Dagegen muss im Leben von "Madame Kika" eine schnelle Lösung her. Plötzlich stirbt ihr Partner; die Sozialarbeiterin steht schwanger mit einer Tochter da und kann die Miete nicht mehr aufbringen.
Also wird sie nolens volens zur Domina - und bemerkt bald, dass ihr neuer Job manches mit dem alten gemeinsam hat.
Das verfilmt die belgische Regisseurin Alexe Poukine spektakulär unspektakulär und klischeefrei; in der Hauptrolle glänzt Manon Clavel.
(Kinostart: 15.1.) BDSM als Fortsetzung von Sozialarbeit mit anderen Mitteln: Nach einem Schicksalsschlag wirft eine Sozialamts-Mitarbeiterin ihren Job hin und wird Domina.
Wunderbar klischeefreie Tragikomödie aus Belgien über weibliche Selbstermächtigung mit hervorragender Hauptdarstellerin.
Es beginnt wie eines der schnörkellosen Sozialdramen der belgischen Regie-Brüder Jean-Luc und Pierre Dardenne:
Kika (Manon Clavel) erscheint morgens an ihrem Arbeitsplatz im Sozialamt, drängt sich durch wartende Antragsteller, wimmelt den einen ab, sagt dem anderen Unterstützung zu, grüßt kurz ihre Kollegin und legt dann los.
Klienten befragen, Formulare ausfüllen, Tipps geben oder vertrösten – Kika wirbelt nonstop, doch der Strom der Hilfesuchenden reißt nie ab.
Auch daheim hat Kika alles im Griff. Ihr langjähriger Partner Paul (Thomas Coumans) ist ein perfektionistischer Künstler und Designer; also kümmert sich Kika um die gemeinsame Tochter Louison und was noch so im Haushalt anfällt.
Immer in Action, stets souverän und dabei mit ironischen Bemerkungen auf den Lippen; bis diese hochtourige Routine unversehens unterbrochen wird.
Wie Multikulti-Romcom der Brüder Dardenne
In einer Fahrrad-Werkstatt trifft sie auf den Schwarzen David (Makita Samba) – und verliebt sich sofort.
Ihm geht es genauso, doch beide sind gebunden.
Fürs erste Stelldichein weichen sie in ein plüschiges Stundenhotel aus. Alles ist perfekt, alles verläuft wie im Rausch.
Kika wagt den Sprung: Sie trennt sich von Paul, der ihr bemerkenswert viel Verständnis entgegen bringt, und zieht mit David zusammen. Als hätten die Dardenne-Brüder zur Abwechslung eine Multikulti-Romcom gedreht.
Debüt mit Slip-Verkauf für 100 Euro
Damit ist es nach einer halben Stunde plötzlich vorbei. David stirbt an einem Schlaganfall, und Kika steht vor einem Scherbenhaufen.
Ihr Gehalt reicht nicht für Wohnungsmiete plus Lebenshaltungskosten, zudem ist sie schwanger; also muss sie mitsamt Tochter bei ihren Eltern unterkommen.
Was trotz guten Willens bei allen Beteiligten nicht ganz einfach ist, wenn etwa Großvater eine Stunde lang erklärt, wie man eine Spülmaschine einräumt.
Ein Zweitjob als Fischverkäuferin bringt Kika außer Überlastung wenig ein. Da erinnert sie sich an eine Sozialamts-Klientin, die übers Internet gebrauchte Slips verkaufte – für 100 Euro.
Beim ersten Versuch gerät sie an einen dickleibigen Unterwürfigen, der ihr das Doppelte bietet, wenn er beim Rollenspiel ihre Stiefel lecken darf. Von nun an kommt Kika im Rotlicht-Milieu rasch voran: als Domina, da sie sich nicht penetrieren lassen will.
Kunst+Film-Redaktion
Copyright Publishing Company Heilwagen GmbH
Angersbachstraße 12
34127 Kassel, Deutschland/ Germany
Tel. +49 – 561 – 80 99 3
Fax. +49 – 561 – 89 83 47


Kika (Manon Clavel) posiert für ein Foto in ihrem Online-Profil. Foto: Little Dream Pictures
David (Makita Samba) und Kika (Manon Clavel) sind für einander entflammt. Foto: Little Dream Pictures
Kika (Manon Clavel) etabliert sich als Domina. Foto: Little Dream Pictures



