Bei "Lügen über meine Mutter" ist es umgekehrt: Die im Grunde tragische Geschichte wird von Regisseur Aron Lehmann mit unpassend humorigen Einlagen verzerrt.
Er lässt sie von der altklugen Tochter erzählen und garniert sie mit 1980er-Jahre-Nostalgie; so gerät das Leid einer molligen Frau, die von ihrem Mann mit Gewichtskontrolle und Diäten-Zwang terrorisiert wird, zu sehr in den Hintergrund.
Die gemobbte Mama: In ihrem Autofiktions-Bestseller erinnert sich Autorin Daniela Dröscher an den Feldzug ihres Vaters gegen die Molligkeit ihrer Mutter. In seiner angestrengt leichtfüßigen Verfilmung einer im Grunde tragischen Geschichte vergreift sich Regisseur Aron Lehmann im Tonfall.
Im Zweifel ist immer die Frau schuld, wenn die Karriere des Mannes stagniert. Auch Werner (Golo Euler) glaubt, es liege am Aussehen seiner Gattin, dass er in der Firma nicht befördert wird.
Cornelia (Rosalie Thomass) sei nicht „vorzeigbar“; das behaupte angeblich sein Chef, sagt er. Aber auch Werner selbst kneift mittlerweile beim Sex im Ehebett lieber die Augen zu oder glotzt am Strand sehnsüchtig einer schlanken Schönheit im knappen Bikini nach.
An Cornelias Willen liegt es nicht, dass sie ihre Fettpölsterchen um die Hüften nicht los wird. Sie hat jede Diät ausprobiert, die in den Frauenmagazinen der 1980er Jahre beworben wird: Rohkost, Spargel, FDH („Friss die Hälfte“).
Nichts hat auf Dauer geholfen, weil bei ihr sofort der Jojo-Effekt einsetzt: Kaum isst die junge Mutter wieder normal, sind auch die verlorenen Pfunde sofort wieder drauf.
Das Gewicht bleibt ein Geheimnis
Aber damit soll nach dem zweiten Kind nun ein für alle Mal Schluss sein. Kurzerhand befiehlt Werner seiner Frau, sich jeden Morgen unter seiner strengen Aufsicht zu wiegen.
Die Zahl wird notiert, jede Zu- oder Abnahme kontrolliert. Nur mit dem Publikum will der Film das Gewicht nicht teilen; so hat es schon die Autorin Daniela Dröscher in der gleichnamigen Romanvorlage gehalten. Denn um die Zahlen geht es nicht.
Kunst+Film-Redaktion
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Zur Einzugsparty in ihrem neuen Familienheim findet Ela (Elise Lindner), dass ihre Mutter (Rosalie Thomass) die Schönste ist. Foto: © TOBIS Film
Am Tag von Elas (Elise Lindner) Einschulung herrscht kurz gute Stimmung in der Familie. Foto: © TOBIS Film
Werner (Golo Euler) amüsiert sich lieber ohne seine Ehefrau. Foto: © TOBIS Film



