Exklusive Interviews mit interessanten Menschen

29.06.2022 Von Bayern bis Tirol:

GFDK - Interview und Portraits

Nach sechs ereignisreichen Jahren ist das Interreg-Projekt „Lebensspur Lech“ zum 1. Juli 2022 abgeschlossen. Während dieser Zeit hat sich im gesundheitstouristischen Erlebnisraum zwischen dem bayerischen Allgäu und dem Tiroler Lechtal viel getan – dort, wo Europa auf kleinstem Raum zusammengewachsen ist.

Alle neu entstandenen Stationen bleiben auch weiterhin für Gäste und Einheimische zugänglich.

Warum der Wildfluss Lech dabei stets das verbindende Element ist, wie man aus einem verschlafenen Bergweiler ein „Auszeitdorf“ macht und weshalb grenzüberschreitende Regionalentwicklung so sinnvoll ist, wissen Füssens Tourismusdirektor Stefan Fredlmeier und der Geschäftsführer von Lechtal Tourismus Michael Kohler.

Sie haben das gemeinsame „Baby“ ins Leben gerufen,  mit ihren Teams gehegt, gepflegt und nun erfolgreich zu Ende geführt. www.lebensspur-lech.com,

Wie sind Sie 2016 auf das Interreg-Projekt „Lebensspur Lech“ gekommen?

Stefan Fredlmeier: Einer der Schwerpunkte von Füssens Tourismusentwicklung ist die zeitgemäße Umsetzung des Kneipp’schen Naturheilverfahrens.

Es war also naheliegend, bei unseren Nachbarn nachzufragen, wer ähnliche Ambitionen hat. Da uns der Lech mit unseren österreichischen Partnern nicht nur geografisch verbindet, war Kneipp als gemeinsame Klammer schnell gefunden.

Michael Kohler: Das Tiroler Lechtal steht seit jeher für naturorientierten und sanften Tourismus. 2015 bekamen wir die Gelegenheit, uns auch im gesundheitstouristischen Bereich weiterzuentwickeln und das obendrein in Zusammenarbeit mit unseren Allgäuer Freunden. Schon der Lechweg hat als Grundfeste unserer Partnerschaft gezeigt, dass es sich lohnt, an einem Strang zu ziehen.

Was genau versteht man unter einem „gesundheitstouristischen Erlebnisraum“ und welche Voraussetzungen hat dieser zu erfüllen?

SF: Das klingt sehr technisch – ist es aber nicht. In unserem Fall handelt es sich um eine Region, in der Gäste der Philosophie Sebastian Kneipps folgen, sie in all ihren Facetten und mit allen Sinnen erfahren können.

Festgelegte Voraussetzungen oder Grenzen gibt es dabei nicht. Letztlich ist entscheidend, was der Besucher wahrnimmt und erleben kann: nämlich ganzheitliche Entschleunigung in der unverfälschten Natur des Wildflusses Lech.

Warum war ausgerechnet das Thema Kneipp/Innere Ordnung von Beginn an zentrales Thema?

SF: Für Füssen als Kneippkurort mit jahrzehntelanger Erfahrung war das Thema gesetzt. Kneipp eignet sich aufgrund seines präventiven Charakters und seiner Niederschwelligkeit bestens, um Gesundheit mit Tourismus zu verbinden.

MK: Angesichts der gesellschaftlichen Relevanz von Themen wie Entschleunigung, Balance und Auszeit lag nahe, die Kneipp’sche Säule „Innere Ordnung“ als Projekt-Schwerpunkt zu fokussieren. Uns war von Beginn an klar, dass wir damit den richtigen Nerv treffen und am Puls der Zeit sind.

Welche Partner sind beteiligt und warum hat der Portalort Füssen diese mit ins Boot geholt?

MK: Neben Füssen im bayerischen Allgäu ist das Lechtal als Teil des Naturparks Tiroler Lech beteiligt. Die Angebotsentwicklung fand bei uns schwerpunktmäßig in der Gemeinde Holzgau und vier Seitentälern des Lechtals statt.

Der Verein Lechweg fungierte als bestehender Organisationsrahmen für gemeinsame Maßnahmen wie Qualifizierung und Marketing. So konnten wir uns den verwaltungstechnischen Akt sparen, für die „Lebensspur Lech“ einen eigenen Verein zu gründen.


Was wurde im Kontext der „Lebensspur Lech“ alles realisiert? 

SF: Im Rahmen umfangreicher Bauprojekte wurden in Füssen zahlreiche Erlebnisareale geschaffen, die Sebastian Kneipp sicher gut gefallen hätten – von Kneipp-Gussstellen über Ruheinseln bis zu Bewegungs-Parcours und Besinnungswegen.

Vor allem aber vertiefte Füssen per Qualifizierung der Gastgeber und Angebotsentwicklung das gesellschaftlich relevante Thema „gesunder Schlaf“:

Mithilfe des Kneipp‘schen Naturheilverfahrens rücken wir lebensstilbedingter nächtlicher Unruhe zu Leibe und sind dafür sogar von der Ludwig-Maximilians-Universität München wissenschaftlich zertifiziert worden.

MK: Wir Partner im Lechtal schufen in Holzgau den Vitalweg, der spannend und inspirierend alle Kneipp’schen Themen erlebbar macht.

Mittlerweile ist dort sogar die einheimische Bevölkerung unterwegs und somit auch die Akzeptanz für derlei Projekte im Tal gegeben.

Dem Wunsch nach Ruhe, Besinnung und Selbstjustierung wird in den sogenannten Auszeitdörfern Rechnung getragen, die sich tief in den Seitentälern des Lechs befinden.

Dort laden die Natur und Ruheinseln dazu ein, eine „Gegenwelt“ zum hektischen Alltag zu erleben. Sowohl im Lechtal als auch in Füssen wurden zudem Kneipp-Gesundheitstrainer ausgebildet. Und wir haben die „Lebenspur Lech“ mit Marketing- und Pressearbeit öffentlichkeitswirksam präsentiert.

Apropos Auszeitdörfer: Was genau hat es damit auf sich?

MK: Auf diesen „Coup“ sind wir besonders stolz. Denn im Prinzip handelt es sich dabei „nur“ um vier Kleinstgemeinden in den Talschlüssen des Tiroler Lechtals.

Doch Produktentwicklung bedeutet vor allem Kreativität – und so haben wir aus der Not eine Tugend gemacht und die „Tiroler Auszeitdörfer“ ins Leben gerufen.

Mit ihrem Anspruch auf Kneipps „Innere Ordnung“ sprechen sie mittlerweile gestresste Manager ebenso an wie Paare, die einen romantischen Rückzugsort suchen oder Aktive, die gern off the path unterwegs sind.

Hierbei war uns vor allem wichtig, die Dörfer nicht mit touristischen Highlights zuzupflastern und zu inszenieren. Vielmehr wollten wir die bestehenden Gegebenheiten – den idyllischen Bergdorfcharakter, die Ruhe, das Fehlen großer Hotelanlagen – noch hervorheben.

Es galt zu vermitteln, dass es ein Privileg ist, dort zu leben oder Urlaub zu machen. Da auch die Auszeitdörfer nicht von Abwanderung verschont bleiben, sollte zudem den Einheimischen eine Perspektive geboten werden. 


Was hat sich in den vergangenen sechs Jahren in Sachen grenzüberschreitende Verbindung(en) getan und zum Positiven verändert?

