Am 27. Mai 2026 erscheint das neue Buch der Scheidungsanwältin Saskia Schlemmer im mosaik Verlag: Nimm dir endlich, was dir zusteht - und hör auf, dich dafür zu entschuldigen. Lesen Sie im Folgenden in Ausschnitten das Interview, das ich mit der SPIEGEL-Bestsellerautorin zum Buch geführt habe:
Worum geht es in Deinem neuen Buch?
In meinem neuen Buch geht es darum, dass Frauen endlich lernen, für sich selbst einzustehen. Ich zeige Frauen, dass sie Forderungen stellen dürfen – und müssen.
Dass ihr Wert nicht davon abhängt, wie viel sie für andere leisten. Und dass Fürsorge für andere nicht Selbstaufgabe bedeuten darf.
Als Scheidungsanwältin sehe ich täglich die Konsequenzen: Frauen, die jahrelang Care Arbeit übernommen, ihre Karriere zurückgestellt und ihre eigenen Bedürfnisse ignoriert haben – und am Ende mit leeren Händen dastehen.
Emotional, strukturell und oft auch finanziell. Mein Buch stellt unbequeme Fragen: • Was ist eine faire Partnerschaft wirklich? • Was bedeutet Augenhöhe – jenseits von romantischen Floskeln?
Wann ist es sinnvoll zu gehen, statt weiter zu hoffen? • Warum ist die vermeintliche „Vereinbarkeit" eine der größten Gesellschaftslügen unserer Zeit.
Und warum sind Unabhängigkeit und Absicherung kein Widerspruch, sondern Voraussetzung für echte Freiheit? Es geht auch um eine der grundlegendsten Entscheidungen im Leben: Kinder – ja oder nein?
Und um ein Thema, das viele verdrängen: den Ehevertrag – und warum er kein Misstrauensvotum ist, sondern Selbstschutz.
Kurz gesagt: Dieses Buch ist eine Einladung, Verantwortung für das eigene Leben zu übernehmen – ohne sich dafür zu entschuldigen.
Wer sollte es lesen?
Dieses Buch richtet sich an alle Frauen ab 18. Nicht, weil jede in einer Trennung steckt – sondern weil jede früher oder später mit genau diesen Fragen konfrontiert wird: Selbstwert, Abgrenzung, finanzielle Unabhängigkeit, Rollenverteilung, Lebensentscheidungen.
Das Buch ist für Frauen, die spüren, dass sie sich selbst zu oft zurücknehmen. Für Frauen, die funktionieren aber nicht wirklich gestalten.
Und auch für diejenigen, die glauben, sie hätten „alles im Griff", aber nie gelernt haben, klare Forderungen zu stellen. Und ganz ehrlich: Einen Selbstbewusstseins-Boost braucht jede Frau.
Was ist der häufigste Fehler, den Deine Mandantinnen in Beziehungen machen – und warum passiert er immer wieder?
Viele Frauen gehen davon aus, dass die Beziehung stabil bleibt und treffen darauf basierend Entscheidungen: beruflich zurückstecken, finanzielle Verantwortung abgeben, Vermögen nicht absichern.
Das Problem ist, Vertrauen nicht mit Eigenverantwortung zu kombinieren. Hinzu kommt ein zweites Muster: Frauen passen sich stark an den Partner an, oft schleichend.
Entscheidungen werden nicht mehr aus der eigenen Perspektive getroffen, sondern aus der Logik der Beziehung heraus.
Wenn es dann zur Trennung kommt, wird sichtbar, was vorher ausgeblendet wurde: Abhängigkeiten, fehlende Absicherung, fehlende Durchsetzung.
Diese Dynamiken sind sozial erlernt. Frauen werden eher darauf trainiert, Beziehungen zu stabilisieren – nicht darauf, ihre Position innerhalb der Beziehung zu sichern.
Was überrascht Deine Mandantinnen am häufigsten, wenn es ernst wird?
