Gesellschaft Freunde der Künste
Kooperation mit seiner Partnerin Hannah Höch

Glanz und Elend der permanenten Revolution, in "Raoul Hausmann: Vision. Provokation. Dada"

Ganz in den höheren Sphären der permanenten Kunst-Revolution schwebte dagegen Raoul Hausmann. Seine Sternstunde kam 1918 mit der Dada-Bewegung; maßgebliche Beiträge dazu gelangen ihm vor allem durch Kooperation mit seiner Partnerin Hannah Höch.

Danach irrlichterte er noch jahrzehntelang durch den Kunstbetrieb, von der eigenen Bedeutsamkeit beseelt. Diese wechselhafte Dadaisten-Vita zeichnet die Berlinische Galerie mit der Retrospektive "Raoul Hausmann. Vision. Provokation. Dada." anschaulich und opulent nach.

Glanz und Elend der permanenten Revolution: Der Dauer-Avantgardist Raoul Hausmann konnte und erfand alles immer wieder neu – glaubte er.

Als Ober-Dadaist hat er seinen Platz in der Kunstgeschichte; zu ihrem 50. Geburtstag widmet ihm die Berlinische Galerie eine opulente Werkschau.

Es gibt eine Fotografie von Raoul Hausmann (1886-1971), die womöglich mehr als alles andere sein Selbstverständnis auf den Punkt bringt – aufgenommen hat sie 1929 kein Geringerer als August Sander, der Schöpfer der epochalen Bild-Enzyklopädie „Menschen des 20. Jahrhunderts“.

Obwohl sie bezeichnenderweise nur mit „Der Dadaist Raoul Hausmann“ betitelt ist, sind darauf drei Personen zu sehen.

Der Künstler selbst, nur mit weit geschnittener, so genannter Oxfordhose aus weißem Leinen bekleidet, hält zwei Frauen im Arm: rechts die Malerin Hedwig Mankiewitz, die er 1923 geheiratet hatte.

Links die Schriftstellerin Vera Broïdo, die mit ihm bis 1934 zusammenlebte. Es war nicht die erste Dreiecksbeziehung, an der sich Hausmann versucht hatte.

Bereits 1908 hatte er die Geigerin Elfriede Schaeffer geheiratet, seit dem Vorjahr Mutter ihrer gemeinsamen Tochter.

1915 begann er eine turbulente Liebesbeziehung mit der Künstlerin Hannah Höch, die sieben Jahre bestand – mit erheblichen Folgen für die Kunstgeschichte.

Finanziell abhängiger Macho

Dass auf Sanders Fotografie Hausmann sich auf die Frauen an seinen Seiten mehr stützt, als dass er sie umarmt, ist symbolträchtig:

Über weite Strecken war der Künstler von seinen Partnerinnen finanziell abhängig, da er selbst wenig verdiente.

Zugleich liegt in seinem Ausdruck etwas ungemein Selbstgefälliges: ein Macho in seinem natürlichen Habitat. Es liegt nahe, in Letzterem die Kompensation für Ersteres zu vermuten.