SF: Die bereits über den Lechweg und gemeinsame Kulturprojekte vertrauensvolle Zusammenarbeit hat sich in den letzten sechs Jahren nochmals intensiviert.

Da inzwischen auch der Lechradweg verlängert worden und noch attraktiver ist, wird der Lech seiner Bedeutung als verbindende Achse noch stärker gerecht.

Schon seit jeher verbindet er uns wie eine Lebensader und es macht auch weiterhin Sinn, gewisse Themen miteinander zu bearbeiten und Synergien zu nutzen.


Warum sind EU-Projekte sinnvoll und wie genau werden sie wahrgenommen und genutzt?

SF: Bei Interreg-Projekten wie der „Lebensspur Lech“ steht die grenzüberschreitende Zusammenarbeit mit klar definierten Entwicklungsschwerpunkten im Vordergrund. So wächst Europa zusammen.

In unserem Fall erleben Einheimische und Gäste die touristischen Angebote entlang des Wildflusses Lech. Dabei hat die politische Grenze zwischen Österreich und Deutschland keinerlei Relevanz mehr, sondern wir bringen einfach gemeinsam etwas weiter.


Inwieweit bleibt die „Lebensspur Lech“ nach Projektende auch weiterhin bestehen?

MK: Alle Angebote der „Lebensspur Lech“ gibt es auch weiterhin. Tatsächlich konnten wir alle 2016 fixierten Ziele umsetzen, obwohl Preissteigerungen im Förderzeitraum mehrfaches Nachjustieren erforderlich machten.

So aber haben wir die Chance bekommen und genutzt, Prozesse anzustoßen, Kompetenzen zu entwickeln, eine Infrastruktur aufzubauen und damit den Tourismus langfristig und nachhaltig zu stärken – zum Nutzen der Regionen und natürlich auch der Gäste.
Was „treibt“ Sie für die Zukunft noch an?

SF: Qualitätsbasierter und nachhaltiger Tourismus bleibt unsere gemeinsame Daueraufgabe. Die angeschobenen Entwicklungen müssen weiter vertieft werden, um die „Lebensspur Lech“ als grenzüberschreitenden Erlebnisraum für gesundheitsfördernden Naturtourismus mit einer modernen Umsetzung des Kneipp’schen Naturheilverfahrens noch stärker zu profilieren.

Gibt es eine Idee für ein verlängerndes oder sogar neues Interreg-Projekt zwischen den bestehenden Partnern?

MK: Da haben wir noch einiges vor – weitere Ideen gehen in Richtung grenzüberschreitende Mobilitätsverbesserung, naturschonende Besucherlenkung und digitale Verbünde, unter anderem bei den verschiedenen Gästekarten. Vor allem aber ist das Maß aller Dinge, dass der touristische Erlebnisraum auch weiterhin mit dem Lebensraum harmoniert.

Interview: Jessica Thalhammer/AHM

mehr

07.06.2022 Zurück zu den Weinwurzeln

GFDK - Interviews und Portraits

„Von klein auf hatte ich eine tiefe Verbindung zum Weingut Castello di Morcote am Luganer See, das mein Großvater 1940 erwarb und wo schon die alten Römer Reben gepflanzt haben.

Ich wusste früh, dass dieses sieben Hektar große Tessiner Landstück mein Leben bestimmen würde. Als Kind habe ich dort viel Zeit verbracht, das Handwerk gelernt und so den Grundstein für meine Leidenschaft gelegt.

Nach einem Studium der Kunstgeschichte in Lausanne zog es mich zurück auf den Weinberg, wo ich seit 1996 wieder arbeite.

Meine Familie war zunächst skeptisch, als ich den Betrieb 2009 komplett übernommen habe, aber für mich war es eine Herzensangelegenheit.

Und die absolut richtige Entscheidung, denn unsere Weine gehören heute – unter anderem dank unserer zwei angesehenen Önologinnen – zu den 100 besten der Schweiz.

Damit auch die nächsten Generationen erfolgreich sein können, lege ich großen Wert auf Nachhaltigkeit, seit 2017 sind wir bio-zertifiziert.

Auf unseren 2021 eröffneten Weinkeller, der mit regionalen Naturmaterialien und erneuerbarer Energie gebaut wurde, bin ich besonders stolz:

Neben professioneller und schonender Traubenverarbeitung haben wir einen Begegnungsort für hochwertigen Weintourismus geschaffen, der die Tessiner Region langfristig aufwerten soll.

Mit unserem Boutique Hotel im ehemaligen Kloster am Fuß des Weinbergs ist zudem eine symbiotische Beziehung entstanden.“

mehr

18.05.2022 exklusivinterview mit michaela boland

GFDK - Michaela Boland

Dieses Interview haben wir 2014 mit Jesper Munk geführt, und er hat sich tatsächlich im Musik-Geschäft gehalten. Am 31. Mai wird er 30 Jahre und wir erinern noch einmal an seine Anfänge.

21 Jahre, unfassbar tiefe Stimme, blonde Strubbelmähne und treuer Blick aus blauen Augen. All dies kombiniert mit einem sportlich durchtrainierten Körper im lässigen Jeans-Tanktop-Lederjacken-Look erklärt vermutlich schnell, aus welchem Grund auch BRAVO-Leser jetzt den Blues für sich entdecken.

Der Deutsch-Däne Jesper Munk verzaubert derzeit landesweit mit berührenden Eigenkompositionen, die hin und wieder an sein Idol Amy Winehouse erinnern. "For in my way it lies" lautet der Titel seines aktuellen Albums in Anlehnung an ein Zitat aus Shakespeare`s Macbeth. Eine Lektüre, die der in München beheimatete Soul-Musiker leider nie zu Ende las.

Grund: Für gemeinsame Jam-Sessions schwänzte er mit seinen Freunden gerne mal den Unterricht. Durchaus zu seinem Glück, denn der Sohn einer dänischen Mode-Direktrice und eines bayerischen Musikers musste währenddessen einmal derartig laut werden, dass seine bisher glockenklare Chorstimme brach, einen Sprung machte und "auf einmal total dreckig klang". Jetzt verschafft er sich Gehör, denn dieses besondere Timbre in der noch jungen Stimme prägt sich unverzüglich ein.

Während seiner ELECTRIC SHOW Tour 2014 durch Deutschland treffe ich den belesenen Newcomer und begeisterten Tom Waits-Fan. Dass in erster Linie Gefühl seine Musik prägt, wird schnell ersichtlich, wenn man mit dem natürlich-sensiblen und sympathisch zurückgenommenen, klugen Jesper ins Gespräch kommt. Von sich hören machen wird diese Neuentdeckung gewiss noch häufig, denn sie ist uneitel, frisch, markant und gut.

 

Michaela Boland: Hast du Macbeth in der Zwischenzeit nochmal gelesen?

Jesper Munk: Nein, habe ich immer noch nicht. Leider bin ich nicht dazu gekommen.

Michaela Boland: Hast du damals im Gymnasium keine Klausur über diesen Klassiker schreiben müssen?

Jesper Munk: Doch, klar.

Michaela Boland: Wie ist sie gelaufen, wenn du den Stoff nicht gelesen hast?

Jesper Munk: Ganz schlecht natürlich.

Michaela Boland: Ist es denn noch in Planung, das Stück irgendwann zu verinnerlichen oder schon ad acta gelegt?

