Gesellschaft Freunde der Künste
Künstlerische Projekt COLORFUL THREADS

Kunstpreis HANNES MALTE MAHLER-Preisträgerin Farzane Vaziritabar

Kunstpreis HANNES MALTE MAHLER – it is art®: Farzane Vaziritabar zieht mit vielfältigen Kunstinterventionen ihren ganz eigenen Roten Faden durch Hannover


Das vielschichtige, aus 36 Positionen bestehende künstlerische Projekt COLORFUL THREADS lädt das Publikum über rund fünf Monate zum Mitmachen und Mitdenken ein

Wie selbstverständlich ist die Stadt, in der wir leben, und wie erleben wir die Orte, an denen wir uns täglich in der Stadt aufhalten? Und was wäre, wenn wir die Bedeutung dieser Orte aktiv verändern könnten?

Mit diesen Fragen macht die iranische Künstlerin und Trägerin des Kunstpreises HANNES MALTE MAHLER – it is art® Farzane Vaziritabar (*1987 in Yazd, Iran) Hannover zum Ort ihrer künstlerischen Erkundung.

Das vielschichtige Projekt von Ausstellungen, Interventionen, Performances, Installationen, Skulpturen, Zeichnungen und Cartoons mit dem Titel COLORFUL THREADS setzt sich mit der politischen Dimension urbaner Räume auseinander.

COLORFUL THREADS erstreckt sich über vier Ausstellungsorte im Stadtgebiet Hannover und insgesamt 36 Performances bzw. künstlerische Interventionen an verschiedenen Orten im öffentlichen Raum.

Farzane Vaziritabars Ausgangspunkt für COLORFUL THREADS ist der bekannte Rote Faden in Hannover, eine touristische Leitlinie, die Gäste zu allen Sehenswürdigkeiten der Innenstadt führt.

Davon inspiriert, verschränkt Farzane reale Plätze der Stadt in vielfältigen neuen Linien und macht zugleich imaginative und persönliche Bedeutungen sichtbar.

Im Zentrum steht die Frage, wie urbane Narrative entstehen und welche Geschichten im öffentlichen Raum sichtbar oder unsichtbar bleiben.

Farzane untersucht insbesondere die Rolle von Benennungen, Denkmälern und alltäglichen Orten als Träger kollektiver Erinnerung.

Der öffentliche Raum ist für sie kein neutraler Hintergrund, sondern ein umkämpftes Terrain. Orte tragen Geschichten in sich, sie sind geprägt von Benennungen und Erinnerungspraktiken.

Farzane greift in diese Ordnungen ein, verschiebt Bedeutungen und stößt Auseinandersetzungen über kulturelle Repräsentation an.

Sie untersucht, wie Orte benannt, erinnert und genutzt werden und welche Stimmen dabei systematisch ausgeblendet bleiben. Fragen nach Geschlecht, Repräsentation und kultureller Zugehörigkeit sind dabei zentral. 

Die Ausstellungen und Interventionen im öffentlichen Raum zeigen ein breites Spektrum an Formaten: Fotografien und Collagen, die urbane Details aus feministischer Perspektive neu rahmen,

Videoarbeiten mit dokumentarischen und performativen Elementen, Klanginstallationen, die Stimmen und Geräusche der Stadt erfahrbar machen, sowie skulpturale Arbeiten, die architektonische Strukturen in den Raum übertragen.

Interaktive Elemente laden Besucher*innen dazu ein, eigene Perspektiven einzubringen und bislang unbeachtete Orte sichtbar zu machen.

COLORFUL THREADS ist als offener Prozess angelegt, der sich im Verlauf der fünf Monate kontinuierlich weiterentwickelt.

Vor allem in den Performances im öffentlichen Raum untersucht Farzane die Bewegung, Wahrnehmung und Aneignung von Stadt und verschiebt die Grenzen zwischen künstlerischer Intervention und urbanem Alltag.

Das interessierte Publikum ebenso wie zufällige Passant*innen sind immer dazu eingeladen, sich spontan zu beteiligen und einzubringen.

