Es war wie ein Bombeneinschlag - Friedrich Merz war im ersten Wahlgang im Bundestag gescheitert. Es war ein einmaliger Vorgang in der bundesdeutschen Geschichte, dass ein Kanzlerkandidat im ersten Wahlgang scheitert.
Die schwarz-rote Koalition, die angetreten ist, nach den dreieinhalb chaotischen Ampel-Jahren wieder für Stabilität zu sorgen, startet mit einem beispiellosen Signal der Instabilität.
Wer aber verweigerte die Stimmen? Die Suche nach den Schuldigen, wird wohl noch eine ganze Weile anhalten. Merz hatte nur 310 Stimmen bekommen, obwohl CDU/CSU und die SPD 328 Mandate hat. 18 Abgeordnete haben ihm die Gefolgschaft verweigert.
Und da machen wir uns nichts vor: Das war ein Schlag ins Gesicht für Friedrich Merz. Seine Kanzlerschaft beginnt als tragische Figur. Da beißt die Maus keinen Faden ab.
Nun kann man Spekulieren wer die Abweichler waren. Eine konkrete Antwort darauf wird es wohl nicht geben. Die Sozialdemokraten weisen alle Schuld von sich.
In der Union sorgten die Zugeständnisse an die SPD in den Koalitionsverhandlungen schon vorher für Unmut. Vieleicht wollte man Merz noch einen Denkzettel verpassen. Aber das ist nur eine Spekulation.
„In parteiinternen Kanälen regiert das Entsetzen“
In der rheinland-pfälzischen CDU herrschte nach der Niederlage von Friedrich Merz im ersten Wahlgang zunächst Schockstarre.
„In parteiinternen Kanälen regiert das Entsetzen“, berichtet ein hochrangiges CDU-Mitglied, das seinen Namen nicht gedruckt sehen will, nach dem ersten erfolglosen Wahlgang. „Keiner versteht, wie es dazu kommen konnte.
Merz habe schweren Schaden genommen, sagt ein CDU-Mitglied, das nicht namentlich genannt werden will. „Solch ein Vertrauensbruch ist eigentlich nicht zu kitten.
Die Regierung werde nun von Anfang an mit Unsicherheiten behaftet sein, sagt ein anderes Parteimitglied. „Das wird wie Pech an ihm kleben.“
Möglich ist aber auch das es SPD-Abgeordnete waren, die Merz die Stimme verweigert haben. Zum Beispiel das Saskia Esken und Nancy Faeser Lager.
Beide Ministerinnen haben keine Posten mehr bekommen und wurden abgesägt. Das hat vielen in der SPD nicht geschmeckt. Auch das bleibt eine Spekulation.
Was bleibt, ist ein beschädigter Kanzler Friedrich Merz
Das sagte das Ausland dazu:
Frankreich
„In der sehr konventionellen Landschaft der deutschen Politik ist eine Bombe explodiert“, kommentiert die französische Tageszeitung „Le Figaro“.
Die Niederlage im ersten Wahlgang sei „eine gewaltige Abfuhr“ für Merz – „und das zu einer Zeit, in der die Europäische Union verzweifelt auf eine starke Stimme aus Berlin wartet“. Die Folgen für das Land seien dramatisch, heißt es weiter. „Die deutsche Demokratie, einst ein Garant für Stabilität in Europa, gerät ins Wanken.“
Großbritannien
Der britische „Guardian“ versucht es mit Humor: „Was immer Olaf Scholz für diesen Abend geplant hatte, wird noch eine Weile warten müssen“, schreibt die Tageszeitung. Der designierte Kanzler habe „einen erniedrigenden Rückschlag auf seinem Weg zur Macht“ erlebt.
Österreich
Von einem „katastrophalen Tag für Deutschland“, einem „kompletten Debakel“ kommentiert der österreichische „Standard“.
Merz habe ein starkes Comeback des Landes angekündigt, jetzt stehe er vor einem Scherbenhaufen. „Es wäre Stoff für eine Komödie, ist aber in Wirklichkeit eine Tragödie für das Land.
Spanien
Die spanische Zeitung „El País“ sieht Deutschland in einer „unerwarteten und beispiellosen politischen Krise“. Das Ergebnis der Kanzlerwahl stelle Merz‘ Fähigkeit in Frage, das Land zu führen und sei „ein weiteres Symptom dafür, dass die Stabilität, die einst die treibende Kraft Europas ausmachte, der Vergangenheit angehört.“
Jetzt beginne die Suche nach den Abweichlern. „Wie in einem Roman von Agatha Christie gibt es zahlreiche Verdächtige mit unterschiedlichen Motiven“, so die Zeitung.
USA
Es sei ein „überraschender und demoralisierender Rückschlag“ für Friedrich Merz, schreibt die „New York Times“.
Auch wenn Merz letztendlich zum Kanzler gewählt werde, sei der Imageschaden für ihn immens. „Seine Unfähigkeit, sich die Stimmen zu sichern, um Kanzler zu werden, ist ein unheilvolles Zeichen für Herrn Merz“


Das war gestern das Bild des Tages in den Sozialen-Medien