Jesper Munk: Ich will es unbedingt mal lesen. Ich will überhaupt mehr von Shakespeare lesen, denn das darf man nicht auslassen. Auf keinen Fall. Leider bin ich gerade einfach zu inkonsequent. Zurzeit lese ich nämlich in einer Tom Waits-Biografie, die ich von einem guten Freund geschenkt bekommen habe. Ansonsten beschäftige ich mich in literarischer Hinsicht augenblicklich hauptsächlich mit Lyrics.

Michaela Boland: Der klassische Blues leitet sich von "I`ve got the Blues" ab. Dies heißt ja so viel wie, `ich bin traurig`. Bist oder warst du häufig traurig?

Jesper Munk: Ich würde zwar sagen, dass ich eigentlich schon ein sonniges Gemüt habe, allerdings staut sich natürlich hin und wieder mal etwas an. Denn, nicht immer läuft alles super rund. Wenn sich dann etwas anstaut und man keine Lust hat, diese Dinge so rauszulassen oder gar gegenüber jemandem direkt zu äußern, dann braucht man ein Ventil. Für manche ist das Sport, für andere ist es etwas anderes und für mich ist es eben die Musik.

Michaela Boland: Von deiner attraktiven Optik her könntest du ohne weiteres als eine Art Justin Bieber durchgehen. Nun steht er mit Pop für eine gänzlich andere Musikrichtung als du. Wäre Pop etwas, das du grundsätzlich ablehnen würdest?

Jesper Munk: Schrecklich. Das lehne ich zu hundert Prozent ab.

Michaela Boland: Im Bereich Blues würde man eher reifere Semester vermuten. Wie hast du als heute erst 21-Jähriger diese Musikrichtung schon vor Jahren für dich entdeckt?

Jesper Munk: Ich habe angefangen in einer Band namens Lila`s Riot Bass zu spielen. Mein Band-Kollege, Clemens, war damals auch schon dabei und hat Drums gespielt. Ich selbst konnte überhaupt keinen Bass spielen und viele unserer Musiker konnten ebenso wenig spielen. Also, haben wir uns darauf geeinigt, dass wir zwar wenig, aber dafür ausdrucksstark spielen. So sind wir bei den Sixties gelandet. Wenn man sich dann diese Songs anhört und weiß, dass das alles auf den Blues zurückgeht, fängt man an, sich dafür zu interessieren und sich hinein zu hören. Ebenfalls in die 1920, -30er und -40er Jahre. Und so bin ich auf den Blues gekommen.

Michaela Boland: Der Blues, der in seiner Entstehung Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts anzusiedeln ist, soll häufig in zwölf Takten und einer Melodie, die von drei Akkorden begleitet wird, auftreten. Hältst du dich womöglich auch streng an solche Formen?

Jesper Munk: Nein. Bei uns sind es nicht immer nur 12 Takte und drei Grundharmonien (lacht). Blues ist natürlich harmonisch simpel gedacht. Und das ist ja auch das Schöne daran, dass es einfach und ausdrucksstark ist. Das wenige, das du spielst, musst du mit dem maximalen Gefühl spielen. Das ist auch, was mich bis heute dabei gelassen hat.

Michaela Boland: Redakteure des Bayerischen Rundfunks sollen dich auf der Straße entdeckt haben. Klingt beinahe so wie vom Tellerwäscher zum Millionär. Wie ging das vonstatten?

Jesper Munk: Ralf Sommer hat mich auf der Straße spielen sehen und mich ins schöne Studio 12 beim BR eingeladen und das war in der Tat der erste Radiotermin.

Michaela Boland: Du hast mit 15 Jahren verhältnismäßig spät angefangen, Gitarre zu erlernen. Wie lange hat es gedauert, bis du dein Spiel perfektionieren konntest?

Jesper Munk: Ich habe mit 16 Jahren angefangen Bass zu spielen und eigentlich erst mit 17 ein halb begonnen, Gitarre zu spielen. Allerdings lernt man stetig weiter. Pro Gig und pro Session geht es immer weiter voran. Auf dem Stand, auf dem ich jetzt bin, war ich noch nie. Wenn man es richtig angeht, wird sich das wohl auch nie ändern.

Michaela Boland: Hast du dir auch die Anfänge autodidaktisch angeeignet, hast du jemals eine Musikschule besucht oder dir einfach viel bei deinem Vater, der ja ebenfalls Musiker ist, abgeguckt?

Jesper Munk: Ich habe viel mitbekommen, mir viele Konzerte angeschaut als ich noch jünger war. Da guckt man sich natürlich alles Mögliche ab und ansonsten bin ich ein Autodidakt.

Michaela Boland: In Interviews hast du häufig den Moment beschrieben, wie dir einst beim gemeinsamen jammen während des kollektiven Schule Schwänzens, urplötzlich die Stimme gebrochen sei, als du recht laut gesungen hast. So soll dir laut eigenen Angaben erstmalig bewusst geworden sein, wozu du mit deiner Stimme im Stande bist. Denkst du, ohne diesen Vorfall hätte sich alles so entwickelt wie es sich nun entwickelt hat?

Jesper Munk: Nun, ja. Hätte, würde, könnte. Keine Ahnung. Definitiv war meine Stimme in irgendeinem anderen, was-auch-immer-Teil, von mir versteckt. Und auf diese Weise kam sie eben dann heraus. Mir war zuvor nicht bewusst, dass ich meine Stimme in der Art benutzen kann.

Michaela Boland: Manche deiner Lieder erinnern in ihrer gesanglichen Umsetzung stark an Amy Winehouse. Bist du ein Fan von ihr?

Jesper Munk: Ja, total. Amy war einfach großartig.

Michaela Boland: Du hast in München Abitur gemacht und ganz brav erst danach deine Solokarriere gestartet. Wie dezidiert lässt sich so etwas eigentlich im Vorfeld vorausplanen?

Jesper Munk: Wir hatten dieses Studio-Closing im BR und das hat einfach immer mehr Aufmerksamkeit nach sich gezogen. Konzerte haben wir allerdings schon gespielt als ich noch in der Schule war. Ich habe im Juni Abi gemacht und im Januar hatten wir sogar schon Konzerte, die ausverkauft waren. Ich hatte da auch Bock drauf und wusste schon länger, dass ich das machen will. Mit viel Hilfe meines Vaters konnte ich dann sogar nach dem Abi mein erstes Album aufnehmen.

Michaela Boland: Hätte es insoweit überhaupt eine berufliche Alternative für dich gegeben oder hast du womöglich so etwas wie einen Plan B?

Jesper Munk: Die Alternative wäre Gitarrenbauer.

Michaela Boland: Einen Korpus-gewölbten Bau würdest also vermutlich hinbekommen?

Jesper Munk: Vielleicht verbirgt sich auch nur die charmante Idee dahinter, denn ich weiß natürlich, dass das eine Wahnsinns-Arbeit und viel Gefitzele ist. Dennoch wäre das auf jeden Fall etwas, was auf diesem Plan stehen würde.

Michaela Boland: Deine Texte definierst du häufig als Gefühls-Mosaik. Was ist konkret damit gemeint?

Jesper Munk: Du fährst irgendwo hin und du schreibst hier und da mal etwas auf. Du hast eben immer dein kleines schwarzes Lederbüchlein dabei. Und dann landet halt zwischendurch auch schon mal so richtig viel Schwachsinn darin. Manche Songs entstehen in einem Rutsch und andere werden über Wochen mit mir herumgetragen und dann irgendwann zusammengefügt. So entstehen dann diese Gefühls-Mosaike.

