Es lebe der Antiimperialismus, egal welcher: Kleinteilig zeichnet Filmemacher Johan Grimonprez nach, welche Umstände zu Sturz und Ermordung von Kongos Regierungschef Patrice Lumumba führten – und wiederholt nur Bekanntes.
Dafür entschädigt kein Jazz-Soundtrack im Stakkato-Takt.
Posterboy der Revolution: Patrice Lumumba (1925-1961) hatte lange Zeit in Afrika den gleichen Status wie Che Guevara (1928-1967) in Lateinamerika und für die westliche Linke.
Charisma, Eloquenz und gutes Aussehen machten den ersten Regierungschef des unabhängigen Kongo, der nur sechs Monate nach Amtsantritt ermordet worden war, zur idealen Projektionsfläche für progressive Hoffnungen aller Art.
Zumal für seinen Tod die frühere Kolonialmacht Belgien verantwortlich war, und die USA ihn zumindest gebilligt hatten: Er erschien als Märtyrer des Neokolonialismus.
Lumumbas Werdegang und die verwickelten Umstände seiner Ermordung hat der haitianische Regisseur Raoul Peck in zwei Filmen sachlich und stringent beleuchtet: einer Dokumentation (1990) und einem Spielfilm (2000).
Zudem gibt es zahlreiche weitere Dokus und Bücher über seine Rolle bis zur Erlangung der Unabhängigkeit und in den Wirren, in die der Kongo ab Juli 1960 stürzte.
Was hat der auf Enthüllungs-Dokus spezialisierte Regisseur Johan Grimonprez dem hinzuzufügen? Vor allem Bienenfleiß und Liebe zur Musik.
Quellenangaben für alle Zitate
Der belgische Filmemacher hat etliche Archive durchforstet, um unzählige Filmschnipsel von Mitte der 1950er bis Mitte der 1960er Jahre zusammenzutragen:
Ausschnitte aus Wochenschauen, TV-Interviews, private Super-Acht-Aufnahmen und vieles mehr.
Die montiert er zu einem Bewegtbild-Stakkato, in das er zusätzlich ständig Schrifttafeln mit Aussagen von Beteiligten oder Zitaten aus der Fachliteratur einblendet – samt detaillierten Quellenangaben. Wer will, kann alles nachschlagen.
Jazzmusiker tourten als Kulturbotschafter
Damit dieses Bildergewitter nicht zu monoton ausfällt, wird das Stimmengewirr von klingenden soundbites unterlegt.
Zu dieser Zeit traten öfter berühmte Jazzmusiker als US-Kulturbotschafter im Ostblock oder in Afrika auf – im Auftrag Washingtons, häufig (ko-)organisiert und finanziert von der CIA.
Also sind etwa Louis Armstrong, Dizzy Gillespie und Duke Ellington zu hören, ebenso wie ihre nicht gerade regierungsnahen Kollegen John Coltrane, Archie Shepp und Ornette Coleman – aber stets nur ein paar Takte lang.
Der Bezug zum Thema Kongo bleibt vage, abgesehen von allgemeiner Kritik an Rassendiskriminierung in den USA.
Kunst+Film-Redaktion


Soundtrack to a Coup d’Etat im Kino



