Völlig ins Symbolische taucht dagegen die brasilianische Science-Fiction-Satire "Das tiefste Blau" ab. In naher Zukunft werden alle Alten in Kolonien kaserniert.
Davor flieht eine 77-Jährige, irrt durchs Amazonas-Gebiet und findet ihr Glück mit Natur-Drogen auf einem Hausboot.
Bei diesem schön bebilderten Episoden-Reigen setzt Regisseur Gabriel Mascaro zu sehr auf den Feelgood-Faktor.
(Kinostart: 25.9.) Im Schlepptau der atheistischen Nonne: Eine 77-Jährige flieht vor ihrer Abschiebung in eine Alten-Kolonie.
Aus ihrer Irrfahrt durch das Amazonas-Gebiet macht Regisseur Gabriel Mascaro einen schön bebilderten, doch recht beliebigen Episoden-Reigen – Selbstermächtigung für Senioren.
In Deutschland wäre diese Geschichte angesichts des demographischen Wandels undenkbar.
Die Geburtenrate ist gering, auf dem Arbeitsmarkt fehlt Nachwuchs – also versuchen Staat und Unternehmen mit allerlei Anreizen, Ältere nach ihrer Pensionierung im Arbeitsleben zu halten.
In Brasilien ist das Bevölkerungswachstum inzwischen mit nur noch 0,4 Prozent jährlich ähnlich gering wie in vielen Industriestaaten – doch Armut und Aufstiegswillen der jungen Generation setzen den Älteren eher zu, die Schalthebel bitteschön abzugeben.
Das ist in der Science-Fiction-Satire “Das tiefste Blau” offizielle Politik: Alte Menschen werden zwar mit Ehrungen, Orden und Propagandasprüchen überhäuft, aber de facto kaltgestellt.
Bei wichtigen Entscheidungen muss ihr Vormund zustimmen – normalerweise ein jüngerer Verwandter.
Im Fall der 77-Jährigen Tereza (Denise Weinberg) ist das ihre überarbeitete und gestresste Tochter, die vor allem ihre Ruhe haben will. Für den symbolträchtigen Wunsch ihrer Mutter, einmal im Leben zu fliegen, hat sie kein Verständnis.
Zwangsweise ins Rentner-Reservat
Die in einem bescheidenen Holzhaus wohnende Tereza könnte das verschmerzen, drohte nicht eines Tages großes Ungemach:
Sie soll, wie alle Senioren ab einer bestimmten Altersgrenze, in eine Kolonie im Landesinneren umgesiedelt werden, um Platz für Jüngere zu machen.
Wie es in diesen Renter-Reservaten aussieht, wird nie gezeigt, doch allein schon der Weg dorthin lässt frösteln: Die rigorose Prozedur erinnert an schonungslose Zwangsabschiebung.
Wasserschnecken-Droge für Wartezeit
Mit einem Trick büxt Teresa aus; nun sucht sie nach einem Boot, das sie auf dem Wasserweg zu einem Startplatz für Kleinflugzeuge bringt.
Fährmann Cadu (Rodrigo Santoro) lässt sich darauf ein, doch die beiden kommen nicht weit. Da er offenbar Konterbande schmuggelt, wird eine Weiterfahrt bald zu gefährlich.
Während sie auf das Signal warten, dass die Passage wieder frei ist, vertreibt sich Cadu die Zeit mit Dschungel-Drogen – darunter dem blauen Sekret einer Wasserschnecke, das ihn in die Zukunft blicken lässt und dem Film seinen Namen gibt.
Kunst+Film-Redaktion
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Tereza (Denise Weinberg) will nicht in die Seniorenkolonie in einer entlegenen Gegend ziehen . Foto: © Alamode Film
Cadu (Rodrigo Santoro) bringt Tereza (Denise Weinberg) bei, wie man ein Boot im Amazonasgebiet steuert . Foto: © Alamode Film
Tereza (Denise Weinberg) und Cadu (Rodrigo Santoro) fahren gemächlich über die Flussarme. Foto: © Alamode Film