Michaela Boland: Wie gehst du üblicherweise beim Songschreiben vor?

Jesper Munk: Gar nicht. Erzwingen kann ich es nicht. Ich kann mich nicht drei Stunden hinsetzten und irgendetwas aufs Blatt zwingen. Aber, ich bewundere Leute, die das einfach so können. Das funktioniert bei mir nicht oder zumindest noch nicht. Bei mir muss das einfach kommen. Und da muss der richtige Moment da sein und ein Stift und ein Blatt.

Michaela Boland: Es soll da eine Liebesgeschichte gegeben haben, durch die dein Song 7th Street entstanden sein soll, den du ja in New York geschrieben hast. Was hat es damit auf sich?

Jesper Munk: Schwamm drüber! Bloß nicht so viel Aufmerksamkeit darauf richten! Da ist etwas schief gelaufen und ich bin trotzdem hingefahren und dann bin ich wieder zurück, hatte aber zumindest einen neuen Song und eine neue Gitarre auf dem Weg nach Hause im Gepäck. Das ist die Kurzversion der Geschichte.

Michaela Boland: Bist du denn gerade liiert?

Jesper Munk: Das kann ich natürlich nicht sagen. (Anm. d. Red.: Grinst verschwörerisch).

Michaela Boland: Geheimnisvoll und der Spekulation Tür und Tor öffnend.

Jesper Munk: (lacht)

Michaela Boland: Die BRAVO hat sich ebenfalls bereits für dich interessiert. Ist das etwas, das dich freut oder ist dir das eher gleichgültig, nachdem das Traditionsjugendmagazin ja klassischerweise eher über die Justin Biebers dieser Welt berichtet?

Jesper Munk: Bewusst sind wir das nie mit einem Promo-Plan angegangen, da wir ja Blues machen. Ich finde es natürlich schön, dass da jemand drin saß, der cool fand, was ich mache.

Michaela Boland: Das ZDF beschrieb dich im Rahmen eines Fernsehauftritts als "Deutschlands gehypten Blues-Act". Kannst du mit solchen Attributen etwas anfangen?

Jesper Munk: Die Formulierungen sind ja in dem Sinne nicht für mich, denn ich muss ja nichts damit anfangen. Ich finde es natürlich nett, wenn man diese Art von Aufmerksamkeit bekommt und ein Feedback, das positiv ist. Aber ich in erster Linie, weiß nicht, was ich damit anfangen sollte.

Michaela Boland: Dein Vater, Rainer Germann, ist ebenfalls Musiker und einigen bekannt durch seine Band, Cat Sun Flower, die unter anderem schon als Vorgruppe von Oasis auftrat. Mittlerweile ist er dein Berater, Bassist und Co-Produzent. Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit in der Familie?

Jesper Munk: Sehr gut. Seitdem das mit der Musik abgeht, ist natürlich diese ganze standardmäßige Vater-Sohn- warum-gehst-du-nicht-in die Schule-was-soll-das-mach-was-G´scheits-Problematik hinfällig. Wir machen einfach miteinander Musik und so wie man zusammen Musik macht, genau so läuft es.

Michaela Boland: Hast du noch Geschwister oder bist du Einzelkind?

Jesper Munk: Ich bin Einzelkind.

Michaela Boland: Deine Mutter, Helle Munk, soll in der Modebranche arbeiten. Ist sie dort ebenfalls im kreativen Bereich tätig?

Jesper Munk: Meine Mutter hat digitale Schnitt-Direktrice erlernt und arbeitet heute als Schnittbildlegerin beim Modeunternehmen Rena Lange. Sie berechnet quasi diese Schnitte am Computer und danach wird dann der Stoff eingekauft.

Michaela Boland: Bist du auch schon einmal in Dänemark aufgetreten?

Jesper Munk: Nein, noch nie.

Michaela Boland: Du firmierst als Deutsch-Däne, bist allerdings in München aufgewachsen. Wie sieht es denn da mit deiner Staatsbürgerschaft aus?

Jesper Munk: Ich habe einen dänischen Pass.

Michaela Boland: Doppelte Staatsbürgerschaft?

Jesper Munk: Nein, ich habe nur einen dänischen Pass.

Michaela Boland: Sprichst du denn Dänisch?

Jesper Munk: Nur ein paar Schimpfwörter. (lacht)

Michaela Boland: Du trägst den Nachnamen deiner Mutter. Hast du ihn dir als Künstlernamen angeeignet?

Jesper Munk: Nein, ich heiße so. Das steht auch so im Pass. Meine Eltern sind gar nicht verheiratet. Ich bin ein Bastard. (lacht). Ich lass mich jetzt ohnehin von Clemens adoptieren, damit ich einen Grafen-Titel bekomme. (lacht). Jesper Graf Finck von Finckenstein, hieße ich dann. (lacht)

Michaela Boland: Ihr seid derzeit auf Tour. Wie verläuft denn das Tourleben so?

Jesper Munk: Der Begriff Bettruhe ist zumindest dehnbar. Wir waren jetzt im Kölner Bruegel, da war eine Jam-Session, da habe ich noch zwei Songs gespielt.

Michaela Boland: Dein Weg führte über die sogenannten Fish`n Blues Veranstaltungen, ein Event, das in München stattfindet. Hattest du dort natürlicherweise Heimvorteil? Oder wie leicht ist es grundsätzlich, dort Bestandteil zu werden?

Jesper Munk: Das waren für mich die ersten Male, dass ich überhaupt live gespielt habe. Zu Beginn hatte ich gerade mal zwei Songs, doch das Publikum dort ist sehr nett. Da hast du beispielsweise deinen harten Kern, der immer kommt, dann natürlich auch Menschen, die neu dazu kommen, zeitgleich auch ein sehr wechselndes, flexibles Publikum, das aber natürlich auch während des Essens gerne mal quatscht. So etwas ist natürlich sehr gut um Songs auszuprobieren. Denn wenn sie dann endlich mal ruhig sind, dann hast du es irgendwie geschafft.

Michaela Boland: Bist du denn vor Auftritten nach derartig viel Live-Bühnenerfahrung zwischenzeitlich überhaupt noch aufgeregt?

Jesper Munk: Ich bin auf der Bühne aufgeregt. Den ganzen Gig lang. Das ist dieses Hin- und-Hergeben von Musik zwischen Künstler auf der Bühne und Publikum. Ja, das regt einen auf (lacht).

Michaela Boland: Für wen schreibst du deine Songs in erster Linie?

Jesper Munk: Darauf gibt es eigentlich gar keine Antwort. Teilweise für mich, aber eigentlich hauptsächlich für den Clemens. In erster Linie immer für den Drummer (lacht).

Michaela Boland: Hast du selbst auf deinem aktuellen Album ein Lieblingsstück?

Jesper Munk: Nein.

Michaela Boland: Das nächste Album ist in Arbeit?

Jesper Munk: Ja, es ist in Arbeit und die Fertigstellung ist für Anfang 2015 anberaumt. Das ist zwar noch nicht offiziell, aber, man kann sich darauf einstellen.

Michaela Boland: Bleibt dir neben der Musik eigentlich noch Zeit für andere Hobbys?

Jesper Munk: Was Sport anbelangt, so schaut man halt, wenn man auf Tour ist, dass man so halbwegs in Form bleibt. Wenigstens nach dem Aufstehen erst mal so ein paar Liegestütz machen. Ansonsten trinke ich gerne und spiele Billard und Darts. Manchmal auch Kino. Wobei ich eigentlich am liebsten zu Hause Filme schaue. Der letzte richtig geile Film, den ich gesehen habe war, "Limits of Control". Am Ende kommt Bill Murray darin vor.