Die künstlerische Erkundung Hannovers umfasst unter anderem vier Ausstellungen und 36 Kunstaktionen, Performances und Interventionen im öffentlichen Raum. 

•    Museum Wilhelm Busch, Titel:  BUSCH MEETS FARZANE VAZIRITABAR, 23. Mai bis 30. September 2026

•    Sprengel Museum Hannover, Titel: FROM LINE TO ACTION, 14. Juni bis 27. September 2026 

•    Portikushalle Niedersächsischer Landtag, Titel:  THE 40th SILENCE vom 22. Juni bis ca. 19. Juli 2026

•    feinkunst e.V., Titel: WEAVING THE CITY, 22. August bis 4. Oktober 2026
 

Zu den Aktionen gehören beispielsweise eine Frisbee-Spiel-Intervention am 24. Juni 2026 von 16 bis 18 Uhr – auf dem Platz vor dem Neuen Rathaus.

Dabei stellt Farzane die Frage "Verspielen wir unsere Menschenrechte?" Die Frisbee-Scheiben tragen aufgedruckte Artikel aus dem Grundgesetz und symbolisieren auf spielerische Weise Fragen zu Verantwortung und Menschenrechten.

Die Performance ist eine Einladung an die Passant*innen, kurz den eigenen Weg zu unterbrechen, eine Runde Menschenrechts-Frisbee mitzuspielen und dabei eine der wichtigsten Fragen unserer Zeit zu reflektieren.

Die partizipative  Intervention Weaving (Hi)stories am 19. Juni 2026 von 16 bis 18 Uhr verbindet die Ideen von Hannah Arendt und Clara Zetkin, um Vorstellungen von Freiheit, Widerstand und Identität aufzugreifen und Raum für geteilte, gemeinsame Geschichten eröffnen.

Die Aktion findet im Bereich zwischen Clara-Zetkin-Weg und Hannah-Arendt-Weg statt, die im Maschpark teilweise parallel verlaufen.

Die Performance Wofür stehen wir? am 14. Juli 2026 ab 17 Uhr vor dem Künstlerhaus in der Sophienstraße ist ebenfalls als partizipatives Format angelegt.

Zwischen den beiden steinernen (männlichen) Löwen am Treppenaufgang positioniert sich Farzane mit ihrem Körper als temporäres Gegenmonument.

Damit tritt die Künstlerin in direkten Kontrast zu den dauerhaften, repräsentativen Formen klassischer Denkmäler. Sie stellt die Frage, wie Kunst im öffentlichen Raum wahrgenommen wird und welche Rolle sie für gesellschaftliche Aushandlungsprozesse spielt.

Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, ihre eigenen Positionen einzubringen und die Performance aktiv zu erweitern.

So lässt Farzane einen temporären offenen Raum entstehen, in dem unterschiedliche Haltungen sichtbar werden und miteinander in Beziehung treten.

An Goethekreisel und Goethestraße verbindet die Performance Farzane Ludovisi Antike und Gegenwart, um Fragen von Weiblichkeit, Fremd- und Selbstzuschreibungen und gängigen Schönheitsidealen neu zu verhandeln.

Im Zentrum steht eine Nachbildung der monumentalen Juno-Büste aus dem Goethe-Nationalmuseum Weimar, die die Künstlerin auf dem Kopf trägt. Juno, als Göttin der Geburt, der Ehe und der Fürsorge, steht für tradierte Rollenbilder, die bis heute nachwirken, und klassische weibliche Schönheit.

Die Performance findet an einem zentralen Ort statt, der zwar einen großen kulturellen Namen trägt, im Alltag jedoch kaum mit klassischen Schönheits- oder Kulturvorstellungen verbunden ist.

Gerade dieser Kontrast rückt die Frage in den Fokus, welche Bilder von Weiblichkeit im öffentlichen Raum präsent sind und welche fehlen.

Die Performance (13. Juli, 16 bis 18 Uhr) stößt einen Dialog darüber an, wie kulturelle Zuschreibungen entstehen und wie sie sich verändern lassen.