Auch in "Kokuho - Meister des Kabuki" geht es um Bühnen, welche die Welt bedeuten, aber in Japan. Kabuki-Theater ist sehr stilisiert und artifiziell - jede Geste und Bewegung haben festgelegte Bedeutungen.
Und Männer übernehmen die Frauen-Rollen: Um sie konkurrieren zwei Nachwuchs-Schauspieler, deren Lebenswege der Film über Jahrzehnte verfolgt.
Mit faszinierenden Ausschnitten von Aufführungen taucht Regisseur Sang-Il Lee tief in die fernöstliche Zivilisation ein.
(Kinostart: 26.3.) Bühnen und Schminke, die die Welt bedeuten: Kaum etwas bringt Japans traditionelle Kultur so elegant zum Ausdruck wie das Kabuki-Theater.
In ihm rivalisieren zwei Gefährten miteinander; das exquisite Melodram von Regisseur Sang-Il Lee taucht tief in eine fremde Lebenswelt ein.
Wesen wie von einem anderen Planeten: mit kalkweißer Schminke, dunklen Balken-Augenbrauen, blutrot bemalten Lippen und hellroten Tupfern in den Augenwinkeln.
Mit kompliziert toupierten und gebundenen Frisuren, geschmückt mit bunten Blumengirlanden oder hohem Kopfputz.
Mit prächtig bestickten Kimonos, breiten obi-Gürteln und Sandalen oder Pantoffeln. Mit Fächern oder Schirmen, mit denen sie anmutig posieren und kokettieren.
Die Kostüme der Onnagata gleichen der herkömmlichen Tracht japanischer Geishas; beide werden auch an denselben Schulen in Musik und Tanz ausgebildet.
Doch Onnagata sind Männer, die im Kabuki-Theater die Frauenrollen übernehmen. Kabuki entstand in Japan Anfang des 17. Jahrhunderts; also etwa zur gleichen Zeit, in der sich in Europa das heutige Sprechtheater aus dem Passions- und Mysterienspiel entwickelte.
Weniger formell als das ältere Nō-Theater des Samurai-Kriegeradels, war Kabuki eine quasi bürgerliche Theaterform aus Gesang, Pantomime und Tanz.
Die Essenz des Femininen ausdrücken
Um Sittenverfall vorzubeugen, wurden 1629 Auftritte von Frauen und 1652 solche von Jünglingen verboten; seither standen nur Männer auf Kabuki-Bühnen.
Zwar wurde diese Einschränkung längst abgeschafft, doch die Tradition blieb bestehen: In den rund 700 überlieferten Kabuki-Stücken verkörpern meist Männer die Frauenrollen.
Wobei Onnagata danach streben, „nicht Frauen zu imitieren, sondern symbolisch die Essenz des Femininen auszudrücken“, lautet eine berühmte Definition.
Kunst+Film-Redaktion
Copyright Publishing Company Heilwagen GmbH
Angersbachstraße 12
34127 Kassel, Deutschland/ Germany
Tel. +49 – 561 – 80 99 3
Fax. +49 – 561 – 89 83 47


Hanjiro Hanai (Ken Watanabe, m.), Altmeister des Kabuki, trainiert Kikuo Tachibana (Ryō Yoshizawa, li.) und seinen Sohn Shunsuke (Ryusei Yokohama, re.). Foto: ©Shuichi Yoshida/ASP - © 2025 “Kokuho” Film Partners
Auch abseits der Bühne unzertrennlich: Kikuo Tachibana (Ryō Yoshizawa, li.), Shunsuke Ogaki (Ryusei Yokohama, r.) und ihr größter Fan Harue Fukuda (Mitsuki Takahata, m.). Foto: ©Shuichi Yoshida/ASP - © 2025 “Kokuho” Film Partners
Kikuo Tachibana und Shunsuke Ogaki, hier in ihren Schuluniformen, wachsen wie Brüder auf. Foto: ©Shuichi Yoshida/ASP - © 2025 “Kokuho” Film Partners



