Carl Schuch (1846-1903) ist ein großer Unbekannter der Malerei im 19. Jahrhundert.
Der vermögende Österreicher suchte unermüdlich nach dem perfekten Farbklang, um Materialität und Textur der Dinge optimal ins Bild zu setzen - jenseits der Objektfixierung des Realismus und der hellen Augenblicks-Malerei des Impressionismus.
Diesem eigenwilligen Grenzgänger widmet nun das Frankfurter Städel Museum eine hervorragende Werkschau, die seine Malweise detailliert mit der seiner Zeitgenossen vergleicht: "Carl Schuch und die Franzosen".
Auf der Suche nach der perfekten Farbgebung: Der Österreicher Carl Schuch bereiste Ende des 19. Jahrhunderts halb Europa, um die ideale Malweise zwischen Realismus und Impressionismus zu finden.
Dem Meister der Landschaften und Stillleben widmet das Städel Museum eine glänzende Werkschau.
So viel Spargel - Gebündelt und verschnürt wie frisch vom Markt liegen die bleichen Stangen da.
Das Edelgemüse wird mal im Hoch-, mal im Querformat serviert; hier auf saftig grünes Blattwerk gebettet, dort auf rohen Holzbrettern arrangiert oder mit einem Glas honiggelben Weißweins zum farblich subtilen Duett ergänzt. Was mundet dem Auge am besten?
Ein ganzer Raum im Städel Museum versammelt Bilder-Varianten von Carl Schuch (1846-1903) und Kollegen.
Auch der berühmteste Spargelmaler der Moderne, Édouard Manet, ist hier vertreten. Sein Gemälde bewunderte der in Wien geborene Schuch 1884 auf einer Pariser Gedächtnis-Ausstellung für den kurz zuvor verstorbenen Franzosen.
Manets karges, cooles Spargel-Stillleben, motivisch auf fast Nichts reduziert, muss ihn nachhaltig zum Wettstreit angestachelt haben: Schuch legte in verschiedenen Variationen nach.
Schule des vergleichenden Sehens
Hier wird ein Grundprinzip der Moderne deutlich: eine lockere, nahezu grobe peinture. Dadurch kommt das Materielle des Farbauftrags zur Geltung.
Es wird quasi zur Hauptsache und stiehlt dem an sich belanglosen Gemüse regelrecht die Schau.
Tatsächlich ist diese Retrospektive im Städel Museum eine Schule des Sehens; die Kuratoren setzen vor allem auf das vergleichende Schauen.
Paul Cézanne, Claude Monet, Gustave Courbet und Eugène Delacroix sind nur die bekanntesten der hier vertretenen Künstler.


Carl Schuch: Toter Fuchs, 1882 oder 1883, Öl auf Leinwand, 69,5 x 93 cm, Nationalgalerie. © bpk I Staatliche Museen zu Berlin. Fotoquelle: Städel Museum
Carl Schuch: Im Tal des Doubs (Felsige Waldlandschaft), um 1886–1893, Öl auf Leinwand, 62 x 83 cm, München, neue Pinakothek. © bpk | Bayerische Staatsgemäldesammlungen. Fotoquelle: Städel Museum
Carl Schuch: Der Rhododendronkorb („Der grüne Krug“), 1886–1894, Öl auf Leinwand, 61 x 78 cm, Staatliche Kunst- sammlungen, Gemäldegalerie Neue Meister, Dresden © Albertinum | GNM, Staatliche Kunstsammlungen. Fotoquelle: Städel Museum



