Aus dem wohlstandsverwahrlosten Bengel einen anständigen Kerl machen: Das will der Vater in "Good Boy - Wir wollen nur Dein Bestes".
Dabei bemüht er Methoden wie Kidnapping, die bald fraglich erscheinen lassen, wem es hier eigentlich an Erziehung mangelt.
Dieser Schwarzpädagogik-Psychothriller erinnert an Stanley Kubricks Klassiker "Uhrwerk Orange" von 1971; allerdings vermag es Regisseur Jan Komasa kaum, die Motivation seiner Akteure und den Sinn des Ganzen deutlich zu machen.
(Kinostart: 4.6.) Ungewöhnliche Erziehungsmaßnahmen: Um einen jugendlichen Nichtnutz auf den geraden Pfad zurückzuführen, wird ein Familienvater zum Kidnapper und Schwarzen Pädagogen.
Was ihn dazu treibt, lässt Regisseur Jan Komasa im Dunkeln – und bleibt einmal mehr hinter den Erwartungen zurück.
Saufen, koksen, protzen, kotzen: Tommy (Anson Boon) ist der „King“ in seiner Clique, ihm gehört die Stadt.
Er ist ein vulgärer 19-Jähriger, der sich mit Drogen vollpumpt, hart feiert und mit seinen Kumpels gestohlene Autos zu Schrott fährt.
Den „echt kranken Scheiß“, den er anstellt, verbreitet er anschließend in kurzen Reels auf Instagram und TikTok, und wird dafür mit zahlreichen Likes und neuen Followern belohnt.
Aber nicht alle sind von Tommys Eskapaden begeistert. Bei Familienvater Chris (Stephen Graham) löst die Betrachtung der Gewalt-Videos nur Abscheu aus.
Eines Nachts kidnappt er den zugedröhnten Proleten auf offener Straße. Als Tommy wieder zu sich kommt, liegt er im Keller eines alten Landhauses, mit einem Halseisen an eine Kette gelegt.
Geheimnisvolle Familie
Darüber wohnt Chris mit seiner Frau Kathryn (Andrea Riseborough), die er liebevoll „Prinzessin“ nennt und seinem 10-jährigen Sohn Jonathan, dessen Kosename „Sonnenschein“ ist.
Warum Chris es sich zum Ziel gesetzt hat, aus Tommy einen anständigen Kerl zu machen, wird erst allmählich klar. Scheinbar gab es einmal einen zweiten Sohn, den Tommy nun ersetzen soll.
Aber die Hintergründe bleiben offen. Was genau ist zuvor passiert?
Wieso fällt Chris‘ Wahl ausgerechnet auf Tommy? All das interessiert den polnischen Regisseur Jan Komasa in „Good Boy – Wir wollen nur dein Bestes“ nicht.
Kunst+Film-Redaktion
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Tommy (Anson Boon, 2.v.l.) und seine Kumpels treten gerne wie die großen Macker auf. Foto: X Verleih
Weil Tommy (Anson Boon, r.) das böse Spiel mitspielt, belohnt ihn Chris (Stephen Graham) mit einem Bier. Foto: X Verleih
Die mazedonische Putzfrau Rina (Monika Frajczyk) weiß, was im Haus vor sich geht.. Foto: X Verleih



