Gesellschaft Freunde der Künste
Die Uhr tickt ununterbrochen

Chronometer-Bilderflut - "Christian Marclay: The Clock" in der Berliner Neuen Nationalgalerie

Die Uhr tickt ununterbrochen: Aus Filmschnipseln mit Zifferblättern hat der Künstler Christian Marclay eine 24-stündige Video-Arbeit montiert, die in Realzeit abläuft; dafür wurde er bei der Biennale 2011 mit dem Goldenen Löwen prämiert.

Nun wird "Christian Marclay: The Clock" in der Berliner Neuen Nationalgalerie gezeigt - und entpuppt sich als ermüdendes Augenpulver, weil es der Chronometer-Bilderflut an Kontext und ausgewogener Auswahl der Ausschnitte mangelt.

Zeit, dass sich was dreht: Aus Filmschnipseln mit Uhren montiert Künstler Marclay ein 24-Stunden-Video, das synchron zur Realzeit abläuft.

Doch die kontextlose Bilderflut in der Neuen Nationalgalerie nährt nur die Freude am Wiedererkennen; das Werk wird durch arg begrenzte Film-Auswahl zur monumentalen Bastelarbeit.

Die Idee klingt bestechend: eine Video-Arbeit mit 24 Stunden Laufzeit, die nur aus Filmschnipseln besteht, in denen eine Uhr vorkommt – meist mit Ziffernblatt, manchmal auch mit numerischer Anzeige.

So angeordnet, dass die im Film angezeigte Uhrzeit auch der realen entspricht: Schlägt auf der Leinwand die volle Stunde, ist das auch im Zuschauerraum der Fall.

Das verspricht Rund-um-die-Uhr-Sehvergnügen: endlich ein zeitgenössisches Kunstwerk, das jeder versteht, der die Uhr lesen kann.

Bei diesem mass appeal verwundert es nicht, dass seinem Schöpfer höchste Ehren zuteil wurden. Auf der 54. Biennale erhielt Christian Marclay 2011 den Goldenen Löwen als bester Künstler; er hatte „The Clock“ im Vorjahr in London vorgestellt.

Seither wurde sein Film mit ganztägiger Laufzeit in etlichen renommierten Institutionen gezeigt, etwa dem Centre Pompidou in Paris, dem Museum of Modern Art in New York oder der Tate Modern Gallery in London.

Wenige Uhr-Zeiten tief in der Nacht

Eigentlich ist der Auslandsschweizer, der in Kalifornien zur Welt kam und in Genf aufwuchs, auf akustische Performances mit diversen Tonträgern spezialisiert.

Doch für „The Clock“ sichtete er Tausende von DVDs, beziehungsweise: Er ließ Filmklassiker von Assistenten sichten, um Szenen mit Uhr-Zeiten herauszufiltern.

Dann wurden sie in chronologischer Reihenfolge montiert. Was streckenweise nicht einfach gewesen sei, so Marclay: Für Zeiten mitten in der Nacht gebe es nur wenige passende Uhr-Bilder.

Kunst+Film-Redaktion

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CHRISTIAN MARCLAY THE CLOCK