Thomas Pynchon ist der große Unbekannte der zeitgenössischen US-Literatur: Seit Jahrzehnten taucht er nicht mehr in der Öffentlichkeit auf.
Doch zugleich ist Pynchon ein hellsichtiger Chronist der US-Gesellschaft, deren Verwerfungen er in mäandernden Romanen ausfabuliert.
In "Vineland" von 1990 jagen ein linksradikaler Ex-Revoluzzer und ein rechtsextremer Offizier einander. Das hat Regisseur Paul Thomas Anderson nun kongenial verfilmt:
"One Battle After Another" bietet ein burlesk-sarkastisches Tableau gesellschaftlicher Polarisierung, in dem Leonardo DiCaprio und Sean Penn glänzen.
Die amerikanische Kritik schwört, mindestens des Meisterwerks des Jahres ansichtig geworden zu sein, und selbst der große Steven Spielberg lässt sich zitieren mit:
„Ich habe noch nie einen Film gesehen, der mich so stark an Kubricks ‚Dr. Seltsam‘ erinnert – eine absurde Komödie, die sich sehr ernst nimmt.“ Unmissverständlich mache sie klar, „was im heutigen Amerika vor sich geht“.
(Kinostart: 25.9.) Linker Drogenfresser-Revoluzzer gegen sexuell frustrierten Rechtsaußen-Offizier: Der Roman “Vineland” von Thomas Pynchon verdichtet die Lagerbildung in den USA zum Zweikampf.
Seine aktualisierte Verfilmung durch Paul Thomas Anderson ist ein Meisterwerk, in dem alles passt.
„Ich und Willas Mom, wir waren krass unterwegs. Wir haben wirklich üblen Scheiß gemacht.“ So fasst Bob Ferguson (Leonardo DiCaprio) die Zeit vor der Geburt seiner Tochter (Chase Infiniti) zusammen.
Damals war er als Ghetto Pat bekannt.
Willas Mutter – seine Frau und große Liebe – Perfidia Beverly Hills (Teyana Taylor) ist verschwunden, als Willa noch ein Baby war. Dennoch verklärt Bob sie immer noch zur Heldin.
Mit „wirklich üblem Scheiß“ meint er den bewaffneten Kampf am Anfang des neuen Jahrhunderts:
Seine militärisch gedrillte und mehrheitlich von schwarzen Frauen dominierte Guerilla-Gruppe „French 75“ kämpfte mit großen Mengen Sprengstoff gegen das politische System in den USA, die aus ihrer Sicht von einer autoritären weißen Oberschicht repressiv regiert wurden.
Unter anderen stürmte das Kommando damals ein Lager der Einwanderungsbehörde ICE und befreite mehr als 200 dort inhaftierte Immigranten.
Sexualopfer wird Feind fürs Leben
Dabei trifft die liebestolle Perfidia auf den Befehlshaber Colonel Steven J. Lockjaw (Sean Penn).
Sie überwältigt und demütigt ihn sexuell mit großem Genuss an der Sache. Damit schafft sie sich einen Feind fürs Leben.
Doch Lockjaw will nicht einfach nur Rache; er ist von der Idee besessen, sich diese Frau gefügig zu machen, deren erotische Energie ihm überlegen ist.
Zweite Adaption eines Pynchon-Romans
Während Lockjaw die Gruppe mit allen Mitteln verfolgt und zerschlägt, gelingt es ihm auch, Perfidia kurz nach der Geburt ihrer Tochter Willa zu verhaften. Er bringt sie in einem Zeugenschutz-Programm unter, um direkten Zugriff auf sie zu haben.
Doch Perfidia kann fliehen und taucht spurlos unter. Selbst Bob und Willa werden kein Lebenszeichen mehr von ihr erhalten, bis das Mädchen 16 Jahre alt ist.
Kunst+Film-Redaktion
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Deandra (Regina Hall) und Colonel Steven Lockjaw (Sean Penn) - Bobs Erzfeind von Bob taucht nach 16 Jahren wieder auf. Foto: Warner Bros.
Bobs Gattin Perfidia (Teyana Taylor) war 16 Jahre lang untergetaucht. Foto: Warner Bros.
Bobs Tochter Willa Ferguson (Chase Infiniti) verschwindet plötzlich. Foto: Warner Bros.
Bob Ferguson (Leonardo Di Caprio) auf der verzweifelten Suche nach seiner Tochter Willa. Foto: Warner Bros.



