Mit einer Bühnenadaption von Iris Sayrams autobiografischem Roman »Für euch« zeigt das Staatstheater Augsburg ab Donnerstag den 7. Mai 2026 die neueste Arbeit seiner Leitenden Regisseurin Nicole Schneiderbauer.
Begleitend zur Uraufführung wird ein installativer Kunstraum im Kühlergebäude auf dem Gelände des Augsburger Gaswerks eröffnet, der Bühnenbild und Ausstellung in einem ist.
Die begleitenden Veranstaltungen machen – ganz im Sinne der Inszenierung – »Geschichten, die (nicht) erzählt werden«, sichtbar und erfahrbar.
Autorin & Werk
Iris Sayram, Rechtsanwältin und Korrespondentin im ARD-Hauptstadtstudio, hat mit ihrem autobiografischen Roman »Für euch« ein ebenso zärtliches wie schonungslos ehrliches Buch über ihre Kindheit im Köln der 1980er- und 1990er-Jahre geschrieben.
Mit klarem, unsentimentalem Blick verbindet Sayram die persönliche Geschichte ihrer Familie mit einer präzisen gesellschaftlichen Analyse:
Ihr Roman erzählt von Migration, Klassismus und sozialer Ungleichheit als eng miteinander verflochtenen Erfahrungen – von Armut, Scham und dem schmerzlichen Gefühl, nicht selbstverständlich dazuzugehören.
Greifbar wird dabei der zermürbende Alltag zweier Eltern, die ihrer Tochter trotz schwierigster Verhältnisse Räume von Freiheit und Selbstbestimmung eröffnen wollen.
Sie haben wenig, doch sie haben einander, eine innig geliebte Tochter und den unbändigen Willen, ihr ein glückliches Zuhause zu schaffen – ein Anspruch, der ihnen große persönliche Opfer abverlangt.
Inszenierung & Ansatz
Regisseurin Nicole Schneiderbauer inszeniert »Für euch« im Kühlergebäude auf dem Augsburger Gaswerksgelände als ebenso unmittelbare wie vielschichtige Raumerfahrung.
In einem installativen Bühnenraum voller Erinnerungen, Spuren und Geschichten entfaltet sich eine Inszenierung, die entwaffnend ehrlich und ungeschnörkelt ist, aber auch von feinem Humor und versöhnlicher Wärme getragen wird.
Dabei interessiert die Regisseurin vor allem, »wie wir im Theater Geschichten erzählen können, die dort sonst eigentlich nicht stattfinden.
Wie können wir dem Nicht-Erzählten Raum geben, persönliche Geschichten fühlbar und begreifbar machen, ohne in Voyeurismus oder Betroffenheit abzudriften?«, so Nicole Schneiderbauer über ihre Herangehensweise.
Dieser Anspruch setzt sich auch in der Gestaltung des Bühnenraums fort: Dessen Details wurden in einem gemeinsamen künstlerischen Prozess mit den Teilnehmenden der Workshop-Reihe »Für Euch / Für Mich« entwickelt (Bühne & Kostüme: Miriam Busch) und verleihen dem Abend eine besondere Authentizität und Nähe.
Die multimediale Gestaltung von Fotografin Natalie Stanczak erweitert diesen Raum zu einer Art Familienalbum: Bilder, Fragmente und visuelle Erinnerungen verdichten sich zu einem poetischen Geflecht aus Biografie und kollektiver Erfahrung.
Das Publikum befindet sich dabei mitten im Geschehen und wird selbst Teil dieses Erinnerungsraums. Verstärkt wird diese intensive Form der Nähe durch In-Ear-Kopfhörer, über die zusätzliche Texte unmittelbar hörbar werden.
So entsteht ein Theatererlebnis, das nicht auf Distanz betrachtet, sondern körperlich, emotional und gedanklich durchschritten wird – getragen von den vier Schauspielensemble-Mitgliedern Elif Esmen, Ute Fiedler, Jannis Roth und Mehdi Salim.
Ausstellung & Begleitprogramm
Der Inszenierung vorausgegangen ist ein partizipatives Workshop-Programm der Vernetzungsplattform Plan A am Staatstheater Augsburg. Unter dem Titel »Für Euch / Für Mich« sind Kunstwerke und Texte entstanden, die in die Gestaltung des Bühnenraums eingeflossen sind.
Der so entstandene installative Kunstraum wird auch außerhalb der Vorstellungen für Begegnungs- und Austauschformate geöffnet und am Sonntag, den 10. Mai 2026, im Rahmen einer Vernissage in Anwesenheit der Künstler:innen eröffnet.
Vernissage der begleitenden Ausstellung: So 10.5.26 20 Uhr
In Verbindung mit Inszenierung und Ausstellung veranstaltet Plan A im Rahmen der »Respekt!«-Reihe am Dienstag, den 19.5.2026 gemeinsam mit der Stadtbücherei Augsburg und dem Büro für gesellschaftliche Integration einen Abend zu Klassismus und sozialer Herkunft als Diversity-Dimensionen.
Bei einer Doppellesung mit anschließendem Gespräch sprechen Betiel Berhe über die Verbindung von rassistischer Ausgrenzung und klassenbezogener Ungleichheit und Francis Seeck über Wege zu einer antiklassistischen und sozial gerechteren Gesellschaft.
Die Moderation übernimmt Christiane Lembert.
Lesung in der Stadtbücherei: Di 19.5.26 19 Uhr


Iris Sayram



