Wir beginnen das Jahr 2026 mit zwei Ausstellungen, die beide einen Sinn für Farbe, Materialität und Wahrnehmung in sich tragen und doch ganz verschieden sind. Gezeigt werden die Künstlerin Frauke Wilken und der Künstler Friedensreich Hundertwasser.
Wilkens Kunst kreist seit vielen Jahren um Fragen von Körperlichkeit und den Erwartungen und der Rezeption der Betrachtenden.
Ihre Werke bewegen sich dabei zwischen Skulptur und Malerei und erkunden die bisweilen großen Unterschiede zwischen der Darstellung und ihrer Wahrnehmung.
Friedensreich Hundertwasser bedarf eigentlich keiner Vorstellung. Und doch tut man dem Künstler bisweilen Unrecht, wenn man ihn und seine Kunst bereits zu kennen glaubt.
Die Ausstellung lädt ganz im Sinn des Künstlers ein, stets einen frischen Blick zu wagen und Werk und Welt mit anderen Augen zu sehen. Die Schenkung wird erstmals der Öffentlichkeit präsentiert.
Zur Eröffnung der Ausstellungen ›Frauke Wilken: Konversion‹ und ›Friedensreich Hundertwasser: Die Sehnsucht nach dem Paradies‹
›Frauke Wilken: Konversion‹
28. Februar 2026 bis 21. Juni 2026
Eröffnung: Freitag, 27. Februar 2026, 19 Uhr, Eintritt frei
Frauke Wilken spielt mit den Erwartungen und den Fantasien der Betrachter*innen. Oftmals sind ihre Skulpturen simple Objekte, die zunächst aus Stoff genäht und dann befüllt werden und deren Oberflächen in der Folge mit Farben und Lacken bearbeitet werden.
Zur Skulptur werden sie durch ihre Positionierung auf Sockeln oder im Raum, und durch ihre Oberflächen, welche die Materialität fixieren – meist sind sie sehr viel leichter als sie aussehen.
In der Anschauung dann werden die organischen Formen zu Körpern oder Gliedmaßen, einzelne Objekte werden als menschlich oder als tierisch wahrgenommen – als nackt, verhüllt, als vollständig oder fragmentiert. Oberflächen sind ihr wichtig – die Körper selbst, ihre Verhüllung oder auch die sie verdeckenden Haare.
Seit über dreißig Jahren verhandelt Frauke Wilken in ihrem künstlerischen Werk unterschiedliche Aspekte von Körperlichkeit.
Ihre Arbeiten erkunden die bisweilen großen Unterschiede zwischen der Darstellung und ihrer Wahrnehmung. Auch bei den Materialien, die sie verwendet, hält sie nicht an Konventionen fest.
Sie festigt Gewandfalten mit Kunstharzen und Metallic-Lacken, überzieht Kunsthaar mit Gewebe und Farbe, nutzt aber gelegentlich auch Beton oder Bronze.
In jüngerer Zeit wendet sie sich wieder mehr der Malerei zu. In den drei in der Ausstellung gezeigten Großen Turbulenzen erscheinen als zu Objekten gebundene Haarstränge, die aber ebenso Darstellungen von Strömungsmuster gelesen werden könnten.
Frauke Wilken (*1965 in Göttingen) hat Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Braunschweig sowie an der Facultat de Belles Arts der Universitat de Barcelona (ESP) studiert. Seit 1992 lebt und arbeitet sie in Köln.
›Friedensreich Hundertwasser: Die Sehnsucht nach dem Paradies‹
28. Februar 2026 bis 30. August 2026
Eröffnung: Freitag, 27. Februar 2026, 19 Uhr, Eintritt frei
Das Werk Friedensreich Hundertwassers ist eine leidenschaftliche Einladung, die Welt mit anderen Augen zu sehen und sinnlich neu zu erfahren.
In seinen Bilderfindungen sind alle Elemente gleichberechtigt, sie stehen ohne lineare Perspektive nebeneinander und setzen so traditionelle Hierarchien außer Kraft.
Hundertwasser zeigt einen anderen Blick auf die Welt: Gebäude verwandeln sich zu organischen Strukturen, Bäume werden zu leuchtenden Farbkörpern und Menschen zum Teil einer ornamentalen Landschaft.
In seinen Visionen folgen die menschlichen Schöpfungen der Natur und fügen sich wie gewachsen darin ein – ohne gerade Linien und rechte Winkel.
Vertraute Sehgewohnheiten werden märchenhaft außer Kraft gesetzt.
Für seine Druckgrafik hat Friedensreich Hundertwasser neue Maßstäbe gesetzt und viele Neuerungen eingesetzt.
Seine Siebdrucke fügen sich aus über 20 Farbschichten in experimentellen Verfahren zusammen und er arbeitete dabei unter anderem mit Folienprägungen und Glasstaubauflagen, um die Auflagenwerke zu individualisieren und somit Einzelstücke in Serie zu produzieren.
Friedensreich Hundertwasser Regentag Dunkelbunt, bürgerlich Friedrich Stowasser (1928–2000), war ein österreichischer Künstler, der als Maler, aber auch als Architekt und Umweltschützer bekannt wurde.
Sein gegen die gerade Linie gerichteter Stil und die Integration der Natur in seine Architekturen wurden zu seinen Markenzeichen. Hundertwasser lebte und arbeitete in Wien (AUT), Venedig (ITA) und Kawanaka (NZL).
Leider konnten wir die Forderungen der Rechtsnachfolger*innen von Friedensreich Hundertwasser nicht mit unseren Prinzipien als Organisatoren dieser Ausstellung vereinbaren. Die Genehmigung für die Abbildung der Werke wurde uns deshalb versagt.
Die Werke von Friedensreich Hundertwasser werden häufig gezeigt. Auch in unserer Region waren und sind in den letzten Jahren immer wieder Ausstellungen zu sehen.
Normalerweise wäre dies ein Grund, erst einmal keine zusätzliche Ausstellung dieses Künstlers zu organisieren.
Jedoch wurde die MEWO Kunsthalle vor einigen Jahren von zwei lokalen Sammler*innen kontaktiert, welche über Jahrzehnte ein ansehnliches Konvolut an Grafiken und Originalen zusammengetragen hatten, das sie nun dauerhaft für die Allgemeinheit sichern wollten.
Die ersten fünfzig Werke dieser Schenkung wurden bereits 2023 an die MEWO Kunsthalle übergeben, weitere werden aus dem Nachlass folgen. Es ist nun an der Zeit, den ersten Teil dieses Schatzes vorzustellen.
am Freitag, dem 27. Februar 2026, um 19 Uhr


Ausstellungsansicht: ‚Van Stof Tot Asse', 2011, Galerie de Ziener, Asse (BEL)