Michaela Boland: Zur Zeit liest du, wie du sagtest, ja die Biografie von Tom Waits, den du sehr verehrst. Was ist für dich das Besondere an ihm?

Jesper Munk: Der Mensch hat sich in seiner eigenen Musikrichtung gehalten. Durch eine Eigenart und sein Durchhaltevermögen. Auch hat er eine wahnsinnige, unbeschreibliche künstlerische Identität. Er ist dabei geblieben und ist darin auch noch nach wie vor einzigartig.

Michaela Boland: Bist du Fußball-interessiert?

Jesper Munk: Nein, Fußball nicht so. Aber, ist ja auch langweilig. Bayern gewinnt ja die ganze Zeit. (lacht)

Michaela Boland: Wie sieht es mit bildender Kunst aus?

Jesper Munk: Nur ganz laienhaft. Ich kann mir etwas ansehen und sagen, es gefällt mir aus dem und dem Grund. Aber ich kann jetzt nicht aus einem geschichtlich fundierten Wissen schöpfen. Ich genieße aber Fotografien und Bilder.

Michaela Boland: Engagierst du dich für irgendetwas?

Jesper Munk: Bisher noch nicht, weil ich einfach noch nicht genug darüber weiß. Das wird sich höchstwahrscheinlich ändern, sobald ich die Zeit habe, mich damit auseinanderzusetzen. Und politisch engagiere ich mich zur Zeit nicht aktiv.

Michaela Boland: Lieber Jesper, vielen Dank für dieses ausführliche Interview und alles Gute weiterhin für deine Karriere.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

mehr

18.05.2022 Portrait des Monats

GFDK - Michaela Boland

Dieser Artikel wurde Anfang 2017 hier veröffentlicht. Ihr Metier war lange Zeit reine Männerdomäne. Wenngleich sich der Anteil weiblicher Vertreter auch in den vergangenen Jahrzehnten deutlich erhöht hat, befinden sich die XY-Chromosomenträger in diesem Fach mengenmäßig noch immer klar im Vorteil.

Doch diese Tatsache muss sich gar nicht immer so schlecht auswirken, findet sie: Kabarettistin Sylvia Brécko.

Eine Frau mit jeder Menge Energie. Seit 2007 ist sie mit ihren Programmen erfolgreich auf deutschen und europäischen Bühnen unterwegs und begeistert ihr Publikum mit gesellschaftspolitischen Themen, die sie mit einem Augenzwinkern auf wunderbar leichte Art und Weise aufrührt. Kurzweilig, vielfältig und dennoch tiefgründig, so will die Kölnerin mit österreichischem Pass ihre Zuschauer unterhalten.

Dass ihr dies seit Langem gelingt, beweist schon mal ein Punkt: Das empfehlenswerte aktuelle Programm, die-Dauerbrenner One-Woman-Show mit Text und Musik: "Liebling, wir müssen reden" wird im Oktober von der schon sehnsüchtig erwarteten Fortsetzung ("Liebling, wie war ich?“) abgelöst und befasst sich mit dem immerzu aktuellen Mann-Frau-Thema. Zwar geht es nicht nur um die Kommunikation zwischen den Geschlechtern, sondern ebenfalls um Verständigung an sich, die allgemeine Unterhaltung und um Werte.

Große Sprachkrise

Doch vor allem setzt die ausgebildete Schauspielerin eine Beobachtung um: Die große Sprachkrise, auf die wir ihrer Meinung nach zusteuern. "In vielen Schulen wird immer weniger Deutsch gesprochen und die deutsche Sprache nicht mehr richtig erlernt", konstatiert sie.

Sicherlich nicht von der Hand zu weisen, denn seit sich schockierende Erlebnisse von der Bildungsfront sogar aus erster Hand in Lehrerdokumentationen wie beispielsweise der mit dem Titel "Isch geh Schulhof" bis in die  Bestsellerlisten hoch katapultierten, wie wir seit Autor Philipp Möller wissen, erhärtet sich der Verdacht, dass es mit korrekter Sprache hierzulande tatsächlich abwärts gehen könnte.

So schildert auch Sylvia Brécko, wie sie zwar manchmal über Gespräche zwischen Jugendlichen, die sie beim Bahn fahren hin und wieder zwangsläufig mitbekomme, lache, ihr aber jenes Lachen gleichzeitig im Halse stecken bleibe. Immerhin: Derartiges eignet sich regelmäßig ganz gut fürs Kabarett.

Wo sich die Diplom-Sportlehrerin sonst noch Inspiration holt, wie sie neben ihrer Sprech- Tanz- und Gesangsausbildung auch noch einen Magister in Theater-Film- und Fernsehwissenschaften sowie Germanistik und Kunstgeschichte erworben hat, während sie beim WDR moderierte und Filme machte, hat sie beim Gespräch im Klettenberger Café 333 verraten.

Sylvia Brécko erinnert an die Filmdiva Marlene Dietrich

Mit ihren 1,75m, blauen Augen, der hellblonden Mähne und einer Traumfigur lässt Sylvia Brécko gewiss so manches Männerherz höher schlagen. Zwar ist die Wahlkölnerin, die um ihr Alter ebenso ein Geheimnis macht, wie einst Marlene Dietrich und Fragen hiernach regelmäßig genau wie die legendäre Filmdiva mit den Worten,

"Der Geburtsschein ist ein Gerücht, das eine Frau jederzeit durch ihr Aussehen dementieren kann", abbürstet, längst in festen Händen, doch  Bewunderer sind der gebildeten Kabarettistin sicher.

Einst habe sie ein Programm über weibliche Mythen gemacht. Neben der gerade zitierten Dietrich seien darin auch Edith Piaf, Marilyn Monroe, Judy Garland und Tochter Liza Minnelli vorgekommen.

Ein Kulturamtschef habe sie daraufhin im Jahre 2007 gefragt, ob sie sich denn nicht auch vorstellen könne, politisches Kabarett zu machen. Doch reine Politik reizt die Blondine weniger. "Ich bin ein politisch durchschnittlich interessiertes Wesen", sagt sie. "Um politisches Kabarett zu machen, musst du überdurchschnittlich an der Politik interessiert sein", findet Brécko.

Immerhin sei sie auf diese Weise jedoch dazu gekommen, es einfach einmal mit gesellschaftspolitischem Kabarett zu versuchen. "Ich habe dann mit Beziehungskabarett begonnen", erzählt sie. "Daran habe ich Spaß, da stehe ich hinter, das sind meine Themen", bekräftigt sie ihre Entscheidung.

Wichtig sei ihr, dass ihr Publikum einen schönen unterhaltsamen Abend habe und sich in den darauffolgenden Tagen und Wochen immer einmal wieder daran erinnere, was sie gesagt habe und Dinge wiedererkenne.

Dass ihre Vorstellungen durchaus für Bewusstseinserweiterungen sorgen, bestätigen die zahlreichen E-Mails, die sie häufig als Reaktion auf ihr Programm von Zuschauern erhält. So schrieben ihr die Menschen beispielsweise, "Genau das habe ich dann auch gesehen."

Auf die Frage, ob man es nach ihrem Dafürhalten als Frau im Kabarett grundsätzlich schwerer habe als ein Mann, antwortet sie: "Offenbar hat man es schwerer".

