Auf die jüngere Vergangenheit schaut der Filmemacher François-Xavier Drouet: Er will wissen, was aus der katholischen Befreiungs-Theologie geworden ist, die in den 1970/80er Jahren in Lateinamerika dominierte.
Ihren Niedergang beschönigt die Doku "The Gospel of Revolution" nicht - aber eine geschickte Dramaturgie aus Archiv-Aufnahmen und Interviews mit den Akteuren macht sehr deutlich, was sie wollten und woran sie gescheitert sind.
(Kinostart: 2.4.) Das Prinzip Hoffnung:
Die katholische Befreiungstheologie, im Lateinamerika der 1970/80er Jahre sehr präsent, scheint quasi verschwunden. Filmemacher François-Xavier Drouet geht auf Spurensuche – mit einer klug komponierten Mischung aus Archivmaterial und Zeitzeugen-Interviews.
Der Begriff fällt kaum noch, ihr Gedankengebäude wirkt verblasst, ihre viele Millionen Anhänger zählende Bewegung scheint zerstreut:
Was ist eigentlich aus der katholischen Befreiungstheologie geworden? Zu ihrer Hochzeit in den 1970/80er Jahren war sie eine der wichtigsten religiösen Strömungen zumindest der christlichen Welt; manche trauten ihren Wortführern zu, dereinst den Vatikan zu übernehmen. Es kam anders.
Warum, fragt sich der französische Filmemacher François-Xavier Drouet. Er spürt der Vergangenheit der Befreiungstheologie und ihrem Erbe in vier lateinamerikanischen Staaten nach:
El Salvador, Brasilien, Nicaragua und Mexiko. Sorgsam ausgesuchte Archiv-Aufnahmen wechseln ab mit Interviews mit damaligen Akteuren, meist kirchlichen Würdenträgern.
Geschickt baut Drouet eine Dramaturgie auf, die den Aufschwung und Niedergang der Befreiungstheologie sehr anschaulich macht.
Erlösung auf Erden, nicht im Jenseits
Sie entstand Anfang der 1960er Jahre simultan in verschiedenen Regionen Südamerikas; der Begriff selbst wurde 1971 geprägt.
Wegen der Aufbruchsstimmung durch die Entkolonialisierung weltweit und die kubanische Revolution von 1959 entstanden vielerorts so genannte Basisgemeinden, in denen arme und landlose Bauern die biblische Botschaft auf sich selbst bezogen:
Sie verstanden Erlösung nicht als abstrakte Verheißung eines jenseitigen Heils, sondern als konkretes Versprechen der Besserung ihres Lebens auf Erden.


Einer der bekanntesten Befreiungstheologen: der Priester und Dichter Ernesto Cardenal, zeitweise Kulturminister in der Sandinista-Regierung in Nicaragua. Foto: © Drop-Out Cinema eG/Andana Films
Teilnehmerin einer christlichen Samba-Parade in Brasilien. Foto: © Drop-Out Cinema eG/Andana Films



