Selbstjustiz im Hochsicherheitstrakt: Mit Gespür für emotionale Verdichtung und enge Räume gelingt Regisseur Gustav Möller ein solider Knastfilm, der sich spät als Rache-Drama entpuppt.
Die grandiose Hauptdarstellerin Sidse Babett Knudsen macht das Katz- und Mausspiel glaubwürdig.
Ein Gefängnis ist ein abgeschlossener Ort mit festen Regeln und Hierarchien, bevölkert von archetypischen Charakteren.
Wie unter einem Brennglas zeigt sich ein Querschnitt der Gesellschaft mit klaren Machtverhältnissen.
Nicht von ungefähr gibt es unzählige Filme, die im Knast spielen, und es scheint, dass jede Konstellation bereits durchgespielt wurde.
Dem Genre etwas Neues hinzuzufügen, ist nicht einfach; dem schwedisch-dänischen Regisseur Gustav Möller gelingt es.
Mit seinem Debüt „The Guilty“ (2018) ist ihm etwas Vergleichbares mit dem Thriller-Genre geglückt. Er bewies, dass man für einen aufregenden Krimi kein großes Budget braucht.
In diesem Film versucht ein Polizist im nächtlichen Notrufdienst, am Telefon ein Verbrechen zu verhindern.
Die Spannung speist sich dabei einzig aus der Interaktion des Mannes mit den Anrufern. Im Gegensatz dazu ist „Die Wärterin“ trotz seines geschlossenen Schauplatzes geradezu üppig ausgestattet und besetzt.
Schluss mit der Freundlichkeit
Diesmal geht es um die Gefängniswärterin Eva (Sidse Babett Knudsen). Mit routinierter Freundlichkeit sorgt sie in ihrer Abteilung für eine angenehme Atmosphäre.
Eva begrüßt die Insassen morgens gutgelaunt, meditiert mit ihnen und kümmert sich fast mütterlich um einen jungen Mann, der seinen Schulabschluss nachholen will.
Ihren Kollegen gegenüber ist sie weniger aufgeschlossen und nur oberflächlich umgänglich.
Selbst damit ist Schluss, als ein Neuzugang im Hochsicherheitstrakt für Schwerverbrecher eintrifft. Sobald sie seiner ansichtig wird, passiert etwas zunächst Unbegreifliches mit Eva.
(Kinostart: 20.2.)
Ihre Kunst+Film-Redaktion


Ein Neuzugang im Hochsicherheitstrakt für Schwerverbrecher trifft ein. Foto: © 24 Bilder



