Gesellschaft Freunde der Künste
Politisch korrekte Provinzialität

Postkoloniale Provinzialität anstelle von Inszenierungs-Kompetenz, in "Geschichte(n) Tansanias"

Eindeutig fällt dagegen die Ausstellung "Geschichte(n) Tansanias" im Berliner Humboldt Forum aus: Thema verfehlt.

Anstatt 1000 Jahre Hochkultur in diesem ostafrikanischen Land nachzuzeichnen, reiten die Kuratoren nur kleinteilig auf den Missetaten während der 34-jährigen deutschen Kolonialzeit herum - postkoloniale Provinzialität anstelle von Inszenierungs-Kompetenz.

Politisch korrekte Provinzialität: Die Ausstellung zur Historie des ostafrikanischen Landes ignoriert diese weitgehend.

Stattdessen breitet sie gebetsmühlenartig detailverliebte Bekenntnisse zum postkolonialen Bewusstsein aus – Symptom für die Malaise des Ethnologischen Museums im Humboldt Forum.

Kaum ein Land hat so viel Geschichte wie Tansania:

Der Staat in Ostafrika gehört zur „Wiege der Menschheit“. In seinem Norden wurden Steinwerkzeuge gefunden, die zu den ältesten bekannten zählen.

Hochkultur im landläufigen Sinne entstand in Tansania ab dem 9. Jahrhundert, als sich an der Küste die Swahili-Kultur ausbreitete.

Aus der Golfregion eingewanderte Araber und autochthone schwarze Küstenbewohner brachten eine Gesellschaft hervor, die vorwiegend vom Seehandel lebte.

Güter aus dem afrikanischen Binnenland, vor allem Elfenbein und Sklaven, wurden über den Indischen Ozean nach Süd- und Ostasien verschifft; von dort kamen Stoffe und Gewürze.

Ihren Wohlstand investierten die Swahili in den Auf- und Ausbau von Städten entlang der ostafrikanischen Küste; die bedeutendste auf heutigem tansanischen Territorium war Kilwa.

Dessen Ruinenlandschaft mit Palast, Festung und Moschee zeugt noch heute vom Reichtum in der Blütezeit bis zur Eroberung und Zerstörung durch die Portugiesen Anfang des 16. Jahrhunderts.

Friedlich wegen Zersplitterung

Auch seit dem Ende der britischen Kolonialherrschaft 1961 und der Vereinigung von Tanganijka auf dem Festland mit der Insel Sansibar 1964 hat die neue Republik eine bemerkenswerte Geschichte erlebt.

Anders als in den meisten afrikanischen Regionen gab es in Tansania nie Unruhen oder gar Bürgerkrieg – mit Ausnahme kurzer antiarabischer Pogrome auf Sansibar vor der Fusion.

Und dies nicht trotz, sondern gerade wegen ethnischer Zersplitterung: Keine der etwa 130 Volksgruppen kann die anderen dominieren.

Kunst+Film-Redaktion

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