Ein weit verbreiteter Irrtum ist die Vorstellung, dass im Fall einer Scheidung alles einfach 50:50 geteilt wird. Das stimmt so nicht, weder rechtlich noch praktisch. Ja, es gibt Ansprüche.
Aber Ansprüche bedeuten nicht, dass sie reibungslos oder ohne Konflikt durchgesetzt werden. Gerade Frauen, die in klassischen Rollenmodellen gelebt haben, erleben oft einen Realitätsbruch:
Sie haben jahrelang investiert, in Familie, in Care-Arbeit, in den gemeinsamen Alltag und stellen dann fest, dass diese Leistungen nicht automatisch zu einer gleichwertigen Absicherung führen.
Ein zweiter Schockmoment: Viele unterschätzen, wie stark der Ausgang davon abhängt, wie konsequent der andere mitarbeitet oder eben blockiert.
Das Recht bietet Instrumente. Aber es ersetzt keine Vorbereitung, keine Klarheit und keine strategische Positionierung.
Warum haben viele Frauen einen Ehevertrag, der sie nicht absichert?
Ein Teil der Antwort liegt in der Vergangenheit: Eheverträge wurden oft vom wirtschaftlich stärkeren Partner initiiert und Frauen haben unterschrieben, ohne die Tragweite wirklich zu verstehen.
Aber das greift heute zu kurz. Das eigentliche Problem ist: Viele Frauen sehen den Ehevertrag nicht als ihr Instrument, sondern als etwas, das „gegen sie" gerichtet ist.
Dadurch stellen sie entweder keine eigenen Forderungen, oder sie prüfen bestehende Regelungen nicht kritisch genug. Hinzu kommt ein strukturelles Ungleichgewicht:
Wer wirtschaftlich stärker ist, hat meist auch mehr Erfahrung im Umgang mit Verträgen, Vermögen und Verhandlungssituationen. Wenn auf der anderen Seite kein gleichwertiges Verständnis vorhanden ist, entsteht ein Vertrag, der formal möglicherweise einvernehmlich ist, aber inhaltlich einseitig.
Die unbequeme Wahrheit ist: Ein Ehevertrag schützt nicht per se. Er schützt nur dann, wenn beide Seiten verstehen, was sie vereinbaren und ihre Interessen aktiv einbringen.
Du hast im Buch zahlreiche Coaching-Tipps für Frauen. Welche willst Du schon hier empfehlen?
Der wichtigste Tipp ist aus meiner Sicht: Entscheide dich immer für dich selbst.
Wenn du in eine Situation kommst, in der du dich zwischen dir und einer anderen Person entscheiden musst, dann darf die Antwort am Ende nur dich selbst beinhalten.
Menschen kommen und gehen – Partner, Freunde, selbst enge Bezugspersonen. Am Ende bist du die einzige Konstante in deinem eigenen Leben.
Wenn du dich verlierst, hast du nichts mehr, worauf du aufbauen kannst. Mein zweiter wichtiger Tipp ist: Gib niemals deine eigene Identität auf.
Eine Beziehung kann nur funktionieren, wenn zwei eigenständige Persönlichkeiten aufeinandertreffen, nicht, wenn eine sich selbst auflöst.
Und drittens: radikale Ehrlichkeit. Wer sich selbst gegenüber ehrlich ist, ohne sich Geschichten vom perfekten Leben zu erzählen und den Mut hat, daraus Konsequenzen zu ziehen, hat einen entscheidenden Vorteil.
Die meisten Probleme entstehen nicht durch falsche Entscheidungen, sondern durch Selbsttäuschung.
Und last but not least: Wer zahlt beim ersten Date die Rechnung?
Der Mann. Und bevor jetzt jemand mit Gleichberechtigung argumentiert:
Gleichberechtigung bedeutet nicht, dass jede soziale Dynamik identisch sein muss. Ich halte es für ein Signal von Initiative und Interesse, wenn der Mann beim ersten Date zahlt. Aber mehr dazu gibt es dann in meinem Buch.
Das Gespräch führte Julia Meyn


Saskia Schlemmer



