Das von der österreichischen Künstlerin Barbara Husar konzipierte und realisierte Projekt CARGO & INTERFACE mit kulinarischer Komposition von Paul Renner verwandelte den Bodensee am gestrigen Abend in eine bewegte nautische Konstellation aus Kunst, Navigation und Musik.
Das Publikum verfolgte die Inszenierung von den Passagierschiffen aus und wurde selbst Teil der dynamischen Konstellation.
Im Mittelpunkt der nautischen Konstellation standen Husars rosafarbener, 35 Meter hoher EUTER-Ballon, ein goldenes Kiesschiff mit einem Sextanten, dessen 5,30 Meter lange Achse auf den Nordstern als festen Referenzpunkt ausgerichtet war, sowie vier Passagierschiffe aus Österreich, Deutschland und der Schweiz.
Fünf Schiffe und ein Ballonkorb agierten als eine dynamische Bühne.
Die räumliche Anordnung rund um das goldene Schiff blieb während der gesamten Inszenierung in Bewegung und führte immer wieder zu überraschenden Konstellationen. Die einzige Konstante war die Ausrichtung zum Nordstern.
Mit großer Begeisterung verfolgte das staunende Publikum das Geschehen von den Passagierschiffen aus und wurde selbst Teil dieser außergewöhnlichen Inszenierung.
Die konzertante Konstellation – ein Zusammenspiel von Schiffen, Musikern, Wetter, Wasser, Bewegung und den Menschen an Bord – auf einem der bedeutendsten Trinkwasserreservoire Europas eröffnete ein poetisches Feld, in dem Infrastruktur, Naturraum und menschliche Orientierung neu lesbar wurden.
"Ziel von CARGO & INTERFACE ist es, den EUTER-Ballon über dem goldenen Schiff unter dem Nordstern erfahrbar zu machen. Zeitpunkt und Realisierung sind wetterabhängig.
Die Präsenz des Ballons nahe der Rotationsachse der Erde verweist auf Fürsorge, Fortpflanzung und das Genährt werden als elementare Erfahrungen der Mammalia." Barbara Husar
Wind und Wetter waren der Inszenierung gewogen
Geplant war, den Korb des EUTER-Ballons auf einem Floß am goldenen Schiff zu befestigen und gemeinsam auf den See hinauszuziehen.
Die Windverhältnisse machten dieses Vorhaben jedoch unmöglich. Stattdessen wurde der Nordwind selbst zum Mitgestalter der Inszenierung:
Der Ballon startete auf Höhe von Lochau und schwebte in geringer Höhe über den Bodensee direkt auf die aus drei Ländern zusammengeführte Schiffskonstellation zu.
Der musikalische Teil begann mit den Klängen der von Barbara Husar entwickelten Fulgurit-Flöte.
Vom goldenen Schiff antwortete Andreas Daum mit einer zweiten Fulgurit-Flöte und eröffnete einen musikalischen Dialog zwischen Himmel und Wasser.
Anschließend ging das Konzert in einen Alpsegen aus dem Ballonkorb über, vorgetragen von Mary Lou Ender und begleitet von einem Betruf-Trichter aus Gais in der Schweiz.
Den Abschluss bildete ein Joik – gesungen von Veronika Mietelska – zum Nordstern auf der MS Konstanz – eine Hommage an den Sextanten auf dem goldenen Schiff, dessen Achse dauerhaft auf den Nordstern ausgerichtet ist.
Den Ausklang der nautischen Inszenierung bildete schließlich eine klingende Sternfahrt in den Sonnenuntergang.
Für einen Abend wurde der Bodensee zu einem Interface, an dem Naturkräfte, Infrastruktur und menschliche Orientierung aufeinandertrafen und gesellschaftliches Verbundensein erfahrbar wurde.
Reflexion über das Verhältnis des Menschen zur Natur
Der Heißluftballon in Form eines Kuheuters ist Husars kraftvolle Reflexion über das Verhältnis des Menschen zur Natur.
Als Symbol für die Urquelle des Nährenden thematisiert die soziale Skulptur EUTER die allgegenwärtige Ausbeutung natürlicher Ressourcen. „Fliegend und auf 35 Meter vergrößert eröffnet sie Perspektiven, die unsere Wahrnehmung der Natur und unsere Beziehung zu ihr grundlegend verändern." Barbara Husar
Seit 2018 bewegt sich die soziale Skulptur von Barbara Husar durch unterschiedliche Landschafts- und Stadträume Europas.
Der Ballon überquerte die Alpen, schwebte über dem Stephansdom in Wien, dem Bahnhof Zoo in Berlin und dem Bodensee.
Als friedvolles Himmelszeichen für gesellschaftliche Transformation entfaltete er in diesen aperiodischen EUTER-Erhebungen mit einem Fassungsvermögen von 3000 Kubikmetern seine beeindruckende Präsenz.
Jede weitere EUTER-Erhebung wird zu einer performativen Expedition, die neue Perspektiven auf unser globales Zusammenwirken eröffnet.
Mit seiner Präsenz verstärkt er Pionierhaltungen in ressourcenschonendem Handeln und emotionaler Heilung. Barbara Husars soziale Skulptur EUTER wird so zum Sinnbild eines „evolutiven Bewusstseinssprungs", der den Menschen als Teil eines größeren Ganzen neu positioniert und einen Wendepunkt in unserer Beziehung zur Natur markiert.


Barbara Husar mit CARGO & INTERFACE am 25. Juni 2026 am Bodensee, Foto © Michael Häfner
Barbara Husar mit CARGO & INTERFACE am 25. Juni 2026 am Bodensee, Foto © Michael Häfner
Barbara Husar mit CARGO & INTERFACE am 25. Juni 2026 am Bodensee, Foto: © Elmar Bertsch
Barbara Husar mit CARGO & INTERFACE am 25. Juni 2026 am Bodensee, Foto © Michael Häfner



