Ein Forschungsbericht, so der Untertitel des neuen Buches von Georg Kreis: „Blicke auf die koloniale Schweiz."
Und eben dieser Anspruch, ein Bericht zu sein, zeichnet dieses Buch auch besonders aus.
Weil es auf den gut 200 Seiten um Fakten geht.
Kreis, emeritierter Professor für Neuere Allgemeine Geschichte und Geschichte der Schweiz an der Universität Basel, zeigt auf, in welchem Maße die Schweiz, obwohl offiziell keine Kolonialmacht, mit an der Sklavenhaltung beteiligt war, am Handel von Menschen, und eine bis dato oftmals verdeckte koloniale Vergangenheit aufweist, deren Altlasten bis heute spürbar sind.
Er beleuchtet bislang Übersehenes, Vernachlässigtes oder gar Verdrängtes in der Gesellschaft mit dem Bestreben, das Geschichtsbild des eigenen Landes nachzubessern, was in Deutschland übrigens auch noch aussteht, eine Debatte, die längst überfällig ist.
Denn Kolonialismus ist nicht nur die Eroberung von Gebieten oder Rohstoffen, sondern eine Geisteshaltung, die vermeintliche Überlegenheit gegenüber anderen Kulturen, die bis heute in der öffentlichen Wahrnehmung oft bis meist weiter eine tragende Rolle spielt.
Von daher ist „Blicke auf die koloniale Schweiz" ein beispielhaftes Buch, dessen Bemühen gar nicht genug wertgeschätzt werden kann.
Chronos Verlag, Zürich (www.chronos-verlag.ch), 38 Euro.
Sönke C. Weiss


Die Schweiz und die Sklaverei. Foto: Youtube/Spot-Screenshot



