Noch radikaler stieg die Titelheldin von "Maria Reiche - Das Geheimnis der Nazca-Linien" aus: Jahrzehntelang lebte die gebürtige Dresdenerin in einer Hütte am Rande der Wüste in Peru, um dortige Scharrbilder auf dem Boden zu untersuchen.
Ihr ist zu verdanken, dass sie erhalten blieben. Das Biopic von Regisseur Damien Dorsaz gerät allerdings zur Hommage, die etwas veraltete Thesen über die so genannten Geoglyphen verbreitet.
(Kinostart: 25.9.) Spuren im Sand: Seinem eigenen Dokumentarfilm über die Geoglyphen-Forscherin Maria Reiche lässt Filmemacher Damien Dorsasz nun ein Biopic über sie folgen. Liebevoll und sensibel gezeichnet, mangelt es seiner Hommage jedoch an psychologischer Tiefe und historischer Präzision.
Die Nazca-Linien – jene mysteriösen Bodenzeichnungen in der peruanischen Wüste, die seit 1994 zum Unesco-Weltkulturerbe zählen – sind vielen Menschen ein Begriff.
Doch die Frau, die länger und beharrlicher als jeder andere sich ihrer Erforschung widmete, ist hierzulande kaum bekannt; obwohl sie aus Sachsen stammt.
Maria Reiche (1903-1998) hat die so genannten Geoglyphen ein halbes Leben lang analysiert.
Damit wollte sie die Bedeutung der großflächigen Muster und Figuren entschlüsseln, die wohl zwischen 800 v. Chr. und 600 n. Chr. in den Sand gescharrt worden sind.
Sie blieb ihrer Mission treu, bis sie mit 95 Jahren in ihrer kleinen Hütte in der Pampa starb, in der sie mehr als 25 Jahre gehaust hatte.
Der Schweizer Schauspieler und Regisseur Damien Dorsaz, der damals in Peru lebte, hat Reiche kurz vor ihrem Tod noch selbst kennengelernt.
Aus seiner Begeisterung für ihre Arbeit und Persönlichkeit entstand 2006 zunächst ein Dokumentarfilm. Nun hat er Reiches Lebensgeschichte als fiktionalisiertes Biopic verfilmt.
Eine Dresdnerin in Lima
Es beginnt Anfang der 1930er Jahre, als Reiche (Devrim Lingnau) sich bereits in Lateinamerika eine selbstständige Existenz aufgebaut hat.
Die gebürtige Dresdenerin hatte in ihrer Heimatstadt Mathematik, Physik und Geografie studiert.
Nach dem Staatsexamen wanderte sie nach Peru aus; dort arbeitete sie erst als Hauslehrerin beim deutschen Konsul in Cusco, dann als freie Sprach- und Gymnastiklehrerin in der Hauptstadt Lima.
Faschismus in Europa, Soireen in Peru
Regisseur Dorsaz macht bald deutlich, was Reiche zur Emigration aus Deutschland bewogen hat.
Der US-Amerikanerin Amy Meredith (Olivia Ross), mit der sie in Peru eine Beziehung eingeht, führt sie vor Augen, wie sich der Faschismus in Europa immer weiter ausbreitet. In Lima spürt man davon jedoch wenig.
Kunst+Film-Redaktion
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Juana (Marina Pumachapi) und Maria Reiche (Devrim Lingnau) begutachten die Fundstücke der archäologischen Ausgrabungen vor Ort. Foto: © Tobis Film, Daniela Talavera
Maria Reiche (Devrim Lingnau) und der Archäologe Paul (Guillaume Gallienne) auf dem Weg in die Wüstenstadt Nazca. Foto: © Tobis Film, Daniela Talavera
Maria Reiche (Devrim Lingnau) kämpft für den Erhalt der Geoglyphen vor dem peruanischen Parlament, das sie unter Schutz stellen soll. Foto: © Tobis Film, Daniela Talavera
Maria Reiche (Devrim Lingnau) sucht nach alten Aufzeichnungen mit Informationen über die Nazca-Linien. Foto: © Tobis Film, Daniela Talavera



