Mit seinem Debütfilm "Außer Atem" revolutionierte Jean-Luc Godard die Kino-Geschichte: Handkamera statt teurer Technik, Straßen-Aufnahmen mit Passanten als Statisten statt aufwändiger Kulissen, improvisierte Dialoge.
Mit "Nouvelle Vague" rekonstruiert Regisseur Richard Linklater diesen Urknall des Autorenfilms: geist- und humorvoll, lässig und stilvoll - doch die damalige Spontaneität lässt sich nicht wiederbeleben.
(Kinostart: 12.3.) Wie man eine Kino-Revolution lostritt: Regisseur Richard Linklater rekonstruiert die Entstehung von Jean-Luc Godards Debüt „Außer Atem“, das 1960 eine neue Film-Epoche einleitete.
Eine geistreiche Hommage als Quasi-Making of – allerdings nicht so spontan wie Godards Geniestreich.
„Um einen Film zu kritisieren, muss man einen anderen Film machen.“ So sprach der französische Regisseur und vormalige Filmkritiker Jean-Luc Godard diversen Quellen zufolge in den mittleren 1960er Jahren.
Es war der Höhepunkt der so genannten Nouvelle Vague
Im gleichnamigen Film des US-amerikanischen Regisseurs Richard Linklater spricht Godard (Guillaume Marbeck) den berühmten Aphorismus schon 1959 aus.
Damit will er erreichen, dass der Produzent Georges de Beauregard (Bruno Dreyfürst) sein Regiedebüt „Außer Atem“ finanziert.
Von solchen künstlerischen Freiheiten abgesehen, versucht Linklater mit „Nouvelle Vague“, der Entstehungs-Geschichte von Godards Debütfilm so nah wie möglich zu kommen.
So wurden etwa die Darsteller vor allem nach ihrer physischen Ähnlichkeit mit den Rollenvorbildern ausgesucht.
Nostalgischer Blick auf die Neue Welle
Das Ergebnis ist eine detailverliebte Rekonstruktion der Entstehung von Godards „Außer Atem“ und ein nostalgischer Blick auf das Milieu, das diese „Neue Welle“ im französischen Kino hervorbrachte.
Die von Godard und seinen Mitstreitern wie François Truffaut, Claude Chabrol und Jacques Rivette initiierte Bewegung war vom italienischen Neorealismus und B-Movies aus Hollywood inspiriert; damit prägte sie den modernen Autorenfilm.
Bevor Godard ins Regiefach wechselte, hatte er als Filmkritiker der Zeitschrift „Cahiers du cinéma“ gearbeitet.
Mit Handkamera durch die Straßen von Paris
Dass einige seiner Redaktionskollegen bereits eigene Filme gedreht haben, wurmt den vor Selbstbewusstsein strotzenden 29-Jährigen – zumindest so, wie er in Linklaters Film auftritt.
Als Godard dann auch noch beim Filmfestival in Cannes mit ansehen muss, wie sein Kollege François Truffaut für seinen Debütfilm „Les Quatre Cents Coups“ („Sie küssten und sie schlugen ihn“, 1959) den Preis für die beste Regie erhält, steht für ihn fest:
Jetzt muss es losgehen mit der eigenen Karriere als Filmemacher.
Wenige Wochen später entsteht dann tatsächlich „Außer Atem“ – gedreht in nur 20 Tagen, nicht in einem teuren Studio, sondern mitten im Pariser Stadtgewimmel.
Zu den Innovationen des Films gehört auch der Einsatz einer Handkamera; Kameramann Raoul Coutard hat sein Handwerk als Kriegsfotograf gelernt.
Vom Chaos zum Kassenerfolg
Nun filmt er eine Liebesgeschichte zwischen dem Kriminellen Michel Poiccard, damals verkörpert von Jean-Paul Belmondo (Aubry Dullin), und der US-Studentin Patricia Franchini, gespielt von der Amerikanerin Jean Seberg (Zoey Deutch).
Seinen Darstellern gibt Godard vor laufender Kamera fortlaufend Anweisungen und spricht ihnen spontan improvisierte Dialoge vor – die Tonspur lässt er später nachsynchronisieren.
Ähnlich gewöhnungsbedürftig für die damaligen Sehgewohnheiten ist sein inflationärer Einsatz von Jump Cuts; also Filmschnitten, die vom Zuschauer als ‚Sprünge‘ wahrgenommen werden.
Kunst+Film-Redaktion
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Jean-Luc Godard (Guilaume Marbeck) weiht Jean Seberg (Zoey Deutsch) zum ersten Mal in seine große Vision ein. © Jean Louis Fernandez. Foto: Plaion Pictures
Jean Seberg (Zoey Deutsch) und Jean-Paul Belmondo (Aubrey Dullin) posieren für eines der legendärsten Plakatmotive der Filmgeschichte. © Jean Louis Fernandez. Foto: Plaion Pictures
Drei Jeans auf einem Haufen : Jean-Luc Godard (Guillaume Marbeck), Jean Seberg (Zoey Deutsch) und Jean-Paul Belmondo (Aubrey Dullin) machen eine Pause am Set. © Jean Louis Fernandez. Foto: Plaion Pictures



