Faszination und Schrecken geht hingegen vom Riesenraum aus, dem der jüngst verstorbene brasilianische Fotograf Sebastião Salgado sein letztes Projekt gewidmet hat.
Sieben Jahre lang durchforstete er das Amazonas-Becken, um erhabene Naturphänomene und archaische Ethien aufzunehmen, die im Regenwald leben.
Rund 200 seiner Bilder, glänzend inszeniert, sind nun im Kölner Rautenstrauch-Joest-Museum zu sehen: unter dem schlichten Titel "Amazônia – Fotografien von Sebastião Salgado".
Reise ins Herz der wuchernden Finsternis: Der brasilianische Fotograf widmete sein letztes Projekt dem Amazonas-Regenwald und seinen Bewohnern.
Nun sind rund 200 Aufnahmen im Rautenstrauch-Joest-Museum zu sehen: in atemberaubenden Schwarzweiß, klug erläutert und blendend inszeniert.
Sebastião Salgado hat die jüngste Präsentation seiner Arbeiten nicht mehr miterlebt: Er starb im Mai 2025 an den Spätfolgen einer Malaria-Erkrankung, die er sich auf einer Recherche-Reise zugezogen hatte.
Aber diese Wanderausstellung, die seit ihrem Start in Paris 2021 um die Welt tourt und nun im Rautenstrauch-Joest-Museum gastiert, darf als der schönste Nachlass gelten, der sich denken lässt – die Krönung seines Lebenswerks.
Schon immer war Salgado ein engagierter Fotograf par excellence. Anfangs wollte er vor allem Benachteiligten und Leidenden ein Gesicht geben, um Aufmerksamkeit für sie und Mitgefühl zu erregen.
Er lichtete schuftende Goldsucher in Tagebau-Minen ab, Hungernde in der Sahel-Zone oder Menschenmengen, die vor dem Völkermord in Ruanda 1994 flohen.
Dessen Gräusel traumatisierten ihn. Danach wandte er sich der Landschaftsfotografie zu: Für seine „Genesis“-Bilderserie reiste er in die entlegensten Gegenden des Planeten, um unberührte Naturphänomene aufzunehmen.
Geerbte Farm wieder aufgeforstet
Zugleich wurde sein Engagement praktisch.
Nachdem er die Familien-Farm im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais geerbt hatte, forstete er eine gerodete Fläche von 700 Hektar gemeinsam mit seiner Frau Lélia Wanick Salgado wieder auf; sie ist inzwischen Naturschutzgebiet.
Beide Interessen – dem an Natur-Dokumentation und dem an tropischer Flora – verknüpfte er dann in seinem letzten Projekt.
An „Amazônia“ hat er sieben Jahre lang gearbeitet und abermals keine Mühen gescheut.
So verbrachte er bis zu zwei Monaten bei isoliert lebenden Ethnien, um ihre Lebensweisen kennenzulernen und ihr Vertrauen zu gewinnen, bevor er sie fotografierte.


Auaris River in the Parima Forest Reserve, state of Roraima, Brazil, 2018. Foto: © Sebastião Salgado
River archipelago of Mariuá. Rio Negro. State of Amazonas, Brazil, 2019. Foto: © Sebastião Salgado
Kampa do Rio Amônea Indigenous Territory, state of Acre, Brazil, 2016. Foto: © Sebastião Salgado
Der Fotograf Sebastiao Salgado war der Friedenspreisträger der Frankfurter Buchmesse 2019. Foto: Eva Maria Horstick für GFDK
Sebastiao Salgado mit der Foto-Künstlerin Eva Maria Horstick auf der Buchmesse 2019. Fotos: Eva Maria Horstick für GFDK