Regisseur Jafar Panahi ist wohl der widerspenstigste und tollkühnste der Filmemacher im Iran: Weder durch Hausarrest noch Haft lässt er sich davon abhalten, heimlich Filme ohne Genehmigung der Zensur zu drehen.
"Ein einfacher Unfall" wurde in Cannes mit der Goldenen Palme prämiert. Darin trifft ein Ex-Häftling auf seinen damaligen Folterknecht und will sich rächen - weiß aber nicht, ob er an den Richtigen geraten ist.
Worüber er mit früheren Leidensgenossen berät; ihre Debatten über Schuld und Sühne schürfen aber nicht sehr tief.
(Kinostart: 8.1.) Racheakt mit Hindernissen:
Ein iranischer Ex-Häftling will seinen früheren Folterknecht büßen lassen – doch er ist unsicher, ob er den richtigen Mann erwischt hat.
Im mit der Goldenen Palme prämierten Stationendrama von Regisseur Jafar Panahi kommen moralische Fragen etwas zu kurz.
Es war doch schlicht ein Unfall. So etwas passiere eben, wenn Gott es wolle, erklärt die Mutter ihrer kleinen Tochter.
Die ist untröstlich, dass ihr Vater (Ebrahim Azizi) gerade einen Hund überfahren hat und findet, dass Gott damit nichts zu tun hat – worauf ihre Eltern zunächst keine Antwort haben.
Da ahnen sie noch nicht, welche weitreichenden Folgen diese nächtliche Autofahrt haben wird. Verkehrstüchtig ist das Auto nach der Kollision jedenfalls nicht mehr.
Als sie bei einer Werkstatt anhalten, glaubt Vahid (Vahid Mobasseri), der dort arbeitet, in dem Familienvater seinen Folterer Eghbal zu erkennen.
Wobei ihm das Erkennen nicht leicht fällt – schließlich waren ihm stets die Augen verbunden, wenn der Geheimdienst-Mann ihn verhörte.
Allerdings trug er eine Beinprothese; deren Quietschen hat sich so tief in Vahids Gedächtnis eingegraben, dass er sich sicher zu sein glaubt.
Fraglicher Amputations-Zeitpunkt
Er folgt Eghbal und entführt ihn in die Wüste. Als dieser dort sein eigenes Grab schaufeln soll, gelingt es ihm, bei Vahid Unsicherheit zu wecken. Er sei nicht der Gesuchte, versichert Eghbal:
Schließlich sei sein Bein erst vor kurzem amputiert worden; Vahids Inhaftierung hingegen liege offenbar länger zurück.
Der reagiert, indem er Eghbal ausknockt und in seinem Lieferwagen versteckt. Zurück in Teheran, sollen andere Ex-Gefangene Vahids Zweifel ausräumen.
Kunst+Film-Redaktion
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Hamid (Mohamad Ali Elyasmehr) Ali (Majid Panahi) und Golrokh (Hadis Pakbaten) warten in einem offenen Lieferwagen mitten in der iranischen Wüste auf ihre Mitfahrer. Foto: Les Films Pelleas
Die Gruppe diskutiert im offenen Lieferwagen in der Wüste. Foto: Les Films Pelleas



