Dagegen wissen die Macher der Ausstellung "Sex Work - Eine Kulturgeschichte der Sexarbeit" in der Bundeskunsthalle Bonn genau, was sie wollen.
Die meisten von ihnen sind Aktivisten; sie stellen ihre Branche erschöpfend ausführlich dar, verbunden mit den üblichen Lobbyisten-Forderungen.
Diese detailverliebte Milieu-Selbstdarstellung lässt kaum Fragen offen – nur die Kulturgeschichte kommt entschieden zu kurz.
Nicht über uns ohne uns: Die Bundeskunsthalle überlässt ihre Themen-Schau über die Geschichte von käuflichem Sex vor allem Milieu-Aktivisten.
Mit erwartbarem Ergebnis: einseitige Perspektive, thematische Überfrachtung, ausgiebige Selbstdarstellung und Forderungen an Politik und Gesellschaft.
Das horizontale Gewerbe kommt aus der Schmuddelecke nicht heraus.
Weder das Prostitutions-Gesetz von 2001, das ihre „Sittenwidrigkeit“ abschaffte, noch das Prostitutionsschutz-Gesetz von 2017, das Registrierungs- und Kondom-Pflicht für Prostituierte einführte sowie Bordelle erlaubnispflichtig machte, haben der Branche zu mehr Ansehen verholfen.
Sie bleibt eine Halbwelt im Rotlicht, misstrauisch beäugt und übel beleumundet. Neben traditioneller Verachtung für das Feilbieten des eigenen Körpers mag dabei auch Neid eine Rolle spielen:
Sexarbeit erlaubt das Ausleben erotischer Wünsche durch Praktiken, die in konventionellen monogamen Zweierbeziehungen selten möglich sind.
Mit breit gespreizten Beinen
Daran dürfte diese Großausstellung über die „Kulturgeschichte der Sexarbeit“ wenig ändern.
Aus einem Grund: Die Auswahl der Themen und Exponate sowie ihre Kommentierung übernahmen größtenteils Szene-Aktivisten.
Genauer: Die Schau ist eine erweiterte Übernahme der Ausstellung „With Legs Wide Open – Ein Hurenritt durch die Geschichte“, die 2024 im Schwulen Museum Berlin zu sehen war; angereichert um Artefakte aus der Schau „Objects of Desire“ 2019 am selben Ort.
Kunst+Film-Redaktion
Copyright Publishing Company Heilwagen GmbH
Angersbachstraße 12
34127 Kassel, Deutschland/ Germany
Tel. +49 – 561 – 80 99 3
Fax. +49 – 561 – 89 83 47


Sarah Ainslie: Dawn Dancing at the Crown & Shuttle Pub, 2000. Foto: © Sarah Ainslie
Vic Porter: Nothing about us without us (Nichts über uns ohne uns), 2019. Foto: © Vic Porter
Bruno Voigt: Kneipe, 1934. © Foto: Sammlung Frank Brabant
Sarah Ainslie: Dawn at the Crown and Shuttle Pub (Morgendämmerung im Crown and Shuttle Pub), 1999. Foto: © Sarah Ainslie



