Wie hast du als heute erst 21-Jähriger diese Musikrichtung schon vor Jahren für dich entdeckt?

Jesper Munk: Ich habe angefangen in einer Band namens Lila`s Riot Bass zu spielen. Mein Band-Kollege, Clemens, war damals auch schon dabei und hat Drums gespielt. Ich selbst konnte überhaupt keinen Bass spielen und viele unserer Musiker konnten ebenso wenig spielen. Also, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir zwar wenig, aber dafür ausdrucksstark spielen. So sind wir bei den Sixties gelandet. Wenn man sich dann diese Songs anhört und weiß, dass das alles auf den Blues zurückgeht, fängt man an, sich dafür zu interessieren und sich hinein zu hören. Ebenfalls in die 1920, -30er und -40er Jahre. Und so bin ich auf den Blues gekommen.

Michaela Boland: Der Blues, der in seiner Entstehung Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts anzusiedeln ist, soll häufig in zwölf Takten und einer Melodie, die von drei Akkorden begleitet wird, auftreten. Hältst du dich womöglich auch streng an solche Formen?

Jesper Munk: Nein. Bei uns sind es nicht immer nur 12 Takte und drei Grundharmonien (lacht). Blues ist natürlich harmonisch simpel gedacht. Und das ist ja auch das Schöne daran, dass es einfach und ausdrucksstark ist. Das wenige, das du spielst, musst du mit dem maximalen Gefühl spielen. Das ist auch, was mich bis heute dabei gelassen hat.

Michaela Boland: Redakteure des Bayerischen Rundfunks sollen dich auf der Straße entdeckt haben. Klingt beinahe so wie vom Tellerwäscher zum Millionär. Wie ging das vonstatten?

Jesper Munk: Ralf Sommer hat mich auf der Straße spielen sehen und mich ins schöne Studio 12 beim BR eingeladen und das war in der Tat der erste Radiotermin.

Michaela Boland: Du hast mit 15 Jahren verhältnismäßig spät angefangen, Gitarre zu erlernen. Wie lange hat es gedauert, bis du dein Spiel perfektionieren konntest?

Jesper Munk: Ich habe mit 16 Jahren angefangen Bass zu spielen und eigentlich erst mit 17 ein halb begonnen, Gitarre zu spielen. Allerdings lernt man stetig weiter. Pro Gig und pro Session geht es immer weiter voran. Auf dem Stand, auf dem ich jetzt bin, war ich noch nie. Wenn man es richtig angeht, wird sich das wohl auch nie ändern.

Michaela Boland: Hast du dir auch die Anfänge autodidaktisch angeeignet, hast du jemals eine Musikschule besucht oder dir einfach viel bei deinem Vater, der ja ebenfalls Musiker ist, abgeguckt?

Jesper Munk: Ich habe viel mitbekommen, mir viele Konzerte angeschaut als ich noch jünger war. Da guckt man sich natürlich alles Mögliche ab und ansonsten bin ich ein Autodidakt.

Michaela Boland: In Interviews hast du häufig den Moment beschrieben, wie dir einst beim gemeinsamen jammen während des kollektiven Schule Schwänzens, urplötzlich die Stimme gebrochen sei, als du recht laut gesungen hast. So soll dir laut eigenen Angaben erstmalig bewusst geworden sein, wozu du mit deiner Stimme im Stande bist. Denkst du, ohne diesen Vorfall hätte sich alles so entwickelt wie es sich nun entwickelt hat?

Jesper Munk: Nun, ja. Hätte, würde, könnte. Keine Ahnung. Definitiv war meine Stimme in irgendeinem anderen, was-auch-immer-Teil, von mir versteckt. Und auf diese Weise kam sie eben dann heraus. Mir war zuvor nicht bewusst, dass ich meine Stimme in der Art benutzen kann.

Michaela Boland: Manche deiner Lieder erinnern in ihrer gesanglichen Umsetzung stark an Amy Winehouse. Bist du ein Fan von ihr?

Jesper Munk: Ja, total. Amy war einfach großartig.

Michaela Boland: Du hast in München Abitur gemacht und ganz brav erst danach deine Solokarriere gestartet. Wie dezidiert lässt sich so etwas eigentlich im Vorfeld vorausplanen?

Jesper Munk: Wir hatten dieses Studio-Closing im BR und das hat einfach immer mehr Aufmerksamkeit nach sich gezogen. Konzerte haben wir allerdings schon gespielt als ich noch in der Schule war. Ich habe im Juni Abi gemacht und im Januar hatten wir sogar schon Konzerte, die ausverkauft waren. Ich hatte da auch Bock drauf und wusste schon länger, dass ich das machen will. Mit viel Hilfe meines Vaters konnte ich dann sogar nach dem Abi mein erstes Album aufnehmen.

Michaela Boland: Hätte es insoweit überhaupt eine berufliche Alternative für dich gegeben oder hast du womöglich so etwas wie einen Plan B?

Jesper Munk: Die Alternative wäre Gitarrenbauer.

Michaela Boland: Einen Korpus-gewölbten Bau würdest also vermutlich hinbekommen?

