Ein Freund, ein guter Freund, das ist das Schönste, was es gibt auf der Welt: auch gegen Geld. Regisseur Bernhard Wenger inszeniert eine ausgefeilte Satire über einen „Rent-a-Friend“-Darsteller, der an seinem Rollenspiel allmählich irre wird – brillant verkörpert von Albrecht Schuch.
Hier kommt die Vollendung der Dienstleistungs-Gesellschaft: Man bezahlt eine andere Person dafür, eine bestimmte Rolle zu übernehmen – etwa den dankbaren Sohn, eine charmante Begleitung beim Konzert oder den Traumvater mit angesehenem Beruf.
Das klingt weit hergeholt, ist es aber nicht. In Japan gibt es so genannte „Rent-a-Friend“-Agenturen seit etlichen Jahren; dort hat der östereichische Regisseur Bernhard Wenger für seinen Debütfilm recherchiert.
Allerdings verlegt er die Handlung nach Wien und stattet sie mit einem Schuss Surrealismus aus, der sein Werk „Pfau – Bin ich echt?“ raffiniert in der Schwebe hält.
Für den Filmemacher ist ein Pfau „ein Tier, das wenig kann, außer schön zu sein“: Abgesehen von seiner attraktiven Erscheinung hat es nicht viel zu bieten.
Deshalb läuft sein Protagonist Matthias (Albrecht Schuch) auf seiner zusehends verzweifelten Suche nach sich selbst mehrfach einem Pfau über den Weg.
Hinter allen Rollen kein Ich
Als Inhaber der Agentur „My companion“ ist er sehr erfolgreich. Für die Erledigung seiner Aufträge geben die Kunden dem Miet-Gefährten, der mit gepflegtem Schnauzer und sanfter Stimme formvollendet auftritt, stets Bestnoten.
Im eigenen Leben hat Matthias jedoch zwischen all seinen Rollen sein Ich längst verloren.
Als unbeschriebenes Blatt verharrt er passiv auf der Couch in seiner sterilen Designer-Villa und reagiert nur auf die Erwartungen Anderer. Dabei wirkt er gar nicht sonderlich unglücklich, sondern eher wie ein Automat.
Was ist überhaupt echtt
Auch als seine langjährige Freundin Sophia (Julia Franz Richter) als Provokation eine große, schwarze Dogge auf dem Sofa füttert, empört das Matthias kaum.
Nachdem sie ihn verlassen hat, scheint er sich erstmals traurig zu fühlen. Danach laufen seine akribisch vorbereiteten Aufträge zunehmend aus dem Ruder. Das echte Leben holt ihn allmählich ein.
(Kinostart: 20.2.)
Ihre Kunst+Film-Redaktion


Matthias (Albrecht Schuch) und sein bester Freund und Kollege David (Anton Noori). Foto: © NGF CALA 2024



