Gesellschaft Freunde der Künste
Mannequins 2006-2007 analog Artwork

Leben mit Schaufensterpuppen - Eine Reise in die weibliche Energie und künstlerische Erkundung

Ein Project von  Eva-Maria Horstick - Sieben Monate lang teilte ich mein Zuhause mit elf Schaufensterpuppen, deren stumme, aber allgegenwärtige Formen Teil meines Alltags wurden.

Als Künstlerin versuchte ich, diese Figuren in meinen kreativen Prozess zu integrieren, nicht nur als Objekte, sondern als Teilnehmer meiner Reise. Jede Schaufensterpuppe, obwohl leblos im traditionellen Sinne, wurde von einer eigentümlichen Energie durchdrungen.

In ihrer Stille strahlten sie eine stille Präsenz aus - einen unsichtbaren Puls, der mit dem sie umgebenden Raum zu interagieren schien.

Ich war schon immer von der weiblichen Form in der Kunst angezogen worden, aber das Zusammenleben mit diesen Schaufensterpuppen ermöglichte es mir, diese Energie auf völlig neue Weise zu erkunden.

Umgeben von ihren modellierten Körpern hatte ich das Gefühl, inmitten von etwas mehr als nur leblosen Objekten zu leben.

Sie schienen eine Aura der Weiblichkeit zu tragen - kraftvoll und doch passiv. In der Stille meines Hauses, wo sie weder menschlich noch völlig künstlich waren, bekamen sie ein Eigenleben.

Es war, als ob das Haus selbst zu einem Zufluchtsort für diese konzentrierte weibliche Energie wurde.

Obwohl sie sich nicht bewegten, sprachen oder im herkömmlichen Sinne lebten, fühlten sich diese Schaufensterpuppen fast wie Zeugen meines Lebens an, die jede meiner Handlungen mit stiller, nicht urteilender Präsenz beobachteten.

Oft ertappte ich mich dabei, wie ich über die Dichotomie zwischen Leben und Stille nachdachte und mich fragte, was es für etwas bedeutet, „lebendig“ zu sein, und ob die Energie des Körpers über physische Bewegung hinausgehen kann.

Mit der Zeit begannen die Schaufensterpuppen mehr als nur weibliche Figuren darzustellen - sie verkörperten das Konzept der Weiblichkeit in seiner ganzen Komplexität, mit all seinen Schichten von Stärke, Verletzlichkeit und Stille.

Ihre stille Präsenz lud mich dazu ein, Aspekte der Weiblichkeit zu erforschen, die ich sonst vielleicht nicht in Betracht gezogen hätte.

Sie zwangen mich, mich mit meinen eigenen Vorstellungen von Geschlecht und Identität sowie mit der Rolle der weiblichen Figur in Kunst und Gesellschaft auseinanderzusetzen.

Durch diese Schaufensterpuppen fand ich einen Weg, mich mit einem tieferen, intuitiveren Teil meines eigenen kreativen Prozesses zu verbinden.

Ihre Stille gab mir den Raum, zu reflektieren, zu erschaffen und zu hinterfragen.

In dieser stillen Gesellschaft wurde mir klar, dass die Energie, die wir mit dem Leben assoziieren, nicht immer an das Physische oder Lebendige gebunden ist.

Manchmal existiert sie auch in der Stille, im Unbelebten, in den Dingen, die wir in unser Leben holen - Dinge, die uns auf ihre eigene Weise Leben einhauchen.


Text eva-Maria Horstick copyright Projekt Babaismus