Für ein cineastisches Gegenmodell steht Regisseur Jim Jarmusch: Die wortkargen Dialoge seiner Filme strotzen vor Lakonie, aber vermitteln stets mit dezenten Signalen ein umfassendes Bild seiner Figuren.
In "Father Mother Sister Brother" geht es um Verwandtschafts-Verhältnisse: Erwachsene Kinder besuchen ihre Eltern oder räumen hinter ihnen auf.
Das hochkarätige Ensemble - u.a. Tom Waits, Adam Driver + Vicky Krieps - verbreitet gelassene Toleranz: leben und leben lassen; in Venedig prämiert mit dem Goldenen Löwen.
(Kinostart: 26.2.) Auf ein Heißgetränk mit der Familie: Im Episodenfilm von Regisseur Jim Jarmusch über die Entfremdung zwischen Eltern und erwachsenen Kindern verbindet sich subtiler Humor mit eigenwilliger Zärtlichkeit.
Die staubtrockenen Dialoge sind dem Star-Ensemble wie auf den Leib geschrieben.
„Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich“, heißt der berühmte Anfangssatz des Romanklassikers „Anna Karenina“ von Leo Tolstoi.
Heute möchte man hinzufügen: Über glückliche Familien lassen sich nur schwer Filme machen. An Konflikten herrscht jedoch in vielen Familien kein Mangel.
Insbesondere die Balance zwischen Nähe und Distanz zu halten, fällt Eltern und ihren erwachsenen Kindern oft schwer.
Der neue Film von Regisseur Jim Jarmusch nimmt dazu aber eine entspannte Haltung ein. Das ist keine Überraschung, denn der US-amerikanische Independent-Regisseur ist ein Meister des coolen Understatements.
Lakonie als Stilmittel
Allenfalls die Filme seines finnischen Kollegen Aki Kaurismäki zelebrieren in ähnlicher Form die Lakonie als Stilmittel.
In seinem neuen Werk „Father, Mother, Sister, Brother“ ist alles punktgenau inszeniert, es wird kein Wort zu viel gesprochen. Alles ist bis aufs Wesentliche abgeschliffen, und doch öffnen sich Welten.
Kunst+Film-Redaktion
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Die Mutter (Charlotte Rampling) kommandiert die Kaffeetafel. Foto: Weltkino
Der Vater (Tom Waits) gibt seinen Kindern Anlass zur Sorge. Foto: Weltkino
Die Schwestern Lilith (Vicky Krieps, li.) und Timothea (Cate Blanchett) sind zu Besuch bei ihrer Mutter. Foto: Weltkino



