Eine Flucht anderer Art steht im Zentrum von "Das Verschwinden des Josef Mengele". Der Lager-Arzt von Auschwitz versteckte sich 30 Jahre lang in Südamerika; er wurde nie gefasst, aber an sich selbst allmählich irre.
Was August Diehl in der Hauptrolle phänomenal glaubwürdig verkörpert; Regisseur Kirill Serebrennikow bannt sein Täter-Psychogramm in makellose Schwarzweiß-Bilder.
(Kinostart: 23.10.) Der Auschwitz-Lagerarzt Josef Mengele war einer der meistgesuchten NS-Kriegsverbrecher, wurde aber nie gefasst.
Seine 30-jährige Flucht durch Südamerika verfilmt der russische Regisseur Kirill Serebrennikow erschütternd eindrucksvoll – August Diehl in der Titelrolle ist phänomenal.
Im florierenden Genre der Aufarbeitung von NS-Vergangenheit gibt es hierzulande ein starkes Ungleichgewicht.
Die allermeisten Beiträge in Wort, Schrift und Bild behandeln das Leid der Opfer; vermutlich, weil man dabei wenig falsch machen kann.
Dagegen sind Darstellungen der Täter und ihrer Perspektive vergleichsweise selten – als würde man sich damit die Hände schmutzig machen oder dem Verdacht klammheimlicher Sympathien aussetzen.
Ausländische Autoren und Filmemacher sind da unbefangener. Der Franzose Jonathan Littell landete mit seinem umstrittenen Dokufiction-Roman „Die Wohlgesinnten“ aus der Sicht eines SS-Offiziers 2006 einen internationalen Bestseller.
Mit „The Zone of Interest“ über den Alltag der Familie des Lagerkommandanten Rudolf Höß in Auschwitz nach einer Romanvorlage des Briten Martin Amis gelang dessen Landsmann Jonathan Glazer 2023 ein Welterfolg bei Kritik und Publikum – er wurde mit dem Auslands-Oscar prämiert.
Sieben Jahre zuvor hatte der russische Regisseur Andrej Kontschalowski in Cannes den Regie-Preis für „Paradies“ erhalten: das kühn komponierte Porträt eines slawophilen SS-Offiziers, der eine KZ-Insassin liebt.
Teils Schwarzweiß, teils fahl farbig
Nun also ein Film über Josef Mengele (1911-1979); der Lagerarzt und „Todesengel von Auschwitz“ war mindestens ebenso berühmt-berüchtigt für seine menschenverachtenden Medizin-Experimente an KZ-Häftlingen wie für seine jahrzehntelange Flucht durch Südamerika – er wurde nie lebend gefasst.
Dieser Film ist in ausgefeilt komponierten Schwarzweiß-Bildern gehalten wie „Paradies“, mit ein paar Rückblick-Passagen in ausgeblichenen Tönen früher Farbfilm-Aufnahmen wie „The Zone of Interest“.
Kunst+Film-Redaktion
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Wie der Held eines Film noir: Josef Mengele (August Diehl) in Buenos Aires. Foto: © Lupa Film CG-Cinema Hype Studios

Auge in Auge: Josef Mengele (August Diehl) leidet unter seiner Isolation. Foto: © Lupa Film CG-Cinema Hype Studios
Schwieriger Besuch: Mengeles Sohn Rolf (Max Bretschneider) bei seinem Vater (August Diehl) in Brasilien. Foto: © Lupa Film CG-Cinema Hype Studios



