Gesellschaft Freunde der Künste
Blutige Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts

Die mörderische Denunziations-Logik der "Großen Säuberungen" unter Stalin, in "Zwei Staatsanwälte"

Radikal nüchtern ist die Inszenierung von "Zwei Staatsanwälte", und dadurch umso eindringlicher. Mit der Adaption einer Novelle, die ein Gulag-Insasse schrieb:

Ein idealistischer Jurist versucht 1937 einem zu Unrecht Inhaftierten zu helfen - und stürzt dadurch selbst ins Unglück.

Die mörderische Denunziations-Logik der "Großen Säuberungen" unter Stalin legt Regisseur Sergei Loznitsa erbarmungslos präzise bloß.

(Kinostart: 18.12.) Wenn das der Führer wüsste: Ein junger Staatsanwalt, der einem Häftling helfen will, wird in Moskau beim obersten Dienstherrn vorstellig – das kann in der Sowjetunion 1937 nur böse enden. Regisseur Sergei Loznitsa verfilmt die Novelle eines Gulag-Insassen als beklemmend präzise Parabel.

Im Unterschied zur florierenden NS-Vergangenheitsbewältigungs-Branche sind Auseinandersetzungen mit dem Stalinismus im Kino spärlich gesät. Teils aus nahe liegenden Gründen:

Im heutigen Russland wird die Stalin-Ära glorifiziert, nicht kritisch durchleuchtet.

Teils aus Ignoranz:

Osteuropäische Filme über diese Epoche, etwa „Marias Schweigen“ (2024) aus Lettland über ein prominentes Terror-Opfer oder „Mr. Jones“ (2019) von der polnischen Star-Regisseurin Agnieszka Holland über die Hungersnot in der Ukraine 1932/33 kamen hierzulande nicht auf die Leinwand – obwohl beide auf der Berlinale liefen.

Zumindest reguläre Kinostarts erhalten die Werke des ukranischen Regisseurs Sergei Loznitsa, der seit 2001 in Deutschland lebt. Er ist eine Art Ein-Mann-Kommando zur Totalitarismus-Aufarbeitung:

In rund einem Dutzend Dokumentar- und sechs Spielfilmen zeichnet er die blutige Gewaltgeschichte des 20. Jahrhunderts und ihre Auswirkungen auf die europäische Gegenwart nach.

Dabei beleuchtet er alle Seiten gleichermaßen: stalinistische Schauprozesse („Prozess“, 2018) ebenso wie Massaker von SS-Einsatzgruppen an Juden

(„Babyn Jar. Kontext“, 2021) oder Flächenbombardements im Zweiten Weltkrieg („Luftkrieg – Die Naturgeschichte der Zerstörung“, 2022).

Vier Dekaden bis Veröffentlichung

Nun hat Loznitsa eine Erzählung von Georgi Demidow (1908-1987) verfilmt. Der sowjetische Physiker war 14 Jahre lang im Gulag interniert.

Sein Kurzroman von 1969 wurde gemeinsam mit seinen übrigen Arbeiten 1980 vom KGB beschlagnahmt und acht Jahre später seiner Tochter zurückgegeben.

Erst 2009 erschien „Zwei Staatsanwälte“ im Druck – vier Jahrzehnte nach der Niederschrift.

Kunst+Film-Redaktion

Copyright Publishing Company Heilwagen GmbH
Angersbachstraße 12
34127 Kassel, Deutschland/ Germany
Tel. +49 – 561 – 80 99 3
Fax. +49 – 561 – 89 83 47

Ja, ich möchte Inhalte von Youtube angezeigt bekommen. Ich bin einverstanden, dass dadurch meine personenbezogenen Daten an den Betreiber des Portals, von dem der Inhalt stammt, weitergegeben werden, so dass dieser mein Verhalten analysieren kann. Weitere Informationen finden Sie in unserer  Datenschutzerklärung.

Zwei Staatsanwälte - Offizieller Trailer, ab 18.12.25 im Kino