Gesellschaft Freunde der Künste
Triegel trifft Cranach

Der Leipziger Maler Michael Triegel malt den Mittelteil eines Marienaltars von Lucas Cranach neu

Dagegen bleibt die zentrale Kontroverse in der Doku "Triegel trifft Cranach – Malen im Widerstreit der Zeiten" der Elefant im Raum, den Regisseur Paul Smaczny geflissentlich ignoriert.

2020 erhielt der Maler Michael Triegel den Auftrag, ein zerstörtes Altarbild von Lucas Cranach für den Naumburger Dom neu zu malen.

Doch die UNESCO-Kommission, die das Weltkulturerbe-Prädikat vergibt, lehnt das ab.

Der Streit dauert an; er könnte Anlass für interessante Reflexionen über den Konflikt zwischen Liturgie und Denkmalschutz sein. Smaczny begnügt sich aber mit einem brav-beflissenen Porträt von Triegel.

(Kinostart: 5.2.) Glaube, Liebe, Hoffnung: Der Leipziger Maler Michael Triegel malt den Mittelteil eines Marienaltars von Lucas Cranach neu, und Regisseur Paul Smaczny schaut ihm geduldig dabei zu - seine Doku spielt den heftigen Streit über das Bild herunter.

„Triegel trifft Cranach“ ist ein vermeintlich bescheidener
Etikettenschwindel für diesen Dokumentarfilm – auch wenn es bereits 2022 eine gleichnamige Monographie zum Thema in Buchform gab. Denn Lucas Cranach d. Ä. tritt nur am Anfang kurz auf:

Wenn Michael Triegel im Depot im Schein seiner Taschenlampe zwei Seitenflügel mit sechs Heiligenfiguren begutachtet.

Das ist alles, was vom Marienaltar übrig geblieben ist, den der Renaissance-Großkünstler 1519 für den Westchor des Naumburger Doms – seit 2018 Weltkulturerbe – geschaffen hatte.

Das mittlere Altarbild – eine Sacra Conversatione, also die Madonna mit Kind umgeben von Heiligen – wurde 1541 im Bildersturm des Protestantismus zerstört.

2020 haben die „Vereinigten Domstifter“ als Eigentümer des Doms Triegel mit einer Neuschöpfung des Altarbildes beauftragt. Dabei hat er freie Hand; niemand weiß, wie Cranachs Vorbild aussah.

Neo Rauch als Vorgänger

Es ist nicht der erste Auftrag an einen Gegenwarts-Künstler für ein Werk im Naumburger Dom:

Triegels Leipziger Kollege Neo Rauch, der ebenfalls figurativ malt, hat schon 2007 eine Kapelle des Gotteshauses mit Motiven zur Heiligen Elisabeth von Thüringen als leuchtend rote Glasfenstern ausgestattet.

Doch Triegels Arbeit soll ungleich prominenter platziert werden: mitten im Westchor, der durch die hochgotischen, lebensgroßen Stifterfiguren des Naumburger Meisters weltberühmt ist.

Das wird sich später als Problem erweisen.

Kunst+Film-Redaktion

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Triegel trifft Cranach - Malen im Widerstreit der Zeiten | Trailer Deutsch | Ab 5.2. im Kino