Für radikale Brüche bei vollem Körpereinsatz ist Marina Abramović bekannt: Damit wurde sie zur namhaftesten Gegenwarts-Künstlerin.
Ihre Werkschau "Marina Abramović: Balkan Erotic Epic - The Exhibition" im Berliner Gropius-Bau führt vor, worauf ihre Popularität beruht.
Masochistischer Exhibitionismus trifft auf sadistischen Voyeurismus des Publikums: eine zeitlose Erfolgsformel.
Die weibliche Beuys: Nach dem Vorbild des Kunst-Schamanen wurde Marina Abramović mit vollem Körpereinsatz zur populärsten Gegenwarts-Künstlerin, wie ihre Retrospektive im Gropius-Bau zeigt. Was ihre Performances zwischen Selbstverstümmelung und Herrenwitzen nicht besser macht.
Wer von Marina Abramović reden will, darf von Joseph Beuys (1921-1986) nicht schweigen.
Der Fluxus-Mitstreiter und dauerdozierende Professor der Kunstakademie Düsseldorf war Ende der 1960er Jahre zu einem solitären Star im Kunstbetrieb aufgestiegen – quasi als künstlerisches Korrelat zur dauertheoretisierenden Studenten- und K-Gruppen-Bewegung.
Beuys hat Performances als Kunstform nicht erfunden, aber popularisiert wie kein anderer: Indem seine „Aktionskunst“ alle Erwartungen unterlief, was ein Kunstwerk sein und wie es aussehen solle.
Zudem entgrenzte er mit seiner Vorstellung von „sozialer Plastik“ den Kunstbegriff völlig: Jede kreative Handlung sei letztlich Kunst und damit jeder Mensch ein Künstler.
Das schmeichelte vielen, die sich irgendwie zum Selbstausdruck berufen fühlten.
Zugleich schwor er seine Anhänger auf eine Privatmythologie ein, die sektenhafte Züge trug. Angefangen mit der Legende, er sei, nachdem er im Zweiten Weltkrieg als Bomberpilot abgestürzt war, von Tataren tagelang mit Fett und Filz gepflegt worden; bis hin zu krausen anthroposophischen und völkischen Vorstellungen.
Seelenverwandtschaft mit Beuys
Beuys sah 1974 in Belgrad einer der ersten Performances von Abramović zu; auf einem Foto von damals stehen sie nachdenklich nebeneinander.
Umgekehrt hat Abramović eine seiner frühesten und erratischsten Aktionen „wie man dem toten Hasen die Bilder erklärt“ (1965) 40 Jahre später wieder aufgeführt.
Doch ihr Bezug zueinander ist keinesfalls ein Lehrer-Schülerin-Verhältnis. Eher eines von Seelenverwandten: in ihrer schrankenlosen Selbstverausgabung wie ebensolchem Geltungsbedürfnis, dem Verzicht auf traditionelle Techniken wie der Non-Stop-Vermarktung auch dürftiger Ideen.
Kunst+Film-Redaktion
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Marina Abramović, Nude with Skeleton, Performance für Video, Belgrad, 2002-2005. Foto: © Marina Abramović, Courtesy der Marina Abramović Archives / VG Bild-Kunst, Bonn 2026, Foto: Attilio Maranzano
Marina Abramović: Balkan Erotic Epic, Multikanal-Videoinstallation, 2005, Serbia. Foto: © Marina Abramović, Courtesy der Marina Abramović Archives / VG Bild-Kunst, Bonn 2026
Marina Abramović: Women Massaging Breasts aus der Serie Balkan Erotic Epic, C-Print, 2005, Serbia. Foto: © Marina Abramović, Courtesy der Marina Abramović Archives / VG Bild-Kunst, Bonn 2026



