Der Tod des Erfolgsgaleristen Paul Cassirer (1871-1926) war so spektakulär wie sein Leben: Bei einem Scheidungstermin schoss er sich in die Brust; an den Folgen verstarb er. Zuvor hatte er mit einem umtriebigen Ausstellungsprogramm den Kunstbetrieb in Berlin aufgemischt:
Cassirer machte nicht nur Impressionisten, sondern auch etliche Avantgardisten der klassischen Moderne in Deutschland bekannt. Das zeigt, opulent und elegant inszeniert, die Ausstellung "Cassirer und der Durchbruch des Impressionismus" in der Alten Nationalgalerie.
Wie man den Kunstgeschmack einer Nation beeinflusst: Der Galerist Paul Cassirer machte ab 1898 mehrere Strömungen der klassischen Moderne in Deutschland bekannt – wobei er ein frühes und tragisches Ende fand. Die opulente Themenschau der Alten Nationalgalerie zeigt auf, wie der Kunstmarkt funktioniert.
Wer prägt eigentlich die Kunstgeschichte? Wer sorgt dafür, dass manche Künstler im Rampenlicht landen und langjährigen Ruhm genießen, während andere in der zweiten Reihe oder unter ferner liefen bleiben?
Auftraggeber, Kritiker, Theoretiker, Sammler oder Museumsdirektoren? Sie alle haben daran ihren Anteil – doch die wichtigsten Akteure auf dem Kunstmarkt sind Galeristen und Händler.
Vorausgesetzt, ihnen gelingt es, Werke der von ihnen vertretenen Künstler an namhafte Abnehmer zu vermitteln.
Insofern ist es eine brillante Idee der Alten Nationalgalerie, ihre Sommerausstellung einem Händler zu widmen, dessen Galerie die Kunstrezeption in Berlin und ganz Deutschland um 1900 so stark geprägt hat wie keine andere:
Paul Cassirer (1871-1926). Ohne ihn wäre nicht nur die Impressionisten, sondern auch manch andere Künstler der klassischen Moderne wohl erst wesentlich später wahrgenommen worden.
Galeriegründung mit 27 Jahren
1871 als Sohn einer wohlhabenden jüdischen Familie in Breslau geboren, geht Paul Cassirer mit 22 Jahren nach München, wo er Kunstgeschichte studiert.
Danach zieht er nach Berlin um und eröffnet hier 1898 – im Alter von nur 27 Jahren – gemeinsam mit seinem Cousin Bruno Cassirer einen Kunstsalon und Kunstverlag.
Dafür mieten sie elegante Räume in einer Villa im ruhigen Tiergartenviertel. Offenbar laufen die Geschäfte von Anfang an gut: Im Folgejahr eröffnet der Kunstsalon einen zusätzlichen Saal mit Oberlicht, vier Jahre später lässt Paul Cassirer einen weiteren Anbau hinzufügen.


Édouard Manet, Le Déjeuner, 1868. © Bayerische Staatsgemäldesammlungen – Neue Pinakothek München, Foto: Sibylle Forster. Fotoquelle: SMB
Max Liebermann, Schusterwerkstatt, 1881/82. © Alte Nationalgalerie, Staatliche Museen zu Berlin, Foto: Jürgen Liepe. Fotoquelle: SMB
Max Slevogt, Porträt Suzanne Aimée Cassirer, 1901. © Privatbesitz, ehemalige Sammlung Suzanne Aimée Cassirer. Fotoquelle: SMB



