Kontrastprogramm: Im Palazzo del Qurinale, dem Amtssitz des italienischen Staatsoberhaupts, herrscht bleierne Stille. Jedenfalls in "La Grazia", dem neuen Film von Regisseur Paolo Sorrentino:
Er lässt Toni Servillo als Präsidenten monatelang über Sterbehilfe und Gnadenakte grübeln - oder über einen Seitensprung seiner Frau vor 40 Jahren.
Ansonsten passiert nicht viel: Dieses morbide Nicht-Drama kann auch Servillos Schauspielkunst nicht retten.
(Kinostart: 19.3.) In der Staatsspitzen-Gruft: Das Porträt eines fiktiven italienischen Präsidenten, der sich mit letzten Fragen herumplagt, fällt bleischwer aus.
Regisseur Paolo Sorrentino irrlichtert zwischen Ethik-Debatten und Privat-Geplänkel; das macht nur Hauptdarsteller Toni Servillo halbwegs ansehnlich.
Die Einsamkeit an der Staatsspitze führt „La Grazia“ zwei Stunden lang vor. Stocksteif steht der fiktive italienische Staatspräsident Mariano de Santis (Toni Servillo) im kalten Pomp seines Amtssitzes Palazzo del Quirinale – gedreht wurde mindestens teilweise am Originalschauplatz.
Oder de Santis wandelt gemessenen Schrittes durch weitläufige, düstere Gemächer; oder er ruht in ausladenden Clubsesseln. Was Regisseur Paolo Sorrentino ausgiebig in sorgsam kadrierten Einstellungen festhält.
Außer ein paar Personenschützern und Wachen in historischen Uniformen hat das Staatsoberhaupt kaum Gesellschaft.
Nur seine Protokollchefin behelligt ihn mit wenigen Terminen, und seine Tochter Dorotea (Anna Ferzetti) mit seltenen Vorhaben.
Gelegentlich schauen der Regierungschef oder seine alte Schulfreundin Coco Valori (Milvia Marigliano), eine exaltierte Kunstkritikerin, vorbei.
Ansonsten hat der Präsident seine Ruhe; die benötige er zum Nachdenken, sagt er. Dass er auf diese Weise sechs Regierungskrisen bewältigt haben soll, wie es heißt, erscheint absurd.
Staatsoberhaupt als sedierter Frührentner
Mit dem Arbeitsalltag hochgestellter Politiker hat das nichts zu tun; deren strukturelle Überforderung liegt ja darin, dass sie sich alle halbe Stunde auf neue Gesprächspartner und Themen einstellen müssen.
Sorrentino stilisiert seinen Staatschef jedoch zum kontemplativen Eremiten, damit er um ihn herum eine artifizielle Ethik-Parabel stricken kann.
Kunst+Film-Redaktion
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Mariano De Santis (Toni Servillo) mit seinem Personenschützer Colonnello Labaro (Orlando Cinque). Foto: Mubi
Italiens Präsident Mariano De Santis (Toni Servillo, erste Reihe 2.v.l.) mit seiner Jugendfreundin Coco (Milvia Marigliano, li. neben ihm) bei einer Premiere in der Mailänder Scala. Foto: Mubi
Mariano De Santis (Toni Servillo) muss in moralisch schwierigen Fragen entscheiden. Foto: Mubi



