Auf der 61. Biennale herrscht jedoch ständige Aufregung und Überfülle, wie immer. Was ein wenig verwundert: Die 2025 verstorbene Kuratorin Koyo Kouoh wollte die Mega-Schau gedämpfter, entschleunigter und poetischer gestalten - eben "in Moll", wie das Motto besagt.
Doch grelle Spektakel-Kunst behält beim Publikum die Oberhand, zeigt ein Rundgang über die "61. Biennale Venedig: In Minor Keys".
Kunstwelt in Moll: Die Biennale der 2025 verstorbenen Kuratorin Koyo Kouoh sollte eine Schau der leisen Töne sein.
Davon ist bei Tausenden von Werken nicht viel zu spüren – am meisten Aufsehen erregt Florentina Holzinger aus Wien mit nackten Performerinnen und Spektakeln zu allen Körperflüssigkeiten.
Einatmen. Ausatmen. Jetzt die Schultern entspannen und die Augen schließen. Dieses Achtsamkeits-Mantra gab Kuratorin Koyo Kouoh ihrem Publikum mit auf den Weg.
Sie versprach, die notorisch unter Kunst-Reizüberflutung ächzende Biennale von Venedig zu entschleunigen und leiseren Tönen Raum zu geben. Momente der Poesie und Inseln der Ruhe sollten entstehen, ohne das kritische Denken zu vergessen. Ist es gelungen?
111 Künstlerinnen und Künstler hat die erste afrikanische Kuratorin der Biennale ausgesucht; dazu kommen 99 angekündigte Länderbeiträge.
Kouohs globales Experten-Team musste schließlich tapfer alleine umsetzen, was die tragischerweise im Mai 2025 an Krebs gestorbene Vordenkerin angepeilt hatte.
So startet die Biennale diesmal tatsächlich in Moll: „In Minor Keys“, so der noch von Kouoh formulierte Titel.
Jury trat wegen Russland + Israel zurück
Dunkle Wolken zogen im Vorfeld auch politisch über der Lagune auf. Es hagelte Boykottaufrufe, Protestdemos und Ausschlussforderungen.
Im Streit um die erste Teilnahme Russlands seit dem Angriff auf die Ukraine 2022 und Israels Präsenz trotz des Kriegs gegen Gaza ab 2023 nahm die komplette Jury ihren Hut.
Die Folge: Der Goldene Löwe soll diesmal nur als Publikumspreis vergeben werden. Das könnte man als Demokratisierung der verknöcherten Preisvergabe begrüßen, wäre es nicht hilfloser Populismus, der einer weiteren Eventisierung Vorschub leistet.
Kunst+Film-Redaktion
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