Das siehst du ja schon daran, dass es wesentlich weniger Frauen gibt, die Kabarett machen", doch fügt sie lachend hinzu, "das hat ja auch Vorzüge, dass wir in der Minderheit sind". Hintergrund: Vor kurzem war Sylvia Brécko auf einem Ball eingeladen und konnte sich als Stargast für eine geplante Kabarettveranstaltung der Lions ins Gespräch bringen.

So wurde ihr nämlich gesagt, dass es doch durchaus etwas wäre, wenn sie als erste Frau dort aufträte, nachdem man bisher nur Männer gehabt habe. "Ich lasse das auf mich zukommen und fühle mich in der Szene nicht benachteiligt", erklärt die im Sternzeichen des Löwen Geborene.

Benachteiligt dürfte sich auch Kollegin Carolin Kebekus derzeit keineswegs fühlen. Der weibliche Shootingstar, der 2011 sein Debütalbum "Ghetto Kabarett" herausbrachte, Deutscher-Comedypreisträgerin und seit 2013 Ensemble-Mitglied der heute-show ist, sorgte jüngst mit dem bei RTL ausgestrahlten, eigenen Programm "Pussyterror Teil 1 und 2" für hohe Einschaltquoten.

"Was hältst Du von dieser etwas platteren, aber kommerziell recht erfolgreichen Art des Humors der Kollegen, wie beispielsweise Kebekus und Barth aus dem Comedy-Bereich", möchte ich von Sylvia Brécko wissen.

" Auch wenn es heutzutage sehr durcheinander fließt und man es vielleicht nicht mehr so trennen kann, wie man es einmal konnte, unterscheide ich immer noch zwischen Kabarett und Comedy. Auch denke ich, dass es für jede Richtung, ob es nun rein politisches, gesellschaftspolitisches Kabarett oder Comedy ist, eine Klientel gibt.

Es gibt für alles überall ein Publikum und von daher hat alles seine Legitimation", antwortet die Kabarettistin diplomatisch. Überhaupt: Ihre Ausdrucksweise ist gewählt, die Anmutung elegant.

Dann zitiert sie die von ihr hochgeschätzte Kollegin Gerburg Jahnke mit den Worten, "Comedy macht man wegen dem Geld und Kabarett wegen des Geldes".

Welche Motivationen auch immer hinter den Menschen stehen mögen, als Freiberufler bedarf es hin und wieder eines langen Atems. Da trifft es sich gut, dass Durchhaltevermögen durchaus eine Stärke Sylvia Bréckos` zu sein scheint.

Bevor die Tochter eines Österreichers endlich ihre Abschlüsse in Theater-Film und Fernsehwissenschaft, Germanistik und Kunstgeschichte sowie Sport machte, absolvierte sie parallel zum Studium noch ihre Schauspiel-, Tanz-, Gesangs- und Sprechausbildung, fungierte als Ansagerin im WDR Fernsehen, moderierte bei der Hobbythek an der Seite von Jean Pütz und arbeitete als Realisatorin für die Lokalzeit im Sender.

"Ich musste immer mehrere Dinge auf einmal machen", erinnert sich Brécko, gibt aber weiterhin zu, "ich habe auch ziemlich lange studiert". Das Beiträge machen sei aber auf Dauer nichts für sie gewesen, gesteht sie.

"Ich wollte immer ein Kunstwerk aus den Filmen machen. Für mich musste es immer eine Dramaturgie haben“, erklärt die früher einmal leicht Rothaarige. "Ich war nicht so ein schneller Produzierer und habe mir dann einfach gesagt, `das machen andere besser`".

Es sei "input-output-mäßig" gewesen, man habe unglaublich viel recherchieren und vorbereiten müssen und hinterher nur einen Dreiminüter gehabt, der dann einfach so verpufft sei. Demgegenüber hat sie in ihrem derzeitigen Betätigungsfeld jedwede Gelegenheit ihre Vorstellungen umzusetzen.

"Im Theaterbereich entwickle ich eine Show, aber ich kann sie dann auch immer wieder reproduzieren und immer wieder aufs Neue leben und erleben", erläutert Sylvia.

"Wie bestückst du deine jeweiligen Programme, gibt es da einen bestimmten Ablauf", frage ich die passionierte Bühnenfrau. "Es gibt natürlich Arbeitserfolge.

Das heißt, man setzt sich hin, man hat den Druck, ich brauche auch immer den Druck, habe jetzt meine Premiere für das Programm auf den ersten Oktober festgelegt und das heißt, ich muss mich einfach hinsetzten und schreiben", erklärt Brécko. Sie treffe sich sodann alle ein bis zwei Wochen mit ihrer Regisseurin und müsse dort auch etwas abliefern.

"Den Ehrgeiz habe ich natürlich, damit wir beide dann produktiv arbeiten können." Zunächst würden einzelne Nummern, die zu einem größeren Themenkreis gehörten, verfasst, die dann in der Gemeinschaftsarbeit sprachlich verfeinert und in eine Dramaturgie gebracht werden müssten.

Derzeit laufe sie mit extrem offenen Augen und Ohren durch die Gegend und alles, was ihr auffalle und zu ihrem Thema passe, schreibe sie sogleich auf.

Ihr Geheimnis: Ein kleines rotes Buch, was sie stets bei sich führt und worin sie alles notiert, was ihr in den Sinn kommt, was sie erlebt oder sieht. Inhaltlich, so verrät sie schon einmal, gehe es im geplanten Fortsetzungsstück, "Liebling, wie war ich?" um Dinge, die etwas zu tun hätten mit Ängsten, Unsicherheiten und Selbstbewusstsein, die sich im Leben eines Künstlers oftmals abwechselten.

Dieses gewisse Wirrwarr von Emotionen und Zuständen, denen man sich eben auch als Künstler ausgesetzt sehe.

So soll sich dann mit der Premiere am ersten Oktober der "Liebling-Kreis, nach, "Liebling, bin ich zu dick?" und "Liebling, wir müssen reden!" schließen.

Getreu dem Motto ihres letzten Trilogie-Teils, "Liebling, wie war ich?", richtet sie als Künstlerin diese Frage, wohlgemerkt in subtilerer Weise, um sich zeitnah ein erstes Feedback einzuholen, spätestens in der Pause gleichsam an ihre private Begleitung.

Eine Art Personal-Kritiker, der bei jeder Show dabei ist und den Verlauf von Anbeginn mitverfolgt? Gut, ein solches Menschen-Barometer zu haben, doch gibt es eigentlich auch Möglichkeiten, die Kabarett-Tauglichkeit des Erdachten schon im Vorfeld auszutesten, interessiert es mich.

Brécko`s Testphase sah, wie sie erzählt, wohl immer folgendermaßen aus: "Ich habe zuvor immer befreundete Pärchen zu mir eingeladen und dann haben wir Dinner & Show gemacht." Soll heißen:

Es habe zunächst eine kleine Vorspeise gegeben, Brécko trug erste Show-Elemente vor, es folgte eine Pause, die Zeit für erstes Feedback der Freunde ließ, bevor nach dem Hauptgang der zweite Programmteil zum Besten gegeben worden sei, und das Multitalent Brécko sich nach dem Nachtisch die ehrliche Abschlusskritik hat einholen dürfen. Auf dieses Weise konnte die Künstlerin erkennen, wo etwas ankam und wo nicht.

