11.06.2019 die bekannteste Fair-Fashion-Influencerin

Madeleine Alizadeh von Dariadaria.com - Der ökologische Fußabdruck der Textilindustrie

von: GFDK - Interviews und Portaits

Jedes  Jahr  werden  100  Milliarden  Kleidungsstücke  hergestellt. Umweltauswirkungen  entstehen  über  den gesamten  Lebensweg eines  Textils: von  der Rohstoffgewinnung und der Herstellung von Fasern über die Textilproduktion, den Gebrauch bis hin zur Entsorgung. In kaum einer anderen Branche wird so viel Wasser benötigt  wie in  der  Bekleidungsindustrie. 

So werden um ein Kilo Stoff  zu produzieren bis zu 100 Liter verbraucht. Das meiste Wasser, das die Menschen  verbrauchen, bekommen sie jedoch gar  nicht  zu Gesicht. Die Wassermengen, die in einem Produkt oder einer  Dienstleistungenthalten sind und zur Herstellung  verwendet werden, nennt man deshalb „virtuelles  Wasser“. 

Besonders  viel  von  diesem „unsichtbaren“ Wasser wird bei der Produktion von Kleidung verbraucht. Zur   Minimierung   der   Umweltauswirkungen   hat   sich   in   der   Modebranche  „Fair  Fashion“  als  eine Gegenbewegung zu der sogenannten „Fast Fashion“ entwickelt.

Hierbei geht es nicht nur um Materialien, sondern um eine ganze Reihe von Aspekten, die mit Nachhaltigkeit in Zusammenhang stehen, wie z.B. der Verzicht  auf  Kinderarbeit, existenzsichernder Lohn, keine exzessiven  Arbeitszeiten oder Tierschutz. 

Denn schöne Mode sollte nicht unter hässlichen Bedingungen entstehen. Eine der Vorreiterinnen in Sachen nachhaltiger Mode ist die Wiener Aktivistin Madeleine Alizadeh (29) alias DariaDaria. Sie hat konventionelle Mode gegen grüne, faire Fashion eingetauscht und ist die bekannteste Fair-Fashion-Influencerin.

Sie zeigt,  welche tollen  Looks man  mit nachhaltigen  Labels  tragen  kann  und ist das  beste  Beispiel  dafür,  dass  nachhaltige  Mode und  Modebewusstsein  sich  nicht  ausschließen.  Im Interview  erklärt sie uns,  warum und  wie  wir alle etwas  zu  einem Wandel in  der Modeindustrie beitragen können.

Was macht Ihnen mit Blick auf die Zukunft unseres Planeten besonders große Sorgen?

Mir bereitet der IPCC-Report (Intergovernmental Panel on Climate Change,  Weltklimarat), der im Herbst 2018  erschienen  ist,  sehr  große  Sorgen.  Dieser  besagt,  dass  wir  nur  noch  12  Jahre  Zeit  haben,  um  der Erderwärmung entgegenzuwirken.

Warum müssen wir mehr Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Mode schaffen?

Die Textilindustrie ist die zweitschmutzigste Industrie, nach Öl. Das Volumen an Textilien, das jährlich auf den Markt  kommt  und  in  Umlauf  gebracht  wird,  ist  nicht  mehr  tragbar.  Neben  den  ökologischen  Faktoren spielen die Ausbeutung von Mensch und Tier eine große Rolle.

Das Kaufen von fairer Mode ist für mich auf jeden Fall auch eine feministische Angelegenheit.  Wenn  man  für  sich  selbst  Rechte  beansprucht,  die anderen Frauen nicht zuteil werden, muss man sich doch die Frage stellen, was für einen Feminismus man lebt,  in  dem  man  Kleidung  von  Frauen  kauft,  die  keine  Stimme  und  keinerlei  Rechte  wie  beispielsweise Mutterschutz, soziale Absicherung, faire Löhne oder humane Arbeitszeiten haben.

Wie könnte man in der Gesellschaft dieses Bewusstsein für nachhaltige Mode schaffen?

Das ist eine sehr große Frage, um sie so kurz zu beantworten. Ein möglicher Ansatz ist, die Menschen darauf aufmerksam  zu  machen,  dass  die  Modeindustrie  Auswirkungen  auf die  Umwelt  hat  und  sich  langfristig etwas ändern muss.

Das große Problem ist, dass wir gar nicht mehr wissen, was z.B. 1 Meter Stoff kostet, wir sehen  einfach  kein  Verhältnis  mehr.  Indem  junge  Menschen  schon  in  der  Schule  aufgeklärt  und Produktionszyklen erläutert werden, sowie der Wert eines gefertigten Produkts verdeutlicht wird, können wir ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit schaffen.