Requiem für einen Traum: Zwischen Sozialbau-Prekariat und magischem Realismus gelingt Regisseurin Andrea Arnold ein Plädoyer für die Fähigkeit zum Staunen.
Als möglicherweise imaginärer Freund der zwölfjährigen Heldin tritt Franz Rogowski als Paradiesvogel im Faltenrock auf.
Eine Wohnung in einem heruntergekommenen Sozialwohnungsbau-Kasten, irgendwo in England. Die Wände sind übersät mit Graffitis und Tag-Schriftzügen.
Neben abstrakten Symbolen finden sich immer wieder Botschaften der Zuversicht: „Hoffnung“ oder „Das Leben ist schön“.
Es sind Zeugnisse von Menschen, die von einer besseren Zukunft träumen, während sie sich durch eine Gegenwart kämpfen, die nicht von der Stelle kommt.
Dazu zählt auch die zwölfjährige Bailey (Nykiya Adams), die hier mit ihrem Vater Bug (Barry Keoghan) und ihrem Halbbruder Hunter (Jason Buda) lebt.
Bug ist impulsiv, unzuverlässig und arbeitslos; er plant aber, seine neue Freundin Kayleigh zu heiraten, obwohl sie sich erst seit drei Monaten kennen. Bailey ist davon nicht begeistert; sie fängt an, immer öfter herumzustreunen.
Momente der Faszination
Ihr junges Leben wird zwar bereits von zahlreichen Hürden verstellt, birgt aber noch so viel Energie und Lebenslust, dass sie sich an allen neuen Dingen erfreut, die sie entdeckt: an einer Möwe, die ihr auf einer Brücke begegnet, oder der aufgehenden Sonne.
Solche Momente der Faszination fängt die britische Regisseurin Andrea Arnold mit tollen Bildern ein. Immer wieder folgt die Kamera Baileys Blick wie ein Beobachter, der sich gemeinsam mit ihr im Betrachten kleiner Dinge verliert.


Der sonderbare Bird (Franz Rogowski) kommt wie aus dem Nichts in Baileys Leben. Foto: © Robbie Ryan /© 2024 House Bird Limited. All rights reserved.