Ihr häufig gemischtes, aber tendenziell eher intellektuelles Publikum bewegt sich hauptsächlich zwischen 35 und 55 Jahren, wobei ihr jüngster Fan gerade mal zwölf Jahre zählt, die ältesten durchaus schon 80. Gelegentlich verirrten sich durchaus auch solche Menschen in ihre Vorstellung, die wegen des Titels ein Programm mit Mario-Barth-Charme erwarteten. "Was mir auffällt, ist, dass die Leute im Theater heute wesentlich mehr den Anspruch haben, im Sinne eines Schenkelklopfers einfach mal so loslachen zu wollen.

Am besten einer nach dem anderen, wobei das nicht immer eine qualitative Aussage ist. Die Menschen sind da heute sehr verwöhnt, gerade wenn sie viel fernsehen, haben sie einfach einen anderen Humorpegel", analysiert Brécko.

Die Nachfrage nach ihren Vorstellungen jedenfalls ist groß. So gastierte sie neben Köln, Bonn, Berlin, Rostock, Lübeck, Hannover, Celle und München sogar im schon im Ausland: In Spanien und in der Schweiz erfreute sie deutschsprachiges Publikum mit ihren Shows.

Im Leben der emsigen Sylvia dürfte es in diesem Jahr wohl kaum zu einem Moment der Langeweile kommen. Neben den Vorbereitungen zum neuen Programm im Herbst plant sie nämlich zum einen noch eine Weihnachtsshow und entwickelt als Choreographin die Tanzeinlagen für die in Köln bekannte Karnevals-Tanzgruppe "De Höppemöztjer".

Bei derartig vollem Terminkalender bleibt die Frage: Wo findet die Kabarettistin Entspannung? Ein bis zweimal im Jahr verweilt Brécko, die in Melbourne Verwandtschaft hat, in Australien.

Die unglaubliche Natur und das Meer faszinieren die Künstlerin. Sie liebe das Wellenreiten und die Freundlichkeit der Menschen dort mit ihrer positiven Lebenshaltung, was auch für ihr Programm von Bedeutung sei.

" Ich glaube, dass es mir in gewisser Weise gelingt, etwas von der positiven Energie mitzubringen." Sogar als Reisejournalistin für Fachmagazine hat sich Brécko während ihrer Aufenthalte in Australien schon betätigt. In der knapp bemessenen Freizeit schaut sie sich durchaus schon mal romantische Komödien a la Harry und Sally an.

Beim bevorstehenden Arbeitspensum wird sie in nächster Zeit wohl eher kaum dazu kommen. Doch dafür dürfen sich ihre Fans wohl in Kürze auf ein köstliches neues "Liebling-Programm" freuen. Und darin gibts von der ausgebildeten Tänzerin diesmal sogar einen echten Spagat zu sehen.

Michaela Boland ist Journalistin und TV-Moderatorin. Bekannt wurde sie als Gastgeberin der Sommer-Unterhaltungsshow „HOLLYMÜND“ des Westdeutschen Rundfunks Köln. Seit 1988 schrieb sie für die Rheinische Post, unterschiedliche Publikationen der WAZ-Gruppe Essen, Bayer direkt und Kommunalpolitische Blätter.

Außerdem präsentierte sie die ARD-Vorabendshow „STUDIO EINS“ und arbeitete als On-Reporterin für das Regionalmagazin „Guten Abend RTL“. Auf 3-Sat, dem internationalen Kulturprogramm von ARD, ZDF, ORF und SRG, moderierte sie die Kulturtalkshow „Doppelkopf“, sowie für TV NRW, die Casino

Show „Casinolife“ aus Dortmund-Hohensyburg. Michaela Boland arbeitet auch als Veranstaltungsmoderatorin und Synchron- sowie Hörspielsprecherin.

Für die Gesellschaft Freunde der Künste moderiert sie den Kaiserswerther Kunstpreis sowie alle grossen Kulturveranstaltungen der Gesellschaft.

Seit Mitte 2009 ist sie verantwortlich für die Ressorts:

Exklusivinterview und Porträt des Monats

© Michaela Boland und Gesellschaft Freunde der Künste

Nachrichten, Stories, Meinungen und Unterhaltung

Freunde der Künste,
das Sprachrohr der Kreativwirtschaft

Weiterführende Links:

mehr

22.03.2022 4-Sterne-Superior-Hotel Bodenmaiser Hof

GFDK - Interview und Portraits

„Mir wurde das Gastgeber-Gen in die Wiege gelegt – das erste Bier habe ich gezapft, da brauchte ich noch einen Schemel.

Somit stand für mich schon immer fest, dass ich das elterliche Hotel einmal übernehmen würde. Die Ausbildung erfolgte dann außerhalb der nestwarmen Komfortzone:

Zuerst Kochlehre in Passau, dann Bayerischer Hof in München und Residenz Heinz Winkler Aschau. Hinzu kamen Hotelfachschule, Ausbilderin, Hotelbetriebswirtin.

2021 gaben meine Eltern die Geschäftsführung an mich samt Familie weiter, und damit jede Menge Herausforderungen:

Der Fachkräftemangel und Corona machen uns zu schaffen, die enorme Bürokratie frisst wertvolle Zeit. Dennoch liebe ich den Bodenmaiser Hof mit all seinen Facetten, Geschichten und Menschen.

Der Spagat, Mann, drei Kinder und Hotel unter einen Hut zu bringen gelingt lediglich, weil sich unser Alltag komplett dort abspielt.

Nur so blieb genug Muße, mir einen lang gehegten Traum zu erfüllen und meine eigene High-End-Kosmetiklinie entwickeln zu können, in der unter anderem heimische Kräuter, bayerisches Quellwasser und der selbstgebrannte Gin meines Vaters enthalten sind.

Zukunftsvisionen gibt es jede Menge, darunter etwa die Erweiterung der Pflegeserie oder die Vergrößerung des Spa inklusiver privater Bereiche. Was wir aber dennoch bleiben möchten, ist ein Ort der Geborgenheit und Wärme, besonders und individuell.“

mehr

18.03.2022 Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg

GFDK - Interviews und Portraits

„Seit 2006 betreibe ich mit meinem Vater das Hotel Vier Jahreszeiten Starnberg in Oberbayern, welches wir als Quereinsteiger in Eigenregie bauen ließen.

Ursprünglich suchten wir nur eine moderne Unterkunft mit erstklassigen Tagungsmöglichkeiten für unsere IT-Firma Pharmatechnik, die fortlaufend Seminare und Veranstaltungen abhält.

Aus dieser Idee und kaum Optionen im Landkreis reifte die Vision des eigenen Hotels. Dank meiner Erfahrung als Juristin in der Immobilienbranche konnte ich schon in der Bauphase Impulse setzen, hinzu kam die Leidenschaft für Innenarchitektur und Design.

Um uns von Kettenhotels abzuheben, wollte ich unser Vier Sterne Superior Haus in einer der schönsten Urlaubsregionen Deutschlands außerdem für Privatreisende und Genießer positionieren.

Mit der Anstellung des jungen Küchenchefs Maximilian Moser gelang dann der Volltreffer: Gleich im zweiten Jahr erkochte er 2014 mit seinem Team einen Michelin-Stern, den wir bis heute bestätigen konnten.

Warum also nicht beide Flaggschiffe zusammenführen? So entstand unser innovatives „Meet Culinary“-Konzept, das persönlich betreute Meetings mit Spitzengastronomie vereint.

