Zu ihrer Amtseinführung gab es Würstchen, Buletten und Kartoffelsalat; als Angela Merkel 16 Jahre später aus dem Amt der Bundeskanzlerin verabschiedet wurde, gab es 2021 Würstchen, Buletten und Kartoffelsalat.
Nachzulesen in ihrer Autobiografie „Freiheit", die sie mit ihrer langjährigen Büroleiterin Beate Baumann geschrieben hat.
Das überaus bodenständige Menü ist repräsentativ für die satten 700 Seiten, die das Leben der Angela Merkel - persönlich wie politisch - spiegeln sollen.
Und das tun sie auch. Unprätentiös, nüchtern, sachlich, aber, und das macht „Freiheit" so überaus lesenswert, niemals langweilig.
Den beiden Autorinnen ist es in der Tat gelungen, endlich nicht mal eine politische Biografie zu schreiben, aus der nicht das Ego des Verfassers quillt, sondern schlichte Pflichterfüllung und manchmal sogar Demut.
Angela Merkel erklärt ihre politischen Entscheidungen, ohne von ihnen Abstand zu nehmen oder sich gar für etwas zu entschuldigen, was ihr von einigen Kritikern bereits vorgehalten wird; aber warum sollte sich die Altkanzlerin für etwas rechtfertigen oder gar zu Kreuze kriechen?
So ein Quatsch.
Sie war ein politischer Profi und hat ihre Entscheidungen, was sie glaubhaft darstellt, mit bestem Wissen und Gewissen getroffen.
Das nun in Frage zu stellen, obliegt sicher nicht ihr, sondern der Geschichte.
Auch wenn ich persönlich Angela Merkel nie gewählt habe, mit größtem Respekt begegne ich ihrer Lebensleistung, die in der Tat mehr als außergewöhnlich ist und drei Michelin-Sterne verdient, selbst wenn die Altbundeskanzlerin mit Würstchen, Buletten und Kartoffelsalat zufrieden ist.
Ein absolutes Lesevergnügen. Kiepenheuer & Witsch (www.kiwi-verlag.de). 42 Euro.
Sönke C. Weiss


Warum sollte sich die Altkanzlerin für etwas rechtfertigen oder gar zu Kreuze kriechen? Foto: Youtube/Spot-Screenshot



