Gesellschaft Freunde der Künste
Von Regisseurin Suzannah Mirghani

Eine sehr lebendige Coming-of-Age-Geschichte in "Cotton Queen"

Weg aus ihrem Heimatort will auch die 15-jährige Heldin von "Cotton Queen": In ihrem Dorf am Nil-Ufer, das vom Baumwollanbau lebt, lehnen Mama und Großmutter ihre erste Liebe strikt ab.

Schlimmer noch: Beide wollen sie mit einem Geschäftsmann verheiraten. Regisseurin Suzannah Mirghani gelingt eine sehr lebendige Coming-of-Age-Geschichte aus dem Sudan, abseits von Bürgerkriegs-Wirren.

(Kinostart: 23.4.) Reich werden mit weißem Gold:

Davon träumen Baumwoll-Bauern im Sudan. Nur eine 15-Jährige möchte mit ihrer ersten Liebe durchbrennen, anstatt sich verheiraten zu lassen. Soap-Opera-Elemente kombiniert Regisseurin Suzannah Mirghani zur präzisen Milieustudie – bis auf die letzten Minuten.

Baumwollpflanzen brauchen viel Wasser. Daher würde man ihren Anbau nicht in einem trockenen, größtenteils wüstenhaften Land wie dem Sudan vermuten.

Aber es gibt ihn; vor allem dank der Bewässerungs-Kanäle in der Dschazira-Ebene zwischen dem Weißen und dem Blauen Nil südlich der Hauptstadt Khartum.

Dortige Baumwoll-Kulturen, Anfang des 20. Jahrhunderts von den damaligen britischen Kolonialherren angelegt, sind eine wichtige Devisen-Quelle.

In einem kleinen Baumwoll-Dorf am Nil-Ufer lebt die 15-jährige Nafisa (Mihad Murtada) mit ihrer Familie. Deren wichtigstes Mitglied ist Großmutter Al-Sit (Rabha Mohamed Mahmoud):

Schlecht sehend und fast zahnlos, aber unerbittlich herrscht die Matriarchin über die Geschicke der dörflichen Gemeinschaft. Ihre Autorität geht auf die Kolonialzeit zurück, die 1956 endete.

Erst wurde sie von den Briten zur „Cotton Queen“ gekürt, also zur Schönheitskönigin der Baumwollregion – dann wehrte sie sich gewaltsam gegen die Besatzer.

Rückkehrer mit ertragreichen Samen

Das findet Nafisa heraus, als ihr ein alter, vergilbter Zeitungsartikel im so genannten „Englischen Haus“ in die Hände fällt.

Kurz bevor die leer stehende Villa aus der Kolonialzeit inmitten der Baumwollfelder renoviert und luxuriös ausgestattet wird, damit dort Nadir (Hassan Kassala) einziehen kann.

Der Sohn eines reichen Sudanesen hat in London BWL studiert. Nun ist er zurückgekehrt, um mit ertragreichen, weil genetisch manipulierten Baumwoll-Samen viel Geld zu verdienen.

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Cotton Queen | offizieller deutscher Trailer (OmU)