Star-Regisseur Christopher Nolan ist dafür berühmt, dass er anspruchsvolle bis vertrackte Stoffe in mitreißender Blockbuster-Ästhetik verfilmt.
Nun nimmt er sich den Urahn aller Heldengeschichten vor: Homers Versepos "Die Odyssee". Seine opulent ausgestattete und blendend inszenierte Version fällt recht werkgetreu aus:
Alle bekannten Episoden und Prüfungen kommen vor. Andererseits reden die Protagonisten wie TV-Serien-Personal.
So gehen Wortgewalt und Geist der Vorlage verloren; Titelheld Matt Damon tritt nicht als "listenreicher Dulder" auf, sondern als latent depressiver Familienvater.
(Kinostart: 16.7.) Redseliges Antike-Patchwork: Regisseur Christopher Nolan verfilmt Homers Versepos opulent und werkgetreu mit allen klassischen Episoden, aber auch als Familien-Zusammenführung im heutigen Jargon.
Was eindrucksvoll aussieht, aber die Tiefendimension der Vorlage außer Acht lässt.
Vorwärts in die Vergangenheit: Ein Vierteljahrhundert lang hat Starregisseur Christopher Nolan die Grenzen von Logik und Physik ohne SciFi-Klimbim ausgelotet.
Ob Amnesie in „Memento“ (2000), Teleportation in „Prestige – Die Meister der Magie“ (2006), Tiefenschichten des Bewusstseins in „Inception“ (2010), Zeitreisen durch schwarze Löcher in „Interstellar“ (2014) oder rückwärtslaufende Zeit in „Tenet“ (2020):
Stets trieb Nolan Denken und Handeln seiner Akteure bis zum gerade noch Verständlichen, manchmal darüber hinaus.
Bei aller Gehirnakrobatik blieb aber stets das klassische Erzählmuster von Aufbruch, Konflikten, Bewährung und Belohnung erhalten, das jede Heldenreise kennzeichnet.
Nun nimmt sich Nolan den Archetyp solcher Erzählungen vor, der die abendländische Literatur und Kulturgeschichte geprägt hat wie kein anderer: Homers 24 Gesänge über die Irrfahrten des Odysseus.
Mal präzise, mal freihändig
Das Epos wurde schon so häufig verfilmt, ganz oder in Teilen, werkgetreu oder verfremdet, dass man diese ausufernde Tradition getrost ignorieren und sich seine eigene Version zurechtlegen kann.
Genau das tut Nolan: Einige Stationen malt er in enger Anlehnung an die Textvorlage aus; derart präzise wie keiner seiner Vorgänger.
Mit anderen Elementen geht er sehr freihändig um, deutet Figuren um oder erfindet neue, fusioniert Handlungsstränge oder kappt sie, wie es ihm gefällt. Auf diese Weise entsteht eine merkwürdige Mischung.
Kunst+Film-Redaktion
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Odysseus (Matt Damon). Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.
Das tojanische Pferd. Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.
Cepheus (Jimmy Gonzales), Odysseus (Matt Damon) und Eurylochus (Himesh Patel) . Foto: © Universal Studios. All Rights Reserved.