Jesper Munk: Vielleicht verbirgt sich auch nur die charmante Idee dahinter, denn ich weiß natürlich, dass das eine Wahnsinns-Arbeit und viel Gefitzele ist. Dennoch wäre das auf jeden Fall etwas, was auf diesem Plan stehen würde.

Michaela Boland: Deine Texte definierst du häufig als Gefühls-Mosaik. Was ist konkret damit gemeint?

Jesper Munk: Du fährst irgendwo hin und du schreibst hier und da mal etwas auf. Du hast eben immer dein kleines schwarzes Lederbüchlein dabei. Und dann landet halt zwischendurch auch schon mal so richtig viel Schwachsinn darin. Manche Songs entstehen in einem Rutsch und andere werden über Wochen mit mir herumgetragen und dann irgendwann zusammengefügt. So entstehen dann diese Gefühls-Mosaike.

Michaela Boland: Wie gehst du üblicherweise beim Songschreiben vor?

Jesper Munk: Gar nicht. Erzwingen kann ich es nicht. Ich kann mich nicht drei Stunden hinsetzten und irgendetwas aufs Blatt zwingen. Aber, ich bewundere Leute, die das einfach so können. Das funktioniert bei mir nicht oder zumindest noch nicht. Bei mir muss das einfach kommen. Und da muss der richtige Moment da sein und ein Stift und ein Blatt.

Michaela Boland: Es soll da eine Liebesgeschichte gegeben haben, durch die dein Song 7th Street entstanden sein soll, den du ja in New York geschrieben hast. Was hat es damit auf sich?

Jesper Munk: Schwamm drüber! Bloß nicht so viel Aufmerksamkeit darauf richten! Da ist etwas schief gelaufen und ich bin trotzdem hingefahren und dann bin ich wieder zurück, hatte aber zumindest einen neuen Song und eine neue Gitarre auf dem Weg nach Hause im Gepäck. Das ist die Kurzversion der Geschichte.

Michaela Boland: Bist du denn gerade liiert?

Jesper Munk: Das kann ich natürlich nicht sagen. (Anm. d. Red.: Grinst verschwörerisch).

Michaela Boland: Geheimnisvoll und der Spekulation Tür und Tor öffnend.

Jesper Munk: (lacht)

Michaela Boland: Die BRAVO hat sich ebenfalls bereits für dich interessiert. Ist das etwas, das dich freut oder ist dir das eher gleichgültig, nachdem das Traditionsjugendmagazin ja klassischerweise eher über die Justin Biebers dieser Welt berichtet?

Jesper Munk: Bewusst sind wir das nie mit einem Promo-Plan angegangen, da wir ja Blues machen. Ich finde es natürlich schön, dass da jemand drin saß, der cool fand, was ich mache.

Michaela Boland: Das ZDF beschrieb dich im Rahmen eines Fernsehauftritts als "Deutschlands gehypten Blues-Act". Kannst du mit solchen Attributen etwas anfangen?

Jesper Munk: Die Formulierungen sind ja in dem Sinne nicht für mich, denn ich muss ja nichts damit anfangen. Ich finde es natürlich nett, wenn man diese Art von Aufmerksamkeit bekommt und ein Feedback, das positiv ist. Aber ich in erster Linie, weiß nicht, was ich damit anfangen sollte.

Michaela Boland: Dein Vater, Rainer Germann, ist ebenfalls Musiker und einigen bekannt durch seine Band, Cat Sun Flower, die unter anderem schon als Vorgruppe von Oasis auftrat. Mittlerweile ist er dein Berater, Bassist und Co-Produzent. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit in der Familie?

Jesper Munk: Sehr gut. Seitdem das mit der Musik abgeht, ist natürlich diese ganze standardmäßige Vater-Sohn- warum-gehst-du-nicht-in die Schule-was-soll-das-mach-was-G´scheits-Problematik hinfällig. Wir machen einfach miteinander Musik und so wie man zusammen Musik macht, genau so läuft es.

Michaela Boland: Hast du noch Geschwister oder bist du Einzelkind?

Jesper Munk: Ich bin Einzelkind.

Michaela Boland: Deine Mutter, Helle Munk, soll in der Modebranche arbeiten. Ist sie dort ebenfalls im kreativen Bereich tätig?

Jesper Munk: Meine Mutter hat digitale Schnitt-Direktrice erlernt und arbeitet heute als Schnittbildlegerin beim Modeunternehmen Rena Lange. Sie berechnet quasi diese Schnitte am Computer und danach wird dann der Stoff eingekauft.

Michaela Boland: Bist du auch schon einmal in Dänemark aufgetreten?

Jesper Munk: Nein, noch nie.

Michaela Boland: Du firmierst als Deutsch-Däne, bist allerdings in München aufgewachsen. Wie sieht es denn da mit deiner Staatsbürgerschaft aus?

Jesper Munk: Ich habe einen dänischen Pass.

Michaela Boland: Doppelte Staatsbürgerschaft?

Jesper Munk: Nein, ich habe nur einen dänischen Pass.

Michaela Boland: Sprichst du denn Dänisch?