Mittlerweile sind wir bei beiden Zielgruppen etabliert: Erst kürzlich wurden wir erneut Certified-Star-Award-Sieger mit dem besten Prüfergebnis in Bayern, während Fachmagazine wie Connoisseur Circle uns zu Deutschlands Top-Gourmethotels zählen.

mehr

15.03.2022 in Schenna, Südtirol

GFDK - Interviews und Portraits

„Der Wissensschatz meiner Mutter und Großmutter über Heilpflanzen war enorm und wurde mir von Kindesbeinen an vermittelt.

Später dann entwickelte sich der hundertjährige Bauerngarten meiner Schwiegereltern entsprechend schnell zur Leidenschaft.

Als Bäuerin des Oberhaslerhofs in Schenna konnte ich mich dort ganz meiner Herzensangelegenheit widmen: den Kräutern. Lavendel und Löwenzahn, Ringelblume und Rosmarin, Schafgarbe und Salbei – ich liebe sie alle!

Mein Kräutergarten umfasst mittlerweile über 100 verschiedene Pflanzen und ich freue mich immer noch darüber, wenn er als einer der schönsten seiner Art in ganz Südtirol bezeichnet wird.

Das nötige Wissen habe ich mir in unzähligen Seminaren angeeignet und bin neben gelernter Kräuterpädagogin auch ausgebildete Kneipp-Trainerin, habe Kurse zur Saatgewinnung sowie Weiterbildungen im In- und Ausland absolviert.

Auch wenn man nie auslernt, kann ich heute behaupten, beinah alles über Heilpflanzen zu wissen. Mein Know-how gebe ich bei Hofführungen, Wildkräuterwanderungen und Kochkursen an Feriengäste und Einheimische weiter.

Dabei zeige ich ihnen unter anderem die Herstellung von Tees, Salben, Tinkturen, Kräutersalz oder -pesto. Mittlerweile wurde ich sogar gebeten, zwei Bücher zu verfassen.

Damit tauchen Leser tief in die Welt der Pflanzen ein und erfahren viel über den Gebrauch in den Bereichen Küche, Gesundheit und Wohlbefinden.“ 

mehr

13.03.2022 Direktorin der Therme Meran, Südtirol

GFDK - Interviews und Portraits

„Nach einer kaufmännischen Ausbildung habe ich das Abitur nachgeholt und in Innsbruck Wirtschaft studiert. Anschließend ging es in einen Wiener Großkonzern, dann in die Regionalentwicklung bei der Europäischen Akademie Bozen.

Als ich erfuhr, dass in Meran eine Therme entstehen würde, habe ich mich sofort beworben – und wurde genommen. Gereizt hat mich, ein ganz neues Projekt federführend mitgestalten zu können.

Gute Ideen allein haben aber nicht gereicht, um die Therme Meran in relativ kurzer Zeit zu DER Südtiroler Therme zu machen.

Nur im Team konnte dieser Erfolg gelingen, und mit einer klaren Strategie: Wir wollten alte Traditionen neu denken.

So wurden etwa ausschließlich Südtiroler Naturprodukte wie Heu, Molke oder Apfel in Form unserer hauseigenen Kosmetik im MySpa eingesetzt.

Zum anderen hat Meran eine so große Kurgeschichte! Es war und ist mir eine Ehre, gemeinsam mit meinen Mitarbeitern ein kleines Kapitel davon mitschreiben zu dürfen.

Für die Zukunft planen wir unter anderem den Ausbau unserer Medical Area, außerdem werden wir die Therme mittels eines weiteren Stockwerks erheblich vergrößern.

Immer noch freuen kann ich mich über zufriedene Mitarbeiter und Kunden. Da ich vor allem in den Hauptsaisons viel arbeite, bin ich dankbar für meinen tollen Ehemann.

Trotzdem schaffe ich mir regelmäßig Freiräume. Denn ausgepowerte Führungskräfte bringen keiner Firma einen Mehrwert.“

mehr

10.03.2022 im Tannheimer Tal, Tirol

GFDK - Interviews und Portraits

„Vorreiter waren wir von Beginn an – 1992 war unser Wellness-Bereich schon 555 Quadratmeter groß. Die Nachfrage für Treatments lag allerdings bei Null. Erst als wir an einer Autobahnraststätte Prospekte verteilten, überrannten uns die Gäste plötzlich.

In einer nächtlichen Hauruck-Aktion ließen mein Mann und ich drei weitere Massagekabinen einbauen. Mittlerweile misst der Jungbrunn-Spa 7.900 Quadratmeter.

Auch in Sachen Design hat sich der Gutzeitort, den mein Sohn Marcel heute mit demselben Herzblut wie wir damals leitet, komplett gewandelt.

Im Hotel konnte ich meine künstlerische Ader ausleben:

Heimisches Hirschleder, Loden und Leinen waren in meinen Augen fürs haptische Land-Lebensgefühl ebenso wichtig wie die Mooswand im Spa oder wettergegerbtes Stadelholz, welches wir gegen alle Warnungen der örtlichen Tischler eingebaut haben.

Das in Kombination mit moderner Formensprache und coolen Details ist vorher nie dagewesen.

So wurde der Jungbrunn-Style als Spannungsbogen zwischen Trend und Tradition geboren, der Besucher bis heute in seinen Bann zieht.

Ich habe dabei immer versucht, die menschliche Komponente nicht zu vernachlässigen, bei Gästen wie Mitarbeitern. Meine Philosophie: Schwierigkeiten mit Charme meistern, jeden Tag das Beste geben, authentisch bleiben.

So sind aus Ecken und Kanten Feinschliff und Besonderheiten entstanden, die in der Hotellerie ihresgleichen suchen.“ 

mehr

09.03.2022 Motto - We all are family

GFDK - Interviews und Portraits

Auch in touristischen Unternehmen sind weibliche Führungskräfte längst auf dem Vormarsch. „Ich komme aus der Mode, daher war die Hotellerie für mich eigentlich kein Thema.

Als mein Mann Harald 1988 den Schwarzen Adler Innsbruck übernahm, sollte das ursprünglich nur für kurz sein, um seinen Bruder zu unterstützen. Dieses ‚Kurz‘ dauert bis heute fast 35 Jahre, in denen wir als Hoteliers-Familie an unseren Herausforderungen ebenso gewachsen sind wie unser Hotelportfolio.

2006 kam das erste von mittlerweile acht (bis Ende 2022 zehn) harry’s home hotels & apartments hinzu, 2013 folgte das aDLERS Lifestyle-Hotel Innsbruck.

Was mir am meisten an diesem Leben gefällt, ist die Nähe zu den Menschen, denn ich bin einfach gern mitten im Geschehen.

Die Bühne war schon immer mein Ding – und es gibt keine bessere Bühne als die Hotellerie. Am treffendsten beschreiben lässt es sich wohl so: Harald ist der Top-Manager, ich bin die geborene Wirtin.

Neben Gastronomie-Tätigkeiten und Housekeeping kümmere ich mich viel ums Event-Management und die Social-Media-Kanäle unserer Hotels.

Für Letzteres ist vor allem meine Familie dankbar. Mir macht die Content-Produktion großen Spaß und ich erhalte viel positives Feedback – auch wenn ich vielleicht manchmal über die Stränge schlage.

‚We all are family‘ ist unser wichtigstes Motto im Unternehmen und auch dort habe ich klar die Rolle der Mama eingenommen. Für unsere Mitarbeiter stehe ich entsprechend jederzeit genauso als starke Ansprechpartnerin bereit wie für unsere Gäste.“

mehr
Treffer: 207