Dass Clemens Meyer auf der zurückliegenden Frankfurter Buchmesse für einen kleinen Eklat gesorgt hat, macht seinen Roman „Die Projektoren" nicht besser und nicht schlechter.
(Der Autor war der Überzeugung, dass er den Deutschen Buchpreis verdient habe und hat dem lautstark Ausdruck verliehen, als ihm der Preis verschmäht blieb.)
Worum nun geht es auf den über 1000 Seiten?
Irgendwie too much. In epischer Breite baut Meyer zahlreiche literarische Brücken zwischen den Dreharbeiten der Karl-May-Filme im ehemaligen Jugoslawien über die Bosnien-Kriege bis hin zu einem weiteren Plot in einer Psychiatrie.
Dazu kommen noch andere historische Verflechtungen, Mythen und, was natürlich nicht fehlen darf, den einen oder anderen Nazi. Klug. Geschickt. Makellos.
Aber Vorsicht: Bei so viel Dichte muss man als Leser schon ganz schön aufpassen, zwischen den vielen Worten nicht zerrieben zu werden und so bleiben
„Die Projektoren" in erster Linie eine absolut glänzende Fleißarbeit, die wirklich nie langweilig ist, aber auch unterkühlt spröde bleibt, wobei sich der Verdacht erhärtet, dass Meyer eigentlich keine Menschen mag und sie doch eher als Statisten großer politischer Zusammenhänge sieht, die von einigen geschickten Machern manipuliert werden.
Meyers schriftstellerisches Können stimuliert den Intellekt, berührt aber nicht die Seele. S. Fischer (www.fischerverlage.de). 36 Euro.
Sönke C. Weiss


Clemens Mayer war der Überzeugung, dass er den Deutschen Buchpreis verdient habe



