In völlig anderen Zeiträumen denken die Liebhaber von Gingko-Bäumen: Sie können mehr als 1000 Jahre alt werden. Ein Prachtexemplar steht im Alten Botanischen Garten von Marburg; als stummer Zeuge von drei Episoden in drei Generationen.
Regisseurin Ildikó Enyedi, Berlinale-Siegerin 2017 mit "Körper und Seele", verwebt in "Silent Friend" mit leichter Hand Pflanzen-Neurowissenschaft und metaphysisches Geraune.
(Kinostart: 15.1.) Ihr Freund, der Baum: Ein Ginkgo im Botanischen Garten von Marburg verbindet Menschen aus drei Generationen miteinander.
In ihrem bildgewaltigen Essay-Spielfilm fragt Regisseurin Ildikó Enyedi nach unserem Verhältnis zu Pflanzen – und gibt statt klarer Antworten viele Anregungen.
Pflanzen sind für das Leben auf unserem Planeten essentiell. Trotzdem sind die Beziehungen zwischen Mensch und Flora überwiegend von Ignoranz, Nützlichkeitsdenken und ästhetischen Empfindungen geprägt. Wir leben, so scheint es, in unterschiedlichen Sphären.
Haben Pflanzen ein Bewusstsein? Nehmen sie uns überhaupt wahr? Wie kommunizieren sie miteinander? Das relativ junge Forschungsfeld der Pflanzen-Neurobiologie hat auf diese Fragen noch keine eindeutigen Antworten gefunden.
Die ungarische Regisseurin Ildikó Enyedis stellt nun in ihrem originellen Film „Silent Friend“ einen stattlichen Ginkgobaum in den Mittelpunkt.
Ein Baum, drei Epochen
Er wächst im Alten Botanischen Garten von Marburg und dient als verbindendes Element dreier Erzählebenen – ein stiller Beobachter des menschlichen Treibens im Lauf eines guten Jahrhunderts.
Ginkgobäume, die älter als tausend Jahre werden können, stammen aus China und kamen erst im 18. Jahrhundert nach Europa.
Der Baum ist ein „Fremder“ in seiner Umgebung. Das hat er mit den drei menschlichen Protagonisten des Films gemeinsam, die ebenfalls Außenseiter sind.
Kunst+Film-Redaktion
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Im Jahr 1972 erfährt der Student Hannes (Enzo Brumm) durch den achtsamen Umgang mit einer Pflanze eine tiefgreifende Veränderung. Foto: © Pandora Film
Die Studentin Gundula (Marlene Burow) trifft 1972 an der Uni Marburg auf Hannes (Enzo Brumm, vorne Mitte). Foto: © Pandora Film
Neurowissenschaftler (Tony Leung Chiu-wai) liebt den mächtigen Ginkgo im botanischen Garten der Universität. Foto: © Pandora Film



