Erstmalig wird eine bisher unbekannte private Kunstsammlung umfangreicher in Berlin ausgestellt. Das Besondere dieser Ausstellung liegt neben der Herkunft vieler Werke aus privater Hand auch in ihrem konsequenten inhaltlichen Fokus.
Die Ausstellung versammelt überwiegend Werke aus der PECADI-Kunststiftung des SammlerEhepaars Drs. Carmen und Dietmar Peikert und ergänzt sie durch ausgewählte Arbeiten befreundeter und prominenter Künstlerinnen und Künstler.
Als private Sammlung, die über Jahrzehnte gewachsen ist, bewahrt sie künstlerische Schätze und unterstützt das Schaffen von Künstlerinnen und Künstlern. Kuratiert von Dr. Anna Havemann werden diese Werke erstmals in Berlin in dieser thematischen Konzentration öffentlich zugänglich gemacht.
faces of mind im Haus. Kunst.
Mitte. rückt den Kopf als malerisches Experimentierfeld in den Mittelpunkt. Die gezeigten Arbeiten verstehen Gesicht und Mimik nicht als klassisches Porträt, sondern als Projektionsflächen emotionaler Zustände – von Angst, Trauma und Einsamkeit bis hin zu Freude und ekstatischem Glück.
Das Gesicht erscheint dabei zugleich als Spiegel des Inneren und als Maske des Verborgenen.
Die Ausstellung entfaltet sich in acht Kapiteln, die gegensätzliche Pole aufrufen – von Form und Verformung über Schärfe und Unschärfe bis hin zu Verhüllung und Darstellung.
Im Zusammenspiel der Werke entfaltet sich das vielschichtige Bild des Kopfes als Ausdrucksträger innerer Zustände und künstlerischer Freiheit.
In über 200 Darstellungen des menschlichen Kopfes aus über fünf Jahrzehnten zeigen Künstlerinnen und Künstler, wie Form und Emotion, Oberfläche und Tiefe, Wahrnehmung und Identität immer wieder neu ausgelotet werden.
Die Ausstellung versammelt Werke in Malerei, Skulptur, Zeichnung und Fotografie und macht deutlich, wie sich unser Verständnis von Sich-Erkennen, Emotionalität und gesellschaftlicher Realität mit der Zeit verändert.
Ein Wandel, der sich gleichzeitig in den Blicken der Kunstschaffenden wie der Betrachterinnen und Betrachter spiegelt und lebendig wird. Der Blick ist mehr als reines Sehen. Er spiegelt, wie wir die Welt deuten.
Die Ausstellung lotet zugleich die Schnittstelle zwischen Kunst und Neurowissenschaft aus und rückt die Frage ins Zentrum, wie Emotion, Erinnerung und Erfassen im Gehirn entstehen und warum uns Gesichter so unmittelbar bewegen.
Viele beteiligte Künstler:innen verwandeln innere Prozesse, Unruhe oder biografische Erfahrungen in sichtbare Gestalt und machen Zustände erfahrbar, die sich sprachlicher Beschreibung entziehen.
Kunst wird so zum Resonanzraum zwischen innerer Wirklichkeit und äußerer Form. Kunst hat selbstreflektierende, neuronal wissenschaftlich nachgewiesene Wirkung; für die Kunstschaffenden und das Publikum.
Diese Verbindung ist bei der Schau faces of mind elementar. Hier begegnet man Ärzten, die Sammler sind, Künstler, die sammeln und Wissenschaftlern, die Kunst zum Anlass für Hirnforschung oder Psychoanalyse nutzen.
In der Ausstellung wird ein Gespräch über Kunst und Gehirnforschung von Boris Pofalla (Autor) und Prof. Dr. Moritz Helmstaedter (Max-PlanckInstitut für Hirnforschung, Leibnizpreisträger) als Video zu sehen und hören sein.
Kunstwerke können eine entscheidende Rolle dabei spielen, Menschen zu helfen, mentale Zustände zu verstehen, indem sie eine visuelle Sprache bieten, um komplexe Emotionen auszudrücken und zu erforschen, Stereotypen in Frage zu stellen und Dialog und Reflexion zu fördern.
Durch ihre einzigartige Fähigkeit, auf einer tiefen und viszeralen Ebene zu kommunizieren, haben Kunstwerke die Kraft, das Bewusstsein, das Einfühlungsvermögen und das Verständnis für die eigene psychische Gesundheit zu steigern.
Es wäre wünschenswert, wenn die Betrachtung der Werke dieser Sammlung und der ergänzenden Leihgaben mit ihrer besonderen thematischen Ausrichtung einen Beitrag zum Sinnverständnis und der Wirksamkeit der Kunst liefern kann.
Ausstellung 16. Januar – 11. April 2026
Das Besondere dieser Ausstellung liegt neben der Herkunft vieler Werke aus privater Hand auch in ihrem konsequenten inhaltlichen Fokus.
Samstag, 14. Februar 2026 | 17 Uhr
Reading and Talk „KopfSache"
Hanns Zischler (Schauspieler) im Gespräch mit Drs. Carmen und Dietmar Peikert und Maler Emmanuel Bornstein über „Das Urgeräusch" von Rainer Maria Rilke
Der Schauspieler Hanns Zischler liest einen wenig bekannten Rilke-Text:
Das "Ur-Geräusch" (oder "Urgeräusch") ist ein zentraler Begriff aus einem berühmten Aufsatz von 1919, in dem Rainer Maria Rilke (1878 - 1926), die Idee des Phonographen aufgreift und metaphorisch die Aufzeichnung von Geräuschen der menschlichen Schädelnähte vorschlägt – eine Art Urklang der Existenz oder das Geräusch des Anfangs.


(c) PECADI Stiftung, Fotograf: Michael Lüder
(c) PECADI Stiftung, Fotograf: Michael Lüder



