Gesellschaft Freunde der Künste
Eine Frau setzt sich durch

Ein schön facettenreiches Sittenbild der edwardianischen Ära, in "Virginia Woolf`s Night & Day"

Ein unwiderlegbares Argument: Um 1910 lehnte die Auswahl-Kommission der Astronomie-Fakultät an der Universität Cambridge Bewerberinnen mit der Begründung ab, im Observatorium gebe es keine Toiletten für Frauen.

Die Szene ist erfunden, wie manches andere in "Virginia Woolf's Night & Day". Dennoch bietet diese Verfilmung ihres frühen Romans ein schön facettenreiches Sittenbild der edwardianischen Ära - Regisseurin Tina Gharavi schlägt heitere Töne an und hat dafür unter anderem Elyas M'Barek engagiert.

(Kinostart: 9.7.) Eine fröhliche Prophezeiung: In einem ihrer ersten Romane schilderte Virginia Woolf den Aufbruch ihrer Generation in ein neues Jahrhundert. Regisseurin Tina Gharavi macht daraus ein Fanal für eine emanzipierte Wissenschaft.

Für Schräglagen in der Story entschädigen vor allem die Dialoge.

Nicht gerade ein nahe liegender Berufswunsch: Im London des Jahres 1910 wünscht sich die junge Katharine Hilbery (Haley Bennett) nichts sehnlicher als eine Laufbahn als Astronomin.

Doch abgesehen von ihrem Lieblingscousin Cyril (Misia Butler) unterstützt niemand ihre Ambitionen: nicht die mächtige „Astronomische Gesellschaft“, die keine Frauen zulässt, und erst recht nicht ihr brummiger Vater (Timothy Spall), der sie am liebsten bald verheiratet sähe.

Ein Kandidat steht schon fest: Katharines Freund seit Kindestagen, der wohlmeinende aber ungeschickte William (Jack Whitehall).

Durch ihn lernt sie in einem literarischen Salon die energische Frauenrechtlerin Mary (Lily Allen) kennen, die mit anderen Suffragetten eine Druckerei betreibt und zugleich das Auge auf einen Mann geworfen hat, der auch Katharine fasziniert: den deutschen Lektor Ralph (Elyas M’Barek).

Pionierin des Non-binären

Das ist die Personenkonstellation in „Night & Day“, der Verfilmung eines frühen Romans von Virginia Woolf aus dem Jahr 1919.

Die Überschreitung von Geschlechtergrenzen ist ein Leitmotiv der Schriftstellerin, die sich 1941 das Leben nahm und heute als literarische Pionierin non-binärer Sexualität gilt.

Orlando, Titelheld/in ihres gleichnamigen, mehrfach verfilmten Romans von 1928, führt nacheinander erst ein Leben als Mann und danach eines als Frau.

Katharine würde am liebsten ebenfalls ihr Geschlecht wechseln, um eine Chance zu bekommen, ihre astronomischen Thesen zu präsentieren.

Kunst+Film-Redaktion

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Virginia Woolf's NIGHT AND DAY | Trailer (Deutsch)