Vor Astrid Lindgren und ABBA war wohl Anders Zorn der erfolgreichste schwedische Kulturexport: Als Tausendsassa der Malerei glänzte er in allen Disziplinen, porträtierte US-Präsidenten und Magnaten, hielt aber auch nordisches Landleben in originellen halbimpressionistischen Momentaufnahmen fest.
Dem Alleskönner der Kunst um 1900 widmet derzeit die Hamburger Kunsthalle mit "Anders Zorn - Schwedens Superstar" eine opulente und anschaulich inszenierte Retrospektive.
Skandinavischer Alleskönner: Der schwedische Maler brillierte als Aquarellist, Radierer und in Öl – mit detailscharfen Alltagsszenen und impressionistischen Momentaufnahmen.
Damit wurde er ab 1890 zum hochbezahlten Porträtisten; die Kunsthalle stellt den Tausendsassa endlich hierzulande gebührend vor.
Kopftücher blitzen blütenweiß, Füße stampfen und hüpfen auf dem grünen Rasen, und junge Paare schwenken sich so wild herum, dass ihre Wangen glühen:
Es ist Mittsommernacht auf dem Gemälde von Anders Zorn (1860-1920). Mit impressionistisch schwungvollem Pinsel hat der Maler die ländliche Szene festgehalten. Schweden pur!?
Das Bild besitzt für Nordlichter ikonischen Rang.
Um 1900 gemalt, suggeriert es die Lebendigkeit uralter Traditionen. Allerdings war das schon damals eine Illusion:
Der Dorftanz wurde auf Geheiß des Malers flugs organisiert, als er zusammen mit dem schwedischen Prinzen Eugen zu Besuch kam.
Solche volkstümlichen Bräuche waren da längst im Schwinden begriffen; ein bedrohtes Kulturerbe, das Anders Zorn als schützenswert empfand.
Er trug auch Dutzende betagter Holzkaten für ein Freilichtmuseum in seiner Heimatregion Dalarna zusammen. Eines davon, 1237 erbaut, gilt heute als das älteste Haus in Schweden.
Sich in high society hoch malen
Der Sohn eines deutschstämmigen Bierbrauers kam unehelich in der mittelschwedischen Kleinstadt Mora zur Welt. Aus einfachen Verhältnissen malte er sich empor in die globale high society:
Zu seinen Kunden zählten US-Präsidenten, Wirtschaftsbosse, schwerreiche Mäzeninnen und Operngrößen. Mit Kollegen wie Édouard Manet (1832-1883), James McNeill Whistler (1834-1903) und John Singer Sargent (1856-1925) wurde er in einem Atemzug genannt: ein internationaler Malerstar, der in Schweden nicht seinesgleichen hatte.


Im Freien, 1890, Öl auf Leinwand, 69 x 101,5 cm, Ateneum Art Museum, Helsinki. © Foto: Finnish National Gallery / Hannu Aaltonen. Fotoquelle: Hamburger Kunsthalle
Mittsommertanz, 1897 , Öl auf Leinwand, 140 x 98 cm. © Nationalmuseum, Stockholm. Fotoquelle: Hamburger Kunsthalle
Spitzensaum, 1894, Öl auf Leinwand, 42 x 48 cm, Zornmuseet, Mora. © Zornmuseet, Mora. Fotoquelle: Hamburger Kunsthalle