Jesper Munk: Nur ein paar Schimpfwörter. (lacht)

Michaela Boland: Du trägst den Nachnamen deiner Mutter. Hast du ihn dir als Künstlernamen angeeignet?

Jesper Munk: Nein, ich heiße so. Das steht auch so im Pass. Meine Eltern sind gar nicht verheiratet. Ich bin ein Bastard. (lacht). Ich lass mich jetzt ohnehin von Clemens adoptieren, damit ich einen Grafen-Titel bekomme. (lacht). Jesper Graf Finck von Finckenstein, hieße ich dann. (lacht)

Michaela Boland: Ihr seid derzeit auf Tour. Wie verläuft denn das Tourleben so?

Jesper Munk: Der Begriff Bettruhe ist zumindest dehnbar. Wir waren jetzt im Kölner Bruegel, da war eine Jam-Session, da habe ich noch zwei Songs gespielt.

Michaela Boland: Dein Weg führte über die sogenannten Fish`n Blues Veranstaltungen, ein Event, das in München stattfindet. Hattest du dort natürlicherweise Heimvorteil? Oder wie leicht ist es grundsätzlich, dort Bestandteil zu werden?

Jesper Munk: Das waren für mich die ersten Male, dass ich überhaupt live gespielt habe. Zu Beginn hatte ich gerade mal zwei Songs, doch das Publikum dort ist sehr nett. Da hast du beispielsweise deinen harten Kern, der immer kommt, dann natürlich auch Menschen, die neu dazu kommen, zeitgleich auch ein sehr wechselndes, flexibles Publikum, das aber natürlich auch während des Essens gerne mal quatscht. So etwas ist natürlich sehr gut um Songs auszuprobieren. Denn wenn sie dann endlich mal ruhig sind, dann hast du es irgendwie geschafft.

Michaela Boland: Bist du denn vor Auftritten nach derartig viel Live-Bühnenerfahrung zwischenzeitlich überhaupt noch aufgeregt?

Jesper Munk: Ich bin auf der Bühne aufgeregt. Den ganzen Gig lang. Das ist dieses Hin- und-Hergeben von Musik zwischen Künstler auf der Bühne und Publikum. Ja, das regt einen auf (lacht).

Michaela Boland: Für wen schreibst du deine Songs in erster Linie?

Jesper Munk: Darauf gibt es eigentlich gar keine Antwort. Teilweise für mich, aber eigentlich hauptsächlich für den Clemens. In erster Linie immer für den Drummer (lacht).

Michaela Boland: Hast du selbst auf deinem aktuellen Album ein Lieblingsstück?

Jesper Munk: Nein.

Michaela Boland: Das nächste Album ist in Arbeit?

Jesper Munk: Ja, es ist in Arbeit und die Fertigstellung ist für Anfang 2015 anberaumt. Das ist zwar noch nicht offiziell, aber, man kann sich darauf einstellen.

Michaela Boland: Bleibt dir neben der Musik eigentlich noch Zeit für andere Hobbys?

Jesper Munk: Was Sport anbelangt, so schaut man halt, wenn man auf Tour ist, dass man so halbwegs in Form bleibt. Wenigstens nach dem Aufstehen erst mal so ein paar Liegestütz machen. Ansonsten trinke ich gerne und spiele Billard und Darts. Manchmal auch Kino. Wobei ich eigentlich am liebsten zu Hause Filme schaue. Der letzte richtig geile Film, den ich gesehen habe war, "Limits of Control". Am Ende kommt Bill Murray darin vor.

Michaela Boland: Zur Zeit liest du, wie du sagtest, ja die Biografie von Tom Waits, den du sehr verehrst. Was ist für dich das Besondere an ihm?

Jesper Munk: Der Mensch hat sich in seiner eigenen Musikrichtung gehalten. Durch eine Eigenart und sein Durchhaltevermögen. Auch hat er eine wahnsinnige, unbeschreibliche künstlerische Identität. Er ist dabei geblieben und ist darin auch noch nach wie vor einzigartig.

Michaela Boland: Bist du Fußball-interessiert?

Jesper Munk: Nein, Fußball nicht so. Aber, ist ja auch langweilig. Bayern gewinnt ja die ganze Zeit. (lacht)

Michaela Boland: Wie sieht es mit bildender Kunst aus?

Jesper Munk: Nur ganz laienhaft. Ich kann mir etwas ansehen und sagen, es gefällt mir aus dem und dem Grund. Aber ich kann jetzt nicht aus einem geschichtlich fundierten Wissen schöpfen. Ich genieße aber Fotografien und Bilder.

Michaela Boland: Engagierst du dich für irgendetwas?

Jesper Munk: Bisher noch nicht, weil ich einfach noch nicht genug darüber weiß. Das wird sich höchstwahrscheinlich ändern, sobald ich die Zeit habe, mich damit auseinanderzusetzen. Und politisch engagiere ich mich zur Zeit nicht aktiv.

Michaela Boland: Lieber Jesper, vielen Dank für dieses ausführliche Interview und alles Gute weiterhin für deine Karriere.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr
Treffer: 212