Gesellschaft Freunde der Künste
Ein Krimi, der keiner sein will

Lokale Mafiosi, ein illegales Bordell und schnapsselige Runden, in "Das geträumte Abenteuer"

Noch ein Film aus Osteuropa, diesmal aus Bulgarien. Dort porträtiert die deutsche Regisseurin Valeska Grisebach eine Archäologin, die in einer Grenzstadt zurechtkommen muss: zwischen alten Bekannten, lokalen Mafiosi, einem illegalen Bordell und schnapsseligen Runden.

So wird "Das geträumte Abenteuer" zum vielschichtigen Panorama einer improvisierenden Übergangsgesellschaft, die man sich im saturierten Westen kaum vorstellen kann.

Ein Krimi, der keiner sein will: In Süd-Bulgarien hat Regisseurin Valeska Grisebach einen Film gedreht, der diese Welt am Rand der EU erkundet und dabei immer wieder neue Haken schlägt.

So legt sie die historischen und sozialen Schichten einer Grenzstadt frei – vom Postsozialismus bis zur Mafia.

Ein Auto fährt auf einer kaputten Straße durch eine trockene Landschaft aus Felsen und hellbrauner Erde, aus der vereinzelt blassgrüne Pflanzen ragen.

Am Steuer des ruckelnden Kleinwagens sitzt ein Mann mittleren Alters: Mit der einen Hand hält Said (Syuleyman Letifov) das Lenkrad, mit der anderen einen Kaffee-Becher und eine Zigarette, die bis auf den Filter heruntergebrannt ist

Irgendwann erreicht er Svilengrad, eine kleine Stadt im Grenzgebiet zwischen Bulgarien, Griechenland und der Türkei. An einem heruntergekommenen Kiosk fragt er nach dem Weg zum Casino.

Das gebe es nicht mehr, antwortet der Besitzer: Seit den 1990er Jahren sei hier alles anders. Said verfolgt mit seinem Blick einen vorbeifahrenden LKW, zieht an seiner Zigarette und beschließt, sich erstmal ein Hotelzimmer zu nehmen.

Ein Werk, das sich gemächlich entwickelt

Es passiert nicht viel in den ersten zehn Minuten des Films „Das geträumte Abenteuer“ von Regisseurin Valeska Grisebach.

Doch die Szenerie bündelt alle Zutaten eines Werks, das sich überaus gemächlich entwickelt. Ähnlich wie der Alltag der Menschen in einer Region, in der die Zeit stillzustehen scheint:

Häuser stehen leer, Werbeschilder sind so vergilbt wie die Pflanzen am Straßenrand.

Ein letzter glücklicher Tag

Am nächsten Morgen muss Said feststellen, dass sein Auto gestohlen wurde. Er geht ins Stadtzentrum, wo er zufällig eine alte Freundin trifft, die hier aufgewachsen ist.

Veska (Yana Radeva) arbeitet als Archäologin, lebt in Sofia und hält sich beruflich in der kleinen Grenzstadt auf. Mit ihrem Team arbeitet sie an einer Ausgrabungsstätte nahe der Stadt.

Spontan lädt sie Said ein, sie dorthin zu begleiten. Beide erleben einen glücklichen Tag voller Vertrautheit, einen Tag wie ein Versprechen. Doch am nächsten Morgen ist Said plötzlich verschwunden.

Kunst+Film-Redaktion

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